Prämierter Erfahrungsbericht

Es geht auch ohne...

4  30.08.2004 (30.10.2004)

Pro:
gutes Seminarprogramm, besonders bei der Journalistenförderung | finanzielle Förderung + Büchergeld

Kontra:
CDU - Färbung | großer Bewerbungsaufwand | grundlose Absage (aber das ist leider normal)

Empfehlenswert: Ja 

marenmoon

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„Ich will was mit Medien machen“ – diesen Satz hört man häufig. Er könnte, etwas abgewandelt, auch von mir stammen. Wobei ich das „was“ auch schon klarer definieren kann: Ich möchte gern als Journalistin bei einer Zeitung arbeiten. So weit, so gut. Nach einigen Praktika und ein paar Jahren freier Mitarbeit stand für mich letztes Jahr die Studienwahl an. Und damit auch die Frage: Wenn du schon nicht ein „Medienfach“ studierst, wie kannst du dich dann nebenher fortbilden? Eine vermeintliche Lösung war schnell gefunden: Die Bewerbung bei einer Stiftung, die eine journalistische Nachwuchsförderung anbietet. Genauer: Die Konrad-Adenauer-Stiftung.

~ Was ist die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) ~

Die KAS ist eine CDU-nahe Stiftung, die Studierende und Promovierende finanziell und ideell fördert. Zu der normalen Förderung gibt’s es eine journalistische Nachwuchsförderung, für die ich mich beworben habe. Die KAS ist neben der FES (Friedrich-Ebert-Stiftung) die größte parteinahe Studienstiftung Deutschlands. Es gibt natürlich auch noch FDP-, oder Grünen-nahe Stiftungen, die unterschiedliche Förderprogramme aufgelegt haben. Die „normale“ Förderung beinhaltet bei fast allen der größeren Stiftungen einen am Bafög-Satz angepassten Geldbetrag pro Monat, ein Büchergeld und die Möglichkeit oder Pflicht, an Seminaren teilzunehmen. Grob zusammengefasst.

~ Die journalistische Nachwuchsförderung ~

Da ich mich für die journalistische Nachwuchsförderung beworben habe, kann ich euch auch hierzu noch ein bisschen berichten. Diese spezielle Förderung richtet sich an Leute, die neben ihrem Studium auch eine volontariatsähnliche Ausbildung machen wollen. Sollte man aufgenommen werden (und das ist schwer, wenn pro Jahr nur so zehn Leute genommen werden…), durchläuft man ein bausteinartiges Seminarprogramm. Das Ganze dauert drei Jahre und wird studienbegleitend während der Semesterferien oder während Wochenenden durchgeführt. Zu den Kursen wird man genauso wie die normalen Stipendiaten nach Bafög-Satz gefördert und bekommt, genau wie sie, noch 80 Euro Büchergeld pro Monat.

~ Warum bewerben? ~

Auf die Idee, mich bei der KAS zu bewerben, kam ich durch den Redakteur der Zeitung, bei der ich arbeite. Er selbst war während seines Studiums bei der KAS und meinte, für eine journalistische Ausbildung wäre das Ganze wirklich zu empfehlen. Irgendwie war ich mir am Anfang sehr unsicher, ob ich mich denn auch wirklich bewerben sollte. Die immensen Bewerbungsmodalitäten, die CDU-Nähe (was gar nicht meine Richtung ist), die Angst, zu schlecht zu sein. Letztendlich hat dann aber doch der Gedanken daran gesiegt, dass mir diese Stiftung doch ziemlich viel bringen könnte und ich hab mich also überwunden und den ganzen Papierkram in Angriff genommen :-)

~ Wie bewerben? ~

Auf www.kas.de kann man die kompletten Bewerbungsunterlagen herunterladen. Wichtig ist, dass man auch die Voraussetzungen erfüllt, das heißt z.B. eine bestimmte Altersgrenze nicht überschreitet etc. Genaueres findet ihr hierzu auf der Seite. Zudem sollte man „überdurchschnittliche Leistungen“ in Schule und Studium erbringen…wobei das natürlich nicht näher definiert wird. Die Bewerbungsunterlagen bestehen aus ziemlich vielen Teilen. Zum einen muss man zwei Gutachten einreichen. Sie dürfen nicht älter als drei

