Wenn die Praktikanten kommen...

5  11.06.2004

Pro:
man gewinnt neue Eindrücke, Erfahrungen sammeln .  .  .

Kontra:
nichts

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Bezahlung (Monat):

Lernfaktor:

Betreuung:

Betriebsklima:

Eigenverantwortliches Arbeiten:


Arinicia

Über sich: Habt vielen Dank für die zahlreichen bh's zu meinem Reisebericht!

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Als ich damals meine Ausbildung zur Erzieherin beginnen wollte, galt es Bewerbungen für eine Vorpraktikumsstelle zu schreiben. Das einjährige Vorpraktikum ist die Voraussetzung für die theoretische Ausbildung zum Erzieher. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen: Eltern die seit mindestens 3 Jahren ein eigenes Kind betreuen z.B. können sich das Vorpraktikum rein theoretisch sparen. Doch wenn man sich dazu entschließt Erzieher zu werden, gilt es nicht nur ein Praktikum gut zu meistern...

Welche Praktika sind Pflicht?
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Vor der Ausbildung zum Erzieher gibt es das Vorpraktikum, in der Ausbildung selbst zwei Zwischenpraktika und ein sogenanntes Berufspraktikum. Für jedes Praktikum gibt es unterschiedliche Rahmenbedingungen die eingehalten werden müssen. Diese sind allerdings auch von der Schule abhängig. Dennoch möchte ich euch einmal genau erläutern, worauf ich bei meinen Praktika zu achten hatte.

Vorpraktikum
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Beim Vorpraktikum ist es egal in welche Einrichtung man geht. Behindertenbetreuung, Kindergarten, Kinderhort, Kindergrippe oder Tagesstätte- alles ist erlaubt. Das Praktikum muß ein Jahr lang dauern und wird in der Regel auch vergütet. Ich habe damals im Monat
125 DM bekommen, weiß aber von damaligen Mitschülerinnen die bis zu 400 DM monatlich bekommen haben.

1. Zwischenpraktikum
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Im ersten Jahr der theoretischen Ausbildung gibt es ein 6 wöchiges Pflichtpraktikum. Dieses Praktikum muß in einer Einrichtung mit 0 bis 6 Jährigen Kindern stattfinden. Sprich von Krippe bis Kindergarten ist alles erlaubt. Was genau in diesem Praktikum alles gemacht werden muß hängt natürlich wieder von der Schule ab.

2. Zwischenpraktikum
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Dieses 6 wöchige Pflichtpraktikum muß in einer Einrichtung mit Kindern ab 6 Jahren absolviert werden. Ein Kinderhort z.B. Auch hier werden Aufgaben von der Schule gestellt.

Berufspraktikum
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Das wohl wichtigste Jahr. Die Anerkennungspraktikantin kommt alle 4 Wochen zu einem Unterrichtstag zur Schule -u.a. auch um sich auf die Prüfungen vorzubereiten und ist die restlichen Tage in einer Einrichtung ihrer Wahl. Im Berufspraktikum, früher Anerkennungsjahr genannt, bekommt man bereits das Gehalt, dass einem als ausgebildeter Erzieher zusteht.

Kleine Anmerkung
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Ich finde es im Übrigen sehr schade, dass hier nur vom Praktikum im Kindergarten gesprochen wird, denn im Wesentlichen unterscheiden sich auch die Praktika in Hort u.ä. nicht. Dennoch werde ich den Kategorienamen respektieren und hier speziell auf mein 1. Zwischenpraktikum und das Berufspraktikum beziehen , in denen ich im Kindergarten tätig war, insofern ich mich nicht allgemein halten muß.

Wozu dient ein Praktikum?
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Während das Vorpraktikum dazu dient alltägliche Erfahrungen im Umgang mit Kindern zu sammeln, dienen die anderen Praktika der Vertiefung und Anwendung des Gelernten. Alle Praktika sind gleichermaßen wertvoll, wobei speziell das Berufpraktikum die meisten Erfahrungen mit sich bringt.

