Duplo-Elektronik für kleine Hände
26.05.2004
Pro:
Einfacher Schaltungsaufbau, schnelle Erfolgserlebnisse, große Schaltungsvielfalt
Kontra:
Erläuterungen manchmal zu knapp, recht hoher Preis, Verpackung monströs und umweltbelastend
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Spaßfaktor
Design
Stabilität
 Kritiker2000
Über sich:
Obgleich beruflich in der Softwareentwicklung tätig, setze ich mich auch gern in der Freizeit an den...
Mitglied seit:06.01.2000
Erfahrungsberichte:50
Vertrauende:10
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 18 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
***** Die Idee Elektro- und Elektronik-Lernspielzeug in Form von Baukästen gibt es bereits reichlich, von Kosmos, Schuco, Busch und anderen. Meist erfordert solches Lernmaterial schon etwas mehr Geschicklichkeit, da mit kleinen Bauelementen und je nach Konzept des Herstellers mit mehr oder weniger fummeligen Verbindungen zu hantieren ist. Diese Kästen richten sich daher an schon etwas ältere Kinder ab z. B. zehn Jahren bei den einfacheren Versionen dieses Lernspielzeugs. Da unsere Kinder heute ständig mit Technik konfrontiert werden, erwachen das Interesse an "elektrischen Fragen" und die Lust am Experimentieren unter Umständen schon deutlich früher. Wird dann einer der Experimentierkästen für die Größeren gekauft, ist das Ende vom Lied wahrscheinlich, dass Papa oder Mama bastelt und der Nachwuchs zuschaut. Dieser unerfreuliche Zustand ließ die Konstrukteure bei Kosmos wohl nicht ruhen und ein neues Konzept ersinnen: Elektronik-Bauteile, griffig wie Lego-Duplo-Steine, die in einer Art Druckknopftechnik auch von ungeübteren Händen zusammengesteckt werden können. ***** Bauteile und Schaltungsaufbau Die elektrischen und elektronischen Bauelemente befinden sich, abhängig von der Zahl ihrer Anschlüsse, auf recht- oder dreieckigen bunten Kunststoffplatten mit abgerundeten Ecken. Die allermeisten Teile (Widerstände, Kondensatoren, Schalter, Leuchtdioden, ...) sitzen auf rechteckigen Plättchen mit einer Größe von etwa 2 mal 7 cm. Das Spektrum der Bauelemente reicht von Widerständen und Kondensatoren, Glühlämpchen, Motor, Lichtsensor und Mikrofon über zwei Transistoren bis hin zu kompletten Modulen, deren Innenleben verborgen bleibt: Musik-, Alarm- und Soundmodul sowie ein Nieder- und ein Hochfrequenzverstärker. Insgesamt enthält der Kasten über 60 Teile.Die Schaltungen werden auf einem transparenten Kunststoffbrett der Größe 19,5 mal 28 cm (= ca. DIN-A4) zusammengesteckt, was aufgrund der Druckknopfverbindungen und der aufeinander abgestimmten Bauteilgrößen leicht und schnell vonstatten geht. Die Bauelemente lassen sich je nach räumlichen Erfordernissen einer Schaltung direkt "zusammenklicken" oder über Leitleisten verbinden, von denen dem Kasten mehrere in unterschiedlicher Länge beiliegen. Zum Betrieb werden vier Mignon-Batterien oder -Akkus benötigt, die dem Kasten verständlicherweise nicht beiliegen. ***** Anleitung und Schaltungen Das 64 Seiten starke Anleitungsheft beginnt mit der Beschreibung der Bauelemente. Dann geht's richtig los! Zunächst wird ein einfacher Stromkreis mit einem Glühlämpchen geschlossen. Anschließend entdeckt das Kind anschaulich, wie sich zwei Lämpchen in Reihen- und Parallelschaltung verhalten. Der Schwierigkeitsgrad steigt kontinuierlich. So werden z. B. auch Dämmerungsschalter und ein einfaches Mittelwellenradio mit Lautsprecherwiedergabe gebaut. Der Schwerpunkt der Schaltungen liegt eindeutig in der Erzeugung von Geräuschen oder auch von nervigem Krach, um es einmal klar zu sagen - schließlich enthält der Kasten Musik-, Alarm- und Soundmodul... Insgesamt werden rund 200 Schaltungen gesteckt. Viele Schaltungen stellen tatsächlich aber nur eine kleine Variation der vorigen dar; so wird z. B. ein Potentiometer zunächst durch einen Fotowiderstand und dann durch einen Berührungssensor ersetzt, oder es wird ein Kondensator durch einen mit