Der Wolf im Schafspelz
21.02.2004 (23.02.2004)
Pro:
"Look and feel", Verarbeitung, Funktionen, Preis
Kontra:
hauptsächlich Plastik, kein Kabelfernbedienungsanschluß
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Bildqualität
Ausstattung
Bedienung
Verarbeitung
Akkulaufzeit
Zuverlässigkeit
Service
mehr
 Kwashiorkor
Über sich:
Mitglied seit:28.12.2002
Erfahrungsberichte:12
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 30 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Nach einem Jahr intensiver Beschäftigung mit der Fotografie und der sehr häufigen Benutzung meiner "alten" Minolta Dynax 4 war ich auf der Suche nach einer Kamera, die die Funktionen besitzt, die ich nun doch seit einiger Zeit vermisse. So hat die Dynax 4 keine Schärfentiefevorschau und nur 3 AF-Sensoren. Da ich aber meine Objektive alle weiterverwenden wollte, musste es auch eine Minolta sein. Aber welche? Lange habe ich auf die Dynax 7 gekuckt, hat sie doch alles, was man so braucht. Ich habe mich auch schon mit der Option angefreundet, diese in den USA zu bestellen und damit vom starken Euro zu profitieren. Zufälligerweise aber stolper ich Ende Januar auf einem meiner Kreuzzüge nach Kameras mal wieder über die Minolta-Seite und staune nicht schlecht, als dort zwei neue Spiegelreflexkameras aufgeführt werden. Die Dynax 40 und die Dynax 60. Den Daten nach zu urteilen ist die Dynax 40 eher als Ersatz zur Dynax 4 (also meiner Kamera) gedacht, während die Dynax 60 schon recht nahe an die Dynax 7 herankommt, hat sie doch ebenfalls die neun Autofokussensoren der "7". Also bin ich ab zu Preissuchmaschinen und habe nach dem günstigsten Angebot gesucht und bin schließlich bei www.technikdirekt.de fündig geworden. Knapp 200€ waren es da! Keine Minute habe ich gezögert und die Kamera sofort bestellt. Das war am 26.01.2004. Da die Kamera brandneu war/ist, hat es mit Minolta einige Lieferverschiebungen gegeben, sodass ich mein neues Baby erst gestern in Empfang nehmen konnte. Aber wie es sich gelohnt hat, zu warten!
Als allererstes ist mir das Design aufgefallen, welches doch eher an die Dynax 7 erinnert als an eine billige SLR. Komplett in schwarz gehalten mit einigen silberfarbenen Elementen (Dynax 60-Plakette, das Minolta-Logo und die Beschriftungen) macht sie schon was her! Das Gehäuse an sich ist hauptsächlich aus Plastik, wobei das Bajonett sowie der obere Teil um das Display und den Rädchen in Metall gehalten sind. Also genau die Teile, die am meisten an Verschleiß leiden. Und obwohl die Kamera hauptsächlich aus Plastik ist, macht sie einen äußerst soliden Eindruck. Auch sofort aufgefallen ist mir das zusätzliche Rädchen, welches meine "4" nicht hat. Dieses Rädchen (gleich neben dem Infodisplay) hat mich sofort begeistert, denn es erlaubt die sofortige Umschaltung zwischen "Aus" und den diversen Modi, wie Blenden- oder Zeitvorwahl, komplett manuelle Einstellung oder den Motivprogrammen. Bei meiner Dynax 4 war dafür noch ein umständliches Jonglieren mit zwei Händen nötig! Die Rädchen selbst sind äußerst griffig und auch höher als die meiner "4", sodass ich nun wohl nicht mehr Probleme mit meinen großen Händen habe.
