Konzerte - Novalis

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Konzerte - Novalis

Deutschpop - 1 - CD - Label: Brain - Vertrieb: SPV - Veröffentlicht am: 21. November 2008 - EAN: 693723360324

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Erfahrungsbericht über "Konzerte - Novalis"

veröffentlicht 23.01.2009 | Pengoblin
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Vertrauende : 9
Über sich :
"Dies sind meine Überzeugungen und Grundsätze. Wenn Sie Ihnen nicht gefallen - ich hab' auch noch andere." (Groucho Marx)
Sehr gut
Pro Gute Überarbeitung für CD in befriedigender Edition inkl. Bonustracks
Kontra Für Krautrock-Fans: Nix
sehr hilfreich

"Eine schön rekonstruierte Perle des Krautrock"

I N T R O

Liebe Ciao-KollegInnen,

hiermit bezeichne ich mich öffentlich als anfallsweiser Krautrockfan (und zur Feier des Themas versuche ich mal ohne Anglizismen auszukommen, sonst hätte ich 'oute ich mich' geschrieben). Zwar erlebte ich meine persönliche musikalische Sozialisation zu einer Zeit, da viele der heutigen Klassiker des Genres entweder schon gar nicht mehr existierten oder aber bereits in den Neuen Deutschen Wellen zu ertrinken begannen, aber ich hatte doch das Glück, damals, Anfang der 80er, einige wirklich gute Konzerte zu besuchen und LPs abzugreifen. Und von beidem gibt es mittlerweile auch wieder oft richtig gut und sorgfältig gemachte CD-Neuauflagen.


K R A U T R O C K ?

Aber halt: was ist denn eigentlich Krautrock? Das ist wieder mal so ein typisch undifferenzierter Etikettenbegriff des Musikjournalismus, an dem man sich die definitorischen Zähne ausbeissen könnte, wenn man unbedingt wollte. Aber im Grunde ist es dann doch eher einfach: das, was heute unter Krautrock vermarktet wird, entstand, als sich Anfang der 70er auch im Ausland vereinzelt herumsprach, dass nicht nur in den U.S.A. und Großbritannien, sondern auch in Deutschland geniale Rockmusik gespielt wurde, die sich zwar natürlich in kreativer Wechselwirkung befand mit den etablierten, meist englischsprachigen Überidolen (und die Beatles kamen nun mal aus Liverpool und nicht aus Witterschlick), aber sich längst nicht in provinzieller Nachäffung verlor.

Spätestens als die ersten Bands sich der Konvention verweigerten, dass die Sprache des Rocks unbedingt englisch sein müsse, bekam die D-Rockmusik einen wirklichen Wiedererkennungswert, für den in Rezensionen und Plattenläden ein Sammeletikett gefunden werden musste. Der Sammelbegriff 'Krautrock' mag dabei urspr. herablassend gemeint gewesen sein, aber es gab rasch eine Unmenge wirklich überzeugender musikalischer Beweise dafür, dass in Deutschland eine dynamische, ideensprühende eigenständige Rockkultur entstanden war, die irgendwann offenbar das Attribut Krautrock trotzig als Sammelbegriff annahm, um dahinter eine wirklich gute Scheibe auf die andere zu türmen (getrennt durch viele mittelmäßige und schlechte Scheiben, aber in welcher Musikgattung ist das anders?).

Während es Bands gab, die rasch so 'internationalisiert' waren, dass man ihrem Werk den Bezug zu Deutschland höchstens an den Namen der Musiker anmerkte (jahrelang wusste ich überhaupt nicht, dass Birth Control und die Scorpions deutsche Bands waren, weil ich von denen nur geschenkte Cassetten hatte), gab es andere, denen man das sehr deutlich anmerkte - entweder eher unfreiwillig (die diversen Sänger von Eloy und Jane waren mit ihrem starken deutschen Akzent auch bei englischen Texten stets extrem gut inlands zu verorten) oder aber mit Stolz und Nachdruck. Novalis gehörten - das merkt man bereits dem Bandnamen an - bereits mit ihrer zweiten LP zu denen, die sich das Deutsche weder sprachlich noch inhaltlich nehmen ließen.

