Die Entscheidung war richtig!
06.05.2008 (13.11.2008)
Pro:
es kann helfen, dass man wieder zu einer Familie zusammenwächst
Kontra:
es ist eine sehr schwere Entscheidung
Empfehlenswert:
Ja
 Traumelfenkind
Über sich:
¸ڿڰ ۣ✿ Werde ich 2013 silber hier? ( 98600 Punkte fehlen) •°¤*(¯`°♥ ...
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Hallo! Ich möchte heute mal wieder ein paar Erfahrungen weiter geben zu einem Thema, welches gerade bei Familien wohl eher ein Tabuthema ist. Es geht hierbei um die Fremdunterbringung eines Kindes ganz oder teilweise. Bei der Fremdunterbringung kann man schon unterscheiden zwischen Fremdunterbringung teilweise, sowas trifft bei uns zu, nämlich wenn ein Kind für einen Teil der Woche anderweitig untergebracht ist, durch eine Stelle über das Jugendamt. Dann gibt es noch die Komplettfremdunterbringung, sprich Heim oder Pflegefamilie. In unserem Fall geht es darum, dass unser mittlerster Sohn in einer 5-Tages-Wohngruppe untergebracht ist. Warum es dazu kam, wie es uns, und vor allem IHM damit geht und wie es weiter gehen kann, das soll heute meine Thematik sein.
Vorgeschichte (kurz zusammengefasst) Unser mittlerster Sohn ist mittlerweile 13 Jahre alt, und in 2,5 Monaten wird er schon stolze 14. Das Leben mit ihm ist nicht immer leicht gewesen. Er ist ein Kind, welches unter AD(H)S leidet. Zum Thema AD(H)S will ich mich hier nicht weiter zu auslassen, das ist ein Thema für sich und dazu habe ich auch schon anderweitig was zu geschrieben. Nur kurz für diejenigen, die sich rein garnichts darunter vorstellen können. AD(H)S ist das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom in diesem Fall mit Hyperaktivität, deshalb das (H) . Ein Mensch der unter diesem Syndrom leidet, ja ganz recht, leidet, denn es ist eine Störung vom Gehirn aus und manchmal kann so ein betroffener Mensch sich einfach nicht so "steuern" wie wir "normalen" Menschen das können, und so passieren impulsiv oft Dinge, die der/die Betroffene so eigentlich nicht wollten. Allerdings sind jene Betroffenen oftmals sehr intelligent, und wenn sie wissen, was mit ihnen ist, nutzen sie oftmals ihre Störung auch aus und entschuldigen bestimmte Handlungen dann damit, dass sie es ja nicht wollten, es eben einfach passiert ist. Als Mutter solchen Kindes habe ich mit den Jahren gelernt, zu unterscheiden, ob etwas impulsiv, also aus dem Affekt heraus passiert, oder beabsichtigt. Und mein Sohnemann ist zwar ein wirklich guter Schauspieler, doch sein Minenspiel und seine Augen verraten mir oftmals, ob er wirklich in dem Moment steuern konnte was er tat/tut oder ob es impulsiv passiert ist.Nun ja aber jetzt mal weiter zur Vorgeschichte. Also Sohnemann hat uns in den letzten Jahren einiges an Kraft und Energien gekostet mit seinen ständigen teilweise provozierten, teilweise impulsiven Handlungen. Sowas geht nicht spurlos an die Betroffenen vorbei, wie ihr euch wohl vorstellen könnt. Und trotzdem haben wir immer versucht, unser bestes zu geben, ihm zu helfen wo es nur geht. Wir, also mein Mann und ich, sind nun mal seine Eltern, und egal was Sohnemann für Blödsinn macht, wir versuchen ihm zu helfen oder ihm Hilfe zu besorgen. Allerdings sind wir zum Ende des vorletzten Jahres an einem Punkt angekommen, wo wir gemerkt haben, egal was wir tun, Sohnemann nimmt unsere Hilfe kaum an und macht weiter wie bisher. Darunter litten auch