Bilder von Konrad Adenauer Stiftung e.V.
Konrad Adenauer Stiftung e.V. Bild 67033 tb
Der Herr, dem die Stiftung ihren Namen verdankt...
Monate sein und müssen von zwei verschiedenen Personen stammen. Das eine, das Fachlehrergutachten, sollte von einer Lehrperson (Lehrer, Dozent etc.) stammen. Für mich hat das meine ehemalige Pädagogik-LK Lehrerin ausgefüllt. In diesem Gutachten geht es zum Beispiel darum, wie gut man selbst im Vergleich zum Rest des Kurses war, wie gut die Beiträge waren etc. Mehr um persönliche Aspekte geht es, oh Wunder, im Persönlichkeitsgutachten. Dies habe ich mir von oben erwähntem Redakteur schreiben lassen. Hier geht es darum, wie man selbst mit anderen Menschen umgeht, was man für Stärken und Schwächen hat etc. Allgemein fand ich die Sache mit den Gutachten eher anstrengend. Beide Gutachter kamen auf mich zu, wollten, dass ich ihnen sage, was sie denn bloß schreiben sollen und im Endeffekt werden alle Gutachten, die bei der KAS eingereicht werden, positiv sein. Naja.
Aussagekräftiger sind da schon die Persönlichkeitsfragebögen. Hier geht es um alles Mögliche, was den Bewerber und seine Interessen betrifft. Was liest man für Bücher, welche Fernsehsendungen sieht man gerne, welche Hobbies hat man etc. Hier ist es wichtig, sich genau zu überlegen, was man aufschreibt. Auf keinen Fall sollte man hier lügen, Sachen dazu erfinden. Besonders nicht, wenn es darum geht, welche soziale Arbeit man leistet oder dergleichen. Aber auch bei den Zeitungen, die man liest oder bei Hobbies sollte man nicht übertreiben. All das kann nämlich dazu führen, dass man im Einzelgespräch bei der Auswahltagung (dazu später mehr) ziemlich aufläuft und das ist nicht gerade förderlich. Außerdem ist es irgendwie auch nicht nötig, zu lügen. Jeder hat Dinge, in denen er oder sie gut ist, und die gilt es, herauszustellen.
Zum Schluss muss man noch Passbilder, Zeugnisse, eventuell Arbeitsproben hinzufügen. Fertig ist die Bewerbung, die bis zum 15.1. (für das Wintersemester) oder 15.7. (Sommersemester, bin mir bei diesem Datum aber nicht ganz sicher) bei der KAS angekommen sein muss. Ab dann heißt es: warten….

~ Die Einladung zur Auswahltagung und die Vorbereitung ~

…flattere Mitte März in meinen Postkasten. Auf die große Freude folgten einige Fragen – bin ich den Anforderungen gewachsen? Wie gut sind die anderen? Was wird von mir erwartet? Irgendwie war ich plötzlich gar nicht mehr so sicher, ob ich das alles wirklich wollte. Die Bewerbung war schließlich irgendwie doch abstrakt, und plötzlich war da eine Einladung mit Programmablauf. Da fiel mir dann auch schon ins Auge, was auf mich zukommen würde: Einzelgespräch, Gruppengespräch, zwei Klausuren. Wie auch immer, schließlich meldete ich mich an und versuchte, mich auf die Tagung ein bisschen vorzubereiten. Dies gestaltete sich allerdings gar nicht so einfach. Was will man auch vorbereiten, wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt? Ich hab mich also mit allgemeinen politischen Fragen beschäftigt, Gesundheitsreform, die neuen Länder Europas, Entwicklung der BRD, Bundeskanzler, Präsidenten…alles, was man eigentlich bei guter Allgemeinbildung vielleicht auch so gewusst hätte :-( Irgendwann war dann Anfang April und ich setzte mich mit etwas weichen Knien in den Zug Richtung Köln.

