Ciao, du Luder
22.10.2003
Pro:
Leicht, kräftiger Motor, angemessener Preis
Kontra:
ist nicht mehr die Jüngste
Empfehlenswert:
Ja
 koeter1097
Über sich:
Wenig Lust zu lesen, noch weniger Zeit zu schreiben.
Mitglied seit:11.09.2003
Erfahrungsberichte:62
Vertrauende:35
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 40 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
1. Modellgeschichte Die Kawasaki GPZ 500 S, interne Bezeichnung EX500A, erschien 1985 auf dem deutschen Markt. Es handelte sich bei ihr um ein Mittelklassemotorrad mit 495ccm Hubraum, Zweizylinder-Reihenmotor, Vierventil-Zylinderkopf und Wasserkühlung. Technisch angelehnt an die kurz zuvor erschienene und inzwischen legendäre GPZ 900 R, handelte es sich also um eine für die damalige Zeit recht anspruchsvolle Maschine. Dies zeigt sich auch an der – gemessen am Hubraum – hohen Spitzenleistung von 60 PS, zusätzlich waren noch Varianten mit 50 PS und 27 PS erhältlich. Die Drosselung erfolgte mittels Vergaserschieber, doch dazu unten mehr ;-). Natürlich verfügte auch dieses Mitglied der sportlich angehauchten GPZ-Baureihe über Kettenantrieb sowie ein Sechsganggetriebe. Besonderheit des Getriebes war (zumindest bei unserem 87er Modell), dass sich im Stand nur der erste Gang einlegen ließ, alle anderen Stufen waren dann gesperrt. Hintergrund: Vor der Ampel einfach bis in den ersten Gang runterschalten, wenn die Kiste steht, einmal nach oben, und der Leerlauf ist gefunden. Dass diese Nummer nicht nur Vorteile hat, sollte ich noch erfahren!
Die Maschine fiel mittelklassetypisch kompakt aus, die Sitzhöhe war niedrig, die Sitzposition für Kawa-Verhältnisse nur gemäßigt sportlich. Ungewöhnlich wirkt bis heute die seltsam zweigeteilte Verkleidung, bestehend aus einer Halbschale und einem „Frontspoiler“. Den Bereich dazwischen schienen die Kawasaki-Designer irgendwie vergessen zu haben, es hätte nur noch wenig Kunststoff zur Vollverkleidung gefehlt… An dieser Zweiteilung hielt Kawasaki zeitlebens fest, auch die einzig nennenswerte Überarbeitung des Modells anlässlich des 1995er-Jahrgangs hat daran nichts geändert. Das Design wurde dem Geschmack der 90er angepasst, erschien nicht mehr so rund, sondern kantig-aggressiv. Natürlich gab es auch statt der 27PS-Variante eine stufenführerscheinfreundliche 34PS-Version, die überarbeiteten Armaturen waren nun rund statt eckig und verkleidungs- statt lenkerfest, das war´s dann aber auch.
Heute weiß man, dass Kawasaki mit diesem Modell einen absoluten Volltreffer und Longseller vorgestellt hatte. Erst durch die Recherchen zu diesem Bericht habe ich erfahren, dass es die GPZ 500 S wohl 2003 nicht mehr neu zu kaufen gibt. 17 Jahre Bauzeit sind in diesem schnelllebigen Segment aber aller Ehren wert, oder? 2. Unsere GPZ 500 S
Ich habe mit meiner Frau 1995 den 1er-Schein gemacht, welchen Untersatz wir uns suchen würden, war lange unklar – sogar eine Vespa PX 200 war im Gespräch, aber wenn man erstmal „richtig“ Mopped gefahren ist… Die Wahl war letztlich dem Zufall zu verdanken, unser Fahrlehrer (grüß’ Dich, Theo) hatte eine GPZ zu verkaufen. Ein altes Fahrschulmotorrad, natürlich in gutem Zustand. Wer würde seinem Fahrlehrer nicht vertrauen?