unsere anderen beiden Kids. Seine ältere Schwester wurde schlechter in der Schule und machte damals eine wirklich "düstere" Phase durch. Sein jüngerer Bruder wurde immer stiller, fraß alles in sich rein und man kam kaum mehr an ihn heran. Um uns und auch die Kindern vor weiteren "Schäden" zu bewahren, griffen wir die Thematik Fremdunterbringung auf. Zumal uns ein Psychologe eh dazu geraten hatte, wir es aber wenigen Monate zuvor irgendwie noch nicht wahrhaben wollten. So kam es, dass wir im Januar 2007 mit unserer Jugendamtsfrau, also diejenige die vom Jugendamt für uns zuständig war, besprochen, unseren Sohn in eine 5-Tages-Wohngruppe zu geben um eben weitere Entwicklungsschäden, gerade bei unserem Jüngsten damit aufzuhalten. Es war ein langes Gespräch und die Frau vom Jugendamt war zum einen bestürzt, über die Entwicklung unseres AD(H)Slers in den letzten 3 Monaten, zum anderen versprach sie uns so schnell wie möglich zu helfen, da sie es sehr schätzte, dass wir von uns aus die Hilfe suchten, und nicht abwarteten, bis wirklich was passiert. Klar war uns nicht wohl dabei unseren Sohn auf unbestimmte Zeit in eine Fremdunterbringung zu geben, doch irgendwo muss man seine Prioritäten setzen. Und keinem ist damit geholfen, wenn man nach außen hin immer stark sein will und innerlich vollkommen am Ende ist.
Gespräch mit der Zuständigen Bearbeiterin beim Jugendamt Frau H. vom zuständigen Jugendamt gab uns sehr schnell einen Gesprächstermin und schon bald saßen mein Mann, Frau H. vom Jugendamt, zwei Mitarbeiter vom W. (die Familienhilfestelle über die mein Jüngster in einer Tagesgruppe ist und unser Mittlerster nun in der 5-Tages-Wohngruppe) und ich an einem Tisch. Alles was in den letzten Wochen und Monaten gewesen ist, wurde besprochen und auch warum wir uns nun doch dafür entschieden hatten, dem Rat des Psychologen, der damals für die Institution W. eine Familienanalyse erstellt hatte und eben eine Fremdunterbringung dringend angeraten hatte, nun doch Folge leisten wollten. Unsere Gründe waren einleuchtend. Und wir erfuhren dann an dem Tag, dass unser Sohnemann über die Institution W. bald einen Platz in der 5-Tages-Wohngruppe bekommen würde, allerdings würden sie derzeit das "Kinderhaus"(so nenne ich es hier mal in Zukunft) gerade noch umbauen und renovieren, es würde also noch bis etwa April dauern, bis ein Platz (Zimmer) im Kinderhaus für Sohnemann frei wäre. Uns wurde dann noch kurz erklärt wie es dann in Zukunft ausschauen würde. Sohnemann käme in diese Wohngruppe, in der damals 5 weitere Kinder untergebracht waren. Dort würde er von Sonntagnachmittag bis Freitagnachmittag verbleiben und wir müssten ihn freitags immer am Nachmittag abholen, und ihn am Sonntagnachmittag wieder zurück bringen. An den Wochenende sowie die Hälfte der Ferien wäre er bei uns zu Hause, die andere Zeit immer im Kinderhaus. Dort würde er ein eigenes Zimmer bekommen und psychologische Therapien, Verhaltenstherapien und eben unter Fachkräften bestimmte Verhaltensregeln erlernen, die wichtig sind für ein vernünftiges Zusammenleben. Am Schluss wurde noch vereinbart, dass wir uns den zukünftigen Zweitwohnsitz unseres Sohnes so bald wie möglich anschauen könnten, um uns selber ein Bild von den dortigen Örtlichkeiten zu machen. Nachdem alles Wichtige geklärt war, lag es nun an uns, wann uns wie wir es unserem Sohn beibringen würden.
