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Steven Spielbergs neuester Sommer-Mega-Blockbuster "Krieg der Welten" bietet ein auf höchstem visuellem Niveau gescheitertes Werk. Dies liegt nicht nur an einem für die Hauptrolle ungeeigneten Tom Cruise, sondern vor allem an dem mangelnden Konzept der bildgewaltigen Inszenierung. Ein absurdes Happy-End bringt das babylonische Ansinnen abschließend und endgültig zum Einsturz.
\H. G. Wells, The War of the Worlds - online at Project Gutenberg, gutenberg.net
{No one would have believed in the early years of the twentyfirst century that this world was being watched keenly and closely by intelligences greater than man's and yet as mortal as his own; that as men busied themselves about their various concerns they were scrutinised and studied, perhaps almost as narrowly as a man with a microscope might scrutinise the transient creatures that swarm and multiply in a drop of water. With infinite complacency men went to
and fro over this globe about their little affairs, serene in their assurance of their empire over matter. It is possible that the infusoria under the microscope do the same. No one gave a thought to the older worlds of space as sources of human danger, or thought of them only to dismiss the idea of life upon them as impossible or improbable. Yet across the gulf of space, minds that are to our minds as ours are to those of the beasts that perish, intellects vast and cool and unsympathetic, regarded this earth with envious eyes, and slowly and surely drew their plans against us.}
[Niemand hätte in den frühen Jahren des 21. Jahrhunderts geglaubt, dass diese Welt eifrig und scharf von Intelligenzen beobachtet wurde, größer als die des Menschen und doch sterblich wie seine eigene; dass, während die Menschen sich selbst mit ihren verschiedenen Sorgen beschäftigten, sie geprüft und studiert wurden, vielleicht so genau, wie ein Mensch mit einem Mikroskop die durchsichtigen Kreaturen prüfen würde, die in einem Tropfen Wasser herumschwirren und sich vervielfachen. Mit unendlicher Selbstzufriedenheit gingen Menschen hin und her über diesen Globus mit ihren kleinen Sorgen, ruhig in ihrer Gewissheit ihrer Herrschaft über die Dinge. Es ist möglich, dass die Bakterien unter dem Mikroskop das gleiche tun. Niemand verschwendete einen Gedanken an die älteren Planeten des Weltalls als Quellen einer Gefahr für den Menschen, oder dachte an sie, nur um die Idee von Leben auf ihnen als unmöglich oder unwahrscheinlich abzutun. Doch in den Tiefen des Raums betrachteten Lebewesen, deren Verstand im Vergleich zu unserem ist, wie unserer zu denen aussterbender Tiere, Intelligenzen, ungeheuer und kalt und ohne Mitgefühl, diese Erde mit neidischen Augen und entwickelten langsam und sicher ihre Pläne gegen uns.]
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Angekündigt für das Jahr 2007, begannen überraschend bereits im Herbst 2004 die Dreharbeiten zu Steven Spielbergs lang geplanter und 1996 im Angesicht von Independence Day verschobenen Verfilmung von H. G. Wells Roman "The War of the Worlds". Die verfrühte zweite Kooperation zwischen Spielberg und seinem Hauptdarsteller Tom Cruise wurde ermöglicht durch das Freiwerden von Terminen in den Drehplänen beider. So zog sich bei Cruise der Beginn des Drehs zu Mission Impossible 3 hinaus. Um den baldigen Beginn der Dreharbeiten zu ermöglichen, strich Spielberg sogar das Drehbuch zusammen. Eine Erklärung des Scheiterns dieses Vorhabens ließe sich folglich recht einfach in überhasteter Eile und mangelnder Sorgfalt der Vorbereitung anführen. Doch wäre dies sicher zu einfach.
