Unsere kleine Zicke
20.06.2005
Pro:
Katzen geben uns Menschen viel . . .
Kontra:
. . . und fordern es doppelt zurück . . .
Empfehlenswert:
Ja
 jenny784
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:46
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 33 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Es war Liebe auf den ersten Blick. Als er mich aus grünen, ungewöhnlich schräg stehenden Augen prüfend musterte, tapsig auf mich zustolperte und mit der winzigen Nase neugierig meine Hände abschnupperte, war es um mich geschehen. Meinem Freund erging es nicht anders. Wir waren dem kleinen 9 Wochen jungen Katerchen mit dem langen grau-schwarz getigertem Fell sofort verfallen. Schweren Herzens trennte sich die Vorbesitzerin von dem lebhaften Kerlchen, während wir ihn glücklich in den Transportkorb setzten und in sein neues zu Hause brachten . . . Snoopy war ein ruhiges Katzenkind. Er schlief viel, war anhänglich und ein echter Schmuser. Nur selten wurde er zu einem kleinen Teufel, der die Möbel ungeschickt hoch kletterte, Gegenstände mit dem Pfötchen von der Fensterbank schubste oder uns kratzte und biss. Wenn er seine wilden 5 Minuten hatte, reagierten wir eher nachsichtig, weil er ja sooo niedlich aussah . . . Er schien schnell zu lernen und wir glaubten sogar ab und an für einen Moment, dass wir ihn gut erzogen hatten. Er kannte schnell die Bedeutung von "Nein", wusste, was er durfte und nicht, versuchte aber trotzdem weiterhin seine Grenzen auszutesten.Das "Zubehör" war schnell besorgt und nicht allzu kostspielig. In einem Tiergeschäft kauften wir eine Katzentoilette ( ca. 7 € ), Katzenstreu ( z.B. Catsan, 10l für ca. 8 € ), einen einstöckigen Kratzbaum ( ca. 25 € ), ein gepolstertes Körbchen ( ca. 13 € ), ein Fressnapfset ( ca. 10 € ), sowie Futter ( Nassfutter: Schälchen à 100g ab 0,25 € ; Trockenfutter: 1kg ab 0,99 € ). Die erste Impfung ( eine gegen Tollwut und eine zur "Grundimmunisierung" ) kostete uns ungefähr 30 €. ( Man sollte jedoch beachten, dass jeder Tierarzt unterschiedliche Preise verlangt. ) Sie wurde nach 1 Monat nochmal wiederholt. Jährlich wird die erwachsene Katze ansonsten aber nur 1x geimpft. Eine Katze scheint also auf den ersten Blick recht günstig zu sein. Bei Snoopy sollten wir uns jedoch noch auf einiges gefasst machen . . . Alles begann mit ein paar schwarzen Krümeln, die wir im Fell entdeckten, die er aber von Anfang an hatte und zuerst als Dreckkrümel deuteten, da er sich ab und an im Garten unserer Eltern aufhielt. Der Tierarzt stellte bei der ersten Impfung jedoch fest, dass unser Kleiner Flöhe hatte. Mit einer Flüssigkeit, die man über längeren Zeitraum in den Nacken träufelt, sollte der Befall schnell behoben sein. Da uns der Tierazt aus einer großen Flasche etwas von dem Mittel abfüllte, kamen wir mit 5 € davon. Nach kurzer Zeit bekam Snoopy Durchfall. Täglich mehrmals. Wie unangenehm das ist, kann sich nur jemand vorstellen, dessen Katze das auch schon über Wochen hatte . . . Zuerst tippte der Tierarzt darauf, dass es Nachwirkungen der Impfung seien. Um den Wasserverlust auszugleichen, sollten wir dafür sorgen, dass unser Kleiner fiel trank. Zusätzlich bekamen wir ein pflanzliches Pulver, dass wir ihm mit Wasser verdünnt mit Hilfe einer Pipette einflößen sollte. Noch heute krieg ich Schweissausbrüche, wenn ich daran denke. Wir fochten regelrechte Kämpfe mit dem Kätzchen aus. Sah Snoopy nur allein schon die Pipette, musste man ihn durch alle Räume verfolgen, um ihn endlich einzufangen und zu behandeln. Doch alles war