Koriandergrün und Safranrot / Nair, Preethi

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Koriandergrün und Safranrot / Nair, Preethi

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... Datensalat Um so allmählich zum Thema zu kommen: Dieser Bericht ist dem Buch ’’’Koriandergrün und Safranrot, von: Preethi Nair’’’ gewidmet, ISBN: 978-3-426-63658-9, dessen vorliegende deutschsprachige Taschenbuchausgabe 2007 im Knaur Verlag erschienen ist. Regulär kostet es 8,95 € (bzw. ... Bericht lesen





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Rezept des Lebens
Erfahrungsbericht von geistreich über Koriandergrün und Safranrot / Nair, Preethi
27. März 2009


Produktbewertung des Autors:   

Niveau: durchschnittlich 
Unterhaltungswert: sehr hoch 
Spannung: sehr spannend 
Humor: ziemlich humorvoll 
Aufmachung: sehr schön 

Pro: Story, Charaktere, Stil, Gedanken
Kontra: eine unrealistische Stelle

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Als ersten Beitrag meinerseits zum Bücherfrühling habe ich ein Buch ausgewählt, welches ich heute (nach nur drei Tagen) zuende gelesen habe. Es gibt noch ein anderes, das ich geplant habe hier vorzustellen. Aber ich denke, dieses hier eignet sich eher, um den Bücherfrühling bei mir einzuläuten. Ich hoffe, mit meinem Bericht mache ich den einen oder anderen neugierig auf das Buch oder animiere gar irgendjemanden zum Lesen, der sich sonst nicht so oft mit Büchern befasst oder die Lust zu lesen wiederentdeckt.
[Näheres zum Bücherfrühling erfahrt Ihr in den Visitenkarten von Mogli 2309 und Bavaria123. Anmelden könnt Ihr Euch auch dort, wenn Ihr einen Bücherbericht geschrieben habt.]

Und nun: Guten Appetit, ähm... viel Spaß beim Lesen!

Vorspeise

Es begab sich, dass ich zu Weihnachten (wie ich irgendwo einmal schrieb – vielleicht erinnern sich meine treuen Leser noch daran) einen Büchergutschein geschenkt bekam. Nun galt es zu überlegen, worin ich diesen investieren sollte – die Qual der Wahl, bekennende Bücherfreunde kennen sie wohl. Der Zufall wollte es, dass ich, noch bevor ich mich für irgendetwas entschieden hatte, durch eine Rezension bei Ciao auf den Geschmack kam. Das Buch erschien mir sehr interessant, zugleich aber auch eine frische Lektüre zu sein, an der ich – wie ich mir vorstellte – sicherlich meine Freude haben würde. Und da ich ja diesen Gutschein hatte, brauchte ich nicht lange zu überlegen... So landete es, zusammen mit einem weiteren Buch, in meinem virtuellen Thalia-Warenkorb, der Gutschein wurde eingelöst, und nach kurzer Zeit kam die Sendung an. Bis ich es wiederum in die Hand nahm und anfing, es zu lesen, dauerte es wie schon erwähnt einige Zeit. Ich versichere aber, dass diese Verzögerung nichts mit dem Buch zu tun hat, sondern es bei mir normal ist. Jedes Buch hat eben seine Zeit, manchmal habe ich halt eher Lust auf eine andere Lektüre, der ich den Vorzug gebe – das bedeutet jedoch nicht, dass das andere dadurch in Vergessenheit gerät. Mein Bücherregal quillt zwar fast über (selbst, wenn ich mal wieder etwas aussortiere, füllt sich der entstandene Platz auf wunderliche Weise innerhalb einer bestimmten Zeit wieder auf – kennt das irgendjemand?), doch irgendwann kommt jedes Buch an die Reihe, das darin Platz findet.

Datensalat

Um so allmählich zum Thema zu kommen: Dieser Bericht ist dem Buch ’’’Koriandergrün und Safranrot, von: Preethi Nair’’’ gewidmet, ISBN: 978-3-426-63658-9, dessen vorliegende deutschsprachige Taschenbuchausgabe 2007 im Knaur Verlag erschienen ist. Regulär kostet es 8,95 € (bzw. 9,20 € in Österreich), und es hat 382 Seiten (plus 2 Seiten Glossar am Ende). Aus dem Englischen übersetzt wurde es von Karin Dufner. Das wären die wichtigsten Daten – oder interessiert es jemanden, wer für die Umschlaggestaltung, Druck und Bindung etc. zuständig war? Okay, ich sag’s Euch: Den Druck und die Bindung hat die CPI – Clausen & Bosse in Leck organisiert, während die Pinkuin Satz und Datentechnik in Berlin für den Satz verantwortlich war und die ZERO Werbeagentur in München die wunderschöne, ansprechende Umschlaggestaltung konzipiert hat. Reicht das?