Zur Band Novalis selbst zitiere ich kurz den entsprechenden Wikipedia-Eintrag:

"Mit einer Zeitungsanzeige suchten 1971 der Sänger Jürgen Wenzel und der Bassist Heino Schünzel Interessenten an einer gemeinsamen Band. Es meldeten sich der Organist Lutz Rahn und der Schlagzeuger Hartwig Biereichel. Zusammen mit Gitarrist Carlo Karges bildete man die Hamburger Gruppe Mosaik, die sich bald in Novalis umbenannte. Nach dem Debütalbum 1973 verließ Wenzel die Band und Heino Schünzel übernahm den Gesangspart. Carlo Karges, der später bei Nena spielte, wurde durch Detlef Job ersetzt. 1976 kam als weiteres Mitglied der österreichische Sänger Fred Mühlböck hinzu.

Auf ihrem ersten Album sang die Gruppe noch auf Englisch, 1975 wechselte man auf Vorschlag des neuen Produzenten, des früheren Rattles-Musikers Achim Reichel, zu deutschen Texten. Neben eigener Lyrik verwendete man u.a. auch Gedichte des Namensgebers Novalis (Wunderschätze, Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren...)."

Wer es ausführlicher mag, den verweist die Wikipedia auf einen längeren bandbiographischen Artikel bei www.germanrock.de, der sich ganz nett liest.


N O V A L I S L I V E
Die urspr. mit knapp 60 Minuten schon grenzwertig lange LP wurde für die CD um drei Bonusbeigaben und rd. 16 Minuten erweitert und ist damit so schön voll, wie sie nur sein kann. Die Mitschnitte wurden hörbar überarbeitet und können sich für ihre 30 Jahre wirklich hören lassen, klingen zeitgemäß warm-analog und lebendig. Insbesondere die seinerzeit etwas ungeschickt abgemischten Tasteninstrumente sind jetzt besser integriert. Nur die drei Bonustracks sind klangmäßig hörbar etwas verwaschener geraten, aber man kann's immer noch gut hören.

Insgesamt spielt die Band spürbar kontrolliert und routiniert, aber das nicht in einer störenden, das eigene Repertoire nur abnudelnden Weise. Große Soloausbrecher und Improvisationen sind Novalis' Sache nicht, obwohl den meist ruhig gesungenen Gedichtrezitationen durchaus flotte und mitreißende Passagen entgegengesetzt sind. Alles geht sehr lässig und wohlabgewogen ineinander über. Und extreme Stilbrüche oder gar Juxeinlagen (wie sie z.B. Grobschnitt gerne einbrachten) würden auch gar nicht zum selbstgestrickten Bild der Romantikrocker passen - wobei das nicht zu verwechseln ist mit Schmusemusik, denn Romantik kann sich (wer's erlebt hat, weiß es …), besonders musikalisch, durchaus recht postabfahrend gestalten. Auch das stellen Novalis zuweilen unter Beweis.

Ach ja: der Gesang. Auch dieser ist nicht so sehr im Vordergrund, wie es bei anderen Gruppen zuweilen der Fall ist. Schon die Liedlängen deuten an, dass zwischen den Gesangspassagen oft minutenlang Stille am Mikro ist, was der Musik eine angenehm epische, entspannte Note verleiht. Mehr würde zumindest mich sogar stören, denn obwohl der Gesang bei Novalis wesentlich gekonnter als z.B. bei Jane ist, zeichnet er sich aber auch nicht durch jene Eigenschaften aus, die einen einem guten Sänger minutenlang gebannt zuhören lässt, obwohl man vielleicht kaum ein Wort versteht. Und gerade diese Einordnung mag ich hier, weil sie zur leicht enthobenen Musikstimmung sehr gut passt. Ton in Ton.

Aber nun endlich zum Silberscheibchen selbst:
KONZERTE beginnt mit einer Tonbandeinblendung der letzten Minute von Ravels 'Bolero', wozu nix weiter zu sagen und was auch nicht zu bewerten ist.

