Hurra, ich bin ein Sprachgenie
8. Dez 2003
Pro:
Nützt etwas auf jeder Reise
Kontra:
Nützt nichts, wenn man daheim bleibt
Empfehlenswert:
Ja
 negendank
Über sich:
Zwar freue ich mich über die vielen Wäschestücke, doch wenn einer B.H. nur mit B.H. kommentiert, fin...
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Nur weil ich nicht sagen kann, in wievielen Sprachen ich bereits kommuniziert habe, glauben einige, ich sei soetwas wie ein Sprachgenie. Seit es die Sprachführer der Reihe „Kauderwelsch“ gibt, benutze ich diese auf jeder Reise und somit habe ich in jedem Land auch schon Vokabeln der jeweiligen Landessprache verwendet. Bisher waren das 35 Länder. Die kleinen Bändchen von 200 bis 250 Seiten passen in jede Jackentasche. Es gibt sie inzwischen für mehr als 100 Sprachen und für jedes Land ist das Passende dabei. Das Cover ziert ein typisches Bild des Landes.Seit einiger Zeit kann man über Internet bestellen. Dazu der Link: http://www.reise-know-how.de/buecher/sprachindex.html Buch und Kassette kosten zusammen 15,80 Euro. Die Lieferung erfolgt per Post innerhalb von 3 – 4 Tagen. Man kann auch gegen Rechnung bestellen und ist damit auf der sicheren Seite. Bezahlt wird erst nach dem Erhalt der Sendung. Ohne die Kassette wird Porto berechnet und damit ist kaum etwas gespart. Die Sprache kennt weder Tricks noch doppelten Boden. Doch gibt es einen weitverbreiteten Denkfehler. Wir sagen „die Sprache“ in der Einzahl und behaupten, jemand „kann“ die Sprache oder er kann sie nicht. Mancheiner glaubt, man müsse „die“ Sprache perfekt beherrschen, um sie auch anwenden zu können. Damit stehen sich die Menschen selbst im Wege. Wer die Sprache nie übt, der wird sie auch nicht perfekt beherrschen und somit nicht anwenden können.Der Titel „Kauderwelsch“ erweckt den Eindruck als würde die jeweilige Fremdsprache nur auf unterstem Niveau vermittelt. Wer das einmal auf Reisen probiert, dem garantiere ich ein erstes Aha-Erlebnis. Die Einheimischen sprechen tatsächlich so, wie es bei Kauderwelsch drinsteht. Man muß sich nur einmal den Lebenslauf der Autorin oder des Autors durchlesen. Entweder Muttersprachler oder zumindest Deutsche, welche die jeweilige Sprache sehr gut gelernt haben. Das Prinzip von Kauderwelsch beruht auf dem Gedanken, daß die menschliche Kommunikation von einer bestimmten Situation abhängt. Zum Beispiel. Wenn ein Reisender im Restaurant essen möchte, dann ist das eine bestimmte Situation. Dafür gibt es einen Halbsatz: „Bitte bringen Sie mir ...“. Das entscheidende Wort muß noch ergänzt werden. Die Sprachführer enthalten jeweils ein Kapitel über Essen und Trinken. Darin wird die Küche des Landes beschrieben. Nun weiß der Reisende, was er will und bestellt entsprechend. Damit ist die Situation gerettet.Etwas allgemeiner gefaßt, gliedern sich die Sprachführer in drei Teile. Der erste Teil bietet einen Überblick über die Grammatik. Es fehlen die Übungen. Deshalb wird man die Grammatik nicht etwa aktiv beherrschen, doch kann man sie passiv wiedererkennen. Nun folgen Situationen, wie sie auf Reisen üblicherweise vorkommen. Diese werden durch Beispielsätze beschrieben. Die Sätze werden Wort für Wort übersetzt. So läßt sich der Satzbau durchschauen und dadurch wird der Lernende in die Lage versetzt, einzelne Wörter je nach Bedarf auszutauschen. Zum Schluß folgt ein Wörterverzeichnis, das sich auf die Beispiele bezieht. Die situative Vorgehensweise hat auch ihre Grenzen. Im Jahre 1997 bereiste ich Rumänien und seitdem befindet sich das Bändchen für Rumänisch in meiner Sammlung. Der Fall, daß ich auf meiner Homepage Texte auf Rumänisch veröffentlichen möchte, ist natürlich nicht vorgesehen. Stattdessen lernte ich auf Internet eine Rumänin kennen, die sehr gut Englisch gelernt hat und bereit war, meine Texte per E-Mail zu korrigieren. Einmal mußte sie sehr lachen. Ich wollte sagen: „Wenn Sie noch Fragen haben, dann schicken Sie mir eine E-Mail“. Irrtümlicherweise schrieb ich in ihrer Sprache: „Wenn Sie peinliche Affären haben, dann schicken Sie mir ein Postamt“. Das würde wohl manchen interessieren: ein Postamt für peinliche Affären. *g* Selbstverständlich wurde der Satz korrigiert. Gleichzeitig wollte die Frau wissen, wieviele Texte sie wohl insgesamt korrigieren müsse. Ich teilte ihr mit, daß ich meine fremdsprachlichen Texte für ein abgeschlossenes Kapitel halte. Neue Gedanken werde ich fortan auf Deutsch veröffentlichen.Etwas ähnliches gibt es auf Reisen. Man kann auf die Hilfestellung gutwilliger Einheimischer spekulieren. Doch wenn die Ansprüche sehr hoch sind, dann bleiben nur zwei Möglichkeiten. Entweder, man lernt die Sprache