- Glaubt man dem Vorwort, bietet dieses Buch eine Gebrauchsanweisung für die jeweilige Auswahl des richtigen Filmes - egal, ob brandneu oder uralt- der zu der momentanen Stimmung des Guckers passt.
Und dem kann man glauben!
Wer kennt das nicht, sich nach dem stressigen Ärger auf der Arbeit ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von Cosmay über KinoTherapie für Girls / Nancy Peske, Beverly West 31.07.2001
Produktbewertung des Autors:
Niveau
trivial
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
Pro:
satirisch, leicht und häppchenweise zu lesen, umfangreiches Titel - und Schauspielerregister
Kontra:
Titel lässt evt . falsche Hoffnungen aufkeimen (das Buch hilft nicht wirklich unbedingt bei der Filmauswahl)
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
- Glaubt man dem Vorwort, bietet dieses Buch eine Gebrauchsanweisung für die jeweilige Auswahl des richtigen Filmes - egal, ob brandneu oder uralt- der zu der momentanen Stimmung des Guckers passt.
Und dem kann man glauben!
Wer kennt das nicht, sich nach dem stressigen Ärger auf der Arbeit oder im Freundeskreis unbedingt einen richtigen "Metzel"-Film anzusehen oder zumindest einen, in dem ca. die halbe Welt niedergeschossen wird?
Denn auf irgendeine harmlose Art und Weise muss man sich ja abgeagieren.....
Da man sich aber sicherlich nicht jedes mal den gleichen Streifen ansehen, sondern auch mal für Abwechslung gesorgt haben möchte, lohnt sich ein Blick in die "Kinotherapie für Girls" noch viel mehr.
Hier findet man zu folgenden Themen entsprechende Filmtipps:
~ Zwischen Heulattacke und Tobsucht: PMS-Filme (u.a. "Love Story", "Marvins Töchter" "Die Schwestern des Bösen")
~ Na gut, er ist ein Idiot, aber er ist sooo süß: Gestörte Liebesbeziehungen: ( "Endstation Sehnsucht", "Funny girl" u.v.a.)
~ Ich hasse mein Leben, ich gehe nach Bora Bora: Fernweh Filme ( "Jenseits von Afrika", "Früstück bei Tiffany"...)
~ Sie ist meine Mutter, ich weiss, aber sie macht mich rasend: Filme über Mütter ("Nacht, Mutter", "Meine liebe Rabenmutter", "Dolores"....)
~ Aber er hat so gute Anlagen, und ich weiss, dass er sich ändern kann: Urmutter-Filme ("Vier Hochzeiten für ein Todesfall", "Der König und ich"...)
~ Ich werf gleich den Griffel hin: Arbeitsstress-Filme ("Warum eigentlich...bringen wir den Chef nicht um?", "Silkwood"...)
~ Grade hab ich mir die Haare gewaschen, und sie sehen einfach schrecklich aus: Katastrophenfrisur-Filme ("Hairspray", "Marty", "Herbststürme"....)
~ Wehe, wenn sie losgelassen: Abserviert-und-heimgezahlt-Filme ("Heißblütig - Kaltblütig", "Die Teufelin", "Diabolisch" u.v.a.m.)
~ Der Traumprinz lässt auf sich warten: Glücklich-und-zufrieden-bis-an-ihr-Lebensende-Filme ("Don Juan deMarco", "Es geschah in einer Nacht", "Das Wunder in Manhattan"....)
~ Frauenpower: Die-innere-Stimme-entdecken-Filme ("Sex, Lügen und Video", "Jane Eyre" ...)
~ Asche aufs Haupt: Märtyrerinnen-Filme (u.a. "Hölle, wo ist dein Sieg?", "Begegnung", "Washington Square")
~ Nur du verstehst mich wirklich, Freundin: Filme für den Mädelsabend ("Die Farbe lila", "Eine Klasse für sich", "Am Wendepunkt", "Hier spricht Denise"....)
~ Als Frauen noch Frauen und Männer nervös waren: Filme, in denen Männer sich gut benehmen ("Sinn und Sinnlichkeit", "Titanic"....)
~ Als Männer noch Männer und Frauen fies waren: Filme, in denen Frauen sich schlecht benehmen ("Was geschah wirklich mit Baby Jane?", "Der scharlachrote Buchstabe", "Hexenjagd", "Vom Winde verweht", "Nikita"....)
~ Papa ist der Größte: Filme über Väter ("Rita will es endlich wissen", "Rebecca", "Now & then - Damals und heute"....)
~ Das Mädel kann nicht anders: Kultfilme, die Sie einfach lieben müssen (u. a. "Carrie", "Clueless", "Flashdance"....)
Zu den verschiedenen Kategorien sie allerdings gesagt, dass die Filme mitunter recht abenteuerlich eingeordnet wurden. "Nell" beispielsweise findet man unter den "Filmen über Väter" - einfach darum, weil sie keinen hatte.
