King Arthur (2004)

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King Arthur (2004)

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Alles beim Alten

3  20.08.2004

Pro:
das Potenzial der Darsteller, solide inszeniert, gute 20 Minuten

Kontra:
ansonsten wie gehabt, Klischees, unfreiwillig komisch

Empfehlenswert: Ja 

JerryMaguire

Über sich: www.filmbesprechungen.de, www.filmzentrale.com ---------> Lesen!

Mitglied seit:01.08.2002

Erfahrungsberichte:183

Vertrauende:38

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 114 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Sobald etwas Ernstes unfreiwillig komisch wird, ist dies entweder besonders lustig oder besonders dumm. Manchmal sogar beides wie einige Szenen aus Antoine Fuquas grobschlächtigem Ritter-Epos vermuten lassen, denn King Arthur ist zuweilen seinem eigenen Anspruch ausgeliefert. Die Geschichte um den legendären König Artus und die Ritter seiner Tafelrunde scheint auf den ersten Blick besonders in filmischer Hinsicht ausreichend behandelt, um der Thematik tatsächlich neue Aspekte abgewinnen zu können und so neue Reize zu setzen. Jerry Bruckheimers Bombast-Action-Schmiede ist es zu verdanken, dass sich die edlen Ritter nach aktuelleren Versionen wie „First Knight“ (1995) oder „Excalibur“ (1981) einer weiteren Verfilmung gegenübersehen.

Mit David Franzoni liefert dabei der episch erprobte Drehbuchautor von „Gladiator“ (2000) die schriftliche Vorlage, die sich entgegen der stark mystisch, phantastisch und legendär angehauchten Vorgänger, inklusive schwarzer Magie und Zauberei, nun auf den historischen Kontext der Artus-Sage beruft und dabei geschichtlich korrekt bleiben will. Demnach ist Artus kein strahlender König, Excalibur zum falschen Zeitpunkt auch nur so stumpf wie jedes Küchenmesser und der mysteriöse Merlin Anführer eines heidnischen, gewaltbereiten Kultes. Der Sagenkönig Artus (Clive Owen) ist römisch-britannischer Abstammung, dient jedoch nur dem römischen Reich als Soldat und Obmann der gefürchteten samartischen Reiter, die einer Provinz Roms entspringen und 15 Jahre im Kriegsdienst Roms stehen.

Zeitlich bewegt sich der Film um das Jahr 450 n.Chr., im sogenannten düsteren Zeitalter auf der Schwelle zum Mittelalter, verhaftet in der Antike. Archäologisch und historisch ist wenig bekannt über die Epoche, der letztendlich die berühmteste britisch/englische Sage entspringt, ein gefundenes Fressen für Geschichtenerzähler vor 1000 Jahren genauso wie heute. Franzoni stützt sich in seinem Drehbuch auf geschichtliche Erkenntnisse und verwebt diese mit Ideen und Idealen der römisch-katholischen Kirche, den zeitgeschichtlichen Umständen und wenigen historisch belegbaren Figuren. Schlussfolgernd bleibt die Sage um Artus und die Tafelrunde auch im Jahre 2004 noch der Phantasie überlassen, was in der Tat Bestand hat ist der Wunsch nach Rittern in edlen Rüstungen, fiesen Normannen und Germanen, sowie der Traum von einer frühmittelalterlichen Kultur basierend auf zivilisierten Gedanken der Aufklärung wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Allzu viel logischem Sachverstand gibt sich Franzoni ohnehin nicht her, anders ist so mach unfreiwillig komische Einlage nicht zu erklären, die den Film nach teilweise erfreulich nachdenklichen Passagen doch nur ins Mittelmaß stürzt. Zur Beruhigung aller sei erwähnt, dass beliebte und bekannte Figuren wie Lanzelot (Ioan Gruffud), Galahad (Hugh Dancy) oder Guinevere (Keira Knightley) nach wie vor ihren Platz im Universum von Artus finden, wenn auch in leicht abgewandelter Form. Die aufgebürdeten 15 Jahre Kriegsdienst, denen Artus und seine Samarten nach Ansicht der römischen Besatzer Britanniens verpflichtet sind, neigen sich dem Ende zu, doch bevor Bischof Germanius (Ivano Marescotti) ihnen die Entlassungsdokumente aushändigt, die ihnen freies Geleit im ganzen römischen Reich gewähren, müssen sie noch einen letzten Auftrag erfüllen.

Es gilt die Familie von Marius Honorius (Ken Stott) in Sicherheit zu bringen, die ausgerechnet am nördlichsten Stück des Hadrianswalls lebt, mitten in feindlichem Gebiet, das die einrückenden Sachsen unter der Führung des grausamen Cerdic (Stellan Skarsgard) und seinem Sohn Cynric (Til Schweiger) in Kürze erobern werden. Ein selbstmörderischer Auftrag, schließlich soll die Ritterschaft um Artus einer ganzen Armee trotzen, doch noch bleibt ein zeitlicher Vorsprung. Die Heeresleitung Roms hat derweil beschlossen die Provinz Britannien aufzugeben und das nasskalte Klima in Richtung Heimat zu verlassen. Wer nun letztendlich die Herrschaft über den Inselstaat an sich reißt, interessiert das Imperium nur bedingt, erstreckt sich ihre koloniale Macht doch bis nach Afrika und Arabien.