Das Auge isst mit

Das Cover mutet in einem dunkel sandfarbenen, ins gelb-orangene gehenden Grundton, mit den abgebildeten, in Holzlöffeln portionierten Gewürzen, den Chilischoten in der rechten oberen Ecke und einem Palast im unteren Bereich, der in etwa dem Taj Mahal ähnelt, ziemlich orientalisch an. Da läuft einem fast das Wasser im Munde zusammen, sofern man gerade Hunger hat. Und wenn der Hunger eher geistiger Art ist, eine Neugierde darauf, seinen Horizont zu erweitern und den Geschichten zu lauschen, die einem dieses Buch erzählen könnte, dann läuft einem eben mental das Wasser im Gehirn zusammen. Für mich ist diese Optik jedenfalls ein gelungenes Appetithäppchen. Wäre ich nicht durch eine Rezension auf dieses Buch aufmerksam geworden, sondern hätte es im Buchladen entdeckt, hätte mich dieses Cover mit Sicherheit dazu gebracht, zuzubeißen – äh, zuzugreifen. ;-) Ob ich mich allein aufgrund dessen in dem Fall auch zum Kauf entschieden hätte, weiß ich nicht.

Die Speisekarte

Der Klappentext hört sich zwar einerseits vielversprechend an und lässt einen Zauber mitschwingen, der durchaus neugierig auf das Buch macht. Jedoch glaube ich nicht, dass dieser mich auf Anhieb vom Hocker gerissen hätte, wenn ich zuerst auf ihn gestoßen wäre.

Damit sich aber jeder selbst ein Bild davon machen kann, zitiere ich ihn hier einmal:

Tu, was Du liebst, finde den Takt und lausche dem magischen Gespräch.

Zitronensaft und Ingwer für die Seele, Mango für die Träume und Honig für den inneren Frieden – in ihrem indischen Heimatdorf war Nalini dafür berühmt, mit ihren sinnlichen Speisen Körper und Geist heilen zu können. Bis Familienoberhaupt Raul entscheidet, sie und ihre Kinder zu sich ins ferne London zu holen...

Ein sinnlicher, lebensweiser und sehr weiblicher Roman über die Magie des Essens und die Kraft der Liebe.“

Anmerkung:
Nun kann man darüber diskutieren, ob es gut oder schlecht ist, dass eine wesentliche Aussage, die später im Roman vorkommt, bereits im Klappentext verraten wird. Ich denke, es schürt die Neugierde noch weiter und nimmt nicht zu viel vorweg. Von der Geschichte wird ja immerhin dort nur wenig preisgegeben, so dass die Spannung dadurch nicht leiden dürfte.
Was mich eventuell ein wenig stört, ist dass es von Vornherein als Frauenroman deklariert wird. Ja, es stimmt: Es ist wohl eher ein Frauenroman. Allerdings könnten bei diesem Stichwort im Einzelnen negative Assoziationen aufkommen, die einige dazu veranlassen könnten, das Buch wieder wegzulegen. Das würde diesem Roman aber eindeutig nicht gerecht werden! Er ist durchaus intelligent gemacht und regt an so mancher Stelle zum eigenen Nachdenken an, jedoch völlig zwanglos. Er behandelt auch sehr emotionale und menschliche Themen, jedoch keineswegs auf oberflächliche oder plumpe Weise, sondern auf einem gewissen Niveau (und gleichzeitig so, dass es dennoch durch die bildreiche Sprache intuitiv verständlich wird).

Aber bevor ich jetzt noch mehr vorweg nehme, komme ich jetzt zum Wesentlichen. Mir war es nur wichtig, das abzugrenzen und irregeführten Assoziationen beim Stichwort „weiblicher Roman“ vorzubeugen.

Noch ein Appetithäppchen gefällig?