Es folgt mit DRONSZ ein keine zwei Minuten langes instrumentales Intro zur Selbstvorstellung. Mit besonders exotischem Instrumentarium warten Novalis hier wie auch sonstwo auf der LP nicht auf, sondern arbeiten mit eher dezenten Erweiterungen der klassischen Schlagzeug-Bass-Gitarre-Tasteninstrument-Kombination. Die Rhythmussektion ist dabei unauffällig gekonnt und legt eine unspektakuläre, solide Grundlage mit vielen Variationen; die E-Gitarre ist gemeinsam mit den Tasteninstrumenten (nein, ich werde auch jetzt nicht Keyboards schreiben) das Hauptinstrument. Eigentlich sind sogar die verschiedenen weichen, oft schwebenden Orgelklänge das Charakteristischste an Novalis. Ansonsten ist DRONSZ eine unspektakuläre Aufdiebühnekomm-Musik von Leuten, die gerade vorher schon auf die Bühne gekommen sind. Ich gebe ihm mal drei Sterne, weil's weder stört noch sonderlich beeindruckt.


ES FÄRBTE SICH DIE WIESE GRÜN
"Es färbte sich die Wiese grün,
ich sah's an allen Hecken blüh'n.
Sah täglich neue Kräuter,
den Himmel mild und heiter…
Ich wusste nicht, wie mir geschah,
und wie das wurde, was ich sah."
Was, das soll überhaupt Rock sein?? Ein ganz schön krautiger Text jedenfalls, in der Tat. Novalis haben sich nicht nur nach einem Romantiker benannt, sie haben auch entsprechende Texte verfasst und zuweilen auch alte Gedichte vertont (hier einige Strophen ihres Namensgebers Novalis, wenngleich leicht verändert). Dieses rd. 11minütige Stück ist gleich einer der Novalis-Fanklassiker und fasst auch vieles vom Besten der Band zusammen. Das langsame Gesangsintro geht nach einer Weile in einen rockigeren instrumentalen Mittelteil über, und das routiniert-runde Bandzusammenspiel verleiht dabei dem Stück eine schöne und entspannte Einheitlichkeit: sehr harmonisch und doch abwechslungsreich ergeben sich Melodien- und Rhythmuswechsel, die Gitarre fügt ein paar reizvolle solistische Ornamente dazu, das Ganze ist sehr gefällig, aber nicht einfallslos, sondern lediglich der entspannte Verzicht auf jede Effekthascherei, kommt zuletzt wieder dort an, wo man abgeholt wurde. Und nur so passt auch diese Art von Text in dieses Genre, wie ich meine, ohne sich dabei völlig lächerlich zu machen. Ich rechne Novalis als besondere Errungenschaft eben das an: lyrische Glaubwürdigkeit und Leichtigkeit ohne Inhaltsleere. Vier Sterne.


IMPRESSIONEN
Es folgt ein etwa 8minütiges unaufgeregt spannungsvolles Instrumentalstück, das mir persönlich recht gut gefällt und vor allem etwas für die Genießer von - aus heutiger Sicht teils etwas nostalgischen - E-Tasteninstrumenten ist. Akustikpiano kommt bei Novalis weniger vor, meist sind es eher schwebende Synthesizer bis zu Hammondorgeligem, gelegentlich auch etwas Flöte. Wer will, kann dem Stück hochqualifizierte Langeweile vorwerfen, weil eben auch hier auf das erste Hinhören nicht viel passiert, aber andererseits finde ich es auch mal reizvoll, wenn die Spannung im Leiseren liegt und nicht mit großem Wumtata aufgebauscht wird. Vier Sterne ohne Wumtata.