Die Zeit bis zur 5-Tages-Wohngruppen-Unterbringung Es war nun noch eine Zeit von knapp 3 Monaten zu überstehen. Mit unserer Großen haben mein Mann und ich vorab schon gesprochen, sie sozusagen eingeweiht. Auch meine Eltern, meine Cousine, meine Tante (also alles Menschen die uns sehr nahe stehen) und auch unsere besten Freunde wurden eingeweiht und zu Rate gezogen. Wann sollten wir Sohnemann darauf vorbereiten? Wie würde er es aufnehmen? Würde er uns hassen? Würde er vollkommen durchdrehen? Ganz ehrlich? Wir hatten Angst davor und anfangs wussten wir auch nicht so Recht, wie wir Sohnemann das ganze erklären sollten, unseren Entschluss erklären sollten. Ich wusste von vornherein, dass es schwierig werden würde und wollte das Ganze so lange wie möglich hinauszögern, denn ab Mitte Februar wusste wir den Aufnahmetermin im Kinderhaus, es war 15. April 2007, und es war der Tage der Erstkommunion unseres Jüngsten. Wir ließen den Februar fast verstreichen ohne Sohnemann was zu sagen. Ende Februar kam es dann zum Tag der Enthüllungen, eigentlich eher unbeabsichtigt. Sohnemann hatte wieder mal Stress in der Schule gehabt, und nachdem er sich hat ärgern und provozieren lassen ist er einfach abgehauen aus der Schule, die riefen mich natürlich an (es war an einem Dienstag) und ich stellte ihn hier zu Hause zur Rede. Er versuchte es mit Ausflüchten und mit Lügen, doch ich ließ mich nicht beirren, weil ich vorher mit seiner Lehrerin gesprochen hatte und somit wusste was geschehen war. Ich konfrontierte ihn mit meinem Wissen und er flippte aus. Ich schickte ihn dann erst mal auf sein Zimmer, damit er seine Hausaufgaben machen konnte und ich mich erst einmal innerlich beruhigen konnte. Am späten Nachmittag dann ging es hier unten im Wohnzimmer weiter, er provozierte meinen Mann und mich, stritt mit seiner Schwester und irgendwann merkte er, dass wir uns nicht provozieren ließen, so hörte er auf und fuhr eine andere Schiene. Im Wohnzimmer mit seiner Schwester fing er dann an (ich war in der Küche, Essen kochen und mein Mann machte mit unserem Jüngsten noch die restlich fehlenden Hausaufgaben, die er in der Tagesgruppe nicht geschafft hatte zu ende) die Mitleidstour zu fahren. Unsere Tochter hatte, als er dann anfing, er wolle nicht mehr Leben und sowas, ihr Handy auf Aufnahme gestellt und nahm ohne Wissen ihres Bruders das Gespräch auf. In dem Gespräch erklärte er dann, dass er sich schon Gedanken gemacht hätte wie er sich selber umbringen könnte. Er meinte dann "Dann besorg ich mir eben Chinaböller von den Großen aus meiner Schule, zünde die an und halt sie mir in den Mund bis sie explodieren." Oder "Ich nehm mir ein Messer und schneid meine Pulsadern auf." Lange redeten die beiden miteinander und unsere Große wollte ihm das ganze ausreden, doch sie bekam es mit der Angst zu tun, stellte dann irgendwann das TV Gerät an (Spongebob *grusel ich hasse Spongebob*) und kam zu mir in die Küche, erklärte mir, was gerade gewesen ist und spielte mir die Handyaufnahme vor. Ich war sichtlich geschockt und mein Mann, der hinzukam auch. Da wir immer noch mit der Kinder -und