Die Vernichtung der Menschheit durch eine außerirdische Intelligenz wird von Spielberg mit genüsslicher Detailgenauigkeit betrieben. Die verschiedenen Mechanismen der Außerirdischen zum Ernten und Töten des Homo Sapiens werden in beeindruckender und schonungsloser Nähe gezeigt. Spielberg bezwingt die Menschheit mit eigenen Händen. Sein Wunsch, die Zuschauer durch Elektroschocks und ähnliches im Stile einer Brave New World am Geschehen teilhaben zu lassen, verwirklicht sich in War of the Worlds allein durch die Bilder. Vom Ausrottungsstandpunkt gesehen, dürfte Spielberg ab sofort keine Filme mehr drehen. Nach der Killermaschine des Weißen Hais, der Vernichtungsmaschinerie der Nazis und der Brutalität des Krieges zwischen Menschen packt er in seinen neuesten Film alle verbliebenen und bereits betrachteten (modernen und (Ur))Ängste der Menschheit. Der Schockzustand der westlichen Welt nach dem 11. September findet hier seine Vervollkommnung im Kino. Paranoia und Angstzustände werden - vielleicht zur Bewältigung derselben - in vernichtende Bilder verpackt.
Alltag, Neugier, Faszination, Schrecken, Entsetzen
Die Inszenierung mit der wir und die Handelnden in das unvermeidbare Desaster gestürzt werden, vermittelt die Katastrophe an sich. Der Alltag, die gespannte Neugier, das Entsetzen. Als Paradebeispiel sei der 11. September 2001 angeführt. Ich selbst befand mich auf dem Weg nach Berlin zu einem Konzert einer beeindruckenden Band. Eine Hochstimmung durchströmte mich, eine Feierabendstimmung der besten Art. Das Radio berichtet von einem Unglück in New York, eine Spannung ergreift mich, ich frage mich mehr gespannt als entsetzt, was geschehen sein könnte. Mit der sich anbahnenden Erkenntnis des ganzen Ausmaßes, beschleicht mich langsam Entsetzen. Ich möchte schreien, und frage mich, wie es weitergehen mag, wie die Reaktion aussehen wird.
Ähnlich geht es Ray (Tom Cruise). Nach einem durchschnittlichen Arbeitstag auf den Docks des Big Apple fährt er mit seinem aufgemotzten Ford Mustang nach Hause. Vorfreude auf einen Abend mit Rumschrauben an einem alten Motor in seiner Küche erfüllt ihn. Doch er hat vergessen, dass seine Ex-Frau Mary-Ann (Miranda Otto) die gemeinsamen Kinder Robbie (Justin Chatwin) und Rachel (Dakota Fanning) vorbeibringen will. Sie fährt mit ihrem Neuen über das Wochenende zu ihrer Mutter nach Boston. Das trostlose Chaos seines Vorort-Hauses unter einer Autobahnbrücke wird auch durch die Ankunft der Kinder nicht aufgeheitert. Vielmehr bedeutet es für ihn eine Unterbrechung des gewohnten Alltags. So überlässt er die Kinder sich selbst, was darin endet, Robbie - der kleine Rebell - klaut am Morgen erstmal den Mustang. Die Nachrichten am Abend und Morgen von seltsamen Gewittern mit Ausfall aller Elektro-Geräte aufgrund elektromagnetischer Impulse und darauf folgenden Erdbeben in der Ukraine interessieren die unglückliche kleine Familie nicht, sie werden weggezappt. Spongebob ist wichtiger.
Auf der Suche nach seinem Sohn - besser direkt vor seinem Haus - fällt Ray auf, alle Menschen schauen gebannt zum Himmel, ein enormer Sturm bahnt sich an. Vom Hinterhof aus beobachten Ray und Rachel diesen seltsamen Sturm. Seltsam für Ray, weil der Wind zum Sturm hin weht. Rachel packt die Panik als die Blitze beginnen. Der Blitz schlägt niemals zweimal am gleichen Fleck ein. Falsch. Robbie weiß kurz später von 26 Einschlägen an einem Fleck zu berichten.
Interesse, der Sturm. Faszination. Begeisterung. Erstes Entsetzen, die Blitze. Die Einschläge. Das Ausfallen aller Elektrogeräte. Aller Autos.
Robbie taucht auf. Das Auto hat er stehen lassen müssen. Ray macht sich auf die Suche nach einer Erklärung. Er gibt seinem Mechaniker noch einen guten Tipp, wie er ein Auto wieder fit machen kann - wichtig - und begibt sich Richtung Zentrum des Vororts. An einem Blitzeinschlag beginnt die Vernichtung New Yorks für ihn.