Das linke Funktionsrad dient wie bei der Dynax 4 zur Einstellung aller möglichen anderen Funktionen wie Autofokusmodus, Mehrfachbelichtungen, Selbstauslöser, Customfunktionen und viele andere mehr. Mitten darin befindet sich ein "FUNC"-Knopf, den man dann bei gewähltem Menüpunkt drücken muss, um mit dem dritten Rädchen, welches an der Vorderseite griffgünstig genau neben dem Auslöser angebracht ist, die jeweiligen Einstellungen durch Drehen zu ändern. Klingt kompliziert? Einmal ausprobieren und begeistert sein sage ich da nur! Der Auslöser gefällt mir etwas weniger als der der "4", weil der Andrückpunkt nicht so klar definiert ist. Bei der Dynax 4 hat man eine klare Rückmeldung, wenn man den Auslöser halb angedrückt hat, bei der "60" ist es etwas verwaschener. Mit etwas Gefühl im Zeigefinger sollte man es aber trotzdem schaffen!
Auf der Rückseite der Kamera befinden sich drei weitere Knöpfe. 1. Der AF-Knopf: Gedrückt gehalten kann man damit nur den zentralen Kreuzsensor der Kamera aktivieren, ohne die anderen 8 Sensoren zu beutzen. Praktisch, wenn man bei einem sehr stark in die Tiefe gehenden Motiv nur den Bereich in der Bildmitte scharfstellen will. Oder einfach nur, wenn man die volle Kontrolle haben will. Hält man den Knopf gedrückt, kann man mit dem vorderen Drehrädchen jeden einzelnen der 9 Sensoren auswählen. Aber dies alles, sowie die Funktionen der anderen Knöpfe, kann man mit den zigtausend (Ich übertreibe hier) Customfunktionen einstellen.
2. Der AEL-Knopf. Recht neu für mich, weil ich den Knopf nur von anderen Herstellern kenne (Meine Dynax 4 hatte ihn nicht) tut er genau das, was man von diesen auch kennt: Die Belichtung speichern. So kann man einen bestimmten Bildausschnitt messen, den AEL-Knopf drücken und dann einen anderen Ausschnitt wählen, der mit der gespeicherten Belichtung fotografiert wird. Auch äußerst praktisch! Der dritte Knopf schließlich dient dem Auskoppeln des Autofokus, sodass man manuell fokussieren kann. Auch praktischer als der ungünstig gelegene Hebel an meiner "4".
Zwei weitere Knöpfe sind noch auf der Vorderseite vorhanden, mit denen man einerseits den Blitz ein- und ausschalten, sowie dessen Betriebsmodi verändern kann, beziehungsweise die Einstellungen für eine Belichtungskorrektur (In Halbstufen von -2 bis +2) verändern kann. Alle Knöpfe (bis auf den für die Schärfentiefevorschau, der auf der Vorderseite ganz unten rechts neben dem Objektivbajonett sitzt) und Rädchen sind sehr griffgünstig platziert und geben keine Rätsel auf. Auch mit meinen großen Händen kann ich sie problemlos bedienen.
Kommen wir nun zu einem der wichtigsten Punkte: dem Sucher. Ein wesentlicher Unterschied zu meiner alten Kamera ist das Vorhandensein einer Dioptrieneinstellung, die es möglich macht, ohne Brille zu fotografieren. Ein weiterer Pluspunkt. Als ich das erste mal durch den Sucher geblickt habe, war ich vollends begeistert! Man sieht sofort, wo die 9 AF-Sensoren sitzen und die Infoanzeige läßt einen niemals im Unklaren über den Betriebsmodus der Kamera. Hier werden sowohl Belichtungszeit- und Blendeneinstellung, Belichtungskorrektur und der gewählte Autofokusmodus (man kann im Costummenü zwischen "alle", "Spot (nur der in der Mitte)" und "alle bis auf den Zentralsensor" einstellen) angezeigt. Überlässt man die Wahl des Sensors der Kamera, so zeigt ein rotes Aufblitzen des betreffenden Symbols im Sucher, welcher Sensor verwendet wurde. Eine tolle neue Erfahrung für mich! Wählt man den Autofokussensor mittels oben beschriebener Vorgehensweise selbst aus, so wechselt das Infodisplay und zeigt in einer anschaulichen Grafik an, welcher der Sensoren gerade gewählt ist. Unglaublich praktisch! Der Sucher selbst ist sehr hell (wie bei der Dynax 4) und die Helligkeit der Infoanzeige wird wird vom einfallenden Licht beeinflusst. Das heißt: richtet man die Kamera auf ein dunkles Objekt und drückt den Auslöser an, ist sie weniger hell (und stört damit nicht das Bild im Sucher) als wenn man zum Beispiel einen hellen Wolkenhimmel fotografieren will, wo die Helligkeit der Anzeige stark angehoben wird. So kann man sich sicher sein, immer alle Werte gut ablesen zu können.
