Ninja 1997 vs 2003 - schöner, schneller, härter
20.07.2007
Pro:
Leistung, Präzison, Bremsen
Kontra:
Fahrwerk und Sitzposition recht hart, Sozius mies
Empfehlenswert:
Ja
 karl_breg
Über sich:
Ingenieur & Denker; online seit 1987; selbständig. Interessen: Computer & Internet, Fotografie, Auto...
Mitglied seit:23.05.2006
Erfahrungsberichte:8
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Als "alter Hase" mit 25 Jahren Motorraderfahrung hatte ich mir 2004 eine Ninja ZX-6R der ersten Baureihe angeschafft (1997) - um (u.a. nach Moto Guzzi und Ducati) einmal auszuprobieren, was die "Seifendosen"-Japaner so zu bieten haben. Die Qualität der 97er war gut, nach meinem Eindruck besser als zB Suzuki, der Motor mit brauchbarer Leistung ab mittlerer Drehzahl, das Fahrwerk etwas kippelig, aber ganz komfortabel. Das Bike mag beim Erscheinen eine Sensation gewesen sein, mich riß es emotional nicht vom Hocker - allerdings habe ich mich nicht an den Grenzbereich (auf der Rennstrecke) heran gearbeitet und habe es mehr zum Cruisen benutzt.
Im Sommer 2006 sah ich dann ein günstiges Angebot für eine 2003er Ninja und .. oops, schon war sie meine. Design: Gefällt mir sehr viel besser, ohne bunte "Blitze" etc, weniger zerfurcht - nur grün, einfach und klar und mit deutlicher Keilform. Der Auspuff, bei der 97er aus Blech unschön schwarz lackiert, ist hier aus Edelstahl, und noch nicht wie beim 2005er Modell unter den Sitz gelegt. So wirkt die 2003 Ninja fast klassisch, ohne den Zwang zum Futuristischen (den ich zB bei BMW so lächerlich finde).
Fahrwerk: Die Sitzposition ist hier deutlich sportlicher als bei der 1997er, das heisst viel Gewicht nach vorn, enger Kniewinkel. Das bedeutet viel "Integration" des Fahrers in die Maschine, und da am Vorderrad auch eher "die Musik spielt", auch bessere Rückmeldung. Das wird durch die Fahrwerksabstimmung unterstützt, "hart aber gerecht", man spürt die Straße recht direkt, ohne aber durchgeschüttelt zu werden. Mit 1,88 Länge liege ich etwas über der Durchschnittlänge, vielleicht kam mir die Maschine auch deshalb etwas eng vor. Da man in Berlin unvermeidlich durch den Stadtverkehr muss, um die Landstraße zu erreichen, hatte ich anfangs schnell schmerzende Hände - und den Gedanken, einen höheren Lenker zu montieren. Da werden zB Superbike-Kits angeboten - die es aber mit dem Hochlegen etwas übertreiben, eine alternative ist vielleicht noch "Variobar", womit man die Stummel verstellbar ein paar Zentimeter hoch setzen kann. Aber der Körper lernt ja, da wachsen bald Muskelchen und die Schmerzen waren nach ein paar Wochen weg.
Objektiv bleibt aber die Feststellung, dass die vordere Gabel und vor allem das hintere Federbein für 95% der Strecken zu hart sind. Und das selbst bei meinen 95 Kilo - der 70-Kilo Fahrer wird das also noch viel deutlicher spüren. Vielleicht wollte Kawa hier deutlich machen, dass dies ein Bike für "harte Jungs" ist, aber ganz richtig ist das nicht: Vom geringeren Komfort mal abgesehen springt das Vorderrad dann und hat auch schlechteren Kontakt. Es wirkt der gleiche Effekt wie bei zu tief gelegten Autos: Springen bedeutet weniger Haftung und damit auch weniger Kurvengeschwindigkeit. Von miesen Straßen mal abgesehen macht das Fahren auf der Landstraße aber viel Spass, die Vorderrad-nahe Position gibt Vertrauen und Kontrolle, sodass man bald zügiger unterwegs ist. Bremsen: Spitze, bissig aber gut dosierbar, bei langsamer wie schneller Fahrt, auch null Fading. Stahlflex-Bremsleitungen sind IMHO nicht notwendig, der Druckpunkt ist hart genug. Beim harten Bremsen wird das Hinterrad, auch wegen der Sitzposition, öfter mal "leicht" oder hebt sich, daher sollte man den Fuß schön vom Bremspedal weg lassen, denn wenn's hinten blockiert liegt man schnell auf der Nase.