Die Erde beginnt zu zittern, zu beben, sie bricht auf, die Kirche stürzt ein, der Boden reißt auf, eine dreibeinige Maschine erhebt sich und beginnt sofort alle Menschen um Ray herum mit einem Hitzestrahl in Staub zu verwandeln. Ray rennt und springt und stolpert um sein Leben. Jeder Mensch den er passiert, wird in dem Moment, wo Ray vorbeiläuft, getötet. Staub füllt die Luft, menschliche Asche und Bauschutt. Rays Haare, seine Haut, seine Kleidung färbt sich grau, während er flieht, flieht vor der Ausrottung seiner Heimat. Die visuelle Kraft der Vernichtung und der Veränderung von Tom Cruise Äußerem ist nicht abzustreiten, doch verzweifelt der geneigte Zuschauer schon jetzt, der Film ist vielleicht fünfzehn Minuten alt.
Überforderter Tom Cruise
Spielberg folgt der Romanvorlage insofern, dass auch Wells das gesamte Geschehen aus Sicht eines Berichterstatters schildert; dies mag man als wohltuende Abkehr vom Episodenhaften (der Held, die geschiedene Frau des Helden, der Wissenschaftler, der Journalist, der Präsident, die verlorenen gegangen Kinder) anderer Science Fiction Filme sehen. Doch führt dies beim Zuschauer ohne abgeschaltetes Gehirn zu erheblichen Frustrationen. Entkommt Cruise innerhalb von zwanzig Sekunden ebenso vielen Hitzestrahlen und fünf einstürzenden Mauern, erfolgt das erste Hand vor den Kopf schlagen. Mögen die Bilder in ihrer Ausdrucksfähigkeit beeindrucken, wünsche ich mir einen Hauptdarsteller dessen schauspielerisches und mimisches Können ähnlich überzeugt. Cruise schafft dies nicht. Mit dem gleichen stoischen Ausdruck rennt er, weicht einem Hitzestrahl aus und rettet sich in ein Geschäft, durch dessen Schaufenster sofort ein LKW stiebt und ihn glücklicherweise verfehlt. Ein Superstar wie Cruise verlangt natürlich seine 80 Prozent Leinwandpräsenz, schon allein um das Gehalt zu rechtfertigen, aber lohnt es sich, dieser Forderung jedwede Logik zu opfern. Im Laufe der 116 Minuten, die uns der Krieg der Welten zu fesseln versucht, entkommen Cruise und seine Familie ungefähr 348mal dem Tod.
Zuhause schnappt Ray sich seine beiden Kinder, seinen Revolver und den von seinem Kumpel reparierten Kleinbus und fährt zum Haus seiner Ex-Frau. Sie rasen dorthin, ohne anzuhalten, haben sie doch das einzige fahrtaugliche Fahrzeug. Im Hintergrund setzt die Ausrottung sich fort. "Sind es die Terroristen?" "Sind das die Europäer?" Die Spannung steigt, das Entsetzen bei allen nimmt zu. Die Anspannung der ganzen Familie äußert sich in den anfangs unmotivierten neurotischen, hysterischen Schreianfällen von Rachel. Dakota Fanning darf oder muss den Film durchgehend kreischen. Der Horror befällt das kleine Kind durchgehend. Stürzt es in immer wiederkehrende emotionale Notzustände. Das wirkt die Hälfte des Films überzeugend, die andere nervig. Ebenso unmotiviert, wie ihr Schreien, wirkt der dauernde Versuch Rays, seine Tochter vor den optischen Brutalitäten des Vernichtungsschlages durch die Außerirdischen und seiner eigenen Brutalität zu schützen. Der Versuch ist väterlich verständlich, ergibt sich jedoch in keiner Weise aus der Erzählstruktur des Films - einer an sich fehlenden Struktur - und den jeweiligen Umständen. Im Haus seiner Ex-Frau erleidet Ray einen ersten Zusammenbruch und schleudert die frisch geschmierten Erdnussbutter-Sandwiches gegen die Fensterscheibe. Ein Moment den ein begabter Schauspieler zu einem Schockmoment für die Zuschauer hätte machen können, Tom Cruise tut dies im gleichen Stil, in dem er bereits zu Beginn einen Baseball wirft. Aus Schutz vor etwaigen auftauchenden Alien-Maschinen flüchtet Ray sich mit den Kindern in den Keller, ein guter Entschluss, wie sich zeigen wird, ist doch so der Weg kürzer in einen noch geschützteren Raum, als mitten in der Nacht lärmend und den Zuschauer fast um das Gehör bringend ein Flugzeug auf das Haus stürzt.