Kommen wir nun zu einem kleinen Manko der Kamera: als ich sie das erste mal aus der Verpackung genommen habe, bin ich mit einer Hand an den eingebauten Blitz gekommen und dieser ist sofort hochgeklappt. Leider ist mir dies auch im normalen Betrieb ein paarmal passiert, was mich ein wenig gestört hat. Der Blitz selbst ist recht groß dimensioniert und sollte allemal als Aufhellblitz taugen. Ein weiteres Manko ist die Tatsache, daß sich Minolta den Anschluß für das Auslösekabel gespart hat. Stattdessen müsste ich mir einen Infrarotauslöser besoren, was ich aber nicht tue, da ich über 30 Euro für das Kabel gezahlt habe, welches ich mit der Dynax 4 verwendet habe! Mit ein Grund, wieso ich meine "alte" Kamera nicht verkaufe, sondern als Zusatzkamera behalte.
Im täglichen Einsatz der Kamera (Habe sie natürlich ausführlich getestet) fällt auf, daß der Autofokus sehr schnell ist. Bei wenig Licht fällt es der Kamera naturgemäßt etwas schwer aber bei normaler Beleuchtung wählt sie meistens zielsicher den am besten passenden Autofokussensor und stellt blitzschnell scharf. Natürlich hat dies auch mit dem Objektiv zu tun, aber es kommt mir vor, als sei sie noch einen Tick schneller als meine Dynax 4, mit der ich ja dieselben Objektive verwenden kann. Etwas neues hat sich Minolta zum Thema Nachführautofokus ausgedacht: Dieser soll nun angeblich selbst Bewegungen in der Tiefe eines Objektes erkennen können und dementsprechend scharfstellen. Das kommt mir natürlich sehr zugute, weil ich sehr oft (sich bewegende) Flugzeuge fotografiere. Sobald ich es das erste Mal ausprobiert habe, kommt hier ein Update rein! Die Belichtungsmessung wird standardmäßig über das Wabenzonensystem durchgeführt, bei dem 14 sechseckige Meßfelder ihre Daten zum Chip schicken und dieser dann unter Bevorzugung der mittleren Felder die Belichtung errechnet. Also genauso wie bei der Dynax 4 oder auch den Profikameras von Minolta. Man kann natürlich auch Spotmessung (nur der mittlere Sensor) oder mittenbetonte Integralmessung einstellen, jeder, wie er es mag.
Mit der Kamera Fotos zu schießen macht wirklich ungeheuren Spaß! Durch das etwas größere Gehäuse (im Vergleich zu Dynax 4) und die angenehmen Rundungen liegt sie sehr gut in der Hand und durch die vollständige Kontrolle über alles, was die Kamera macht, ist man ständig Herr der Lage und wird niemals von der Kamera bevormundet. Klar kann man auch mit dem Automatikmodus oder den Motivprogrammen fotografieren, aber sobald man etwas tiefer in der Materie ist, wird man merken, dass einen diese Kamera bestmöglich bei allen kreativen Aktivitäten unterstützt. Ich bin jedenfalls begeistert von ihr und ich hoffe, ihr konntet das mitempfinden! In einem zunehmend von der Digitalfotografie dominierten Markt erfreut es mich immer mehr, solche Schätzchen zu einem konkurrenzlosen Preis zu erstehen und mit einem guten Diascanner schließlich vergleichbare Resultate zu denen digitaler SLRs zu erzielen. Also sollte jemand Minoltaausrüstung verwenden und sucht nach einer neuen Kamera zu einem guten Preis, dann hat er sie jetzt gefunden! Ich gebe sie jedenfalls nicht mehr her.