WER SCHMETTERLINGE LACHEN HÖRT
"Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß, wie Wolken schmecken…"
Auch bei diesem Text kann man sich natürlich fragen, was das denn bitte mit Rock zu tun haben soll und ihn für völlig bescheuert erklären - zumal in diesem Fall nicht Novalis zitiert wurde, sondern der Text von der Band selbst stammt. Aber mal ehrlich: ein Blick auf die metaphorisch-pseudolyrischen Verschraubtheiten, die bei manchen anderen Rockbands nur deswegen nicht auffallen, weil sie uns Deutschen auf englisch erstmal weniger bewusst werden (ich will jetzt nicht schon wieder von dem z.T. völligen Kappes anfangen, den z.B. Yes stets gerne mit großer Inbrunst intonierten), lässt mir den Stilrückgriff auf eigensprachige Klassiker dann im Vergleich wieder sehr sympathisch und erfrischend erscheinen. Und womöglich ist es gerade diese Konsequenz, welche die Kombination tatsächlich funktionieren lässt. Und obschon die Worte einen völlig veralteten Stil pflegen, so ist doch ihr Inhalt ausgesprochen rockmusikkompatibel: sei Du selbst und pfeif Dir so viel von diesem wunderbaren Universum ein, wie Du kriegen kannst. Und das Resumé des Ganzen finde ich eigentlich auch recht bedenkenswert:

"Wer mit sich selbst in Frieden lebt,
der wird genauso sterben,
und ist selbst dann lebendiger,
als alle seine Erben."
Auch musikalisch ist das Werk längst nicht so altertümlich, wie sein Titel vermuten ließe; besonders die gegenüber der Studiovariante noch etwas knackigere Konzertversion darf man mit ihrem fetzigen Mittelteil durchaus als Rock bezeichnen, ohne Anfeindung befürchten zu müssen. Neben solidem Können demonstriert die Band hier auch Schmiss und Spielfreude und macht nachvollziehbar, warum Novalis zeitweise zum Besten gezählt wurde, was man aus deutschen Landen auf die Konzertbesucherohren kriegen konnte. Einer meiner beiden Lauschhöhepunkte auf Konzerte, daher 5 Sterne.


WUNDERSCHÄTZE
"Wer einsam sitzt in seiner Kammer
und schwere bittre Tränen weint
wem nur gefärbt von Not und Jammer
die Nachbarschaft umher erscheint.

Wer in das Bild vergang`ner Zeiten
wie tief in einen Abgrund sieht
in welchen ihn von allen Seiten
ein süßes Weh hinunter zieht

Es ist als lägen Wunderschätze
da unten für ihn aufgehäuft
nach deren Schloß in wilder Hetze
mit atemloser Brust er greift…"

Dieses 12minütige Werk ist wie auch die Vertonung eines Gedichts des Namensgebers Novalis und zitiert die Quelle etwas vollständiger. Entsprechend hat der Gesang einen etwas größeren Anteil und verteilt sich auf zwei Sänger. Das ist auch ein bisschen mein Hauptproblem mit dem Stück, denn den zweiten Sänger finde ich recht anstrengend. Während Sänger No. 1 (leider kann ich da keinen Namen zuordnen - müsste Fred Mühlböck sein, aber ganz sicher bin ich nicht) mit leiser Behutsamkeit überzeugt, hat Sänger No. 2 zumindest hier einen hörbar angestrengten Stil (ist wohl nicht seine Tonlage…), der für mich einfach nicht recht zur Stimmung von Text und Musik passen will. Mein zweites Problem ist, dass ich mit diesem Text rein gar nichts anfangen kann. Dennoch ist es insgesamt ein gut ausgewogenes Stück, bei dem insbesondere ein wenig mehr von der unaufdringlich filigranen E-Gitarre etwas mehr zu hören ist. Schon deswegen gilt es als ein weiterer Bühnenklassiker der Band. Ich persönlich gebe ihm aber trotzdem nur vier Sterne aus dem Wunderschatzkästchen.


SOMMERABEND

"Es war an einem Sommerabend
als er so saß am Meer allein
die letzten schwachen Sonnenstrahlen
wiegten in den Wellen zum Schlaf sich ein."
Nun ja, große Lyrik ist sicher was anderes, aber Novalis haben mit Texten wie Sommerabend schon erfolgreich versucht, atmosphärisch auf der Ebene der von ihnen zitierten Klassiker zu bleiben. Und da der Bühnengesang bei Novalis sich ohnehin nicht durch große Deutlichkeit auszeichnet, sind die kleinen 'Hingebogenheiten' im Text nicht so störend.