Die Angst, die diese Episode beim Betrachter und Zuhörer auslösen kann, wird in der Auflösung am Morgen ins Lächerliche gezogen. Einem an 9/11 oder Lockerby gemahnendes Szenario des Todes sind unsere "Helden" einmal mehr entkommen. Nicht nur haben sie es überlebt, nein auch wie durch ein Wunder, steht ihr Van unbeschädigt direkt neben einer noch schwelenden Flugzeugturbine. Die Bilder sind in der Tat wie aus Aufzeichnungen über den 11. September oder das Lockerby-Unglück oder andere Flugzeugabstürze genommen, eine Katastrophe mehr, die Spielberg auf seiner Liste abhacken kann. Doch da steht dieser Van. Er scheint uns anzugrinsen: "Hab ich Euch das Geld nicht toll aus der Tasche gezogen, bin ich nicht ein toller Kerl." Von den drei oder vier Trailern, die im Vorhinein liefen wusste nur einer zu überzeugen. Die Mehrzahl zeigte bereits den Stumpfsinn von einem mit immer dem gleichen Ausdruck im Gesicht fliehenden und dem Tode entkommenden Cruise. Einer jedoch, der mich überzeugte mir dieses Machwerk anzutun, beeindruckte durch Bilder, die den Terror der Vernichtung schon in diesen paar Augenblicken spürbar machten. Zu unrecht offenbar.
Die weitere Flucht führt Familie Ferrier zur Fähre über den Hudson. Rachels Horror beim Anblick von hunderten Leichen im Fluss bildet ein visuell fantastisches Kapitel, das nicht berührt. Im Folgenden misslingt es Spielberg in großen Bildern die Dynamik einer Massenpanik, der Verzweiflung tausender aufgewühlter, um ihre Familien gebrachter, den Tod vor Augen habender Menschen zu inszenieren. Selbst der Konflikt mit Schusswaffen, der als nicht nur Mooresche Kritik des freien Zugangs zu Waffen wirken könnte, hinterlässt den Zuschauer gefühllos. Na und, erschießen sich halt ein paar Menschen gegenseitig. Wir erleben dies mit Ray aus einer Bar heraus. Die Straße ist gefüllt mit "panischen" Menschen, die Gehwege sind frei. Das Auftauchen der Tripods der Aliens beim Beladen der Fähre, das Sinken der Fähre, den "Zusammenstoß" mit einem von der Fähre fallenden PKW, das fast sichere Ertrinken im Fluss, alles überleben Ray und seine Kinder, und wir sehen gemäldeartige Bilder, die belanglos an mir vorbeiplätschern. Den Regen der Kleidung der getöteten Menschen, der folgt und der die Ausmaße dieses Genozids an der gesamten Menschheit verdeutlichen könnte, nehme ich war und verzweifle an der Nichtigkeit dieser Darstellung. Spielberg inszeniert einen Ablauf grandioser Bilder umwerfender Kraft, die ohne jede Logik, jeden inneren Halt aneinandergereiht werden. Jede Sequenz, jedes Kapitel (auf einer späteren DVD) beeindruckt in der gewählten Optik und lässt einen ungefähr so gefühlskalt zurück wie ein Erkan und Stefan Film. Das einzige Mal, das ich mich wirklich beklemmt versuche aus meinem Sessel zu befreien, ist der Zug. Der Zug. Der Treck der Verzweifelten passiert einen Bahnübergang. Unerwartet schließen sich die Schranken. Ein Zug nähert sich. In einem Moment erfasst Spielberg diverse Urängste, diverse eingefressene Bilder der Grausamkeit. Ein Zug passiert uns. Er brennt. Ich bin gefangen in der Vorstellung der fortwährenden Bewegung, des nicht befreien Könnens aus einem sich bewegenden, brennenden, engen Gefängnis. Mit unbeschreiblicher Gewissheit werde ich sterben. Ich nähere mich schnell und doch in Zeitlupe meinem unvermeidlichen Schicksal. Eine Sequenz, die fesselt und doch so unmotiviert wie alle anderen, an die vorhergehende anschließt und der nachfolgenden vorhergeht. Dieser Zug des Todes führt in diverse Abgründe, das KZ, gegen die Brücke, in allen Fällen jedoch ins Verderben. Dies ist einer der wenigen Momente, in denen mich der Bombast des Original-Scores nicht von der Intensität der Bilder ablenkt. Im gesamten sonstigen Verlauf, wirkt die musikalische Untermalung als habe man den Score nur im Hinblick auf das Funktionieren in einem beliebigen Blockbuster konzipiert, nicht jedoch für einen Film, der die Ausrottung der Menschheit thematisiert.