Jugendpsychiatrie in Bad Salzuflen in Kontakt standen griff ich zum Telefon und sprach mit dem Diensthabenden Psychologen. Dies war in unseren Augen eine Eigengefährdung, was der Psychologe auch bestätigte, und wir sollten mit unserem Sohn umgehend vorbei kommen. Ich packte ein paar Sachen für Sohnemann ein und fuhr mit ihm in die KiPsy. Dort hatten wir ein langes Gespräch mit der Oberärztin vom Dienst. Ich hatte dann nochmal ein kurzes Gespräch mit der Psychologin alleine, in welchem ich ihr die Lage schilderte auch mit der Wohngruppe und wir beschlossen, unserem Sohnemann jetzt unter Aufsicht der Psychologin mitzuteilen, was in nächster Zeit auf ihn zukommen würde. Sohnemann fasste das was ich ihm sagte relativ ruhig auf, und doch auch irgendwie verstört. Wir vereinbarten, dass Sohnemann erst einmal 2 Tage zur Krisenintervention in der KiPsy bleiben sollte. So fuhr ich also danach alleine wieder nach Hause. Am Abend rief ich noch seine Lehrerin zu Hause an, erklärte ihr das Ganze und teilte ihr auch mit, dass Sohnemann erstmal bis Donnerstag oder gar Freitag in der KiPsy bliebe und er in jener Woche also nicht mehr zur Schule käme. Meiner Bitte sie solle in der Klasse nicht sagen, dass er in der KiPsy ist kam sie auch nach, offiziell war er also krank gemeldet. Als ich Sohnemann dann am Donnerstag wieder abholte, war nochmals ein Gespräch mit der Psychologin in welchem sie mir mitteilte, wenn es nochmals Schwierigkeiten gäbe solle ich mit Sohnemann wieder kommen. Nun galt es noch die letzten 6,5 Wochen zu überbrücken. In jener Zeit habe ich viel mit meinem Sohn gesprochen, anfangs warf er uns vor, wir würden ihn gar nicht lieben und nur froh sein, wenn er weg wäre. Aber er hörte sich unseren Standpunkt an, und dass es eben für ihn eine letzte Chance ist, in diese Wohngruppe zu gehen. Mit der Zeit schien er es auch irgendwie akzeptiert zu haben und kurz vorher stellte er sogar Fragen über das Kinderhaus, wir vereinbarten dann einen Termin dort, mit ihm, damit er sich dort umsehen konnte und seine zukünftigen Erzieher/Betreuer kennen lernen konnte. In den Osterferien 2007 hatten wir viel mit den letzten Vorbereitungen für die Erstkommunion unseres Jüngsten zu tun und wir waren irgendwie auch froh, dass die zukünftige Kontaktbetreuerin unseres Sohnes, ihn abholte damit die beiden sich näher kennen lernen konnten, und mit ihm einiges unternahm, dies erleichterte den Alltag für uns ungemein und Sohnemann und Frau R. konnten sich ausreichend beschnuppern.
Die Fremdunterbringung im Kinderhaus Am 15. April 2007 war es dann soweit. Morgens war die Erstkommunion unseres Jüngsten, es war eine schöne, feierliche Zeremonie und da ich als Tischmutter ja nicht ganz unbeteiligt an den Vorbereitungen gewesen bin, war ich auch nicht nur stolz als Mutter meinen Sohn bei dieser Zeremonie zu sehen sondern auch stolz als Tischmutter, dass es mit meinen Schützlingen so gut klappte. Nach der Zeremonie in der Kirche fuhren wir alle zu uns, da es ein heißer und trockener Tag war, hatten wir draußen unsere Laube auf Hochglanz gebracht, eine riesige Tafel aufgebaut und dann draußen