Die Legende von dem, was wirklich wichtig ist!
06.11.2002
Pro:
4 überragende Darsteller, faszinierende Geschichte, toll inszeniert
Kontra:
für manche vielleicht zu anspruchsvoll?
Empfehlenswert:
Ja
 BillMaplewood
Über sich:
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 72 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
König der Fischer ist ein schon etwas älterer Film, aus dem Jahr 1991, aber er gehört immer noch zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Endlich kam ich auch mal wieder in den Genuss den Film zu sehen, und möchte die Chance mal nutzen alle diejenigen, die den Film noch nicht kennen, ausdrücklich auf diesen Film hinzuweisen. Bevor ich aber erläutere, was diesen Film so sehenswert macht, ein paar Wort zum Inhalt. Der Inhalt ******* Radio-DJ Jack Lucas (Jeff Bridges) ist auf dem Höhepunkt seines erfolgreichen Lebens. Er, der am liebsten mit einer Limousine durch die Gegend gondelt, allen Menschen sich gegenüber höchst arrogant verhält, er ist der Star seiner eigenen Radiosendung und nun soll er auch noch den Durchbruch im TV schaffen. Ihm ist die Rolle in einer neuen TV-Serie angeboten worden, welche sicher ein absoluter Knaller bei den Zuschauern werden wird. Doch dann zerstört ein Ereignis sein ganzes glorreiches Leben: Mal wieder hat er in seiner Radiosendung einen der verzweifelten Anrufer mit zynischen Sprüchen lächerlich gemacht, doch dieser nimmt Jacks Worte ernst, zu ernst. Er schnappt sich ein Gewehr und läuft in einer Bar Amok. Die TV-Sender verbinden bei ihrer Berichterstattung richtigerweise den Amoklauf mit dem vorherigen Telefonat zwischen Jack und dem Amokläufer.
3 Jahre später: Jack ist am Tiefpunkt seines Lebens. Er ist eigentlich arbeitslos, hilft nur noch zwischendurch aus in dem Videoclub seiner Freundin Anne (Mercedes Ruehl), die als einzige zu ihm gehalten hat. Doch die Mehrheit seiner Zeit widmet er sich dem Alkohol und dies sehr ausgiebig. Dabei wird er eines Abends, als er volltrunken durch die Straßen streift mit dem Ziel seinem Leben ein Ende zu setzen, aufgrund seines Zustandes und seines Aussehens für einen Penner gehalten und von 2 Jugendlichen angegriffen. Doch bevor diese ihn wie geplant anzünden können, kommt der wunderliche Penner Parry (Robin Williams) Jack zur Hilfe und rettet ihm das Leben. Parry ist verrückt, er hält sich für einen Ritter, von Gott persönlich gesandt, den heiligen Gral zu finden und er hält Jack für den Auserwählten, denjenigen, der ihm helfen wird den Gral zu bekommen. Jack will natürlich so schnell wie möglich diesen Verrückten loswerden. Doch dann erfährt er, dass Parry nicht immer Parry war. Er war früher ein angesehener Dozent, bis bei einem Amoklauf vor 3 Jahren seine Frau ums Leben kam, seitdem ist er verrückt und hält sich für den Ritter Parry. Jack ist natürlich sofort klar, dass Parrys Frau das Opfer des Amoklaufs wurde, den er mitverschuldet hatte und er sieht eine Chance sein eigenes Leben wieder in ordentlich Bahnen zu bringen, wenn er Parry hilft. Er glaubt, dass er damit für seine Schuld bezahlt haben wird. Doch dies erweist sich schwerer als gedacht, denn der Jacks als einziges bekannte Weg funktioniert nicht: Parry will kein Geld. Jack findet aber heraus, dass Parry in ein äußerst schusseliges Mädchen namens Lydia (Amanda Plummer) verliebt ist und setzt sich als Ziel beide zusammenzubringen. Wenn er dies schafft, denkt er, dass er wieder genug Kraft hat, sein altes erfolgreiches Leben fortzuführen, und wieder ein Star zu sein, den die Menschen in der Gosse nicht interessieren. Doch Jack wird erkennen, dass Erfolg nicht das wichtigste im Leben ist, sondern wirklich wichtig ist: leben, lieben, lachen. Und eine Mitgliedschaft im Videoclub. Meine Meinung ******* Nach einer diesmal ausgesprochen langen Inhaltsangabe, aber meiner Meinung nach diesem Film absolut angemessen, komme ich jetzt endlich zu meiner eigenen Meinung.