Unmotivierte Zwangstat, Verlust der Menschlichkeit
Die Unlogik zwischen Story und Bildern zeigt sich später in der ironisch glorifizierenden Darstellung der Soldaten, die versuchen in einem verzweifelten Angriff gegen die Außerirdischen vorzugehen. Mit letzter Kraft halten sie die Fahne der Menschheit, der Menschlichkeit aufrecht. Mit Gloriole erinnern sie an das Soldatendenkmal in Washington im Licht der aufgehenden Sonne, die Sonne geht unter. Dies ist eine Einstellung, die sich erst im Nachhinein erschließt. Die Ironisierung ist nicht offensichtlich. Erst beim Anblick eines ähnlichen Denkmals in Boston zum Ende hin, wird die fast zynische Gegenüberstellung von vergangenem Heldentum und gegenwärtiger Verzweiflung der Armee deutlich. Beim verzweifelten Ansturm mit allen Mitteln gegen eine geringe Zahl von Aliens, verkommt die ganze Gewalt der menschlichen Armee zu einem einzigen kleinen Haufen von Spielzeugsoldaten in heroischen Positionen.
An dieser Stelle nimmt auch die Absurdität des Happy-Ends ihren Anfang: Der widerspenstige rebellierende Robbie trennt sich vom Vater, um die "erhoffte" Vernichtung der Angreifer betrachten zu können.
Im weiteren Verlauf wechseln sich unmotivierte Gewalt und heldenhafte Menschen wenig gerechtfertigt ab. Da wird Ray von Mitgefangenen in einem letzten Anflug von Menschlichkeit aus dem Rachen der Alien-Erntemaschine gezogen. Da nimmt er einen Gürtel voll Handgranaten mit, als er eingesaugt wird, und es gelingt natürlich die Maschine so zu vernichten. Da beschießen Soldaten in einem seltsam unzerstörten Boston einen schon von selbst strauchelnden Tripod aus allen Rohren, und die im Umfeld flüchtenden Menschen würdigen dies nicht mal eines Blicks.
Den entscheidenden Moment unmotivierter Grausamkeit erlebt der Film jedoch, als Ray einen Farmer und Vietnamveteranen, der ihn und Rachel in seinen Keller eingeladen hat, mit bloßen Fäusten erschlägt. Dieser Moment des Verlustes all dessen, was uns zum Menschen macht, verstreicht Rationalisierend erklärt sich dies, er tut es um seine Tochter vor den Außerirdischen zu schützen, da Ogilvy diese unbedingt angreifen will und sie alle in ihrem Versteck gefährdet. Doch die vorhergehenden Episoden im Keller bauen in keiner Weise den Zwang zu einer solchen Handlung auf. Freundlicherweise wird das Ergebnis angekündigt. Um Rachel zu schützen, verbindet Ray ihr die Augen und fordert sie auf, sich Gute-Nacht-Lieder vorzusingen.