Also stand sie bald vor uns. Weiß (metallic?), rot/schwarze Streifen, knallrote Sitzbank, ebenso rotes Koffersystem und noch 50 PS stark, 48.000km auf der Jacke, 4.000 DM teuer – kein Schnäppchen. Theo brachte sie noch über den TÜV, nicht ohne vorher den 27 PS-Drosselsatz zu montieren („da gibt es einen Trick“). Die erste Ausfahrt war natürlich aufregend. Die Kawa fuhr sich natürlich „älter“ als die während der Schulstunden geprügelte GS 500 E, sie gab sich etwas störrisch in Kurven, und ich musste mich mit meinen doch nicht so schrecklich langen 1,79m ziemlich zusammenfalten. Die Sitzhöhe war extrem niedrig, entweder wurde die Sitzbank zu fahrschulzwecken abgepolstert, oder die Karre war einfach im Laufe der Zeit in die Federn gesackt.
In Sachen Beschleunigung hat sie nicht gerade die Arme langgezogen, aber was will man von 27 PS schon erwarten. Aber ein bisserl mehr als 110 km/h Topspeed sollte doch drin sein, oder? Die Fehlersuche führt schon nach fünf Minuten zum Ergebnis: Luftfilter und Ansaugstutzen sind mittels Gummitüllen verbunden, die aber nicht vollflächig übergestülpt waren – vermutlich durch den Einbau des Drosselsatzes verursacht. Die Vergaserschieber müssen mit etwas Kraftaufwand eingedrückt werden, der Motor bewegt sich in seinen Lagern, die Tüllen rutschen ab. Die schlanken Hände meiner Frau schaffen es schließlich, dass der Motor keine Nebenluft mehr zieht. Nun machte sich der eingangs erwähnte „Einbautrick“, woraus auch immer er bestehen mag, bemerkbar. Die Kawa hatte nicht 27, nicht 34, sondern mindestens 50 PS. Für mein Empfinden ging sie wie die Hölle. Der Motor gab die typischen, harten Kawa-Töne der 80er von sich, also irgendwas zwischen Pleuellagerschaden und ungedämpften Ansauggeräuschen.
Sie machte Spaß - war leicht, wirkte nach einer Eingewöhnungsphase auch durch ihr Fahrwerk recht handlich. Die Bedienung gestaltete sich problemlos, allein der Blinkerschalter musste gefühlvoll in Nullstellung geschoben werden, mit einem einfachen Drücken war’s damals noch nicht getan.. Trotz der hohen Kilometerleistung kam auch bei „hohen“ Geschwindigkeiten kein unsicheres Gefühl auf, Autobahnkurven waren problemlos, allein in engen Spitzkehren zeigte sich das schon erwähnte, etwas störrische Handling bemerkbar. Als Führerscheinneulinge haben wir darauf verzichtet, das Fahrwerk im Grenzbereich auszuloten, die Begriffe fahrsicher, handlich und komfortabel beschreiben aber die wesentlichen Eigenschaften.
Die aufgezogene Metzeler-Bereifung konnte aus den gleichen Gründen weder angenehm noch unangenehm auffallen, bemerkenswert war allerdings der geringe Verschleiß. Ob der Grund hierfür in den konstruktionsbedingten Eigenschaften der Reifen oder in deren möglicherweise fortgeschrittenem Alter zu suchen war, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Mitte der 80er war es für ein sportliches Mittelklassemotorrad keine Schande, an der Vorderachse eine einzelne, nicht belüftete Scheibenbremse und hinten gar eine Trommelbremse zu präsentieren - damit schickt man heute ja kaum noch ein Fahrrad auf die Straße! Zum Abbremsen aus hohen Geschwindigkeiten kann ich aus den genannten Gründen nicht viel sagen, aber der Zweipersonenbetrieb mit Urlaubsgepäck hinterließ auch in hügeligen Gegenden kein unsicheres Gefühl, die Bedienkräfte blieben immer im grünen Bereich.
Die Sozia hat Platz genug, wenn sie nicht zu groß ausfällt, durch das Koffersystem ist die GPZ sogar tourentauglich, zumal auch die Halbschale den Winddruck recht gut abhält. Eine Funktion des Bugspoilers habe ich dagegen nie entdecken können. Alles war in Butter, so lange sie rannte! Die Freude dauerte allerdings nicht lange, sie soff immer wieder ab, gerne während der Fahrt. Es folgten diverse Instandsetzungsversuche einer uns empfohlenen Werkstatt, nicht zuletzt auf unseren eigenen Wunsch wurde immer nur das nötigste repariert.