Für Artur und seine Männer stellt sich bald darauf die Gewissensfrage. Sollte ihr Auftrag glimpflich verlaufen, ist ihnen die Freiheit gewiss, Lanzelot und die anderen könnten unbehelligt in ihre Heimat zurückkehren, die nun schon seit 15 Jahren hinter ihnen liegt, es sei denn sie kommen zu dem einhelligen Entschluss, dass sie ihre neue Heimat längst in den Wäldern und Wiesen Britanniens gefunden haben. Denn Artur ist bereit sich allein gegen die Sachsen zu stellen, um für seine Ideale und Überzeugungen einzustehen, notfalls zu sterben, die scheinbar aus einem Rom stammen, das in dieser Form nicht mehr existiert, sondern in ketzerischen Fragen nach christlichem Glauben und Irrglauben zu ertrinken droht.

Genau diese Thematik, die Frage nach Religion und Glaube, kennzeichnet die stärkste Phase von King Arthur, der sonst nicht viele Neuerungen in die Waagschale werfen kann und in Bezug auf die von Antoine Fuqua inszenierten Schlachten bei weitem nicht mit Vorbildern wie „Lord Of The Rings“ (2001-03) oder dem ebenfalls im historischen Kontext angelegten „Braveheart“ (1995) konkurrieren kann. Zuallererst wirkt es ausgesprochen befremdlich, wenn in blutrünstigen Schlachten keinerlei Blut im Spiel ist. Man erwartet keine rote Fontäne direkt in das Objektiv der Kamera, aber die physische Präsenz von Gewalt im Schlachtengetümmel kann mit der Vertonung derselbigen allein heutzutage wohl nur noch wenige beeindrucken. Ein Zugeständnis zu Bruckheimers Vision von King Arthur, der den Film, „seinen Film“, anscheinend ohne Rücksicht auf Blutverluste durch eine niedrige Altersfreigabe quetschen will. Durchaus gelungen, aber zu welchem Preis?

Dem Film fehlt demnach ein „erwachsenes“ Element, das er leider auch nicht durch die Charakterisierung seiner Figuren wettmachen kann. Keinerlei tiefergehende Figurenzeichnung scheint in den Augen Fuquas notwendig, um Artur zumindest ein wenig Menschlichkeit zu verleihen, wenn schon der Versuch gemacht wird die Sage zu entmythologisieren. Ebenso wenig ist dies bei Guinevere der Fall, die sich hier mal ganz ungewohnt als Merlins Getreue und kämpfende Amazone versuchen darf, anstatt die elegante Hofdame zu geben. Beides Rollen, die Keira Knightley mit Bravour erfüllen könnte und erfüllt, trotzdem bleibt sie unterfordert, wie auch Clive Owen und der größte Teil der Schauspieler, die in ihren Kostümen jeder Shakespeare-Aufführung zur Ehre gereichten.

Übrig bleiben intelligente 20 Minuten, sowie zwei ordentlich inszenierte Schlachten, wobei die eine leider durch eine der witzlosesten Kriegslisten der jüngeren Filmgeschichte ihren Anfang nimmt. King Arthur bietet einige Angriffsflächen für unfreiwillige Komik, die man leicht in sinnentfremdeten Kriegerschreien, welche einigen auch zur Begrüßung und Verabschiedung dienen, manch gestelztem Dialog, sowie der Einsilbigkeit von Til Schweiger finden kann, der auch in King Arthur in einer größeren Hollywoodproduktion mitwirkt, allerdings zu keinem Zeitpunkt mehr sein darf als der große, böse Sachse. Ob nun echt oder nicht, die Legende um Artur und die Tafelrunde wird wohl noch so manch Jahrhundert überdauern und aus gutem Grund die Kreativität der Geschichtenerzähler auch in Zukunft beflügeln. Vielleicht ja dann besser als dieses mal.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
DasistnichtDeinBericht

DasistnichtDeinBericht

11.10.2004 10:15

Da schmückt sich jemand mit Deinen Federn: http://www.dooyoo.de/video-film/king-arthur/1015065/

Tuvok1

Tuvok1

12.09.2004 09:40

gut geschrieben aber es ist 492 nchr.

wockman

wockman

08.09.2004 09:11

super bericht! hast dir sehr viele gute gedanken um den film und um das drum herum gemacht. finde den film allerdings besser als von dir beschrieben ... naja, geschmäcker sind verschieden :-) gruß wockman09

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