Keine Zukunft, oder?

2  19.06.2006

Pro:
Starker Zusammenhalt innerhalb der Gemeinde

Kontra:
starre Strukturen, keine Weiterentwicklung möglich

Empfehlenswert: Nein 

mario_siegen

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Kurze Informationen
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Die katholisch-apostolischen Gemeinden sind eine christliche Gemeinschaft, die sich ab 1831 unter dem Eindruck endzeitlicher Prophezeiungen in England bildete.
Es wurden 12 Persönlichkeiten zu Aposteln berufen, deren Aufgabe es sein sollte, die Kirche auf das zweite Kommen Jesu vorzubereiten.

Nach einigen Unstimmigkeiten spaltete 1878 die Neuapostolische Kirche ab, die heute wesentlich bekannter als die katholisch-apostolische Kirche ist, und als größte deutsche christliche Sondergemeinschaft gilt.

Da nur die Apostel Ordinationen vornehmen durften und für verstorbene Apostel keine nachfolger berufen werden durften, können seit dem Tod des letzten Apostels, Francis Valentine Woodhouse, am 3. Februar 1901 können keine Ordinationen mehr vorgenommen werden. Die katholisch-apostolischen Gemeinden wurden daher immer weiter in ihren Aktivitäten eingeschränkt, bis schließlich Anfang der 1970er Jahre die letzten ordinierten Amtsträger hochbetagt starben.

In Deutschland und in anderen Ländern existieren daher nur noch wenige Gemeinden, deren Gottesdienste meist von Laienhelfern (manchmal gibt es noch sog. Unterdiakone) geleitet werden. Durch den Wegfall der ordinierten Geistlichkeit beschränkt sich ihre Liturgie auf diejenigen Handlungen, die auch Laienhelfer durchführen dürfen. Da die Predigtbefugnis an die Weihe zu einem Amt gebunden war, dürfen heute nur noch die Predigten aus der reichhaltigen homiletischen Literatur der katholisch-apostolischen Gemeinden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts verlesen werden.


Meine Erfahrungen
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Meine Großeltern und meine Eltern waren (bzw sind) katholisch-apostolisch, von daher war es nur logisch, dass ich auch als Mitglied der Gemeinde in meiner Heimatstadt aufwuchs. Allerdings konnte ich mich mit den starren, extrem hierarchischen Strukturen, dem "Nur-Vorlesen" alter Predigten (Grund siehe oben unter Infos) und dem "Frauen-dürfen-nur-mit-Kopfbedeckung-die-Kirche-betreten" nie so wirklich anfreunden.

Irgendwann kam dann der kirchliche Unterricht, in dem ich eines von immerhin fünf (!) Kindern und Jugendlichen aus unterschiedlichen Altersklassen war.
Nachdem der Unterdiakon, der den Unterricht anfangs leitete, verstarb, wurde der Unterricht von meinem Großvater übernommen. Meine Begeisterung darüber hielt sich in Grenzen, aber das dürfte wohl ähnlich sein, wenn ein Kind in der Schule von einem Elternteil unterrichtet wird. :-) Irgendwann wurde auch er krank, und es fand sich daraufhin kein Nachfolger mehr. So wurde ich dann in den Konfirmanden-Unterricht der evangelischen Gemeinde geschickt. In dieser Gemeinde fühlte ich mich eindeutig wohler, aber das will ich jetzt nicht weiter ausführen, da das eine andere Geschichte wäre.

Den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinde kann ich nur als sehr stark definieren. Das dürfte aber wohl auch hauptsächlich daran liegen, dass innerhalb der einzelnen Gemeinden (vor allem in den kleineren) jeder jeden kennt.


Mein Fazit
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Aus den oben genannten Gründen (siehe Infos) gibt es für die katholisch-apostolischen Gemeinden langfristig wohl keine Zukunft. Die größeren Gemeinden (z.B. Düsseldorf, Wuppertal-Barmen, Hamburg) haben zwar noch nicht so extreme "Nachwuchssorgen" wie die kleineren, aber vermutlich wird dieses Schicksal irgendwann alle katholisch-apostolischen Gemeinden ereilen.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Schmeling

Schmeling

31.01.2008 14:57

wäre auch kein Verlust

mario_siegen

mario_siegen

08.07.2006 10:43

@fantafrau: liegst da bei beidem richtig. :-)

dieFantafrau

dieFantafrau

08.07.2006 03:25

Von "katholisch-apostolischen Gemeinden" hab ich offen gestanden noch nie was gehört, aber ohne ordinierte Geistlichkeit ist es natürlich nicht unbedingt einfach für eine "katholische" Gemeinde - wobei sich "katholisch" ja wahrscheinlich in diesem Fall nicht zwingend auf die konfessionelle Prägung, sondern einen universellen Hintergrund beziehen könnte... Aber wer leitet denn dann die "Kirche auf Erden"? Auf jeden Fall sehr interessant, Dein Bericht, und ich hätte gerne noch mehr gelesen - insbesondere da Du ja Erfahrungen am eigenen Leib hast machen können! Und wenn ich nun mal von Deinem Nick her ein wenig weiter überlege, so klingt es fast ein wenig nach dem frommen Siegerland... (c; (Aber vielleicht bin ich da auch auf dem Holzweg...) LG, dieFantafrau

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