vergeblich. Das Pulver brachte nicht einmal eine minimale Besserung. Nun folgten pflanzliche Tabletten namens "Arsenicum album". Wir mussten sie zerkleinern und in Leckerchen "verstecken", damit er sie zu sich nahm. Schlau wie er war, nahm er das Leckerchen und spuckte die Tablettenstückchen wieder aus. 3x täglich mussten wir dieses Theater mitmachen. Der Kleine tat uns unheimlich leid. Er litt unter der Krankheit und dem ständigen Verabreichen von Tabletten. Da abermals keine Besserung auftrat, probierten wir nun Antibiotika namens "Ampitab Suspension" aus. Hier gab es keine Probleme bei der Verabreichung. Das süßlich riechende, flüssige Medikament träufelten wir ihm direkt ins Maul, was er sich gut gefallen ließ. Anfangs stellten wir eine Besserung fest. Doch kaum hatten wir das Medikament abgesetzt, fing die Misere wieder von vorne an. Erst nach 3-4 Monaten stellte der Tierarzt durch eine Stuhluntersuchung ( 60 € ) eine Art Futterallergie fest, die bei dem Kater zu dieser Krankheit führte. Von nun an bekam Snoopy nur noch Futter mit Geflügel. Die Marke ist dabei egal, Hauptsache, der Geflügelanteil ist am höchsten. Wenig später stellte der Tierarzt Wurmbefall fest. Alle Wurmkuren halfen nicht. Der Befall blieb. Es nahm nicht nur uns mit, sondern setzte auch den Kleinen einen enormen Stress aus. Fast wöchentlich saß er ja beim Tierarzt und wurde untersucht. Letztendlich wurde diagnostiziert, dass der Kater einen Bandwurm hatte, den er sich als Katzenbaby von seiner Mutter geholt haben musste. Durch eine Spritze konnte dem jedoch abgeholfen werden. Nach gut einem halben Jahr konnten wir aufatmen : Unser Kater war endlich kerngesund.Aufgrund unserer Erfahrungen würde ich mir nur noch eine geimpfte und entwurmte kleine Katze holen. Auch wenn wir Snoopy geschenkt bekamen : Die Folgekosten waren weitaus höher als die Schutzgebühr, die manche Besitzer nehmen! Inzwischen ist Snoopy fast ein Jahr alt. Die Ruhe, die ihn als kleines Kätzchen ausmachte, hat er ganz verloren. Manchmal vermute ich, dass das wohl durch den krankheitsbedingten Stress kommt, den er als kleines Katerchen hatte. Vielleicht liegt es aber daran, dass er halbtags alleine zu Hause ist, wenn wir beide unserem Beruf nachgehen. Es begann damit, dass Snoopy anfing, die Tapeten zu zerkratzen, Vorhänge hoch zu klettern und wild über Möbel zu springen. So manche zerbrechliche Dekoration ging dabei schon zu Bruch. Häufig klaut er auch Gegenstände, z.B. leichte Schuhe oder Stofftiere und kaut, wie ein Hund, genüsslich darauf herum. Auch fordert er neuerdings das Recht ein, mit uns im Bett zu schlafen. Manchmal wird er dann mitten in der Nacht jedoch wach und beginnt dann, unsere Füße zu zerkratzen und zerbeißen. Uns wurde empfohlen, ihn mit Bachblüten "ruhig zu stellen". Zwar sind diese pflanzlich, aber inzwischen lehne ich es eher ab, ihm noch mehr Medikamente zu verabreichen, nach allem, was er durch gemacht hat. Unser Snoopy ist eben ein Wilder und wir nehmen ihn so, wie er ist.Wenn er abends piepsig mauzend zu uns kommt ( er miaut immer noch wie ein Babykätzchen, was bei einem Kater seiner Größe recht lustig wirkt ) und sich müde auf dem Schoß zusammenrollt, vergesse sogar ich die schöne Glasvase, die er 2 Stunden zuvor noch krachend zu Boden warf. Manchmal sitzt er auf dem Wannenrand, wenn ich bade und versucht mit dem Pfötchen den Schaum zu fangen. Snoopy ist nämlich, im Gegensatz zu allen anderen Katzen, die ich kenne, überhaupt nicht wasserscheu. Ein Vollbad wäre vielleicht sogar ihm zuviel, aber wenn er die Möglichkeit hat, mit Wasser betröpfelt zu werden, nimmt er diese wahr. Fasziniert schaut er dann zu, wie die Tropfen seinen Rücken hinunter perlen. Für einen ausgewachsenen Kater frisst er nicht allzuviel. 