SOMMERABEND ist mit seinen knapp 18min das Flaggschiff der Novalis-Liedflotte. Das weitgeschwungen angelegte Lied hat ein sehr leises meditatives Intro, bei dem dann auch die Querflöte etwas mehr Raum einnehmen darf. Aus dem tatsächlich sehr schön an einen lauen Sommerabend am Meer erinnernden Intro entwickelt sich der meditative ruhige Textteil, der sich dann aber - gerade bevor es langweilig werden kann - zu einer überraschend schmissigen Einlage für hellwache Rockband und überfliegenden Synthesizer aufrafft: klasse gemacht, kann man nicht anders sagen. Seitens der Tasteninstrumente assoziiere ich an dieser Stelle ein Tüpfelchen Vergleichbarkeit mit Hawkwind, falls man solche Vergleichbarkeiten sucht. Danach wird es wieder ruhiger und verebbt harmonisch dort, wo es begonnen hat, nur etwas positiver gestimmt:

"Getrost das Leben schreitet
zum ewigen Leben hin
von innerer Glut geweitet
verklärt sich unser Sinn
Die Sternenwelt wird zerfließen
zum goldenen Lebenswein
wir werden sie genießen
und selber Sterne sein."

Sicher gibt es andere, die in 18min mehr reinpacken, aber das hier sind trotzdem schwebend leichte, runde und sehr hörenswerte 18min. Sehr schön und absolut ideale Freiluftmucke. Fünf Sterne am
Sommerabendhimmel und dazu grillen die Zirpen.


Hier endete die ursprüngliche LP. Der CD sind noch drei weitere Bonustracks von einem anderen Konzert beigegeben, die klanglich deutlich schlechter sind, sich aber doch noch gut hören lassen.


WENN NICHT MEHR ZAHLEN UND FIGUREN
ist eine dreiminütige, weitgehend akustische Novalis-Vertonung, die mich nur bedingt beeindruckt und am weitesten von allem weg ist, was man so Rock nennt. Gefällig, etwas nichtssagend, und zum Glück haben Novalis nicht versucht, das Ganze unnötig in die Länge zu ziehen. Aber auch solche Ruhepunkte müssen sein. 3 zaghafte Sternchen.


ASTRALIS
ist der einzige englischsprachige Beitrag und, soweit ich weiß, hier erstmals veröffentlicht (auf Novalis' englischsprachigem Debutalbum Banished Bridge ist es jedenfalls nicht drauf). Das rd. 8minütige Werk ist etwas flotter und rockiger und trotz der verschwommenen Aufnahme mal ganz spaßig zu hören; der Gesang ist aber so undeutlich, dass ich zuerst gar nicht bemerkt habe, dass hier die Sprache wechselt (und der Titel gibt einem hier ja keinen Hinweis). Es ist das wohl unlyrischste der Stücke und in seiner Art ein typisches Zugabenwerk - nicht besonders filigran, ohne Extrazutaten wie z.B. Flöte oder ein besonderer Synthesizersound, aber ganz schmissig und mit Bandspielfreude gewürzt. Wieder 3 Sternchen.


IRGENDWO, IRGENDWANN
Dieses knackige singlefähige Vierminutenstück ist ein ziemlicher Ohrwurm und das, was im Krautrock wohl unter "smash hit" (unübersetzbarer Ausnahmeanglizismus) durchgehen würde. Viele mögen es noch kennen, obwohl sie u.U. den Verursacher nicht bewusst erinnern:

"Irgendwo, irgendwann
reicht dir jemand seine Hand.
Wie der warme Sonnenschein
durch den Nebel dringt herein…"
Mir entstehen ja immer ganz leichte Zahnschmerzen bei solchen lyrischen Hingebogenheiten, aber das ist ja hier nicht der springende Punkt. Das Stück ist klassische Radiomusik: nicht über vier Minuten, flott und eingängig, mit vielen Wiederholungen und einem Refrain, der hängen bleibt. Besonders gemocht habe ich es nie, aber ein schöner Wachmacher zum Ausklang ist es doch. Wiederum drei Sterne.


