Es gibt schon schlimme Irrtümer, so auch ..
20. Jun 2005
Pro:
Witzig, sarkastisch, weltoffen, interessant
Kontra:
Fällt mir nichts ein
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
mehr
 Babbel
Über sich:
Das Leben ist schön... lalala
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.. Klerikale Irrtümer Dieses Buch wurde mir von einer ehemaligen Arbeitskollegin empfohlen als Geschenk für einen Freund. Als ich es schließlich in Händen hielt (wie immer über Bertelsmann bestellt für EUR19,90), musste ich aber feststellen, dass es nicht ganz seinem Stil entsprach, also behielt ich es selbst.
Das Cover: Das Cover ist eines der leichtesten Dinge die es dort zu beschreiben gibt. Das Buch ist nicht sehr dick, vielleicht einen Daumen breit und mit creme-farbenem Einband. Darauf sind mehrere Männer in Soutanen abgebildet, die ziemlich an Don Camillo erinnern. Die Männer halten Händchen und scheinen zu Tanzen während sie einen anderen Priester umkreisen.
Die Story: Edmond Musîc, bekannt als Edmond Music, ist eigentlich ungarischer Jude, doch um sein Leben während des 2. Weltkrieges zu retten, konvertierten ihn seine Eltern zum Katholizismus und verschafften ihn nach Paris. Jetzt ist er Priester in England und dank einer früheren Geliebten auch der Direktor von Beale Hall, eines Herrenhauses mit riesigem Park, einer Gemäldesammlung von unschätzbarem Wert und einer Bibliothek, die so manchen Schatz enthält. Seine Haushälterin, Maude Moriarty, ist seine Geliebte und sein bester Freund ist ein General im Ruhestand, dem nichts größere Freude bereitet, als den Beweis dafür zu finden, dass Gott nicht existiert. Natürlich ist Edmond nicht mehr der Jüngste, was ihn aber nicht
davon abhält, die Vergangenheit und damit seine Affäre mit seiner Haushälterin im Geiste wieder aufleben zu lassen.
Auf jeden Fall hat Edmond einen Feind, der ebenfalls aus der Loge des Katholizismus kommt und mit aller Macht versucht, Edmond zu denunzieren. So traf es sich, dass die Haushälterin des Priesters glaubte, schwanger zu sein und so musste sich der Priester Geld besorgen. Da er aber mit seinem eigenen Gewissen nicht ins Reine kam, ein Buch von scheinbar unschätzbarem Wert der Bibliothek seiner Obhut zu entwenden und zu verkaufen, übernahm dies seine Haushälterin. Und plötzlich findet der Erzfeind, Professor der Theologie Fred Twombly, einen Hinweis, dass ein wertvolles Buch Beale Hall ohne Erlaubnis des Vatikan (Beale Hall wurde zwischenzeitlich der Kirche gestiftet) verkauft worden war. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Kann Edmond seinen Rausschmiss aus Beale Hall verhindern? Und dann ist da ja auch noch sein Steckenpferd, die Geschichte des Rabbis Solomon Falsch von Ludlow. Meinung
Klerikale Irrtümer ist ein Buch mit viel Selbstironie. Es ist in der Ich-Form geschrieben und zeigt das Für und Wider des Katholizismus zu anderen Religionen, aber auch der Zwiespalt das Priesters auf, der nicht weiß, ob er sein Volk, die Juden, verrät, indem er, obwohl er nie an den Katholizismus geglaubt hat, weiter Priester bleibt. Auch sein Lebenswandel wird als äußerst interessant und aufschlussreich beschrieben, so sollte es doch nicht an der Tagesordnung eines katholischen Priesters sein, egal ob in Frankreich, England oder sonst wo, eine Geliebte zu halten und sich die kirchliche Absolution durch einen Freund zu holen, der mindestens genauso viele Laster hat. Das Buch ist sehr humorvoll, wenn manches Mal auch frivol oder gar unverschämt, doch es lässt dem Leser keine Ruhe. Man kann sich richtig in die Haut des alternden Priesters hineinversetzen und verstehen, warum er handelt, wie er es tut. Auch die Suche nach dem Buch gestaltet sich außerordentlich spannend und auch wenn man das Ende fast erahnen kann, wird man erst auf der letzten Seite davon überzeugt, Recht behalten zu haben. Isler der als säkularisierter Jude wohl durchaus das Recht hat, seine eigene Religion zu beurteilen, schafft eine Brücke des Verständnisses für Leser, die sich mit diesem Glauben nicht auskennen. Der Autor:
Lieder ist über den Autor recht wenig veröffentlicht. Ich fand nur heraus, dass er 1934 als Sohn einer österreichisch-jüdischen Familie in London geboren wurde, 1952 nach New York auswanderte und dort von 1967 bis 1995 am Queen's College der City University of New York als Anglistik-Professor die Literatur des Elisabethanischen Zeitalters unterrichtete und heute wieder in London lebt. Neben "Klerikale Irrtümer" veröffentlichte er noch "Der Prinz der West End Avenue" mit dem er 1994 den National Jewish Book Award gewann, "Goetzens Bilder" und ein Novellen-Werk mit Namen "Op.non.cit.". Fazit:
Ich kann hier eigentlich nur eines sagen: "Prädikat wertvoll"! Klerikale Irrtümer liest sich nicht wie ein Drei-Groschen-Roman sondern zeigt dem Leser eine ganz andere Welt. Eine Welt, von der er vielleicht irgendwann mal gerüchteweise gehört, doch nie wirklich daran geglaubt hat. Gepaart mit Witz, Ironie und losem Mundwerk schaffte Alan Isler einen Priester ganz nach meinem Geschmack, der zwar offenkundig scheinheilig, aber immer grundehrlich ist (bis zu einem gewissen Grad natürlich). Besonders gefallen hat mir der alte General, der immer im Wettstreit mit Edmond lag, diesem die Nicht-Existenz von Gott zu beweisen. Als sich dann noch Twombly und der Bischof einschalten, waren die Lacher vorprogrammiert. Vor allem als Edmond sich in volle Montur wirft, nur um den General zu provozieren, während des wöchentlichen Schachspiels.
Wer sich nicht davor scheut, hinter die Kulissen zu blicken und keine Angst vor sarkastischen, ironischen und frivolen Äußerungen in Hinblick auf Juden und/oder Sex im Zölibat hat, sollte sich das Werk des Amerikaners nicht entgehen lassen. Es gehört definitiv nicht zur Gruppe der sensationsträchtigen Bücher, doch könnte es dennoch für eine Sensation auf der heimischen Couch sorgen. Das verwandte Foto habe ich br online entnommen. Sämtliche Rechte bleiben natürlich dort.
Bilder von Klerikale Irrtümer - Isler, Alan
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04.08.2005 09:45
hört sich gut an, muss mal wieder in die Buchhandlung..LG, Vanessa
21.06.2005 09:30
Super Bericht. Lg
20.06.2005 20:36
Das klingt gut, werde das Buch mal ins Auge fassen. Ich mag Geschichten, die sich auf humorvolle Art mit Religion beschäftigen ...