Mit „König der Fischer“ ist Ex-Monty Phyton Terry Gilliam ein weiterer genialer Film gelungen. König der Fischer ist eine der besten Tragikkomödie, die ich kenne. In kaum einem anderen Film werden die beiden Elemente Tragik und Komödie so gut vermengt, wie in diesem Film. Dies spiegelt sich vor allem in der Person von Parry wieder, der von Robin Williams meisterhaft dargestellt wird. Robin Williams spielt die tragischste Rolle des Films, ein Mann, der einem nur Leid tun muss und dies auch immer wieder tut; er ist aber auch die Person, welche für die meisten Lacher im Film sorgt. Robin Williams wirft hierfür alles in die Waagschale, was er kann. Seine Mimik reicht von den größten Grimassen mit dem riesen großen typischen Williams-Lachen bis hin zu den traurigsten Gesichtern, die man in einem Film je gesehen hat. Aber auch die restlichen Darsteller stehen Robin Williams nicht nach. Mit Jeff Bridges hat er einen kongenialen Partner, der ebenfalls für diesen Film eine ganze Palette unterschiedlicher Mimiken und Gestiken aufbieten muss und dies auch perfekt macht. Vom Film, der doch stellenweise stark auf diese beiden Protagonisten fokussiert ist, werden 2 Frauen zwar etwas in den Hintergrund gerückt, nicht aber von der schauspielerischen Leistung. Amanda Plummer sorgt neben Williams für die weiteren komischen Elemente des Films. Es ist göttlich ihr zuzusehen, wie sie ihre Rolle der schusseligen, leicht weltfremden Lydia spielt, und z.B. auf dem Weg aus dem Büro durch die Drehtür gehen will und dabei aufgrund ihrer Schusseligkeit und ihres unscheinbaren Äußeren immer wieder noch eine weitere Runde durch die Drehtür machen muss. Nachstehen muss dem aber nicht Mercedes Ruehl, die meiner Ansicht nach zurecht einen Oskar (Beste weibliche Nebenrolle) für diesen Film gewonnen hat. Auch sie zeigt klar die Zerrissenheit in ihrer Rolle. Wie sie einerseits Jack über alles liebt, andererseits aber immer wieder von ihm enttäuscht wird. Sie schafft es glaubhaft darzustellen, warum Anne Jack nach all seinen Handlungen noch nicht längst verlassen hat.
Grandios sind auch die Dialoge des Films, die oft auf den ersten Eindruck nur Schwachsinnigkeiten enthalten, beim genauen Hinhören aber brillant sind, und immer perfekt in die Handlung passen. Dadurch ist der Film aber sicher auch ein Film der anspruchsvolleren Sorte, auf denn man sich konzentrieren muss, um ihn in seiner vollen Breite zu verstehen und genießen zu können. Der König der Fischer ist eine moderne Legende, es ist ein Film, der viel wahres enthält, es ist ein Film, der dem Zuschauer auch zeigt, was wirklich wichtig im Leben ist und der auch über Teile des Films, die erfolgsorientierte Gesellschaft anprangert ohne dabei aber andauernd den moralischen Zeigefinger zu heben.
Der König der Fischer lebt auch von äußerst gefühlvoll inszenierten Bildern, egal ob rasante Schnitte benutzt werden, oder ob die Kamera direkt und lange nur eine Stelle betrachtet, es passt immer perfekt. Auch außergewöhnliche Ideen, wie z.B. ein Bild, welches in das andere läuft und dieses dadurch verdrängt, ähnlich wie bei einer Diavorführung nur mit bewegten Bildern, auch diese außergewöhnlichen Ideen passen zur jeweiligen Situation und untersteichen die Geschehnisse im Bild immer genau richtig. Die Bilder werden dabei auch immer, wenn Musik verwendet wird, von dieser auch wirklich stimmig untermalt. Was soll ich weiter sagen?
Bei diesem Film passt wirklich alles. 4 grandiose Darsteller, wo man gar nicht weiß, welchen man hervorheben soll, da es alle 4 verdient hätte, dazu eine zugleich außergewöhnlich tragische und komische Geschichte, perfekt, aber sehr anspruchsvoll inszeniert: Ich kann jedem nur empfehlen sich diese Legende von dem, was wirklich wichtig ist, nämlich leben, lieben, lachen und eine Mitgliedschaft im Videoclub mindestens einmal anzusehen. König der Fischer bekommt von mir 10 von 10 möglichen Punkten!
Titel Deutschland: König der Fischer Originaltitel: The Fisher King Genre: Tragikkomödie USA 1991, FSK 16, Laufzeit: 132 Minuten Darsteller: Jeff Bridges (Jeff Lucas), Robin Williams (Parry), Mercedes Ruehl (Anne), Amanda Plummer (Lydia), David Pierce (Lou Rosen), Ted Ross (Limo Bum), Lara Harris (Sondra), William Preston (John), Mark Bringelson (Drooler), Mel Bourne (Langdon Carmichael), Tom Waits (verletzter Veteran), Chris Howell (der Rote Ritter)
Regie: Terry Gilliam Produzenten: Debra Hill, Lynda Obst Drehbuch: Richard LaGravense Kamera: Roger Bratt, B.S.C. Musik: George Fenton Schnitt: Lesley Walker Ausstattung: Mel Bourne © Björn Becher 2002
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26.11.2002 19:53
Viel von gehört, aber noch nie gesehen, obwohl ich den Williams echt gerne mag! Ich werde das mal nachholen. Langsam nimmt die Liste der Filme die ich unbedingt noch sehen muss ungeahnte Dimensionen an! :o)
08.11.2002 16:27
Tolle Beschreibung eines wunderschönen Films. Kai
08.11.2002 14:25
Ein wahrlich großartiger Film, Bruder. Aber das sind alle von Terry Gilliam. Jeder auf seine Art. Brazil (1985), Twelve Monkeys (1996) und Fear and Loathing in Las Vegas (1999). Was ich so eine horrorshow Szene in König der Fischer fand war die, als Williams im dem Bahnhof seiner Geliebter hinterherläuft und plötzlich alle Menschen anfangen, miteinander Walzer zu tanzen, als verschwimme die Welt in Glückseligkeit.