gefeiert. Nach dem Mittagessen hatten wir noch etwas Zeit, ehe Sohnemann dann in sein neues Zweitzuhause gebracht werden musste. Seine Sachen die er benötigte waren schon größtenteils im Kinderhaus und so fuhren wir nach dem kaffeetrinken los, Sohnemann ins Kinderhaus bringen, kurz verabschieden und dann weiter zur Kirche zum Dankesgottesdienst. Während des Gottesdienstes war ich nicht ganz bei der Sache, gebe ich ehrlich zu, denn meine Gedanken weilten bei meinem Mittlersten. Danach ging es wieder nach Hause, wo es dann später bald Abendessen gab. Wir grillten und saßen mit den letzten Gästen und unseren Nachbarn noch sehr lange am Abend draußen zusammen.Die ersten Tage war es ungewohnt, dass Sohnemann nicht mehr da war. Es dauerte etwa 3 Tage bis wir alle merklich ruhiger wurden. Dann war aber auch bald schon das erste Wochenende und wir holten Sohnemann nach Hause. Es lief soweit ganz gut und Sonntagnachmittag beim wegbringen weinte Sohnemann, meinte er wäre lieber Zuhause, doch da mussten wir nun alle durch. In der zweiten Woche stand dann das erste Gespräch mit der Bezugsperson im Kinderhaus statt und wir besprachen die ersten Eindrücke. Von da an waren regelmäßige Gesprächstermine und wenn irgendwas Wichtiges anlag dann wurde immer gleich alles per Telefon geklärt. Die Zusammenarbeit mit den Betreuern und uns lief wunderbar und Ende Mai 2007 gab es ein sogenanntes Kennenlernfest im Kinderhaus, zu dem alle Familien eingeladen waren, die Kinder dort im Kinderhaus hatten. So lernten wir betroffenen Eltern uns kennen und wir lernten auch alle Betreuer kennen die im Kinderhaus beschäftigt waren. Auch die Nachtwachen waren dort so dass jeder jeden kennen lernen konnte. Das Kinderhaus bietet den Eltern durch regelmäßige Eltern-Kind-Aktionen die Chance mit dem Kind etwas zu unternehmen und somit wieder ein besseres Verhältnis zum Kind aufzubauen. Oftmals sind es Einzelaktionen zwischen Kind und Mutter und natürlich der Bezugsbetreuerin vom Kinderhaus, und eben mal zwischen Vater und Kind und Bezugsbetreuerin. Außerdem haben wir regelmäßig mit der Bezugsbetreuerin Eltern oder Familiengespräche in welchen dann Ziele gesteckt werden die es zu erreichen gilt, wichtige Dinge besprochen werden und einfach ein regelmäßiger Austausch von Erfahrungen stattfindet. Seit über einem Jahr nun lebt Sohnemann dort und ist nur am Wochenende oder in den Ferien zu Hause. Wichtige Arzttermine nehmen wir als Eltern natürlich immer noch wahr, aber so normale Untersuchungen wie Zahnarzt oder so, erledigen die Betreuer vom Kinderhaus. Wenn Sohnemann mal Schulfrei hat dann darf er sein verlängertes WE (meist hat er vor oder nach dem WE schulfrei) zu Hause verbringen und neulich als er wegen Gehirnerschütterung im Krankenhaus lag und dann Samstags nach Hause kam, blieb er die darauffolgende Woche (also letzte Woche) zu Hause, da eh nur 3 Tage Schule gewesen wäre und er mittwochs wegen dem Feiertag eh schon nach Hause gekommen wäre. Also wenn er ernsthaft krank ist, dann verbringt er die Zeit auch hier zu Hause, was ihm ja auch zeigt, dass wir uns um ihn kümmern und auch sorgen.