Für die, denen diese Zuordnung demzufolge nicht recht helfen mag, der kann auch in dem 35 Seitigen Register unter dem Filmtitel bzw. Schauspieler nachschlagen.
Hieran sieht man, wieviel Mühe sich gegeben wurde!
Damit man sich das ganze ein wenig besser vorstellen kann, hier eine Textstelle, die mir besonders gut gefallen hat. Es geht um den Film "Titanic" - zu finden unter "Filme, in denen Männer sich gut benehmen".
Et voilá: "....doch trotz des pubertären Gehabes sagt uns der Knabe zu. Er ist bereit, sich aufzuopfern, und gibt sogar sein Leben hin, damit seine Liebste nicht sterben muss. Und bevor er wie eine Meerjungfrau in den Tiefen versinkt und zu seiner Liebsten aufblickt wie eine Lotosblüte, die ein letztes Mal die Sonne sehen will, fleht er Rose an: 'Du musst mir versprechen, dass du überleben wirst'. Und wir können nicht umhin zu denken: Wieso immst du die ganze Requisite für dich alleine in Beschlag, Rose? Könntest du ihm nicht ein Stück von dieser Planke abgeben? Oder ihn vielleicht auf dir liegen lassen? Damit könnte man die Unterkühlung eine Weile abwenden. Musste Jack wirklich sterben, damit Rose leben konnte? Wir werden es nie erfrahren, aber Sie müssen zugeben, dass es echt nett von ihm war, es ihr anzubieten."
Spätestens hier erfärht der Leser, dass die ganzen "Filmvorstellungen" mit einem gewissen Augenzwinkern zu verstehen sind.
Und auch mit einer gewissen satirischen "Bösartigkeit" - gut zu finden bei "Shining": "....Gute Idee, Wendy!Und der kleine Danny wird es toll finden. Endlose Flure, die er prima mit seinem Spielzeugmotorrad entlangdüsen kann, genügend Pfirsichdosen, um sämtliche Bewohner eines kleine-Dritte-Welt-Landes vor Skorbut zu bewahrn, und die Geister einiger gemeuchelter Kinder als Spielgefährten. Wir können nur noch mal sagen: Gute Idee, Wendy."
- Vielleicht finden einige Leser dies schon geschmacklos, insbesondere den Teil mit der Dritten Welt. Ich jedenfalls habe in meiner berühmten Bösartigkeit lauthals in mich rein gelacht....
Kurz: jeder, der ein wenig Satirie mag, wird diesen 408 Seiten starken Schmöcker lieben!
Und grade wegen der besonderen Filmumschreibung, die ehrlich gesagt nicht besonders viel von dem eigentlichen Film veraten (aber dafür umso mehr auf den kleinen Dingen rumhackt), macht das Buch soviel Spaß!
Nebenbei wertet die "Kinotherapie für Girls" noch mit bemerkenswerten Filmzitaten auf, beispielweise wären hier:
- "Berühmte letzte Worte...für andere: Ein Unfall, Dolores, kann für eine unglückliche Frau zum besten Freund werden" (Judy Parfitt als Vera Donovan in "Dolores"); oder auch
- "Geh wieder zurück nach Jersey. Hier ist nämlich die Stadt der Engel, und du hast leider keine Flügel" (James Cromwell als Dudley Smitz in "L.A. Confidential"); insbesondere
- "(Zimmermädchen): Susan! Mein Gott, wir alle dachte, du wärst tot. (Susan): "Nein, in New Jearsy".
Als letzten "Sahnetupfen" des Buches beinhaltet dies ebenfalls einige Warnungen, die ab und an unter einigen Filmen angesiedelt sind. Sehr passend fand ich beispielsweise "Achtung! Dieser Film wird auch den Sinn und Zweck Ihrer eigenen Beschäftigung in Frage stellen - sowie das Verhalten einiger Primaten in Ihrer Firma".
- Von welchen Film könnte sonst die Rede sein, als von "Gorillas im Nebel"?
Liebend gerne würde ich noch viel mehr zitieren - aber irgendwann muss Schluss sein. Und ich kann mich gut erinnern, wie traurig ich war, als ich die letzte Seite des Buches gelesen habe.
Von daher will ich nicht mehr zuviel vorneweg nehmen - denn wer wirklich mehr lesen will, kann dies für 20,00 DM tun.
Oder mit ein wenig Glück noch im "Real" in Düren ein "Mängelexemplar" für 5,00 DM erhaschen....
Fazit: Dieses Buch bildet eine sehr gute Basis um die schlechte Stimmung aufzubauen oder die gute Laune beizubehalten. Aber vergesst nicht: "Wenn du an jedem Tag deines Lebens glücklich wärst, wärst du kein Mensch, sondern Dauergast in der Klapsmühle" (Winona Ryder als Veronica Sawyer in "Heathers").