anderer Kapazität ausgetauscht. Jede Schaltung wird anhand eines Aufbaufotos gezeigt und kann leicht nachvollzogen werden. Das Kind muss hierzu noch nicht einmal lesen können. Schade finde ich, dass keine Schaltbilder zusätzlich gezeigt werden. Zwar sind die Bauelemente-Schaltzeichen auf die Plastikträger aufgedruckt, so dass das Foto einem Schaltbild meist recht nahe kommt. Doch überdecken sich in einigen komplexeren Schaltungen etliche Bauelementeträger, so dass für das Verständnis und aus didaktischen Gründen Schaltbilder m. E. angebracht wären.Ich halte die Erklärungen bei vielen Schaltungen für zu knapp. Dass z. B. die Entstehung des Tons in einer Multivibratorschaltung, die u. a. zwei Transistoren enthält, auf das Laden und Entladen eines Kondensators zurückzuführen ist, stillt die Wissbegierde meines übrigens erst sieben Jahre alten Sohnes (zum Glück) nicht. An anderer Stelle könnte die Erklärung anschaulicher sein. Ich erinnere mich an den legendären Kosmos Radiomann aus den 1970er Jahren. Ich sehe noch heute die Zeichnungen vor meinem geistigen Auge, in der Strom und Spannung als Wasserfluss bzw. -pegel begreifbar gemacht werden. Der Transistor lässt sich dann sehr treffend als leicht verständliche Verbindung zweier Schleusentore erläutern. Schade, dass Kosmos diesen Weg nicht weiter beschreitet.Am Rande sei erwähnt, dass sich durch die Ausstattung mit einem npn- und einem pnp-Transistor einige neue Schaltungsvarianten ergeben, verglichen mit anderen Experimentierkästen, die meist zwei npn-Transistoren enthalten. So lässt sich bspw. eine sehr schwingfreudige Tongeneratorschaltung mit wenigen Bauteilen konstruieren - das ist dann vielleicht sogar noch etwas für "alte Hasen"... ***** Der Preis Der empfohlene Verkaufspreis beträgt knapp 70 €. Das halte ich schon für recht teuer. Da Easy Electronic noch nicht sehr lange auf dem Markt ist (erst seit 2003), stehen die Chancen schlecht, bei Internet-Auktionshäusern günstig einen gebrauchten Kasten zu erstehen. Allerdings finden sich etwa bei eBay Händler, die Easy Electronic als Neuware in Auktionen anbieten. So habe ich diesen Kasten originalverpackt für 46,50 € plus Versandkosten ergattert - immer noch teuer genug! ***** Verpackung, Umweltaspekt Ein sehr großer Pappkarton (41 x 33 x 13 cm) beherbergt zwei Styroporblöcke mit passenden Mulden für die vielen Elektronikteile. Liebe Leute von Kosmos, was habt Ihr Euch dabei bloß gedacht! Einen derart riesigen Karton möchte ich nicht im Zimmer meines Sohnes verstauen müssen; es bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als die Teile lose in einem kleineren Kasten oder ähnlichem einzusammeln, was natürlich der Übersichtlichkeit Abbruch tut. Und warum so viel Plastikmüll? Andere Hersteller zeigen, dass es auch kompakter und mit viel weniger Kunststoff geht!
***** Fazit Wer bei seinem Kind Interesse an technischen Dingen entdeckt oder glaubt, solches Interesse wecken zu können, sollte es mit einem Elektronik-Experimentierkasten versuchen. Easy Electronic ist etwas für die Kleineren und je nach Neigung des Kindes sicherlich auch schon ab 6 oder 7 Jahren geeignet. Allerdings ist der Spaß nicht billig! Da die Erläuterungen zum Teil mehr Fragen aufwerfen als beantworten, sollte man die Folgekosten für Ergänzungen gleich mit einkalkulieren. Allerdings kann man die Fortgeschrittenen-Kästen manchmal erheblich günstiger erstehen (eBay!).
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26.05.2004 15:09
Klingt cool, die modernen Bauteile sind ja mittlerweile unvernünftig klein, diese auf große Basis zu setzen ist sicher sinnvoll, dadurch stigt aber natürlich der Preis. Erwachsene sollten vielleicht lieber mit Standartbauteilen im Cent Bereich spielen ;-) Gruß vom Boc.
26.05.2004 11:09
Wir hatten auch mal einen Kosmoskasten dieser Art. Nach einem Kurzschluss war alles hinüber, Teile nachzukaufen war sehr schwierig- angeblich, lt Auskunft in einem Spielwarengeschäft.