Blut ist auch nur eine Farbe ...
19.10.2003 (22.04.2004)
Pro:
kurzweiliger, unterhaltsamer und perfekt inszenierter Blutrausch der großartig Besetzt und mit einem ebenso großartigem Soundtrack ausgestattet wurde und ziertiert wo es nur geht .
Kontra:
Nörgler werden sich an Unrealismus und B - Movie Charme stören - alle anderen setzten sich nieder und genießen : einen starken Magen vorausgesetzt .
Empfehlenswert:
Ja
 der_dominator
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 159 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Wer derzeit mit Eis und Popcorn bewaffnet in den Reihen der kleinen und großen Lichtspielhäuser dieses Landes Platz nimmt läuft Gefahr sich zu verschlucken. Blutüberströmt sehen wir Protagonistin Uma Thurman alias „die Braut“ auf den Boden einer Hochzeitskappelle Mitten im Nirgendwo. Um Sie herum ein Chaos aus Blut. Dann drückt Bill ab. Bang, Bang. My Baby shot me down. Die Handlung des Vierten „Tarantinos” zusammenzufassen bedarf kaum mehr als eines Satzes um Verstanden zu werden. Werdende Mutter und ehemalige Profikillerin mit Wunsch nach Jobwechsel wird von ihren Kolleginnen am Hochzeitstag zusammengeschlagen; später erschossen, ehe sie nach 4jährigem Koma aus diesem erwacht und sich an ihren Peinigern, allen voran Bill, zu rächen. Details sind durchaus vorhanden, aber zunächst nicht weiter wichtig, denn Quentin erzählt nur auf den ersten Blick die Geschichte eines fürchterlichen Rachefeldzuges; insgeheim schafft er nicht mehr und nicht weniger als ein vor allem optisch imposantes Kunstwerk.
Zurück zu all den Süßigkeiten, wenn auch nur kurz, denn am ehesten kann man „Kill Bill“ mit einem cineastischen Knallbonbon vergleichen: was man bekommt, weiß man zunächst nicht. Öffnet man es, nach beinahe ins Unermessliche ansteigender Vorfreude, so explodiert das ganze mit einem lauten Knall und allerlei Dinge kommen zum Vorschein über die man sich im ersten Moment freut, weil man sie irgendwoher kennt [Kofferraumszenen, Red Apple Zigaretten etc.], oder eben völlig neu sind [das Einbinden eines Animies etwa]. Die Frage ob dies für einen „normalen“ Film wichtig ist oder einfach nur nett anzusehen ist, stellt sich nicht: „Kill Bill“ ist eine neunzigminütige Explosion. Wegräumen muss man nur das Popcorn unter dem Sitz und selbst das Übernehmen andere für einen … Sie ist sehr strapaziert wurden, die „schwere Geburt“ die sowohl Uma als auch Quentin durchmachten, letzterer vor allem deshalb weil erstere, seine Muse mit der er am Set „Pulp Fictions“ die Idee zu „Kill Bill“ hatte, schwanger wurde und die Dreharbeiten auf unbestimmte Zeit verlegt werden mussten. Schwangerschaftsstreifen oder etwaigen Nachwehen sieht man während der neunzig Minuten dennoch nicht, vielmehr großartige Kamerafahrten, überzeugende Schauspieler, Liebe zum Detail und unzählige Anspielungen an all die vielen Filme die dem Regisseur seinerzeit selbst so viel Freude bereiteten.
Es sei ein Film den er für sich selbst gedreht habe und alle anderen lade er ein mitzugucken, sagt der Vierzigjährige Quentin über sein „Baby“. Kurzum: „Kill Bill“ ist ein Film eines Fans für Fans und so schauen Realitätsfanatiker ebenso in die Röhre wie Zartbesaitete Kinogänger, wenn Uma durch die Luft wirbelt und im großen Finale etwa neunzig Yakuzas mehr oder weniger komplett über den Fußboden des Anwesens verteilt und in einem Meer aus Blut watet. Dies darf man im Übrigen ernst nehmen, denn an Blut mangelt es dem Amerikaner ebenso wenig wie an kreativen Einfällen. Der eingeschobene Animie, der die Vorgeschichte Oren Ishies erläutert, stellt dabei nur den Höhepunkt da, während chronologisches Zerstückeln der Handlung oder etwa die besagten Drehs aus dem Kofferraum hinaus, bereits als Markenzeichen Tarantinos gelten. „Kill Bill“ ist ein extrem blutiges, perfekt inszeniertes Rachemärchen. Wo sonst Dialoge den Großteil eines Filmes einnehmen, so sind es hier abgetrennte Gliedmaßen, Köpfe oder Schimpfworte en Masse; kein Wunder das „Volumne One“ keine Jugendfreigabe erhielt.