Soziusfahren kann man auf der 2003er Ninja praktisch vergessen, gegenüber den Vorgängern ist der Platz kleiner und härter, der Kniewinkel enger - und es fehlt ein Griff. Völlig gaga ist das LCD-Instrument, die Drehzahlanzeige hat bei Tageslicht einfach zu wenig Kontrast - hat man kurz danach wohl auch bei Kawa erkannt und spätere Modelle wieder mit mechanischem Zeiger ausgestattet. Super ist dagegen das Licht, viel besser auch als bei der 97er Ninja. Auch sonst ist die Verarbeitung gut, keine rostigen Schrauben, gute Funktion und Ergonomie, Bedienung und Wartung bestens durchdacht.
Motor: Hier macht sich erstmal die elektronische Einspritzung positiv bemerkbar - wo die 97er nicht immer ganz spontan ansprang und im mittleren Bereich leicht verzögert Gas annahm, läuft die 2003er perfekt wie ein Elektromotor. Der konstruktive Aufwand ist auch erheblich, x Sensoren und Regler sind an der optimalen Gemischaufbereitung beteiligt - wer den Motor mal ausbauen muss, wird da Spass haben, aber so weit kam es bei mir nicht. Mit 636 Kubik hat der Motor (auch schon in der Vergaser-636A von 2002) 6% mehr Hubraum als die restliche 600er-Klasse, das kann also allein kaum für den guten Durchzug verantwortlich sein. Offenbar haben die Entwickler viel Gehirnschmalz investiert, um diese Leistungskurve hinzukriegen: Ab 2000 fahrbar, ab 4000 genug Kraft zum Überholen, und dann in kleinen Abstufungen bis 10000 steigt das Drehmoment weiter, wobei man problemlos bis 15000 drehen kann. Der Sound dazu ist (wohl auch durch eine asymmetrische Zündfolge) keinesfalls das 600er-typische Singen, sondern eine Art Knurren, was zusammen mit dem guten Durchzug auch beim niedertourigen Cruisen Spass bringt - der 6. Gang bleibt dann ab 80 km/h drin und man ist sehr lässig unterwegs, keine Rede von einer "nervösen" 600er. Mehr als 8.000 habe ich auf der Landstraße nur selten gedreht. Dazu nimmt der Motor sehr direkt Gas an, und er zeigt keinerlei Lastwechsel-Reaktionen (anders als bei manch anderen Einspritzern) - funktioniert einfach makellos. Die volle Leistung um 12.000 U/min habe ich nur selten und nur auf der AB eingesetzt - und flux ist man auf 250, und es ginge noch schneller. Der Ramair scheint sich wirklich bemerkbar zu machen, im obersten Drehzahlbereich hört der Druck nicht auf, fast wie bei einem Turbo - und ganz anders als bei der 97er Ninja, hier liegen Welten zwischen den Motoren, obwohl es nominell nur 98 vs 118 PS sind. Im normalen AB-Bereich, etwa beim Durchzug zwischen 120 und 180, macht sich aber der kleinere Hubraum im Vergleich zu 900/1000ern oder Zweizylindern (sei es Tourer oder Sportler) bemerkbar, hier müsste man ein oder zwei Gänge zurück schalten, um mitzukommen. Und wenn man doch mal einen Sozius mitnimmt, ist es mit der Lässigkeit auch vorbei, das deutlich höhere Gewicht verlangt höhere Drehzahlen, und das Wuseln etwa durch den Stadtverkehr wird anstrengend.