Auszug Nr. 1, Seite 75 f (Nalini):

„Kochen war das Einzige, was meine Mutter außergewöhnlich gut konnte, und so bot sie ihre Dienste der Großgrundbesitzerfamilie im Dorf an, die sämtliche Zuckerplantagen der Gegend besaß und unbeschreiblich wohlhabend war. Für den Fall, dass ich nach meinem Vater gefragt werden sollte, hatte ich Anweisung zu antworten, er sei ums Leben gekommen, als er jemanden vor dem Ertrinken habe retten wollen. Als das Gutsbesitzerehepaar, Thampurati und Mothalali, hörte, wie ich das – untermalt von der angemessenen Betonung und Mimik – erzählte, bekam es Mitleid mit uns und stellte uns eine Unterkunft zur Verfügung. So wurden wir von der Familie Kathi angestellt, meine Mutter als Köchin, ich als ihre Helferin, und wir wohnten in einer kleinen Hütte am unteren Zipfel ihrer Ländereien, umgeben von üppigen Bananenhainen, Mangobäumen und Reisfeldern. Der Wohnraum war zwar klein, aber wunderschön mit schlichten Holzschnitzereien geschmückt und verfügte über alle Gerätschaften, die wir für unsere Arbeit brauchten. Außerdem hatten wir einen Büffel, der uns frische Milch gab.
Die Kunst, ein Gericht zusammenzustellen, ist Zauberei, und wenn man es richtig macht, kann das Ergebnis auch das härteste Herz erweichen. Meine Mutter pflegte immer zu sagen, dass man Zauberkräfte habe, wenn man mit Dingen arbeitete, die man liebte. Doch wenn man die Zutaten falsch kombinierte oder mit bösen Absichten zu Werk ginge, könne das katastrophale Folgen haben. So machten wir uns mit Leidenschaft an die Arbeit und waren überzeugt davon, dass die Kathis ihren Wohlstand der Liebe und der Dankbarkeit schuldeten, mit der wir ihre Mahlzeiten zubereiteten. Gerade die richtige Menge Kreuzkümmel, um den Appetit anzuregen, eine Zimtstange, um Würze und Bewegung in Stillstandsphasen des Lebens zu bringen, Zitronensaft, um Konflikte auszuräumen, Chili, um Schmerzen zu lindern, und Turmeric gegen Herzbeschwerden. Frisch gepflückte Korianderblätter halfen gegen schlechte Laune und für klares Nachdenken, scharf gepfefferter Rasam (=scharfe Linsensuppe, die in Südindien zum Abschluss des Mahls über den Reis gegossen verzehrt wird) wärmte die Seele auf und Kokosflocken wirkten in vielen Speisen beruhigend und tröstend. Aus gestoßenen, tagelang eingeweichten Linsen entstand ein Teig für weiche Pfannkuchen, die mit in der Pfanne gebratenen und mit Masala gewürzten Kartoffeln gefüllt für ein Gefühl des Stolzes und der Beständigkeit sorgten. Wachsbohnen in einem Gemüse-Thoran (=trockenes Gericht aus Erbsen, Karotten oder Kohl mit Kokosraspeln) versprachen Langlebigkeit und Wohlstand.“

Das Hauptmenü

’’’Worum geht es nun?’’’

Es beginnt mit Mayas Geburt. Aus ihrer Perspektive wird nun erzählt, wie sie zusammen mit ihrem Bruder Satchin und ihrer Mutter Nalini in ihrem Haus in Indien aufwuchs. Ihr Vater Raul ist ein Geschäftsmann, der sehr oft unterwegs und nur selten zu Hause ist. Eines Tages beschließt er, die Familie zu sich nach London zu holen. So müssen sich die Kinder von ihrer Großmutter (Nalinis Mutter) verabschieden – sie wissen noch nicht, dass es für immer ist, da ihnen zunächst weis gemacht wird, sie würden nach einem Jahr zurückkommen. Während den Kindern die Eingewöhnung in England, nachdem der erste Kulturschock überwunden ist, leicht fällt, ist es für die Mutter ungleich schwerer. Es dauert viel länger, bis sie die Sprache lernt, und mit so mancher Umstellung kommt sie weniger gut klar. Da ist das Kochen ein ganz großer Lichtblick, der es ihr zugleich ermöglicht, in Verbindung mit ihren indischen Wurzeln zu bleiben, und sich wie ein roter Faden durch ihr Leben zieht.

