Legasthenie - Ein Ratgeber

3  25.01.2008 (16.06.2008)

Pro:
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Kontra:
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Empfehlenswert: Ja 

Lega14776

Über sich: Gegenlesungen sind wohl eher selten *Überarbeite gerade meine Berichte* Ich lese auch sehr gern hie...

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"Mein Kind kann nicht gut lesen"
"Meines kann nicht richtig schreiben"
"Sind unsere Kinder vielleicht dumm?"
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"Wie kann ich meinem Kind helfen?"
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Wenn Elternteile feststellen, dass Ihr Kind Probleme in den Bereichen Schreiben und Lesen hat, scheint eine Welt zusammen zu brechen und Sie wissen vorerst keinen Rat. Wie kann das nur sein, was haben wir falsch gemacht - das sind oftmals die ersten Gedanken …

Gespräche mit Lehrern sind weitere Schritte, die unternommen werden. Doch leider scheinen die Hilfsmaßnahmen seitens der Schule nicht immer ausreichend zu sein und man sucht nach einer sinnvollen außerschulischen Förderung. Doch dort kommen viele Eltern an die Grenzen, denn das Förderangebot ist so gefächert und die gesetzlichen Regelungen sind so vielfältig. Erschwerend kommt hinzu, dass jedes Bundesland andere gesetzliche Regelungen besitzt.

Oftmals wird auch zu schnell über den "Leistungsanbieter" entschieden, denn welches Elternteil wünscht sich nicht eine sofortige Förderung? Aber hier ist Obacht geboten, denn leider sind auch in diesem Bereich viele Anbieter vorhanden, die sich mit der Thematik nur unzureichend auskennen und eher auf das schnelle Geld abgesehen haben.

Dieser Ratgeber soll Ihnen Ihre Fragen über die Problematik Legasthenie/LRS beantworten und Fördermöglichkeiten darstellen, mit dem Ihr Kind wieder Spaß an der Schule und dem Lernen bekommt.

Wie nimmt sich ein legasthenen /LRS Kind selbst wahr?
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Kinder, die von einer Legasthenie betroffen sind durchlaufen im schulischen und familiären Umfeld oftmals schwierige Situationen. Die Leistungen, die den Kindern gestellt werden sind sehr hoch, obwohl das Interesse an der Schule und guten Leistungen vorhanden sind. Es bedarf einen hohen Energieaufwand, um den schulischen Anforderungen, besonders im Bereich Schreiben und Lesen, gerecht zu werden. Die Konzentration nimmt schnell ab, obwohl der Wille vorhanden ist, dem Unterrichtsstoff zu folgen. Das betroffene Kind kann den Unterrichtsstoff nicht mehr verfolgen und muss sich zum Beispiel sehr stark darauf konzentrieren, richtig von der Tafel abzuschreiben.

Und hier beginnt der Teufelskreis:
Das Kind nimmt sich als "dumm" und "unbegabt" wahr: Ich kann das nicht!

Das legasthene Kind kann nun den Anforderung seitens der Schule und des Elternhauses nicht mehr nachkommen und "verschließt" sich mehr und mehr.
Nicht selten sind dann Symptome, wie zum Beispiel Ängste, Unwohlsein, Magenschmerzen, Clownerei o. ä. zu beobachten. Diese Symptome werden oft nicht mit der Problematik im Bereich Schreiben und Lesen in Verbindung gebracht.

"Dann bin ich lieber der Klassenclown, anstatt derjenige er nicht richtig schreiben und Lesen kann ..."

Pädagogische Definition:
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"Ein

Bilder von Kinder- & Jugendarbeit
Kinder- & Jugendarbeit Teufelskreis
Auswirkungen einer Legasthenie
legasthener Mensch, bei guter oder durchschnittlicher Intelligenz, nimmt seine
Umwelt differenziert anders wahr, seine Aufmerksamkeit lässt, wenn er auf
Buchstaben oder Zahlen trifft, nach, da er sie durch seine differenzierten
Teilleistungen anders empfindet als nicht legasthene Menschen. Dadurch ergeben
sich Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens, Schreibens und Rechnens."
(Dr. Astrid Kopp-Duller 1995)

Was bedeuten die Begriffe Legasthenie und LRS?"
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Legasthenie = vererbt, genbedingt

LRS = erworben

Die Legasthenie ist also eine genbedingte (vererbte) Problematik im Bereich Lesen und Schreiben. Neue Forschungen zeigen, dass die Chromosomen 1, 2, 6, 15 und 18 eine Rolle spielen.

Die Lese - Rechtschreib - Schwäche (LRS) hingegen ist eine erworbene Schwäche. Gründe hierfür könnten längere Krankheit und den damit verbundenen Schulausfall sein, falsche Lern - oder Lernmethoden, familiäre Probleme, ö. ä. sein.