Es ist wahrscheinlich nicht wirklich angebracht, diese Kamera mit der Dynax 4 zu vergleichen. Man müsste wohl eher die Dynax 5 dazu herziehen. Aber da ich nunmal die Dynax 4 mein Eigen nenne, habe ich leider keine Erfahrungen mit der Dynax 5 gemacht. Diese unterscheidet sich aber nur unwesentlich von der "4", sodass man wohl im Großen und Ganzen die Beobachtungen übertragen kann. Die genauen technischen Daten habe ich hier absichtlich nicht aufgeführt, da sie (inklusive der Customfunktionen) ausführlichst auf der Minolta-Seite abgerufen werden können.
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07.10.2005 11:42
Hallo, guter, objektiver Bericht. Ich habe mir die Kamera incl. Zomm-Objektiv vor knapp 6 Monaten gekauft und mittlerweile 15 Filme verschossen. Hier noch ein paar NACHTEILE: Batterien 2 Stk. CR2 (Straßenpreis ca. 7 Euro PRO STÜCK! u.U. auch mal für 4 Euro zu finden) - es gibt keine Möglichkeit enen Accu einzusetzen. Nach 15 Filmen brauchte ich einen Satz neue Batterien. Oder hat jemand einen Tip? Blitzanschluss KEIN X-Kontakt - mein schöner 45 CT1 kann jetzt nur noch über den Servoauslöser gezündet werden. Das bedeutet aber auch, daß der Aufhellblitz immer mitzünden muss, was ganz schön in die Batterien geht. Fernbedienung Ganz schön witzig dieses kleine Teil - ABER bescheidene Reichweite. Der Drahtauslöser fehlt mir doch schon sehr. Wie soll ich denn bitteschön eine Lichtschranke anschließen - ok - ich bin vielleicht jetzt nicht gerade der "Durchschnittsfotograf" aber ich hab hier ne Minolta in der Hand und keine Camera von irgendeinem Billighersteller. Zoom-Objektiv Das mitgelieferte Zoom-Objektiv mag zwar als Notbehelf was taugen. Aber wer sich ein bischen in die Materie eingelesen hat wird sehr schnell feststellen, daß die Lichtstärke und die Qualität ziemlich bescheiden ist. Es lohnt sich auf alle Fälle sich mindestens noch ein 50/1.7 Festbrennweite zuzulegen. Aviable light ist dann möglich. Immerhin gewinnt man dadurch satte 3 !!! Blendenstufen und das nur durch ein lichtstarkes Objektiv. Wenn man sich dann vor Augen führt, was ein vernünftiges Teleobjektiv oder gar ein lichststarkes und verzeichnungsarmes Zoom kostet, so könnte man fast behaupten: der Body ist eine kleine Dreingabe zum Objektiv. Für alle Minolta-Fans möchte ich an dieser Stelle auch noch auf den Internetauftritt http://www.minolta-forum.de hinweisen. Grüße Ralf alias CMYK
30.03.2004 10:50
Hallo! Ich bin zur Zeit auf der Suche nach einer neuen SLR, habe allerdings Objektive für MInolta, so dass ich da relativ festgelegt bin. Habe mich für die Dynax 5 interessiert, bin aber in einem kleinen Fotofachgeschäft auf die 60 aufmerksam gemacht worden. Sie gefällt mir eigentlich recht gut, kann viel mehr als ich wahrscheinlich jemals benutzen werde. Direkt aufgefallen ist mir, dass sie besser in der Hand liegt als meine "Alte" 505 si. Dein ausführlicher Testbericht hat mir sehr gefallen und mich dazu ermutigt mir die Dynax 60 zu kaufen. Vielen lieben Dank! So, dann muss ich mal los.....:) LG Silvia
25.02.2004 23:04
Super Bericht! Ich habe mich sowieso schon für diese Kamera interessiert und werde sie wahrscheinlich auch kaufen!