2x täglich fordert er Nassfutter ein, Trockenfutter frisst er nur, wenn er nichts anderes bekommt. Ab und an bekommt er einen Klecks Joghurt, darauf ist er richtig wild. Auch einen Mc Chicken von Mc Donalds verfolgt er wie wild mit Blicken - und den Pfötchen. Leider ist das viel zu fettig für eine Katze, sodass er nur sehr sehr selten in den Genuss davon kommt. Allgemein bettelt er beim Essen jedoch nicht, da er von klein auf nie etwas vom Tisch bekommen hat. In diesem Punkt sollte man bei Katzen unbedingt konsequent bleiben ! Schließlich ist es nicht nur ungesund fürs Tier, sondern auch sehr unappetitlich, wenn die Katze beim Essen auf dem Tisch sitzt!Bei Snoopy muß ich auch sehr vorsichtig mit Pflanzen sein, da er diese grundsätzlich anknabbert. Manche Blumen sind bekanntlich giftig und so befindet sich in der Küche, in die er nur darf, wenn wir dabei sind, meine einzige "lebende" Pflanze. Ansonsten haben wir nur noch künstliche Pflanzen in unserer Wohnung, die interessieren ihn nämlich nicht. Snoopy ist größtenteils eine Hauskatze, manchmal nehmen wir ihn aber mit in den Garten, wenn wir unsere Eltern besuchen. Dann ist er vollkommen abgelenkt, nimmt uns nicht mehr wahr, sondern jagt Schmetterlinge, klettert Bäume hoch oder schläft genüsslich im Schatten. Hunde mag er recht gerne, da er den meiner Eltern von klein auf kennt und immer ziemlich freudig begrüßt ( umgekehrt übrigens auch ). Allerdings kann ich nicht garantieren, dass die Sympathie zwischen Hund und kleiner Katze immer gegeben ist. Da der Hund meiner Eltern mit Katzen groß wurde, haben wir es riskiert, dass sich die 2 kennen lernten. Üblicherweise würde ich es jedoch nicht auf einen Versuch ankommen lassen, Hund und Katze zusammen zu setzen! Als wichtig empfinde ich noch die Erwähnung des Körbchens. Dieses sollte die "Schutzzone" für die Katze sein. Hat sie etwas angestellt und zieht sich kleinlaut darin zurück, sollte man ihr diesen "Schutz" gewähren. Schläft sie darin, empfehle ich, das Tier keinesfalls zu stören. Die Hauskatze braucht einen Anlaufpunkt, einen Ort, wie eine Höhle, in den sie sich zurück ziehen kann, um ganz ihre Ruhe zu haben. Als Mensch kann man sich in einen Raum zurück ziehen und die Tür abschließen, das Tier hat normalerweise nicht die Möglichkeit, sich ganz für sich in der Wohnung zurück zu ziehen, selbst wenn es die Ruhe wünscht. Daher haben wir sein Körbchen zur sogenannten "Schutzzone" erklärt. Schließlich ist unser Snoopy eine kleine Zicke, die sich gern mal beleidigt zurück zieht . . .Auch wenn unser Kater sich häufig wie wild gebärdet und uns voll und ganz fordert, ist er das Beste, was uns passieren konnte. Ich habe den Bericht bewusst als Erfahrungsbericht ( und nicht als Anleitung zur Katzenhaltung ) verfasst, da ich dies als interessanter und aufschlussreicher erachte.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
Mehr über dieses Produkt lesen
|
|
02.08.2005 03:09
hab keine Katze :o)
15.07.2005 15:01
Das mit der Schutzzone wußte ich noch nicht. Noch haben die Katzen bei und i mhaus genug Platz, aber da es wahrscheinlich bald mit ner Kleinen Katze in eine neue Wohnung geht, ist es gut das zu wissen und sich dementsprechend drauf vorzubereiten. Ganz toller Bericht.
04.07.2005 20:21
Ich mag Zicken ... ;-) ... echt nen super Bericht, auch wenn ich einen Hund habe