Was tut eine Praktikantin?
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Sie wächst an ihren Aufgaben. Sie lernt die Namen der Kinder und ihre Eigenarten, ihre Reaktionen in bestimmten Situationen, sie kennt die jeweiligen Freundschaftsgeflechte und bekommt einen Überblick über durchschnittliche motorische und sprachliche Fähigkeiten. Sie gewinnt einen Einblick in die Organisation einer Einrichtung und über täglich anfallende Arbeiten die im Wechsel von der Erziehern durchgeführt werden. Sie lernen Räumlichkeiten kennen, können neue Ideen im Bezug auf Aktivitäten beibringen, lernen viele Lieder, Reime und Spiele. Sie sieht das es verschiedene Formen der pädagogischen Arbeit gibt und lernt vielleicht sogar unterschiedliche Konzepte kennen. Außerdem wird der ungezwungene Austausch mit Eltern gefördert. Diese Beschreibung paßt wunderbar auf eine Vorpraktikantin.

Wenn wir diese Beschreibung nun erweitern gilt sie auch für Erzieherinnen in der Ausbildung. Sie versucht vorauszuplanen, zu organisieren und Aktivitäten durchzuführen und Wissen im alltäglichen Umgang anzuwenden. Probleme zu erkennen und Lösungen zu suchen und anzuwenden, im Team zu arbeiten, um Hilfe zu bitten, Fehler zu machen, Räumlichkeiten nutzen lernen, Spielangebote an die Stimmung der Kinder anzupassen oder ausgleichend einzusetzen. Entwicklung verfolgen und dokumentieren, Förderangebote entwickeln und ggf. Elterngespräche führen und Empfehlungen aussprechen. Es wäre zu leicht zu sagen, mehr Aufgaben gäbe es nicht. Es gibt sie, aber sie würden wohl den Rahmen sprengen.

Die Anleitung
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Keine Praktikantin kommt in eine Einrichtung und weiß alles. Für Fragen, zur Rückmeldung und zur Unterstützung wird einem Praktikanten immer eine Anleitung zugeteilt. Jemand der die Aufgabe der Anleitung übernimmt muß mindestens 3 Jahre lang in einer z.B. Kindergartengruppe gearbeitet haben. Von dieser Anleitung kann sehr viel abhängen. Bei einer engagierten und netten Anleitung die sich bemüht kann ein Praktikum weitaus hilfreicher sein als bei einer qualitativ schlechten Anleitung.

Im ersten Zwischenpraktikum hatte ich eine recht merkwürdige Anleiterin. Sie war eigentlich nie da, beurteilte mich immer nach Kurzzeitbeobachtungen und konnte mir eigentlich keinerlei Hilfestellung geben. Glücklicherweise hatte ich eine wunderbare Mitarbeiterin die mir immer wieder Mut machte, mir Tipps gab und irgendwie gleichzeitig noch mein Seelenleben ausmistete. Liebe Dagmar, hab vielen Dank! Du hast mir damals sehr geholfen!

Im ersten Teil meines Berufpraktikums hatte ich eine Anleitung die mir beibrachte was Mobbing bedeutet. Da es sich um eine eingruppige Einrichtung handelte bleib mir kein Ansprechpartner. In diesem halben Jahr wurde ich systematisch zur Niete gemacht, resignierte irgendwann und ging. Unter dem Stichwort Mobbing werde ich dazu aber mal ein anderes Mal ausführlich schreiben. Der zweite Teil meines Berufspraktikums fand in einem Kindergarten statt. Meine Anleitung war die wahrscheinlich genialste Frau dieser Erde. Niemals hatte ich so große Angst vor Jemandem und noch nie habe ich so schnell eine tiefe Freundschaft zu einer Frau entwickelt. Ich habe in diesem halben Jahr mehr gelernt als in den Jahren zuvor und das verdanke ich ausschließlich der Anregungen, der Kritik und der Diskussionen mit Mitarbeitern. Dem Vertrauen das man mir entgegenbrachte und dem Gefühl, dass ich etwas leisten kann. Wohl nicht zuletzt deswegen schloß ich schließlich praktisch und theoretisch mit 1 ab. Ihr seht- die Qualität eines Praktikums, im Bezug aufs Erfahrung sammeln und lernen, hängt auch unbedingt von der Anleitung ab!

