Verkaufspraktiken von Kirby
28.02.2004
Pro:
vielseitig einsetzbar
Kontra:
schwer, laut, teuer
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Bedienung
Saugkraft
Lautstärke
mehr
 lemberger2004
Über sich:
Mitglied seit:28.02.2004
Erfahrungsberichte:2
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 32 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Es fing alles ganz harmlos an. In einem Verkaufsmarkt von Obi wurde ich angesprochen, ob ich an einem Gewinnspiel teilnehmen wolle. Die Adressen würden nicht weitergegeben und das Mitmachen würde zu nichts verpflichten. Die Frage war, um was für ein Gerät es sich handeln würde. Es sah aus, wie ein ferngesteuertes Mondauto. Tatsächlich wurde es aber „Multifunktionsgerät“ genannt. Einige Tage später erhielt ich einen Anruf aus einem Call-Center, ich habe gewonnen. Ob ich damit einverstanden wäre, wenn das Multifunktionsgerät in unserer Wohnung eine Stunde vorgeführt werde. Man wolle auf dem deutschen Markt Fuß fassen und bräuchte feedback. Unbedingt müsse auch meine Frau bei der Vorführung dabei sein. Mein Hinweis, bei uns würde auch im Haushalt Gleichberechtigung herrschen und ich könne alleine über Multifunktionsgeräte entscheiden, nützte nichts.
Ich hatte meine Frau gebeten, während der Präsentation anwesend zu sein, aber weiter am Computer zu arbeiten. Ich war immer noch ungehalten, dass ich als Mann nicht allein ein Multifunktionsgeräts beurteilen können sollte. Wir haben uns übrigens auch nicht sonderlich bemüht, die Wohnung vorher nett herzurichten.
Zum vereinbarten Termin erschienen zwei Herren in gestreiften (!) dunklen Anzügen und mit einem übergroßen Koffer. Der ältere hatte sich gleich in einen Stuhl gesetzt und es sich gemütlich gemacht. Er wusste schon, dass die Vorführung Stunden dauern würde. Darauf muss man sich ja schließlich einrichten. Die erste Unverschämtheit war die Frage, ob meine Frau, die mit dem Rücken zu uns weiter am Computer arbeitete, tatsächlich meine Frau sei. Was sollte das? Jetzt begann die Präsentation. Die erste Ernüchterung: Das „Multifunktionsgerät“ entpuppte sich als banaler Staubsauger, schwer und unhandlich mit tausenden von mehr oder weniger nützlichen Einzelteilen. Wir halten fest: Staubsaugerverkäufer in dunklen gestreiften Anzügen!
Der jüngere Herr im dunklen Anzug, der die Arbeit machen musste und mit Detailfragen nicht so vertraut war (z. B. ob er mir einige der 60 Patente nennen könne), meinte in aller Freundschaft, ob ich ihm versprechen könne, am Ende klar zu sagen, ob ich das Gerät wolle oder nicht. Darauf sollte ich ihm die Hand schütteln. Kommt wohl aus dem Amerikanischen: „Let’s shake on it!“, war hier aber irgendwie fehl am Platz. Wie auch die Antwort ausfallen würde, wir würden Freunde bleiben. Das Händeschütteln habe ich mir verkniffen, auch wenn dadurch jetzt eine Freundschaft zerbrochen ist ..... Ich sollte mit unserem Staubsauger einen Teil des Teppichs reinigen und Kirby zeigte dann, dass noch Tonnen von Staub und Dreck vergessen wurden. Mein Hinweis, dass auch Teppichfasern von den Bürsten mitgerissen wurden und es sich um einen guten Teppich handeln würde, wurde ignoriert. Dass unser Staubsauger keine Beutel brauchte, passte auch nicht so richtig ins Konzept.
Danach sollte der Teppich mit einem Mittel auf Kernseifenbasis eingeschäumt werden. Das konnte ich gerade noch verhindern. Danach sollte die Matratze gereinigt werden (Stichwort: „Multifunktionsgerät“). Ich konnte die Herren in den dunklen Anzügen davon abhalten, mich ins Schlafzimmer zu begleiten. Während ich die Matratze reinigte, meinte der ältere der Herren - wozu er extra aufstand - zu meiner Frau, sie als Amerikanerin müsse die Firma doch kennen. Ob es sich um eine Aktiengesellschaft handelt oder nicht, wussten unsere Experten nicht. Dies nahm meine Frau zum Anlass, im Internet Näheres zu der Firma in Erfahrung zu bringen. Sie stieß auf Verbrauchererfahrungen zu Kirby aus den Staaten und wurde hellhörig. Zwischenzeitlich führte man mir den Kirby als Schleif-Saug-Gerät vor, mit dem man auch den Rücken massieren könne. Gedacht ist also, dass samstagnachmittags zuerst das Auto mit dem Multifunktionsgerät poliert oder abgeschliffen wird. Abends bei Kerzenschein wird dann (bei laufendem Kirby - Motor) der Rücken der Herzensdame massiert. Dies mag zwar in der Vorstellungswelt eines Kirby - Fachverkäufers romantisch sein. Aber – ich habe mich diesbezüglich bei meiner Frau noch einmal rückversichert – die Vorstellungen gehen hier etwas auseinander.