Eine Differenzierung der beiden Begriffe wird im deutschsprachigen Raum selten bis nie vorgenommen. Das sollte jedoch geschehen, denn die Förderansätze sind unterschiedlich.
Bei der Legasthenie ist eine Förderung in den Bereichen Aufmerksamkeit, Sinneswahrnehmungen und Symptomen wichtig und bei der LRS hingegen liegt der Schwerpunkt auf die Symptomatik, also dem erlernen von Rechtschreibregeln und das Arbeiten "an den Fehlern".

Legasthenie:
• Training der Aufmerksamkeit
• Training der Sinneswahrnehmungen
• Training der Symptome

Lese - Rechtschreib - Schwäche (LRS):
• Training und Erarbeitung von Regelwissen steht im Vordergrund

Symptome - "Welche Kennzeichen hat eine Legasthenie?"
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Es ist sehr wichtig zu wissen, dass es nicht DIE Legasthenie gibt. Jedes legasthene Kind hat seine individuelle Legasthenie.

Nicht jedes Kind hat also die gleichen Kennzeichen/Symptome.

Die hier genannten Kennzeichen können auf eine Legasthenie oder LRS hinweisen. Sollten mehrere Punkte zutreffen, ist eine weitere Abklärung notwendig.

Auffälligkeiten im Verlauf der Schulzeit:

• leicht ab lenkbar, wenn es um jegliche Arbeit mit Symbolen, also Buchstaben und Zahlen, geht; ermüdet auch schnell
• scheinbare Seh- sowie Hörprobleme, auch öfter sprachliche Mängel
• Probleme im Bereich von "Raum und Zeit"
• verkrampfte Körperhaltung
• unleserliches Schriftbild
• Verwechslung von ähnlich klingenden Buchstaben, wie etwa b -p; d -t
• ein gleiches Wort wird unterschiedlich geschrieben
• Buchstaben werden ausgelassen
• haben oft große Probleme mit Dehnung und Schärfung - Hahn, rennen, schaffen
• zeigen große Probleme mit der Groß-und Kleinschreibung
• fehlerhaftes Abschreiben
• fehlende i - Pinkte u. ä.
• ähnlich aussehende Buchstaben werden vertauscht, wie etwa M/W, p/q, b/d
• unkonzentriertes Arbeiten

(Diese Liste ist nur ein kleiner Ausschnitt von Symptomen einer Legasthenie und keinesfalls Vollständig!)

Des Weiteren können sich Auffälligkeiten zeigen, die zunächst nicht mit Legasthenie in Verbindung gebracht werden.

Beispiele:
• Geringes Selbstwertgefühl
• Trödeln
• Überaktivität, allgemeine Unruhe
• Schulangst
• Magen - Darm - Probleme

Nicht jedes legasthene Kind zeigt diese Verhaltensweisen.

Wann ist eine Legasthenie erkennbar?
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Sobald Kinder mit Buchstaben in Berührung kommen, ist es möglich, legasthene Kennzeichen festzustellen - also ab Mitte des 1. Schuljahres.
Da legasthene Kinder durchschnittlich bis überdurchschnittlich begabt sind, passiert es auch oft, dass eine Legasthene / LRS erst im 3. Schuljahr festgestellt wird. Das liegt daran, dass sich diese Kinder Strategien entwickeln, damit die Problematiken, die vorhanden sind, nicht "auffallen". So lernen diese Kinder Texte beispielsweise auswendig.

Feststellung - "Wie wird eine Legasthenie festgestellt - Wo sind Anlaufstellen?"
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Die Feststellung einer Legasthenie oder LRS kann auf verschiedene Arten erfolgen. Auch heute gibt es keine klare Vorgehensweise in der Diagnose.

Der heute übliche Weg ist der Weg zu einem Schulpsychologen, Sozialpädiatrischen Zentrum oder zu einem Kinder - und Jugendpsychologen. Im pädagogischen Bereich diagnostizieren Legasthenietrainer eine Legasthenie oder LRS. (Adressen siehe Internetressourcen auf Seite )

Ein Diagnoseverfahren sollte mit einem Anamnesegespräch beginnen, in dem wichtige Begebenheiten analysiert werden. Dieses Anamnesegespräch beinhaltet um Beispiel Fragen zu:
• Vorgeburtliche Ereignisse
• Krankheitsvorkommen
• Schulische Situationen
• Familiäre Situationen
• Arbeitsverhalten
• …

Im Anschluss des Anamnesegesprächs werden meist Testverfahren durchgeführt. Diese sollen Aufschluss auf das Lern und Leistungsvermögen des Kindes geben und die individuellen Stärken / Schwächen herausfiltern.

Tipp
Sehen Sie das Feststellungsverfahren nicht als "Was hat mein Kind - Verfahren", sondern sehen Sie es vielmehr als "Feststellungsverfahren zur "sinnvollen Förderung"

In einem Auswertungsgespräch sollte eine genaue Erklärung der Testergebnisse erfolgen und den Eltern genug Raum für Fragen zur Verfügung gestellt werden.