Die Beurteilung
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Nach jedem Praktikum hat man das Recht auf eine schriftliche Beurteilung. Gerade die Beurteilung vom Vorpraktikum finde ich unheimlich wichtig. Eine 3 ist kein Grund zum Meckern, denn das Vorpraktikum ist eine Arbeit ohne Vorkenntnisse und ohne schwerwiegende Verantwortung. Ich selbst habe beobachtet, dass meine Beurteilungen mit dem erworbenen Wissen immer besser wurden. Eine faszinierende Beobachtung die wunderbar der Reflektion dient. Besteht auf eure Beurteilung!

Zunehmende Aufgaben
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Im Berufspraktikum hatte ich alleine eine 25 köpfige Stammgruppe in einer offenen Einrichtung. Meine Arbeitszeiten waren von 7 Uhr (Frühdienst) bis 14 Uhr oder von 8.30 Uhr bis 16 Uhr. Mir oblagen alle Aufgaben eines vollwertigen Erziehers. Im Vorpraktikum gab es diese Verantwortung nicht. Man beobachtet mehr, hinterfragt noch nicht alles, kann z.B. noch nicht alleine mit den Kindern rausgehen. Im Vorpraktikum wird man mit gewissen Aufgaben einfach noch nicht vertraut gemacht. Mit zunehmender Erfahrung, nehmen auch die Aufgaben zu...

Wenn ich zurückblicke
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Mir haben die Praktika in Verbindung mit dem theoretischen Wissen unheimlich viel gebracht. Das Vorpraktikum habe ich denke ich nicht so gut nutzen können wie andere- hier muß ich einfach sagen, dass der Altersabstand zwischen den Kindern und mir zu gering war. Ich denke auch das man mit zunehmendem Alter einfach mehr aus den Praktika mitnimmt. Dennoch handelt es sich um überwiegend sehr schöne Erinnerungen die mich im Leben weitergebracht haben.

Fazit:
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Egal ob man nun einen kleinen Einblick in die Welt des Erziehens wagen oder sein erlangtes Wissen anwenden möchte, ein Praktikum ist eine wirklich gute Möglichkeit neues Wissen zu erlangen, neue Eindrücke zu gewinnen und für sich zu entscheiden, ob dieser Beruf nun das Richtige ist oder nicht. So manch ein Vorpraktikant hat sich nach diesem Jahr für einen anderen Beruf entschieden. Aber was macht das schon? Ist doch prima, dass er nicht eine Ausbildung angefangen hat, die ihm doch keinen Spaß gemacht hätte. Ich vergebe somit 5 Sterne fürs Praktikum im Kindergarten , egal ob nun Vor-, Zwischen- oder Berufspraktikum!

LG Arinicia

PS. Bei den Bewertungen unten:

Inwiefern eigenverantwortliches Arbeiten ermöglicht wird usw. hängt natürlich von der jeweiligen Einrichtung und Anleitung ab!
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
sannahschnuffi

sannahschnuffi

29.08.2004 21:14

Wobei die Staffelung der Praktika ja von Bundesland zu Bundesland und Schule zu Schule verschieden ist. Meine Mutter ist Praxisanleiterin in ihrer Kita-Gruppe und staunt immer wieder, wie unterschiedlich die Konzepte (und damit Ansprüche) der Schulen doch sind... Gruß sannah

Gall

Gall

30.06.2004 21:10

Für mich wäre das nicht!

petra64

petra64

16.06.2004 14:13

ein gelungener Bericht, die Kindergaerten sind meist froh, wenn noch eine Hilfe da ist. Das mit dem Mobbing ist natuerlich bloed, egal ob Praktikum oder anderswo, wobei man beim Praktikum halt auch noch einfach gehen kann.

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