Alle Einstellversuche, das Einschleifen der Ventile, Ersatz der Schaftdichtungen und ich-weiß-nicht-was-noch-alles-war halfen nicht, die Kawa blieb chronisch unzuverlässig. Es macht einfach keinen Spaß, wenn Du morgens losfährst und nicht weißt, ob es abends wieder bis nach Hause reicht. Der Frust wuchs und gipfelte in einer Beule im Tank – Resultat eines entnervten Faustschlags, doch ausgerechnet der war unberechtigt. Ich hatte das Mopped am Tag zuvor teilzerlegt, unter anderem den Tank abgenommen und einfach nur vergessen, hinterher den Benzinhahn zu öffnen…
Dazu kamen noch „normale“ Mängel wie z.B. eine defekte Batterie. Kein Problem, Mopped anschieben, im zweiten oder dritten Gang einkuppeln und die Karre läuft! Ja nee, is klar – aber wie hochschalten, wenn die Maschine steht, da gibt’s schließlich noch eine Sperre? Also erst anschieben, ab ca. 8 km/h kann man dann im vollen Lauf mit dem rechten Fuß hochschalten. So was fördert die motorischen Fähigkeiten! Schließlich fing der Motor an, im Bereich der Kopfdichtung Öl rauszuquetschen, die Auspuffrohre wurden unter der Verchromung auch schon dick. Wir haben die Kawa mit 58.000 km ohne große Verluste (natürlich abgesehen von den Reparaturen) wieder verkauft.
Heute denke ich, dass wir einfach nur Pech gehabt haben – letzten Endes hatte unsere GPZ wohl nur ein deftiges Vergaserproblem, ist dann aber nach und nach in der Werkstatt vermurkst worden. Mechanisch machte sie auf mich trotz des vorangegangenen und gewiss nicht lebensverlängernden Fahrschulbetriebs einen gesunden Eindruck. Vielleicht hätte ihr nur eine Generalüberholung beim Kawasaki-Händler gefehlt. 3. Fazit
Die GPZ 500 S ist für meine Begriffe schon heute ein Klassiker, der nicht nur für Einsteiger geeignet ist – nur zu groß sollte man nicht sein. Man erwirbt mit ihr ein Mittelklassebike, das zumindest motorisch noch immer mit neuen Maschinen mithalten kann. In Sachen Fahrwerk gibt’s heute besseres, beim Design aktuelleres, aber das dürfte Geschmackssache sein.
Neue GPZ 500 gibt es nun wohl nicht mehr, annähernd neue sollten nicht über 4.000 EUR kosten – ein fairer Preis für ein mittlerweile ausgereiftes und vielseitiges Motorrad. Viel Vergnügen!
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16.09.2005 08:48
Sehr gut geschrieben. Gruß Nico
02.02.2004 10:07
Hi! Auch nett geschrieben. Ich werd' mir gleich noch ansehen, was man 'ner Bandit so positives abgewinnen kann. *raetsel* Ich hatte in den 90ern mal 'ne ER5. Fuer meinen Geschmack - ist der gleiche Motor wie bei der GPZ - hatte sie (soundtechnisch) wenigstens etwas Charakter. Inzwischen bin ich akustisch "haerteres" gewoehnt. :))) Ja, die Wartung/der Pflegezustand. - Mein 500er H*nda-Strasseneintopf geht mit "echten" 27PS ca. 160 laut Tacho. Mit der scharfen Nocke (und den passenden Duesen natuerlich) laeuft er, da nicht laenger uebersetzt nur ca. 10km/h mehr, ist damit aber irgendwie beherzter unterwegs! ;-> Ist doch was wert, wenn man das Moped wartet und regelmaessig die Verschleisteile erneuert... CU DK
23.01.2004 16:11
Hi! Wegen des Kawa GPZ-Testbericht hattest du gefragt, was mir gefehlt hat. Also erhlich gesagt fand ich ihn zu lang. Zuviele Infos, auch zuviel "Story". Aber trotzdem insgesamt ein schöner Bericht. Aber in der Länge bin ich etwas untergegangen, habe einiges nur grob überflogen, konnte mich nicht so auf den Kern der Sache konzentrieren.