~ Die Auwahltagung ~

…findet im Ort Wesseling statt, der zwischen Köln und Bonn liegt. Die Anreise nach Köln oder Bonn ist per Zug ja recht einfach, von da geht es dann etwas verwirrt mit S-Bahn und Bus weiter. Ein Anfahrtsplan für Bus, Auto etc. liegt aber den Bewerbungsunterlagen bei, so dass man ganz gut hinfindet. Die „Akademie Eichholz“, ein kleines Schloss mit angeschlossener „Jugendherberge“ liegt ganz idyllisch in einem kleinen Waldstück. Dort angekommen, wurde mir mein Zimmerschlüssel ausgehändigt und bald fand ich mich mit Astrid aus Stuttgart in einem schön eingerichteten Zimmer wieder :-) Der erste Tag, DONNERSTAG, ist nur Anreisetag für diejenigen, die weiter als 200 Kilometer fahren müssen. Da das für die meisten zutraf, war der Speisesaal bereits am ersten Abend gut gefüllt, man lernte sich kennen, die Betreuer der Auswahltagung stellten sich vor. Nach dem Essen verteilten sich Grüppchen im Wald, Schloss und auf dem Zimmern. Was mich überrascht hat, war die Vielfalt der Leute. Sowohl der Typ „Ich-bin-toll-und-ich-weiß-es“ als auch der „Ich-bin-hier-und-wenn-es-nicht-klappt-hab-ich-wenigstens-gut-gegessen“-Typ waren vertreten. Man kam mit wirklich vielen Menschen ins Gespräch, und irgendwie waren alle genauso aufgeregt wie man selbst.
Der nächste Tag, FREITAG, erwies sich für uns alle als Großkampftag. Gleich morgens ging es mit den Klausuren los. Die erste war für alle Teilnehmer gleich und beinhaltete fünf Fragen, die sich im Groben um Politik drehten. Es ging um soziale Marktwirtschaft, um Umweltpolitik, um Konrad Adenauer. Hierzu sollte man jeweils einen kurzen Text verfassen. Da es allerdings fünf Fragen waren, kam man mit der Zeit schon etwas in Bedrängnis. Nach einer kurzen Pause kam die zweite Klausur. Hier wurden getrennt nach Journalisten-Bewerbern und normalen Bewerbern Bögen verteilt. Während die normalen Bewerber sich zu ihrer Lebensplanung äußern mussten, bekamen wir die Aufgabe, zum einen eine Meldung zu verfassen, die eine bestimmte Länge nicht überschreiten durfte und zum anderen einen Bericht zu schreiben. Beide Aufgaben waren nicht wirklich einfach und wir alle hinterher nicht wirklich zufrieden mit uns. Nach einem freien Nachmittag ging es am Abend mit den Gruppengesprächen weiter. Dort diskutierten wir in einer Gruppe von sieben Leuten über eine aktuelle politische Frage (EU-Osterweiterung) unter den Augen unserer Gruppenleiter. Diese drei Personen entscheiden nach der Tagung darüber, wer aufgenommen werden kann und wer nicht. Es galt also, sich möglichst gut zu präsentieren, was ein für mich nicht grade angenehmes Gefühl war. Man hatte permanent das Gefühl, beobachtet zu werden (es war ja auch so…) und war somit auch irgendwie nicht so richtig man selbst. Ich war froh, als dieses Gespräch vorbei war.
Die meiste Aufregung musste ich mir allerdings am SAMSTAG antun: Einzelgespräch. Ich glaub ich war noch nicht mal bei meiner Abiprüfung so aufgeregt. Das Gespräch an sich war dann nicht so schlimm, wie ich es erwartet hatte, aber auch nicht sonderlich angenehm. Ich wurde nach einem Artikel gefragt, der mein Interesse in letzter Zeit besonders geweckt hatte (wo ich prompt ein Brett vor dem Kopf hatte und nichts wusste…) und nach meinen musikalischen Aktivitäten, nach meinen Praktika etc. Insgesamt schien mir das Gespräch so mittelmäßig gelaufen zu sein. Trotzdem war ich ungeheuer erleichtert, als es endlich vorbei war und ich nach hause fahren konnte. Jetzt hieß es mal wieder: Warten, warten, warten.
Ingesamt habe ich die Auswahltagung als aufregend aber auch spannend empfunden. Die Atmosphäre unter den Bewerbern war wider Erwarten sehr gut. Ich habe sogar eine Freundin gefunden, die ich demnächst besuchen werde. Die Gespräche mit den Prüfern waren allerdings ziemlich steif, besonders das Gruppengespräch. Irgendwie sollte es auch möglich sein, diese Situationen ein bisschen zu entschärfen.