Wie geht es uns dabei? Nun dass uns die Entscheidung nicht leicht gefallen ist, dürfte jedem geneigten Leser klar sein. Welche liebenden Eltern geben ohne mit der Wimper zu zucken einfach so ihr Kind in Fremdunterbringung? Also für uns war es eine Entscheidung die uns sehr belastet hat, die uns innerliche Fragen aufwarfen, wieso es soweit kommen musste. Haben wir denn alles falsch gemacht? Haben wir versagt? Sind wir herzlos? Sind wir schlechte Eltern? Rabeneltern? Alles Fragen die uns belasteten, arg belasteten und ihr könnt mir glauben wir taten uns verdammt schwer mit der Entscheidung, waren unsicher. Auch noch, als Sohnemann dann schon dort lebte, waren wir unsicher, das richtige getan zu haben, zumal von seiner Seite her immer wieder versteckte Vorwürfe kamen, wir wollten ihn nicht mehr bei uns haben. Doch zwischen all den Fragen ob wir das richtige tun bemerkten wir auch, dass sich unser Alltag etwas entspannte, dass mein Mann und ich ruhiger wurden, gelassener, ausgeglichener und auch wieder etwas fröhlicher. Auch unsere beiden Kinder die noch zu Hause sind wurden entspannter. Unsere Große wurde wieder lockerer, fröhlicher und auch schulisch ging es wieder etwas bergauf mit ihr. Die größte Veränderung machte jedoch unser Jüngster durch. Anfangs war er noch arg verschlossen, manchmal sogar noch mehr als vorher. Er schien auch teilweise trauriger, was darauf zurückzuführen ist, dass er zwar unter seinem Bruder gelitten hat (seelisch) ihn nun aber doch arg vermisste. Doch so nach ca. 3 Wochen wurde der Kleine dann lockerer, kam mehr aus sich heraus und ließ uns wieder an sich heran, teilte sozusagen seine Tageserlebnisse wieder mit uns. Und so rückblickend auf das letzte Jahr kann ich wirklich sagen, unsere Entscheidung war richtig gewesen, denn wir alle haben wieder gelernt, lockerer zu sein und das Leben wieder mehr zu genießen.Wie geht es unserem Sohn dabei?Nun, nachdem Sohnemann schon über 1 Jahr in dem Kinderhaus ist habe ich auch schon viele Gespräche mit ihm gehabt. Er selber ist zwar froh, wenn er irgendwann wieder ganz daheim leben kann, einfach weil er sich zu Hause wohler fühlt und er weiß, dass wir ihn lieben und er auch uns liebt, doch er sieht selber ein, dass es eine richtige Entscheidung war, die wir gemacht haben. Er hat selber an sich die Veränderungen gespürt, merkt dass wir nun alle ganz anders miteinander umgehen, lockerer, offener und auch herzlicher wieder mit ihm. Er hat auch vor wenigen Wochen zu mir gesagt:" Mama, ich bin froh dass ihr mich nie aufgegeben habt und immer alles tut, um mir zu helfen, mir immer neue Chancen gebt. Ich liebe euch." Diese Worte haben sich so sehr in mir festgeprägt, sie zeigen mir, dass er selber sieht, dass wir ihm nie was Böses wollten, sondern immer nur ihm helfen. Diese Worte haben mich sehr berührt, sie gingen runter wie Öl, denn sie zeigen mir, dass er unsere Entscheidung auch mittlerweile als das ansieht, was es sein sollte, eine Hilfe für ihn und eine Entlastung für uns. Natürlich ist Sohnemann immer noch etwas traurig, wenn er zurück zur gruppe muss, doch er weiß, dass es nicht von Dauer ist und dass irgendwann der Punkt da ist, wo er wieder hier zu Hause bei uns ist, und zwar ganz.
Wie geht es nun weiter? Also wir haben regelmäßig alle halbe Jahr ein sogenanntes Hilfeplangespräch mit dem Jugendamt und natürlich seiner Bezugsbetreuerin und dem Leiter von der Institution W. in welchem gesteckte Ziele abgeklärt werden, wie sie erreicht wurden oder nicht erreicht wurden, was man verbessern könnte um sie zu erreichen oder welche neuen Ziele aufgestellt werden. Sinn und Zweck davon ist, zu erreichen, dass Sohnemann irgendwann wieder ganz zu Hause leben kann. Das nächste Gespräch steht im August an, und wenn die Sommerferien so gut laufen wie die letzten Ferien alle, dann wird Sohnemann zu den Herbstferien von der 5-Tages-Wohngruppe in die Tagesgruppe wechseln. Das bedeutet dann, dass er nach der Schule in die Tagesgruppe kommt, dort Mittagessen bekommt und Hausaufgaben macht. Freizeitaktivitäten mitmacht und zum Abend nach Hause gebracht wird. Er wird dann also jeden Abend zu Hause sein, hier schlafen und von hier aus zur Schule fahren, er wird wieder mehr ein Teil unseres Familienlebens, als nur am Wochenende oder in den Ferien. Dies wird dann nochmal so etwas 1-1,5 Jahre so laufen, je nachdem wie Sohnemann seine positive Entwicklung fortführt und dann ist er irgendwann ganz ohne gruppe wieder bei uns. Man kann natürlich jetzt nicht genau sagen wie lange dann die Tagesgruppe wirklich geht, es kann ja auch durchaus möglich sein, dass sie nur bis zu einem Jahr benötigt wird, hier liegt es ganz dabei, wie wir alle zusammen dann die gemeinsame zeit wieder zusammen meistern.