Förderung - "Wie und wo bekomme ich für mein Kind Hilfe?"
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Der erste Weg, mit oder ohne Diagnose, sollte ein Gespräch mit dem Lehrer sein. Vereinbaren Sie einen Termin und besprechen Sie Ihre Ansicht mit dem Lehrer.
Viele Eltern haben hier große Schwierigkeiten, von daher wird empfohlen, sich auf dieses Gespräch vorzubereiten.

Machen Sie sich Stichpunkte zu Ihren Beobachtungen und zu Ihren Fragen:

• Was beobachten Sie bei Ihrem Kind?
• Wo sehen Sie Probleme bei Ihrem Kind?
• Wie sieht es die Lehrkraft?
• Welche Fragen haben Sie?
• Wie steht die Lehrkraft dazu?
• Schulische und außerschulische Förderangebote - Was ist möglich?

Nach solch einem Gespräch sind viele Eltern schon erleichtert, denn nun ist eine Art Gewissheit vorhanden.

Förderangebote für legasthene / LRS Kinder gibt es in den Bereichen schulische Förderung und außerschulische Förderung.

Schulische Förderung:
Hier kann Ihnen die Schule Auskunft erteilen. Fragen Sie nach, welche Möglichkeiten bestehen.
Oftmals besteht die Möglichkeit, Förderstunden zu erhalten. Erkundigen Sie sich, wie diese Stunden erteilt werden und was in solch einer Stunde geschieht.

Info:
Einzelförderung ist effektiver als Gruppenförderung

Außerschulische Förderung:
Die außerschulische Förderung nimmt heute einen großen Stellenwert ein, da schulische Möglichkeiten oftmals nicht ausreichen.

Was muss eine gute außerschulische Förderung beinhalten?

- Umfassende Informationen zu diesem Thema muss geboten werden
- Das Kind muss getestet werden oder es muss eine Diagnose vorliegen
- Das Legasthenietraining sollte im Einzelunterricht stattfinden
- Wichtig ist, was in der Stunde getan wird (es darf nicht nur eine Nachhilfe sein, es muss auf die Aufmerksamkeit, die Sinneswahrnehmungen und Symptomen eingegangen werden.)
- Ist der Trainer / Therapeut für diese Problematik ausgebildet bzw. hat spezifische Fort und Weiterbildungen in diesem Bereich?
- Welche Methoden werden eingesetzt?
- Wo und wie oft finden Trainingsstunden statt? Bekommen die Eltern Materialien für zuhause mit?
- Arbeitet der Trainer mit einem Computer und entsprechenden Legasthenieprogrammen?


Hinweis:
Bislang besteht keine Ausbildung zum Legasthenietherapeuten - Trainer, die staatlich anerkannt ist. Es handelt sich immer um Fort oder Weiterbildungen.

Methoden in der Förderung bestehen viele - nicht alle sind, wenn man Sie allein einsetzt, hilfreich bzw. können zu einer Verbesserung führen.
Achten Sie darauf, dass die Methoden speziell den Anforderungen und Bedürfnissen Ihres Kindes angepasst werden.

Fragwürdig sind Leistungsanbieter, die nur Methoden wie etwa Bachblütentherapie, NLP, autogenes Training o. ä. einsetzen. Eine alleinige Methode ist hier nicht hilfreich. Diese können in Kombination mit einer anderen Methode stattfinden. Beispielsweise arbeiten Legasthenietrainer nach der AFS - Methode. Diese ist eine offene Methode und wird an das jeweilige Kind und seinen Problemgrundlagen angepasst.

Training nach der AFS Methode:
+++
A = Training der Aufmerksamkeit, durch z.B. Entspannungsübungen, BrainGym usw.
F = Training der Funktionen (Sinneswahrnehmungen) durch z.B. Montessoriematerial, Sinnesspiele usw.
S = Training an der Symptomatik, an den Fehlern z.B. durch pädagogische Arbeitsblätter, Silbentraining usw.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein bisschen helfen mit meinen Erfahrungen als Trainer und Coach. Dieser Bericht ist ein Ausschnitt aus meinem Buch, welches ich bald veröffentlichen möchte - Meinungen dazu sind immer willkommen.

Mit besten Grüßen

Lega :-)

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Mutzematze

Mutzematze

08.11.2008 09:46

Ein Thema was viel stärker an viel mehr Schulen und vielleicht sogar schon an Kindergärten geschult bzw. integriert werden sollte. Unsere Tochter hat Ihr LRS gut in Griff...sie ist eine der Schüler mit gewesen, die den größten Sprung nach vorn geschafft hat, dank der LRS-Schule und den dort fähigen Lehrern. Leider gibt es viel zu wenige Schulen, auch weiterführend nach der Grundschule, die dieses Thema sich auf die Flagge geschrieben haben.

ArnoJakobs

ArnoJakobs

29.07.2008 11:00

toller bericht, werde ihn meiner frau weitergeben, die als lehrerin oft mit diesem thema konfrontiert ist

astrahexy

astrahexy

25.07.2008 21:42

Noch ist meine Tochter im Kindergarten....

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