vollständig oder man bezahlt die Leistungen von Dolmetschern und Übersetzern. Wenn man die sprachlichen Mittel mit Werkzeugen vergleicht, dann bietet Kauderwelsch einen kleinen Werkzeugkasten zu einem kleinen Preis. Das halte ich für angemessen.Die situative Vorgehensweise bedeutet auch, daß man einzelne Kapitel überspringen kann, ohne daß das Verständnis darunter leidet. Wenn jemand eine Reise im eigenen Auto unternimmt, dann ist das eine Situation. Es ist eine ganz andere Situation, wenn jemand öffentliche Verkehrsmittel benutzt. Kauderwelsch behandelt beides. Es kommt jedoch selten vor, daß ein Reisender beide Wege gleichzeitig geht. Man kann sich also das Inhaltsverzeichnis durchlesen und sich selbständig überlegen, welche Kapitel einen etwas angehen. Es gibt Sprachen, welche in mehreren Ländern gesprochen werden. Beispiele sind Englisch, Spanisch oder Arabisch. Auch hier unterscheidet Kauderwelsch nach Ländern. Das liegt teilweise an der Berücksichtigung regionaler Dialekte. Teilweise ist es so, daß sich die Situationen von Land zu Land unterscheiden. In den Angeboten ist immer das Land vermerkt, für welches der Sprachführer gilt. Darauf sollte man beim Kauf achten.Umgekehrt stellt sich die Frage: wozu brauche ich überhaupt die Landessprache? Es gibt zwei Gründe. Zum einen läßt sich niemand dazu zwingen, im eigenen Land eine Fremdsprache zu gebrauchen. In einem anderen Land kann ich versuchen, Menschen auf Deutsch oder Englisch anzusprechen. Meistens führt das zu keinerlei Reaktion und ich werde damit wenig Erfolg haben. Umgekehrt ist es, wenn ich passiv angesprochen werde. Das tun schon einige auf Englisch. Meistens verwenden sie die englische Sprache aus beruflichen Gründen und meistens unterbreiten sie mir kommerzielle Angebote.Durch den Gebrauch der Landessprache kommt man mit Menschen zusammen, die weder mit Außenhandel noch mit Tourismus etwas zu tun haben. In vielen Ländern besteht die Unsitte, überhöhte Ausländerpreise zu fordern. Das beginnt schon auf Internet. Einmal wollte ich einen Urlaub in Italien planen. Die Webseiten in deutscher oder englischer Sprache zeigen die Standorte von Hotels und deren Ausstattung. Webseiten in italienischer Sprache zeigen Standort, Ausstattung und Zimmerpreise. Es ist allgmein so. Schon mit geringen Kenntnissen der Landessprache kann man sich genauer über Angebote und Preise informieren. Daraus ergeben sich Einsparungen und die sind in der Regel höher als der Kaufpreis des Sprachführers. Rein finanziell betrachtet ist die Bilanz positiv.Noch ein paar Worte zu den Kassetten. Zunge und Kehlkopf sind bei allen Menschen gleich. Jeder Mensch vermag jeden Laut auszusprechen, der in einer menschlichen Sprache vorkommt. Allein unser Gehör unterscheidet nur nach den Lauten unserer eigenen Sprache. Die Schwierigkeit mit fremden Lauten besteht darin, daß wir nicht wissen, was wir aussprechen sollen. Das zeigt sich auch bei Ausländern in der Bundesrepublik. Kürzlich war ich in einem chinesischen Restaurant essen. Die Rechnung betrug 11 Euro. Die chinesische Bedienung sagte jedoch „erf Euro“. Es wird behauptet, die Chinesen könnten kein R sprechen. Das können sie schon. Offenbar vermag das chinesische Gehör nicht zwischen „elf“ und „erf“ zu unterscheiden. Die Kassetten sind deshalb sehr hilfreich, weil man die Gelegenheit bekommt, sich in den Klang der anderen Sprache hineinzuhören. Damit lernt das Gehör, auch fremde Laute zu unterscheiden.FAZIT: Die Autoren bei Kauderwelsch können sich deshalb sehr kurz fassen, weil sie eine bestimmte Unterstellung treffen. Es wird unterstellt, daß der Benutzer oder die Benutzerin ein Mensch ist, der seinen privaten Urlaub im Ausland verbringt und bei der Gelegenheit Land und Leute kennenlernen möchte. Wenn das zutrifft, dann sind diese Sprachführer genau richtig. Andernfalls kann man Kauderwelsch auch als Einstieg betrachten. Wer höhere Ziele hat, der kann zu einem späteren Zeitpunkt immer noch zu weiteren Lernmitteln greifen und in der gewünschten Sprache nach Belieben dazulernen.
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11.12.2003 13:11
Ein sehr guter Bericht. Ich habe auch ein paar von der Serie und bin total begeistert. Für Neueinsteiger oder Urlauber, genau wie Du schreibst, eine super Sache. lg gracie-_2
10.12.2003 16:27
Interessanter Tipp, ich werde mir die Webseite mal ansehen. Allerdings geht es mir bei vielen deiner Texte so, dass ich sie zweimal lesen muss, da ich sie beim ersten mal nicht richtig verstehe.
09.12.2003 14:21
Hi, super Bericht. Sowas brauch ich aber nicht ... mit Englisch kann man sich eigentlich überall verständigen ... LG moeran999