Auszug Nr. 2, Seite 109 ff (Nalini):

„Ich gab mir Mühe, das Haus zu verlassen, aber ich verabscheute die ständigen Hinweise darauf, dass ich mich in einem fremden Land befand. Es war schon schwierig genug, sich im Haus aufzuhalten, ohne ständig mit neuen Absonderlichkeiten konfrontiert zu werden. Außerdem störte mich der ständige Verkehrslärm, der verglichen mit dem bunten Treiben auf den Straßen zu Hause so monoton war. Es gab keine aufgebrachten Rufe von Leuten, die versuchten, die Straße zu überqueren und dabei den Rikschas und Kühen auszuweichen. Keine scharfen Gerüche stiegen von den Straßenecken auf. Und man sah keine lautstark fefilschenden Straßenhändler, die vergeblich zu verhindern versuchten, dass die großen schweren Busse, die durch die Stadt ruckelten, ihre Waren mit Abgasen verschmutzten. Strahlende, vibrierende Farben fehlten völlig. Ich sah Wäscheleinen – man stelle sich einmal Wäsche vor, die in Reih und Glied an Leinen hängt, ohne dass eine Dhobi (=Wäscherin) hin und her hastet, auf der Suche nach einem Flecken Gras, um die Kleider dort auszubreiten! Selbst der Regen fiel nur halbherzig. Alles war so schrecklich ordentlich. Angefangen beim Verkehr bis hin zu den Lebensmitteln in den Läden und zu den Häusern. Gas, Wasser und Strom flossen berechenbar, wann immer man sie brauchte.
Die Menschen bremsten sogar ihre Gefühle – sie sprachen nicht miteinander, sondern sahen sich nur argwöhnisch an. Die Vorhänge der Nachbarn zuckten, doch Fenster und Türen blieben fest verschlossen. Keine Händler kamen an die Tür, die Perlenketten, frischen Fisch, Stoff, Gemüse und Klatsch im Angebot hatten. Höchstens der Katalogverteiler ließ sich blicken, legte einen Katalog vor die Tür oder läutete und ging sofort wieder. Eines Tages hatte der Briefträger aus Versehen einen Brief bei uns abgegeben, der für die Nachbarin bestimmt war. Also klopfte ich an die Tür, um ihn ihr zu geben. Eine Frau mittleren Alters machte auf. Sie stemmte den Fuß fest gegen die Tür und spähte nur durch den Spalt. Anstatt mich hineinzubitten und mir Tee und Süßigkeiten anzubieten, bedankte sie sich bloß höflich und machte die Tür wieder zu. England war ein sehr, sehr einsames Land.
Raul ging früh zur Arbeit und kam spät nach Hause. Hin und wieder beschäftigte er sich mit den Kindern. Manchmal ging er mit seinen Freunden aus, aber ich war nur selten eingeladen. Und wenn ich doch dabei war, passte ich einfach nicht dazu und trat immer wieder ins Fettnäpfchen.
„Nalini, mach das nicht so, sondern benütze eine Serviette“, beklagte sich Raul. Oder er lachte vor allen anderen über mein mangelndes Wissen. Ich saß an Tischen herum und kam mir dumm vor, während die Leute sich in einer fremden Sprache unterhielten. Ich konnte nichts tun als lächeln, und nicht einmal das gelang mir richtig, weil ich tief in meinem Innern nicht glücklich war.
Glück. Glück war nur ein Geisteszustand, Glück war nur ein Geisteszustand. Wenn ich es oft genug wiederholte, würde es vielleicht in mein Bewusstsein einsickern. Ich musste etwas tun, egal was. Also brachte ich Raul dazu, Lebensmittel und Gewürze ins Haus liefern zu lassen. So konnte ich wenigstens kochen, um nicht den Verstand zu verlieren.
Ich bereitete gewaltige Mahlzeiten zu und arrangierte sie auf dem Esszimmertisch. Von morgens bis abends stellte ich Gerichte zusammen, rief mir Rezepte ins Gedächtnis, erinnerte mich an Geschichten meiner Mutter und vergaß dabei, wo ich mich befand. Ich polierte das Besteck und schmückte den Tisch. Niemand aß, was ich gekocht hatte. Raul hatte entweder im Büro oder mit seinen Kunden und Freunden gegessen, und die Kinder bevorzugten neu entdeckte Speisen wie Hamburger oder Fischstäbchen. Ich reicherte sie heimlich mit Gewürzen an, damit sie nicht vergaßen, woher sie kamen. Jeden Tag erhielt ich Anweisungen, neue englische Gerichte zu kochen. „Ma, kannst du uns Omelette und Toast machen?“
„Was ist Omelette und Toast, Makkale?“
„So etwas wie Mutta Dosa ohne Chilis und mit heißem Brot“, erklärte Satchin.
Ich verquirlte die Eier mit Korianderblättern, gab eine halbe Chili, geschroteten Pfeffer und Zwiebeln hinzu und toastete das Brot auf dem Cheenchatti (=Henkelkochtopf aus Alu oder Eisen) mit Butter. Sie beschwerten sich über die „grünen Stückchen“, und ich hatte den Eindruck, dass ich im Begriff war, den Kampf zu verlieren. Die Kinder waren begeistert von dem Abenteuer, und mich tröstete nur, dass es ja nur vorübergehend war und dass wir bald nach Hause fahren würden.“