Dennoch ist der Film nicht etwa Menschenverachtend oder Gewalt verherrlichend. „Schuld“ daran ist die, und auch dies wurde schon so oft geschrieben, „operettenhafte“ Inszenierung, die irgendwo zwischen B-Movie und Comicfilm hin und herpendelt; bei den Miniaturszenen des Flugzeuges etwa erkennt man gar die Haltefäden; Charmant könnte man meinen - Kritiker schütteln, wie auch bei den oftmals übertriebenen Gewaltszenen den Kopf und bemängeln die einfach gestrickte Geschichte. Wenn sich der Bildschirm bei besonders blutigen Szenen Schwarz-Weiß färbt und die Szenerie wie ein Ölgemälde wirkt verzeihe ich dies, auch weil alle Charaktere nicht etwa skizziert sondern vernünftig vorgestellt bzw. eingeführt werden. Was sie nicht bemängeln können sind Unterhaltungswert, Originellität und Kurzweiligkeit die, allesamt zumindest in diesem Jahr, ungeschlagen bleiben. Aus den Augen eines kleinen Jungens ist der Film wohl einfach nur Cool. Ich bin ein solcher kleiner Junge, die Achtzehn bei weitem überschritten, und nachdem ich meinen ersten Tarantinofilm im Kino gesehen habe [Reservoir Dogs, Pulp Fiction und Jackie Brown blieben mir im Kino auf Grund meines Alters vergönnt] glänzen meine Augen.
Tarantino „Epos vor dem Epos“ [als Epos bezeichnet er selbst sein kommendes Projekt „Inglorious Bastards“ | der Autor] ist vielleicht der beste Film des Jahres. Vielleicht weil er sich über die Grenzen des Guten Geschmackes hinwegsetzt, vielleicht weil er bis in die letzte Rolle perfekt besetzt ist und mit einem grandiosen Soundtrack versehen wurde, vielleicht weil originell, kurzweilig und unterhaltsam wie selten ein Film ist, vielleicht weil der ganze Film ein einziges Zitat all der Samurai- und Spagetthiwesternfilme dieser Welt ist, vielleicht weil es technische Spielereien wie Splitscreens gibt und vielleicht weil einem das Schicksal „der Braut“ [dessen echter Name zumindest im ersten Teil immer „überpiept“ wird] einem Nahe geht und man ihr Handeln durchaus, wenn auch in übertriebener Art und Weise, zumindest Nachvollziehen kann. Vielleicht aber auch einfach deshalb, weil er eine Menge Spaß macht. In Worte fassen kann man es kaum. Göttlich und Großartig passen wohl ebenso wie Geschmackssache. Muss ich mich für eines entschieden wähle ich mit „Großartig“ die goldene Mitte und löse ein zweites Mal die Kinokarte, nur Schade das ich den wirklich gut gesetzten „Cliffhanger“ bereits kenne. Eins noch: Meine Freundin, allgemein hin eher Blutscheu und Zartbesaitet hat sich prächtig amüsiert. Sehr Empfehlenswert!
© der_dominator im Oktober 2003 - Teil der Serie „Blut ist auch nur eine Farbe“ - [10/10]
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13.01.2005 22:04
Ich liebe diesen Film!!! vlg Jazzy
15.01.2004 18:47
hat mir echt gut gefallen ... und sicherlich werd ich mir auch teil2 nicht entgehen lassen ... grüsse MOFFt
07.12.2003 00:55
hut ab gut geschrieben