Die Präsentation nahm ihren Fortgang und nahm an Dramatik zu: Mit dem Staub aus den Matratzen auf dem Tisch (weißer Staub auf schwarzem Tuch!) und großen Farbbildern von Milben, die kacken (O-Ton), wurde die Frage gestellt, ob uns 2 € pro Tag unsere Gesundheit und Sauberkeit der Wohnung Wert sei. Ich durfte ständig „Zubringerdienste“ leisten. Ein altes Messer wurde gebraucht, etwas Staub verbrannt. Der Geruch von verbranntem Eiweiß sollte demonstrieren, wie gefährlich der Staub sei. Zum Schluss sollte ich den Staub auch noch wegräumen. Meine Frau - die aufgrund der zunehmenden „Bitten“ der Herren an mich irritiert und eingeschnappt war - hatte die passende Idee und meinte trocken, die Herren sollen den Dreck doch mitnehmen. Nett und hilfsbereit wie wir nun einmal sind, haben wir dazu eine Plastiktüte bereitgestellt.
Die Vorführung geriet irgendwie außer Kontrolle, so dass wir sie beendeten. Allerdings waren dann auch schon 2,5 Stunden verstrichen! Sehr hilfreich war, dass meine Frau nicht direkt an der Vorführung beteiligt war. Sie konnte das Verhalten der Herren als Unbeteiligte verfolgen und ab und zu treffsicher querschießen. Das Gerät wurde abschließend noch bei uns in der Wohnung für die nächste Demonstration gereinigt und poliert – dreist! Offen blieb als die Frage, ob € 2.100 für einen Heimstaubsauger angemessen sind, wie die Ersatzteilversorgung ist, was diese kosten, was ein Staubsaugerbeutel kostet, ob es eine Betriebsanleitung gibt (wir haben nur DIN A4 Kopien gesehen) etc. Unseren Staubsauger (3 Wochen alt, 100 €) hätten sie übrigens in Zahlung genommen. Laut amerikanischem Consumer Reports bekommt man seinen Staubsauger bei einer Rückgabe des Kirby nur schwerlich zurück. Man kann den Preis wohl auf $ 700 „drücken“.
Ich komme zum Schluss und fasse zusammen: - Eine Vorführung entpuppte sich also als Verkaufsveranstaltung. - Die Zeitvorgabe wurde nicht eingehalten, wobei wir mit 2,5 Stunden wohl noch gut weggekommen sind. - Ständig wird einem vorgehalten, in was für einem Dreck man lebe und wie ungesund man lebe. - „Die Maschine könne einen Teppich von guter Qualität nicht beschädigen.“ Was für eine Unterstellung, unser Teppich sei von minderer Qualität. - Die Maschine ist zu schwer und zu laut. Für die Zubehörteile hätten wir anbauen müssen, um sie alle unterzubringen und, ehrlich, wer möchte ständig Teile austauschen und zusammenstecken?!
Mein Ratschlag: Lasst die Leute nicht in Eure Wohnung! .... aber trotzdem Freunde bleiben! P.S.: Als Hauptgewinn, wonach ich gleich zu Anfang gefragt hatte, durfte ich zwischen einem dreiteiligen CS Messer-Set und einem Scheren-Set wählen. Die Messer gibt es auch bei e-Bay.de zu einem Startgebot von 1 €. Das rechtfertigt den Ärger mit Kirby nicht.
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15.09.2004 01:09
Hallo klasse Bericht. Meine Frau hat sich gestern das Ding vorführen lassen. Der Vertreter hatte sich für 18 Uhr für eine halbe Stunde angemeldet. Um 20 Uhr war er immer noch da und ich mußte zum Sport. Als ich um 22 Uhr zurück kam, war der unverschämte Kerl immer noch in unserem Wohnzimmer zu gange. Um ein Haar hätte er sich einen Satz heiße Ohren eingefangen...zu seinem Glück ist er aber schnell genug von alleine verschwunden...natürlich ohne Bestellung. Also, nur reinlassen, wenn man Langeweile hat .... Mike
07.03.2004 14:04
das scheint ja wohl eine ganz nett firma zu sein... guter bericht!
01.03.2004 17:29
Zum Kirby selbst: Der Staubsauger ist sehr schwer, laut und man braucht viel(!) Platz für alle Zubehörteile, mit denen man ständig hantieren muss. Ob die rotierenden Bürsten einen Teppich wirklich schonend behandeln, wie die Verkäufer behaupten, wage ich zu bezweifeln. Bei der Vorführung landeten viele Teppichfasern auf dem Filter. Im Kirby stecken allerdings auch einige gute Ideen. € 2100 sind ein stolzer Preis. Die Folgekosten (Wartung, Ersatzteile, Service, Beutel) haben wir nicht erfragt.