Rennstrecke: Hier ist die Ninja wieder mehr zuhause als die Vorgänger oder auch die 900er. Von Sonderfällen wie Nordschleife abgesehen ist der Belag meist gut, sodass die harte Gabel sich von der besseren Seite zeigt: Hartes Bremsen, Abwinkeln, Aufziehen ohne größeres Pumpen. Das merkt man auch als nur gelegentlicher Rennstreckenbesucher, so drehte ich auf dem Lausitzring und dem Sachsenring einige Runden und fühlte mich schnell sicher. Der griffige Belag und die weiten Auslaufzonen machen da Mut für größere Schräglagen. So lernt man die Grenzen gut kennen - das sei jedem Sportler-Fahrer empfohlen, gerade als Ersatz dafür, die Herausforderungen auf Landstraßen (oder beim Ampelstart) zu suchen. Übrigens fuhr ich dabei eher im hinteren Drittel des Fahrerfeldes und wurde zB auch mal von einem routinierten SV650-Fahrer und Ducatis abgeledert, die deutlich weniger Leistung haben. Tja, Übung macht den Meister, und so war ich auch nur auf der Start-Ziel-Geraden mit vollem Leistungseinsatz unterwegs, und bewegte mich sonst im Bereich zwischen 6000 und 10000. Dass die Ninja in den richtigen Händen zu den schnellsten Bikes gehört, kann man ja in diversen Tests nachlesen.
Reifen: An Nachrüstungen habe ich nur LSL-Sturzpads eingebaut - und einen Roadtec Z6 mit einem Gutachten eingetragen. Dies ist ein Tourensportreifen und unter (selbsternannten) "harten Jungs" verpönt. Aber wenn man die Tests liest, wird klar dies ist Unsinn: Nur im längeren Rennstrecken-Einsatz, wenn die Reifen sehr warm werden, bieten Sportreifen mehr Reserven (und damit ggf etwas bessere Rundenzeiten). Aber sonst hat ein Z6 häufig den besseren Grip als ein Sporttec oder Pilot Sport, vor allem wenn der Reifen nicht so warm ist - also auch zB nach einer Pause, einem Regenschauer, im Stadtverkehr und und und - somit ganz oft. Dann die längere Laufleistung - dass man alle 3.500 km, bei mir wäre das dreimal pro Saison, zum Reifenhändler fahren darf, ist doch ein schlechter Witz. Ich glaube da wird die diffuse Angst vorm "Wegrutschen" ausgenutzt, um den Reifenumsatz zu steigern. Da es den Z6 nicht als 120/65 sondern nur 120/70 gibt, ist ein Gutachten (60 E bei alpha-Technik, das pro Fahrzeug individuell ausgestellt wird, obwohl es natürlich für alle gleich ist, die Halsabschneider) und TÜV-Abnahme (30 E) notwendig. Aber das lohnt sich auch wegen der Dimension: 120/70 lenkt sehr viel besser ein und bietet mehr Kontrolle als der 120/65 - das sagen alle die den Wechsel gemacht haben. Mit dem Z6 fühlte ich mich absolut sicher und fuhr instinktiv höhere Schräglagen als mit der Pilot Sport-Originalbereifung. Schließlich wurde mir die Ninja dann (vor der Haustür !) im Sommer 07 geklaut - der Nachfolger ist eine Ducati ST2, über die ich in Kürze in einem eigenen Bericht schreiben werde.
Fazit: Design, Motor und Fahrwerk liefern ein sauberes Sport-Paket, das vom Cruisen bis zum ambitionierten Rennstrecken-Einsatz viel Spass bereitet. Die Einschränkungen durch die klare Sport-Ausrichtung sollte man dabei berücksichtigen.
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13.08.2007 10:00
Hallo, echt s.h.! ciaoi Hanser
30.07.2007 18:03
Guten Tag :)! echt sehr hilfreich! ciao Jot-Oh
21.07.2007 00:00
wellcome back im italienischen Lager ;-)