FAZIT

Für wen ist das Silberscheibchen etwas? Die meisten Käufer erinnern sicher noch die LP oder die Konzerte selbst und bedürfen nur noch des Hinweises, dass die CD in eine recht hübsche Papphülle gepackt ist, die im Wesentlichen die LP-Gestaltung nachvollzieht und innen noch einen halblangen Begleittext hat. Nichts Spektakuläres, Hauptsache die Reproduktion der Musik selbst ist, wie schon bestätigt, gut.

Für wen ist das Album noch? Natürlich auch für die, welche sich aus irgendeiner Richtung interessemäßig auf den älteren Deutschrock zu bewegen. Novalis bildeten weit jenseits der bekannteren Gruppen (von Birth Control über Grobschnitt und Tangerine Dream zu Bap) eine ganz eigene Nische und waren die romantischen und etwas verklärten Rocker. Das ist leider ein Konzept, das erfahrungsgemäß ziemlich schnell zur Verstaubung neigt, und da finde ich es gerade gut, dass bei KONZERTE dieses Konzept zusammentrifft mit der Frische einer richtig gelungenen Konzertaufnahme. Insofern ist KONZERTE eine sehr schöne Zusammenfassung dieser Facette des Krautrocks und exakt so viel Novalis, wie ich persönlich brauche.

Ich gebe dem Ganzen zusammenfassend vier Sterne (in Bezug auf meine Gesamtsammlung) und fünf (in Bezug auf alles andere, was ich aus deutschrockenden Landen kenne).

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • MSBBonn veröffentlicht 15.07.2009
    Da schreibt ein Metal-Fan über den melodiösen, voller wunderschön verträumter Texte gefüllten Krautrock von Novalis. Ich fass es nicht. Daß ich überhaupt von Novalis hier in diesem Forum voller Duschgel-, Maggi-Fix und hama-Speichersticks-Berichte etwas lesen darf verwundert mich schon, und das noch in einer perfekten Schreibe. So jung biste also doch nicht mehr wie ich nach Lesen deines Metal-Berichtes vermutete :-). Musikalische Grüße eines alternden Rock-Fans
  • Anacrusis veröffentlicht 22.02.2009
    Man könnte jetzt vermuten, dass mir dieser Bericht viel zu lang sei, aber wie soll man denn solche Musik in kurzen Worten beschreiben? Eben. Geht nicht, weil da einfach so viel passiert. Aber: Klausi Stockschnupfen Meine nicht als nationalen Sänger zu enttarnen ... tststs.
  • manwah veröffentlicht 25.01.2009
    Das ich hier mal was über Novalis lese hätte ich ja auch nicht gedacht. Aber war sehr schön mal wieder daran erinnert zu werden... Ansonsten standen mir Guru Guru immer etwas näher (die aber ebenso verschwurbelt waren) Grüße manwah
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Produktdaten : Konzerte - Novalis

Produktbeschreibung des Herstellers

Deutschpop - 1 - CD - Label: Brain - Vertrieb: SPV - Veröffentlicht am: 21. November 2008 - EAN: 693723360324

Haupteigenschaften

Titel: Konzerte

Künstler: Novalis

Genre: Deutschpop

Schlagworte: Krautrock; Hard Rock; 1980-1989 (Aufnahmedatum)

Medium: CD

Set-Inhalt: 1

Veröffentlichungsdatum: 21. November 2008

Label: Brain

Vertrieb: SPV

EAN: 693723360324

Titel auf CD 1

1.: Bolero (Live)

2.: Dronsz (Live)

3.: Es Färbte sich die Wiese Grün (Live)

4.: Impressionen (Live)

5.: Wer Schmetterlinge Lachen Hört (Live)

6.: Wunderschätze (Live)

7.: Sommerabend (Live)

8.: Irgendwo, Irgendwann (Live) (Bonus Track)

9.: Wenn Nicht Mehr Zahlen und Figuren (Live) (Bonus Track)

10.: Astralis (Live) (Bonus Track)

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