Achtung! Spoilerwarnung!
Wer vorhat, das Buch zu lesen, hat hiermit meine ausdrückliche Erlaubnis, bis zum nächsten Punkt weiterzuscrollen. Spätestens beim Meinungsteil heißt es aber Stop! ;-)

Wie schon gesagt erweist es sich nicht nur als vorübergehend. Es kommt sogar noch schlimmer: Raul verlässt sie (wegen einer anderen Frau, mit der er in Amerika zwei weitere Kinder hat), und so sind Nalini und die Kinder gezwungen, ein ganz neues Leben zu beginnen, wirklich ganz von vorne anzufangen. Offenbar, um es den Kindern leichter zu machen, erzählt sie ihnen, der Vater wäre in einem Autounfall ums Leben gekommen, als dieser ein Kind retten wollte. In ihrem idealisierten Bild von dem Vater glauben sie ihr das natürlich. Sie kommen in einer sehr *hüstel* einfachen Einzimmerwohnung unter, die sie bei der Irin Maggie mieten. Das Haus befindet sich in dem düsteren Londoner Stadtteil Eastend, dem man seine Armut deutlich ansieht und in dem die Atmosphäre alles andere als schön ist. Es ist eines dieser Viertel, wo die Kriminalitätsrate sehr hoch ist und ausländerfeindliche Schmierereien die Wände heruntergekommener Häuser verunzieren. Aber im Moment haben sie keine andere Wahl und sind froh, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. Um den Lebensunterhalt zu finanzieren, tritt die Mutter eine Stelle als Näherin in einer nahe gelegenen Fabrik an, nachdem sie bei Maggie im Schnelldurchlauf nähen gelernt hat. Die Kinder sind von nun an, wenn sie aus der Schule kommen, häufig auf sich selbst gestellt, doch Maggie kümmert sich um sie, so weit sie kann. Auch Tom, der ehemalige Lieferant von Rauls Haus, der ihnen seither geholfen hat, ist ab und zu da, später seltener, bis ein bestimmter (persönlicher) Grund ihn veranlasst, ganz wegzubleiben. Eines Tages erfährt er nämlich von Dritten, dass Maggie gar nicht seine Schwester ist, sondern seine Mutter. Maggie hatte sich deshalb für seine Schwester ausgegeben, weil sie dachte, es wäre schwerer für Tom gewesen, zu verkraften, womit Maggie damals ihren Lebensunterhalt verdient hat, wenn er wüsste, dass sie seine Mutter ist. Doch all dies kommt natürlich erst viel später heraus.

Der Ausweg aus dieser Situation (Nalini, die sich in der Fabrik abrackert und somit kaum Zeit geschweige denn Kraft für die Kinder hat) hat wiederum etwas mit dem kochen zu tun. Erst fängt sie zu Hause auf engstem Raum an, die Pickles (=würzig eingelegtes Gemüse und Obst) verschiedener Geschmacksrichtungen herzustellen, die immer größeren Absatz finden. Tom liefert die Zutaten, und Maggie hilft in der Küche mit, und man kann sagen, dass sie schon bald so eine Art Kleinunternehmen sind. Als der Platz nicht mehr ausreicht, ziehen sie in eine größere Wohnung um. Sie ziehen überhaupt mehrmals im Verlauf der Geschichte um. Irgendwann eröffnen sie den ersten Laden. Auch dieser floriert immer mehr.
Dann lernt sie – sozusagen ebenfalls durch die Pickles, denn er ist ein Kunde von ihr – Ravi Thakker kennen. In der Folgezeit erhält sie ab und zu den Auftrag, für ihn zu kochen, wenn etwa irgendwelche Geschäftsleute oder Freunde zum Essen bei ihm eingeladen sind. Tja, und irgendwann kommen sie dann zusammen und heiraten. Satchin fällt es leichter, ihn schließlich als „neuen“ Vater anzunehmen; Maya hingegen reagiert abweisender. Dies hat jedoch nichts mit der Person Ravi zu tun, den sie ebenfalls nett findet. Wahrscheinlich ist das alles ihr etwas zu viel, und sie hat die vergangenen Ereignisse und Enttäuschungen, was den leiblichen Vater betrifft, noch nicht ganz verarbeitet. Jedenfalls dauert es ziemlich lange, ehe sie Ravi als neuen Vater annehmen kann. Und auch sonst ist sie diejenige, die mehr Widerstand leistet, während ihr Bruder sich besser an die jeweiligen Veränderungen anpasst und auch „vernünftiger" ist. Es gibt Phasen, wo er und seine Schwester sich einander entfremden, jeder seine eigenen Wege geht, obwohl es in der Vergangenheit auch Situationen gab, die sie zusammengeschweißt haben und wo sie viel miteinander unternommen haben. Als Nalini und Ravi zusammenkommen, tritt für die Geschwister wieder so eine Phase der Entfremdung ein. Die neuen Schwiegereltern nerven indes nicht nur Maya, sondern auch ihre Mutter, als diese zu Besuch kommen.