~ Der Umschlag ~

…war aus Seidenpapier und enthielt eine Absage. Ich war ziemlich frustriert. Ich hatte zwar nicht hundertprozentig mit einer Zusage gerechnet, aber natürlich ist es enttäuschend, wenn man sich so viel Mühe gibt und dann am Ende nichts erreicht. Mit einigen anderen von der Auswahltagung stand ich noch in Email-Kontakt, so dass ich erfahren habe, dass von den zehn Leuten, mit denen ich gemailt habe, gerade eine genommen wurde für die journalistische Nachwuchsförderung. Und die studierte schon Journalistik in Dortmund. Tja, soviel dazu.

~ …und was daraus folgt ~

Auch wenn ich am Anfang ziemlich frustriert war, kann ich das Ganze jetzt im Nachhinein gelassener sehen. Es waren neben mir nur 26 andere Bewerber eingeladen worden, die sich für die journalistische Nachwuchsförderung beworben hatten. Davon wurde höchstens zehn genommen. Somit kann ich damit zufrieden sein, überhaupt eingeladen worden zu sein. Warum man letztendlich scheitert, wird einem natürlich nicht mitgeteilt. Bei mir mag es daran gelegen haben, dass ich ein Praktikum bei einer SPD-nahen Zeitung gemacht habe, oder auch daran, dass ich im Einzelgespräch nicht überzeugen konnte. Letztendlich ist das Ganze auch eine Frage der Sympathie zwischen Bewerber und Prüfern. Und die eine schaute sowieso die ganze Zeit so grimmig, dass ihr wahrscheinlich jeder unsympathisch war ;-) Für mich war das Ganze auf jeden Fall eine interessante Erfahrung, was das Sich-selbst-präsentieren betrifft. Darin bin ich nicht gerade gut und ich habe gemerkt, dass man manchmal wirklich über seinen eigenen Schatten springen muss und tatsächlich erzählen, wie toll man ist. So blöd sich das auch anhört, aber die Menschen von der Stiftung wollen natürlich auch irgendwie sicher gehen, dass sie nur Leute nehmen, die auch gut sind oder gut werden. Das kann man zwar zum Teil schon aus den Unterlagen ersehen, aber letztendlich muss man auch selbstbewusst rüberkommen, um die eigenen Qualitäten glaubhaft zu machen. Mittlerweile überlege ich mir auch nicht mehr, was ich so alles falsch gemacht haben könnte, sondern blicke einfach mal so nach vorn. Ich werde zum Wintersemester einen neuen Studiengang anfangen und dort auch das Fach Medienwissenschaften haben. Zumindest Basiswissen in diesem Bereich kann ich mir nun also auch dort aneignen. Und ansonsten schafft man den Einstieg in die Medienbranche eben auch anders: Durch Praktika. Deshalb werde ich jetzt auch erstmal einen Bewerbungsflut starten und gucken, was dabei herauskommt. Fazit: Das Programm der Stiftung ist sicherlich sehr gut und es ist schön, wenn man dort aufgenommen wird. Trotzdem ist auch eine Absage kein Weltuntergang. Das Leben ist auch ohne Konrad-Adenauer-Stiftung schön ;-)


©marenmoon 30.8.2004 für Ciao.com

PS: Wer mehr wissen möchte, kann sich auf den Internetseiten der Stiftung umschauen: www.kas.de --> Begabtenförderung; dort steht alles zu Bewerbungsmodalitäten, Fristen etc.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
moviola543

moviola543

29.12.2005 03:34

schöner bericht, der lässt eigentlich keine fragen offen. ich hoffe du hast auch so deinen weg gemacht, lg moviola543

Sarah_C_K_one

Sarah_C_K_one

19.10.2004 16:43

♥-lichen Glückwunsch zum Diamanten!

Scarlett18

Scarlett18

04.10.2004 13:30

Also ich glaube, du kannst schonmal extrem stolz sein, dass du dahin eingeladen wurdest. Zeigt es doch, dass deine Berufswahl die richtige ist und du dich auf dem richtigen Weg befindest. Und das ist doch die Hauptsache!

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