Robert Rankin: Kohl des Zorns
(Bastei Lübbe 24264)
gelesen von Mark-Steffan Sielaff
Es sind nur noch ein paar Wochen Zeit. Dann fangen die Olympischen Sommerspiele des Jahres 2000 an. Welche Gelegenheit ist wohl günstiger geeignet (Man denke nur an die weltweiten Einschaltquoten!), der ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von wmueller über Kohl des Zorns / Robert Rankin 26.12.1999
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Robert Rankin: Kohl des Zorns (Bastei Lübbe 24264) gelesen von Mark-Steffan Sielaff
Es sind nur noch ein paar Wochen Zeit. Dann fangen die Olympischen Sommerspiele des Jahres 2000 an. Welche Gelegenheit ist wohl günstiger geeignet (Man denke nur an die weltweiten Einschaltquoten!), der Menschheit eine Botschaft zu übermitteln. Auch wenn diese lautet: Ich hasse Euch und werde Euch deshalb vernichten! Pech (oder auch Glück) für Sidney, dass das Wesen, welches diese Botschaft verkünden will, die Kleinstadt Brentford (England) für geeigneter hält und die Spiele kurzerhand dorthin verlagert. John Omally und Jim Pooley waren im Gegensatz zu den Australiern sehr erfreut darüber. Versprach ihnen dieser Umstand doch Reichtum. Sie hatten 10 Pfund in eine 1 zu eine Million Wette investiert, dass Brentford die Olympischen Spiele ausrichten würde. Doch bevor die zwei ihren Gewinn einlösen können, sehen sie sich plötzlich mit dem personifizierten Bösen konfrontiert. Und als ob das nicht genug wäre, zwingt man sie auch noch zu "ehrlicher" Arbeit. Nach "Der Antipabst", "Die Akte Brentford" und "Jenseits von Ealing" schickt Robert Rankin seine beiden Helden und Stammkunden des "Fliegenden Schwan" zum vierten Mal in den Kampf gegen finstere Mächte und für das Recht auf Faulheit und Bier. Dabei stellt er ihnen den in den neuen und alten Wissenschaften gelehrten Professor Slocombe zur Seite. Wenn man "SF" auf dem Rücken eines Buches stehen sieht, denkt man (gerade jetzt, kurz nach dem Erscheinen des vierten oder auch ersten Teiles von Lucas' Sternensaga) zuerst an Raumschiffe, Laserfeuer oder wenigstens fremde Welten und ein paar Aliens. Wer in Erwartung dessen Rankins Buch aufschlägt, oder eben in der Befürchtung dessen liegen lässt, hat sich täuschen lassen. (Ja, ja, man soll eben ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilen.) Statt dessen findet man sich in eine ganz gewöhnliche Kleinstadt versetzt, wo ganz gewöhnliche Menschen ihre ganz gewöhnliche Arbeit verrichten und ihren ganz gewöhnlichen Lastern frönen. Wenn man sich auch strikt weigert, sich selbst mit einer der handelnden Personen zu identifizieren, so hat man doch keine Mühe damit, in den gut skizzierten Charakteren den einen oder anderen Bekannten wieder zu erkennen, oder auch Menschen, die man gerne kennen würde bzw. solche, die man lieber nicht kennen lernt. Und nachdem man sich durch den etwas zähen Anfang gelesen hat, kommt dann doch die ersehnte Spannung auf, die sich in Richtung Buchende immer weiter steigert. Dabei müssen aber technische Spielereien, auf deren Umschreibung andere SF-Autoren so großen Wert legen, ein Schattendasein fristen. Bei Rankin stehen die Personen im Vordergrund und verdrängen die Details, die zu der "SF"-Einordnung führen, zum schmückenden Beiwerk. Witzig gehaltene Dialoge und Textpassagen machen das Lesen zum Vergnügen. Allerdings wird dieses Vergnügen nur zu oft durch eine Flut von wohl witzig gemeinten, aber ein bisschen zu flach gehaltenen Fußnoten getrübt, in denen der Übersetzer und dessen Lektor sich ein weniger gelungenes Wortgefecht liefern, welches mit dem Buchinhalt nur in dem Zusammenhang steht, dass es zufällig auf das selbe Papier gedruckt wurde. Rankin selbst braucht einen Vergleich mit dem Humor eines Terry Pratchett o.ä. nicht zu scheuen. Durch die augenzwinkernde Darstellung der Eigenheiten und Macken der sogenannten "normalen" Menschen, und ebenfalls "sogenannter" Kleinbürger (also der wiederum "sogenannten" kleinen Leute), erinnert er sogar ein wenig an Autoren wie Vonnegut, Dürrenmatt oder Kishon (ohne dabei eine Wertung vornehmen zu wollen). Derartige Vergleiche hinken immer etwas, denn sie schüren den Verdacht, der eine würde beim anderen abschreiben. Und das kann man R.R. beim besten Willen nicht vorwerfen. Rankin hat seinen eigenen lockeren Stil entwickelt. Kennzeichnend ist vielleicht, dass er nicht davor zurückschreckt, sich die künstlerische Fre(i/ch)heit zu nehmen, gegen Ende des Romans Hugo Rune, dem Star seines Rune-Zyklus, einen Gastauftritt zu gestatten. Bei all dem kommt aber auch die Phantasie nicht zu kurz. Die Handlung enthält genug "unmögliches" um zumindest das "F" im "SF" zu rechtfertigen. Sowohl der alte Menschheitstraum vom Fliegen, die Schaffung großer Bauwerke ohne die damit verbundenen Strapazen, als auch der Bereich der klassischen Magie werden behandelt. Rankin behandelt seine Ideen dabei aber als Seitenhiebe sowohl auf die Kollegen, die ihre Werke auf derartige Überlegungen stützen als auch auf die Menschen, die sich gegen alles sperren, was sie noch nicht in "seriösen" Fernsehsendungen gesehen haben. Damit bewegt sich Robert Rankin in einem Grenzbereich der Science Fiction, der auch dem Leser, der sich geistig in unserem Sonnensystem am wohlsten fühlt und auch keine Lust auf eine Zeitreise hat, kurzweilige Unterhaltung bieten kann.