Auszug Nr. 3, Seite 234 ff (Maya), der einen Eindruck von der Schwiegermutter und ihrem Verhältnis zu ihr gibt:

„Zum Glück hörte Maggie nicht, was Fettfingerchen über sie sagte, insbesondere als sie herausfand, dass Maggie mit Onkel Jack zusammenlebte, ohne mit ihm verheiratet zu sein. Fettfingerchen hatte es geschafft, eine Horde Freundinnen zusammenzutrommeln – woher, weiß ich auch nicht. Vermutlich rekrutierte sie sie in den Tempeln, Gemeindezentren und mithilfe ferner Verwandter, deren Nummer sie nachgeschlagen hatte. All das geschah unter dem Vorwand, dass sie ihnen ihr Horoskop berechnen und ihnen den Verlauf ihres weiteren Lebenswegs genau voraussagen könne. Sie sah sehr professionell aus, wie sie so ihre Berechnungen anstellte, alles addierte, kurz zögerte und dann Kästchen malte. Doch im Laufe der Zeit wurde mir klar, dass sie bei jedem auf dieselbe Weise vorging und eine Strategie hatte, demjenigen die Informationen zu entlocken, indem sie immer wieder Fragen stellte und dann so tat, als wäre sie von selbst dahintergekommen. Zu guter Letzt teilte sie den Frauen ihre Ergebnisse mit und dichtete hie und da etwas dazu.“

Irgendwann lernt Maya Suri kennen, ein Freund Satchins, der häufig in der Familie zu Besuch ist und auch im Geschäft mithilft. Mit ihm versteht sie sich blendend, hier hat sie das Gefühl, sie selbst sein zu können, ohne dass über sie geurteilt wird, und mit ihm über alles reden zu können. Er wird ihre erste große Liebe.
Doch leider stirbt kurz darauf ihr Bruder in einem Unfall, der mit Suris erstem eigenen Auto, einer alten Schrottkiste, geschah. Suri überlebt, doch Satchins Tod wendet das Schicksalsblatt wieder von Grund auf. Nalini sitzt trauernd in dem Haus herum und erfährt erst im Nachhinein, dass die anderen den Laden währenddessen nicht in Schuss gehalten, sondern haben verkommen lassen (auch wenn es „nur“ zwei Wochen sind). Und Maya schließt in der Zeit mit allen, die ihr lieb sind, ab, um sich hinter ihren Büchern zu verschanzen. Nach ihrem erfolgreich bestandenen Schulabschluss beginnt sie ein Studium in Edinburgh, welches sie später wieder abbricht, um nach Spanien zu gehen. Dort hat sie nämlich einen jungen Anwalt namens Marcos kennen gelernt. Auch wenn sich die Beziehung, als sie einmal dort ist, nicht so entwickelt, wie sie es sich vorgestellt hat (sie aber dennoch parallel weiterführt), baut sie sich dort eine neue Existenz auf, lernt erst Spanisch in Madrid und lehrt es dann an derselben Sprachenschule, und erhält schließlich einen Job bei einem Modedesigner, der ihr großen Spaß macht. In diesem Rahmen wird sie auch gelegentlich auf Geschäftsreisen geschickt. Einmal führt sie der Weg auch in ihre Heimat Indien, wo sie farbige Stoffe einkaufen soll. Als das erledigt ist, fährt sie noch in das Heimatdorf ihrer Mutter, auch in der Hoffnung, ihre Großmutter noch einmal wiederzusehen. Was sie dort tatsächlich vorfindet und erlebt, könnt Ihr selbst im Buch nachlesen!
Eine weitere Reise führt sie nach Chicago, wo auch ihr Vater offenbar lebt. (Inzwischen wusste sie längst, dass er nicht tot war, weil sie ihm einst einmal nach der Schule begegnet war.) Zwischenzeitlich hatte sie übrigens auch nicht großartig Kontakt zu ihm, da er sie am Telefon meistens abwimmelt oder gerade „Wichtigeres“ zu tun hat. So allmählich wird also auch ihr klar, was für ein Mensch Raul ist. Doch erst in Chicago wird ihr das ganze Ausmaß bewusst...

