Ein Staatstrojaner der besonderen Art
26.11.2011
Pro:
gute Idee
Kontra:
wahrscheinlich schon wieder überholt
Details:
Benutzerfreundlichkeit
Stabilität:
mehr
 ditho1911
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:411
Produktvideos:31
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 95 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ziemlich viel wurde hier in letzter Zeit über Internetsicherheit und Internetfallen geschrieben, auch ich musste meinen Senf dazu geben. Internetfallen sind für mich ein besonderes Reizthema, da ich selbst schon einmal in eine solche getappt bin. Nun gibt es ja inzwischen den Computerbild-Abzockschutz und WOT als kleine Helferlein, doch ersterer will von den neueren Versionen von Firefox nichts wissen und letzterer wird sehr oft missbraucht. Aber besser eine falsche Warnung zu viel, als eine richtige zu wenig. So dachte ich, bis ich kürzlich auf die Website des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Umweltschutz stieß. Dort hätte ich wahrlich zuletzt einen Staatstrojaner, den man lieb gewinnen kann, vermutet. Haben diese Truppen doch tatsächlich ein Cross-Browser-Plugin für jeden derzeit bekannten Browser entwickelt, der sehr nützlich für die Entdeckung von Kostenfallen im Internet ist.
Der Kostensucher und -finderAuf der Website www.bmelv.de/DE/Verbraucherschutz/Telekommunikation/KostenfinderEinstieg/KostenfinderEinstieg_node.html findet man dieses Plugin, dessen Idee so simpel wie auch clever ist. Wie funktioniert dieses Plugin nun eigentlich? Manche Internetangebote sind so trickreich gestaltet, dass man kostenpflichtige Inhalte nicht auf den ersten Blick erkennen kann, und die Betreiber leben recht gut davon. Der Kostenfinder bietet einen guten Schutz und ist sehr leicht zu installieren. Für die unterschiedlichen gebräuchlichen Internetbrowser sind auf http://www.bmelv.de/DE/Verbraucherschutz/Telekommunikation/KostenfinderInstallation/KostenfinderInstallation_node.html;jsessionid=7EA584B15ACB0FFA73513FB6CC172356.2_cid238 sehr detaillierte Installationsanweisungen zu finden, die es jedem nicht so versierten User sehr leicht machen.
Nach der Installation findet sich in der Statusleiste ein kleines Lupensymbol, nicht zu verwechseln mit der Suchfunktion. Eine Verwechslung ist schon dadurch fast ausgeschlossen, da nahezu ständig ein kleines rotes Warndreieck diese Lupe überlagert. Wovor warnt es nun? Es durchsucht blitzartig die gesamte aufgerufene Website auf Standardbegriffe, wie €, Eur, Kosten, Preis, Abo, Vertrag, auch im nicht sichtbaren Bereich und im Kleingedruckten. Klickt man jetzt mit der rechten Maustaste auf dieses Symbol, öffnet sich links im Browser ein Fenster, das anzeigt, welche gefährlichen Begriffe wie oft gefunden wurden. Zusätzlich werden auf der Originalseite alle diese Begriffe gelb unterlegt und rot eingerahmt. Auffälliger geht’s wirklich nimmer. Natürlich werden hier auch Begriffe, wie preiswert mit erkannt und angezeigt. Aber eben alles auch im Kleingedruckten, was man so leicht übersieht. Klickt man im Kontrollfenster ein- oder mehrfach auf die angezeigten Begriffe, springt der Kursor von einem markierten Begriff zum nächsten. Man muss also nicht aufwendig suchen. Ein Klick auf das Warndreieck blendet Fenster und Markierungen wieder aus. Eine tolle Sache mit mehreren kleinen und einem entscheidenden großen Mangel. Die kleinen, es werden viele unsinnige Begriffe im Sinne der Warnung angezeigt, womit man meiner Meinung nach leben kann, denn Sicherheit geht vor. Der entscheidende große ist jedoch, dass diese Begriffe nur in Textdateien erkannt werden. Wird eine solche Falle in eine Bilddatei eingebettet, ist das Addon machtlos. Dass Betrüger nicht gerade dumm sind, wissen wir alle. Also wird die Halbwertszeit dieses wohlgemeinten Tools nicht allzu groß sein.
FazitWie soll ich es nun sachlich bewerten? Schon die Sache mit den Bilddateien fordert den Gesetzgeber regelrecht heraus, klare Regelungen zu schaffen, die diesen Betrug verbieten und strafrechtlich ahnden lassen, so wie es sich gehört. Irgendwie erinnern mich solche Lösungen an unseren derzeitigen Winterdienst. Erst hofft man mal, dass es nicht schneit, wenn doch, stellt man Warnschilder vor Straßenglätte auf und empfiehlt dem Bürger, selbst zu streuen. Wenn er sich dann trotzdem ein Bein gebrochen hat, wundert man sich über die gestiegenen Krankheitskosten.
Inwieweit das im August dieses Jahres verabschiedete Gesetz zum Schutz vor Internet-Abofallen diesem Treiben wirklich ein Ende macht, bleibt abzuwarten. Künftig sollen Online-Anbieter die Verbraucher bei Einkäufen im Internet unmittelbar vor Abgabe der Bestellung auf die Kosten und weitere wesentliche Vertragsinformationen hinweisen. Erfolgt die Bestellung über einen Button, also eine Bilddatei, die z.B. von Frau Aigners Addon nicht erkannt wird, muss dieser Button einen Hinweis auf die Zahlungspflicht enthalten. Ohne ausdrückliche Bestätigung der Zahlungspflicht durch den Verbraucher kommt der Vertrag nicht zustande. Eine Praxis, die bei seriösen Webshops längst gängig ist. Ende des Jahres läuft die Übergangsfrist aus. Dann werden wir sehen, ob die Trickser neue Wege gefunden oder wir Frau Aigners Addon in den Müll werfen können. Eines wissen wir jetzt schon sicher, unsere Fachministerien haben wieder einmal grenzenlos unabgestimmt gearbeitet. Das erfüllt uns mit wahrer Zuversicht. Dem Addon, das nichts dafür aber auch nur wenig dagegen kann, gebe ich mal drei Achtungssterne und werde es vielleicht hin und wieder mal probieren.
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15.12.2011 01:28
Durch meinen Internetausfall für mehrere Tage, kann ich leider erst heute das versprochene bh nachreichen. Sorry! lg. von rosi
05.12.2011 11:18
Natürlich muss der Verbraucher vor Vertragsabschluss einen Hinweis erhalten, aber der Verbraucher muss das wissen. Diese Abzocker schreiben ja dann auch übelste Drohbriefe statt normaler Mahnungen. Meine Mutter hat so etwas mal bekommen. Die drohen direkt in der ersten "Zahlungserinnerung" bereits mit Rechtsanwälten und Gerichten und Verbannung und Todesstrafe und allen Dämonen der Hölle. Und dass dann viele Leute lieber kein Risiko eingehen, kann ich verstehen. Das Beste ist, so viele Leute wie möglich vor diesen Mistkerlen zu warnen. Wenn sich weniger Leute einschüchtern lassen und weniger darauf reinfallen, ist dass die beste Prävention und die beste Möglichkeit, ihnen das Leben schwerer zu machen.
02.12.2011 11:45
Gut gemacht. Ich vertrete allerdings die Auffassung: "Wer lesen kann ist klar im Vorteil", unabhängig von Tools, Add-Ins / Add-Ons u. dgl.