Abschließende Worte zum Thema Andere würden es als Fazit bezeichnen doch für mich sind es eher abschließende Worte, die sich an alljene richten, die eventuell selbst betroffen sind, wenn ihr alles versucht habt und dies der letzte Weg ist um noch eine Chance zu haben dass ihr irgendwann einmal wieder ein normales Familienleben führen könnt, so lasst euch beraten und helfen, nehmt notfalls eine Fremdunterbringung in Kauf, um euch und euren Kindern zu helfen. Natürlich kann niemand euch die Entscheidung abnehmen, doch aus eigener Erfahrung kann ich wirklich jedem nur raten, sich Hilfe zu holen, wenn man selber nicht mehr weiter weiß, und angebotene fachliche Hilfe auch anzunehmen, der Kinder zuliebe, irgendwann werden die Kinder einsehen dass es nur zu ihrem besten war.Für alljene die nun meinen mit dem Finger auf mich zeigen zu wollen. Bitteschön, tut euch keinen Zwang an, Menschen neigen ja eh dazu, andere zu verurteilen, sie in sogenannte Schubladen zu schieben und dann zu behaupten sie können es besser. Ja viele neigen sogar dazu, sich ein Urteil bilden zu wollen, ohne jemals in solchen Situationen gewesen zu sein. Aber wehe ihr kommt selber mal in eine ausweglose Situation, dann könnt ihr nur hoffen, auf Verständnis zu stoßen und nicht von jedem Vorverurteilt zu werden, wie ihr es vielleicht selber zuvor immer getan habt. Ich möchte mich nicht davon freisprechen auch Fehler gemacht zu haben, doch ich habe immer nur das Beste für meine Kinder gewollt und mir Hilfe geholt, wenn ich nicht mehr weiter wusste. Viele tun dies nicht, aus Scham davor, dass man sie einfach verurteilt und sie bezichtigt herzlos zu sein. Versetzt euch mal in die, Lage der Familien, die nicht mehr ein noch aus wissen, die aber nicht aufgeben und sich am Ende doch Hilfe holen um das Ruder nicht entgleiten zu sehen. Heute nach einem Jahr, kann ich wirklich sagen, ich stehe dazu, wie wir entschieden haben, denn wir sehen die Erfolge der Entscheidung. Jeder der meint, anklagend den Finger zu heben, kennt solche Lebenssituationen nicht und kann froh sein, wenn er es nicht kennen lernen muss. Familien die von sich aus sich Hilfe suchen, sind stärker als jene die nach außen hin immer einen auf heile Welt machen, und bei denen es in der Familie brodelt und überkocht. Irgendwann explodiert dieser brodelnde Kessel innerhalb der Familie, und wenn man dies nicht vorher verhindert hat, dann kann es vielleicht zu spät sein, dies sollte sich alle mal vor Augen führen. Nicht der, der Hilfe annimmt ist schwach, sondern der, der meint keine zu brauchen und sie doch bitter nötig hätte.Dieser Beitrag soll alljenen helfen, die nicht weiter wissen, die vielleicht vor einer Entscheidung stehen und Angst haben, Angst davor, was die Leute, die Nachbarn denken könnten. Hört auf eure Gefühle, auf euer Herz und nicht darauf was andere, Unwissende, denken und urteilen. Ihr seid verantwortlich für die Zukunft eurer Kinder, kein Nachbar, kein bekannter oder Fremder. Steht zu euren Entscheidungen und stärkt euch