Erst nach vier Jahren – die Hochzeitsvorbereitungen für die geplante Hochzeit mit Marcos laufen bereits an – veranlasst sie ein bestimmter Umstand, nach London zurückzukehren: Maggie liegt im Sterben.
Was danach passiert, ob noch die eine oder andere Wendung eintritt, darüber hülle ich mich in Schweigen. Lest selbst!

Die Zutaten

’’’Worum geht es wirklich?’’’

Um eine Familiengeschichte.
Um das Leben mit all seinen Tief- und Höhepunkten, seinen beendeten Lebensabschnitten und Neuanfängen.
Um kulturelle Unterschiede, und wie diese überwunden werden können.
Um Menschen, die sich selbst und ihren Weg suchen (und finden).
Um Menschen, die ihre Talente entdecken, entfalten und nutzen.
Um das Verzeihen und Loslassen können als Grundvoraussetzung zum Weiterkommen.
Und ja, auch um die Liebe. Wenngleich sie eben nur ein Thema von vielen ist, sich aber gewissermaßen (teils auch im Hintergrund) durch alles zieht.

Viel Senf und nur ’n bisschen Pfeffer

Schon auf der ersten Seite, mit dem ersten Satz wurde ich sofort in die Geschichte eingesogen. Seite um Seite war ich gebannt und neugierig, was wohl als nächstes geschehen oder ausgesagt werden würde. Zu keiner Zeit kam Langeweile auf, und es ist in einem sehr flüssigen, ausschmückenden und ausgeglichenen Stil geschrieben. Ab und an kamen auch Passagen, die mich fast unwillkürlich zum Nachdenken anregten, oder wo ich denken musste: Ja, genau so ist das! Überfordert wird das Gehirn hier jedoch niemals – selbst die nachdenklichen und ernsteren Passagen werden in gut verdaulichen Häppchen serviert. Auch einige Stellen, wo eventuell die Augen feucht werden könnten, sind vorhanden. Dennoch ist es keineswegs zu sentimental und schon gar nicht kitschig – um mal mit solchen Vorurteilen, die sich eventuell aufgebaut haben könnten, aufzuräumen. Insgesamt habe ich mich hiermit sehr gut und auch „geistreich“ unterhalten gefühlt. Zudem habe ich nebenbei einiges interessante über die indische Kultur und Lebensweise (im Vergleich zur westlichen) erfahren – auch wenn ich mir sicher nicht sämtliche Gerichte gemerkt habe. Aber zumindest habe ich eine gute allgemeine Vorstellung davon erhalten, die bestimmt im Ansatz irgendwo in meinem Gedächtnis leicht nachhaltig haften bleiben wird.
Die Perspektiven wechseln ein paar Mal zwischen Maya und Nalini hin und her, so dass man die Geschehnisse als Leser von mehreren Seiten sieht. Das finde ich besonders gut und dieses Konzept gelungen und ausgeglichen. Beide Personen „sprechen“ übrigens in der Ich-Form. Im Übrigen sind sie sehr leicht voneinander zu unterscheiden, zumal oberhalb des Kapitels bei einem Wechsel auch der Name steht, aus wessen Perspektive jetzt gerade erzählt wird. Ich bin jedenfalls gut mit dem Wechsel zurechtgekommen. Auch die Zahl der Charaktere ist so überschaubar, dass eigentlich keine Verwechslungsgefahr besteht. Allenfalls könnte es einzelne Leser am Anfang verwirren, dass die Begriffe für „Mutter“ (Amma) und „Großmutter“ (Ammama) ähnlich sind – insbesondere, als noch ein drittes Kind, welches nach seiner Großmutter „Ammu“ genannt wird, hinzukommt. Ich persönlich hatte damit jedoch nicht wirklich Schwierigkeiten, und denke daher, dass auch andere damit zurechtkommen werden. Die Charaktere sind alle klar gezeichnet, jeder hat seine Eigenheiten, und keiner bleibt blass. Man bekommt eine gute Vorstellung davon, wie diese Menschen sind, und sie könnten durchaus, obwohl sie an sich fiktiv sind, auch in der Realität frei herumlaufen. Auch die beiden Ich-Personen haben beide einen eigenen „Erzählstil“; so ist Maya oftmals sarkastischer als ihre Mutter, wenn diese erzählt.
Das Einzige, was ich konkret kritisch anzumerken wüsste, wäre dies: Die Vorgeschichte, wie es Maya auf einmal nach Spanien verschlägt, erscheint mir etwas unrealistisch und an den Haaren herbeigezogen. Da es aber dazu dient, die Geschichte im Ganzen in eine bestimmte Richtung zu lenken, verzeihe ich dieses Manko. Nicht zuletzt geht es in dem Buch ja auch um das Verzeihen. ;-)

