... Mir fielen dann die Memoiren der Geisha Kiharu in die Hände und vor die Augen.
Die junge Kiharu lebt im Tokio der Vorkriegszeit und ist eine sehr beliebte Geisha. Nicht zuletzt, weil sie hartnäckig alles daran gesetzt hat, die englische Sprache zu erlernen. Deshalb wurde sie häufig gebucht, ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von Australia19 über Kiharu - Memoiren einer Geisha / Nakamura, Kiharu 15. März 2001
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reale Geschichte
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Völlig begeistert von Arthur Goldens Bestseller "Die Geisha" war mein Interesse für dieses Thema geweckt. Also machte ich mich auf die Suche nach ähnlichen Büchern. Mir fielen dann die Memoiren der Geisha Kiharu in die Hände und vor die Augen.
Die junge Kiharu lebt im Tokio der Vorkriegszeit und ist eine sehr beliebte Geisha. Nicht zuletzt, weil sie hartnäckig alles daran gesetzt hat, die englische Sprache zu erlernen. Deshalb wurde sie häufig gebucht, wenn ausländische Gäste zu bewirten waren. Der ersten Abschnitt des Buches beschreibt Kiharus Geisha-Tätigkeit. Leider empfinde ich die einzelnen Kapitel als sehr ungeordnet. Sie sind nicht im chronologischen Ablauf geschrieben, sondern springen immer hin und her. Das macht das Lesen schon ein bißchen mühsam. Kiharu berichtet nicht nur von ihren verschiedensten Engagements, sondern auch von den Eigenarten und Lebensabläufen im Geisha-Viertel. Man bekommt einen guten Einblick in diese für uns Europäer doch sehr fremdartige Welt.
Durch Kiharus guten englischen Sprachkenntnisse wird irgendwann auch der Geheimdienst auf sie aufmerksam. Er möchte sie als Spionin einsetzen. Da sie aber keinesfalls ihre Kunden ausspionieren will, flüchtet sie in die Ehe und beendet somit ihre Geisha-Laufbahn. Sie heiratet einen jungen japanischen Diplomaten, der kurz nach der Hochzeit nach Indien versetzt wird. Dort geraten sie im Zuge eines heranziehenden Krieges nach einiger Zeit in Geiselhaft und werden mit anderen Ausländern verschleppt. Der erste Abschnitt des Buches endet mit der glücklichen Heimkehr nach Japan.
Der zweite Abschnitt behandelt nun die kommenden, schweren Kriegsjahre. Kiharus Ehemann wird nach Burma versetzt, sie bleibt hochschwanger in Japan zurück. Da der Krieg mit den USA immer heftiger tobt, fühlt Kiharu sich in Tokio nicht mehr sicher und geht mit ihrem kleinen Sohn und ihrer Mutter und Großmutter aufs Land. Dort muß sie hart arbeiten, um ihre Familie zu ernähren. Von ihrem Mann oder den reichen Schwiegereltern erhält sie kein Geld für den Lebensunterhalt. Dank ihrer Geisha-Ausbildung ist sie bald eine beliebte Ausstatterin und Zeremonienmeisterin für Hochzeiten. Nach Jahren auf dem Lande kehrt sie nach Kriegsende zurück nach Tokio, wo es wieder ihren Sprachkenntnissen zu verdanken ist, daß sie diverse Tätigkeiten ausüben kann, denn inzwischen gibt es viele US-Amerikaner, die nach gewonnenem Krieg in Japan leben und arbeiten.
Als ihr Mann, von dem sie jahrelang nicht wußte, ob er überhaupt noch lebt, endlich aus Burma zurückkehrt, bringt er eine Ehefrau und zwei Kinder mit. Er hat an Kiharu kein Interesse mehr und will auch seinen Sohn nicht sehen. In Kiharu wächst immer mehr der Wunsch, in die USA auszuwandern, weil ihr in Japan häufig Ablehnung entgegengebracht wird, weil sie früher eine Geisha war. Der zweite Abschnitt des Buches endet dann auch damit, daß Kiharu in die USA reist (und 20 Jahre nicht mehr nach Japan zurückkehrt).
Im dritten Abschnitt berichtet sie nun von ihrem abwechslungsreichen Leben in den Staaten. Sie liebt dieses Land als sehr offenherzig und tolerant (was ich nicht so sehr nachvollziehen kann). Sie ist sehr traditionsbewußt und kleidet sich immer noch wie eine Geisha mit Kimono und Obi. Dadurch fällt sie natürlich sehr auf, so daß sie viele Bekanntschaften und Freundschaften schließt. Sie lebt an mehreren Orten in den USA (New York, Florida, etc.) und übt die verschiedensten Tätigkeiten aus (japanisches Andenkengeschäft, Puppengeschäft, Beraterin bei der Oper, Model etc.), um immer genug Geld nach Japan schicken zu können.
Als ihre Mutter und Großmutter gestorben sind, holt sie ihren Sohn endlich nach New York. Doch das stellt sich als Fiasko heraus. Er haßt seine Mutter, weil sie eine Geisha war, was er als verwerflich einstuft. Er macht ihr das Leben zur Hölle und wird nach schlimmen Monaten wieder nach Japan zurückgeschickt.
Trotz allem beschreibt Kiharu ihre Jahre in den Vereinigten Staaten als ihre glücklichsten.
Der zweite und dritte Abschnitt sind auch wesentlich geordneter geschrieben als der erste. Alles in allem finde ich dieses Buch nicht so spannend und eingängig wie "Die Geisha" von Arthur Golden...aber dieses Buch hat natürlich einen anderen, entscheidenen Vorteil...es beschreibt das wahre Leben! Kiharu gibt es wirklich, die Geisha von Golden hingegen ist nur eine Romanfigur.
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