innerlich. Lasst euch nicht von anderen, die keinen Plan haben, was vorschreiben. Eure Kinder werden es euch irgendwann danken! So und diesen Absatz habe ich in meinem Beitrag zum Hyperkinetischen Syndrom wörtlich übernommen, und als Abschluss hier angeführt:"Bei Fragen zum Thema könnt ihr mir gern einen Kommentar hinterlassen oder einen Gästebucheintrag. Wenn es persönliche Fragen sind, steht euch mein Privates Gästebuch zur Verfügung. Allen die jetzt die Messer wetzen, um vielleicht über mich herzufallen sage ich nur, unsere Entscheidung war nicht einfach doch ich stehe dazu, denn ich weiß, dass wir somit unserem Sohn geholfen haben. Besser so ihm Hilfe geben, als ihn aufgeben und einen eventuellen "Gewalttäter " heranziehen der sich nichts sagen lässt und tut was er will!" @ Melafür www.ciao.de 06.Mai 20083886 Wörter Update 13.11.08Mittlerweile ist mein Sohn seit 01. September wieder zu Hause, sprich die Massnahme 5-Tages-Wohngruppe ist abgeschlossen und er lebt wieder bei uns. Das Zusammenleben ist viel angenehmer mit ihm geworden und die Fortschritte, die unser Sohn gemacht hat sind riesengroß. Er geht jetzt in die angeschlossene Tagesgruppe und fühlt sich dort pudelwohl. Leider haben wir nun aber proimär sehr starke Probleme mit unserem Jüngsten. Er ist auch ein ADS-Kind, leidet zusätzlich noch an LRS und ist sehr schwierig im Moment, ja sogar so schwierig, dass uns nun die nächste Jugendhilfemassnahme und zwar für ihn diesmal ins Haus steht. Jedoch waren wir mit der Zusammenarbeit des W. sehr zufrieden, so dass wir uns mit unserem Hilferuf natürlich auch wieder an jene Institution für Kinder-Jugend-und Familienhilfe gewandt haben. Dazu wird aber dann ein Extrabeitrag hier entstehen, weil es diesen Rahmen sprengen würde.Alles in Allem kann ich nur sagen, ich bin froh, dass wir uns damals für diese Hilfe entschieden haben, denn durch diese Hilfe ist es uns ermöglicht worden, mit unserem Mittlersten wieder ein normales Verhältnis aufzubauen und gut zusammen zu leben. LG Mela
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
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17.05.2012 20:03
bh
04.05.2012 19:28
bh
12.08.2011 16:10
Ich wünsche Dir und Deiner Familie Alles Gute! Ich war auch im Heim (Psychotherapiewohnheim), und fühlte mich nach all der Zeit in den Kliniken natürlich auch abgeschoben, bis ich mich dann mal eingelebt hatte, und ich war nur ein WE im Monat zu Hause, aber der größte Hammer kam 2000 als ich mit 21 dort ausziehen wollte, ich musste zwar erst mal in Gießen bleiben, war mitten in der Ausbildung, aber meine Mutter hat mir wörtlich ins Gesicht gesagt: "Du ziehst nicht mehr zu Hause ein". Mittlerweile lebe ich wieder relativ in der Nähe in Würzburg, aber ich nehm sie beim Wort und fühle mich von allen Pflichten entbunden sollte sie mal Pflege benötigen, dafür ist der weltbeste leibliche Sohn da, nicht die verrückte Adoptivtochter. Das mag hart klingen, aber ich wurde endgültig verstoßen, und hab mit der "Familie" abgeschlossen. GLG Judith :o)