Die Wortköchin

Preethi Nair stammt aus Kerala in Südindien, wo sie 1971 geboren wurde (was ungefähr zu der Zeit sein dürfte, zu der auch eine der Protagonistinnen das Licht der Welt erblickte). Auch sie wuchs in London auf und lebt bis heute dort.
Sie weiß also, worüber sie schreibt – und das merkt man auch anhand des Detailreichtums!

Dessert und Abgang

Kaum zu glauben, wie vielschichtig sich ein 382-Seiten-Roman gebährden kann!
Ich vergebe fünf Sterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung, weil mir hier abschließend immer noch kein Grund einfällt, einen Leuchtkörper vom Sternenhimmel zu stehlen!
 
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...geht um das Buch " Koriandergrün und Safranrot" von Preethi Nair. ECKDATEN ***************** Ich habe hier die gebundene Ausgabe des Romans vor mir liegen, welche bei dem Droemer Knaur Verlag, München 2006 erschienen ist. Die Originalausgabe erschien 2003 unter dem englischen Titel >>> One Hundred Shades of White <<< bei Harper Collins Publisher, London. 320 Seiten spannende Unterhaltung, inklusive der Danksagungen und Glossar umfasst das Büchlein ...
...3-426-19638-0 ISBN 13: 978-3-426-19638-7 Der Preis der vorliegenden Ausgabe liegt um die 20- Euro. ÜBER DIE AUTORIN ************************ Preethi Nair wurde 1971 in Kerala in Südindien geboren. Sie ist in London aufgewachsen, wo sie heute noch lebt. "Koriandergrün und Safranrot" ist ihr erster Roman in deutscher Sprache. (Der Text stammt etwas umgewandelt vom Deckblatt meiner Ausgabe :o) und aus Recherchen im Internet) - nicht gerade viel ... Bericht lesen

Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich
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Humor:
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sehr hilfreich

02.01.2009
leichte, spannende Lektüre
Bewertung für Koriandergrün und Safranrot / Nair, Preethi von YMedenwald

Pro: ergreifende Story teilweise mit Witz geschrieben
Kontra: ---

Koriandergrün und Safranrot ist ein sehr kurzweiliges Buch, indem es um eine reiche Familie geht, die wegen des Vaters von Indien nach England ziehen muss. Der Vater verlässt die Familie nach kurzer Zeit wegen einer anderen Frau und lässt die Familie ohne Geld und Haus zurück. Die Kinder leben Jahrelang mit dem Glauben der Vater sei tot in ärmsten Verhältnissen. Doch die Mutter schafft es durch ihre indischen Kochkünste und ihr Wissen über die Wirkung ...
...heiratet einen neuen Mann und lebt glücklich, bis der Vater plötzlich wieder auftaucht..... Später reist die Tochter, die damals 3 Jahre alt war, nach Indien, um die Wahrheit zu suchen und entgeht somit dem größten Fehler ihres Lebens. Man erfährt in diesem Buch sehr viel über die indische Kultur und die Gegensätze zu England. Wer sich ein bisschen für Indien und deren Art mit Gewürzen umzugehen interessiert, sollte dieses Buch auf jeden Fall lesen! ... Bericht lesen

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03.01.2008

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