Die Rolle des Farmers und Veteranen Ogilvy bildet übrigens die einzige den Familienkreis Ferrier durchbrechende Nebenrolle. Eine Nebenrolle in der Tim Robbins nicht nur verschwendet wird, sondern die er auch nicht überzeugend ausfüllt. Vielleicht war ihm klar, wie bescheiden der Spannungsbogen dieses Films ist und dass er nur Blockbusterkanonenfutter ist.
Im Keller wird zudem ein weiterer Mangel des Films deutlich. Die Tricktechnik ist nicht schlecht, sie ist aber vor allem auch nicht dem Stand der Zeit entsprechend. Das Rendering der Aliens lässt stellenweise zu wünschen übrig. Ein Problem, über das sich hinweg sehen ließe, wäre es nicht eins unter so vielen. Dies mag dann doch auf übertriebene Eile bei der Fertigstellung deuten.
Blutrote Plantage
Während Ray und Rachel bei Ogilvy im Keller verweilen, verwandelt sich die Erde in eine übergroße blutrote Plantage. Der Blick auf die von rotem Geflecht überzogene Welt, deren Atmosphäre mit menschlichen Blutaerosolen getränkt ist, beeindruckt. Doch währt dies keine zehn Sekunden. Der Blick durch das Loch in einer Windschutzscheibe auf die blutbefleckte Rachel und die blutige Landschaft gemahnt an asiatische Horrorfilme. Ein starkes Bild, ohne Zusammenhang eingestreut und vergangen.
Dass Ray und Rachel ohne Robbie tatsächlich Boston erreichen, verdanken sie der einzigen heldenhaften Handlung in diesem Film. Natürlich Rays Handlung, die ihn und viele andere aus der Erntemaschine der Aliens rettet. Wir sehen ein fast unberührtes Boston voller Menschen. Die Tatsache, dass Milliarden Menschen umgekommen sein müssen, wird unter den Teppich gekehrt.
In Boston sind die außerirdischen Pflanzen bereits am Vergehen und auch die Aliens scheinen von einem Moment zum anderen Probleme zu haben. Dies entspricht der literarischen Vorlage, wirkt nach dem bildgewaltigen Feuerwerk jedoch bemüht. Das Happy-End - den Außerirdischen fehlt die nötige Immunabwehr gegen die kleinen Viren und Bakterien unseres Planeten. Die kleine Immunität, die wir Menschen uns mit dem Tod von Millionen und Milliarden über Jahrtausende erkämpft haben. Ein plausibles Ende, ein die Vorlage würdigendes Ende. Dies ist nicht zu bemängeln.
Zu bemängeln ist der Moment vorher. Jene Einstellung, wenn Ray und Rachel sich dem Haus der Eltern der Ex-Frau und Mutter nähern. Durch die verlassenen jedoch vollkommen unzerstörten Straßen des Bostoner Nobel-Vororts gehen sie auf den Eingang zu. Alles ist wie nach einer Evakuierung. Die Türen ordentlich geschlossen. Die Straße ein wenig sturmzerzaust, herbstlich. Die Eingangstür öffnet sich. Die zehn kleinen Jägermeister sind alle am Leben. Dort stehen: Der Opa, die Oma, die Mutter, ihr Neuer. Wir schwenken auf Ray und Rachel, Rachel rennt zu ihrer Mutter. Ray steht kurz allein, für ihn ist das Ende kein Happy End, er ist wieder allein, er hat gekämpft, seine Tochter gerettet, nur um in einer nun zerstörten Welt wieder einsam da zu stehen. Aber nein, da kommt als Überraschungsgast Robbie zu ihn. Robbie, der die Vernichtung der Aliens als Vernichtung der amerikanischen Armee hautnah erlebt haben muss, er lebt. Er ist frohen Mutes, er ist nicht mehr rebellisch, er umarmt den Vater, er ist ihm näher als je. In diesem Moment möchte ich schreien, buhen, weinen vor Verzweiflung um all die verschwendeten grandiosen Bilder, um die Millionen Dollar, die in so einen Schmutz geflossen sind.
Die Bilder des Films haben das Potential, um die Menschheit erstarren, nachfolgend kreischend davonrennen und geläutert zur Vernunft kommen zu lassen. Dies scheitert, nicht einfach sondern total. Die Visualisierung der Geschichte sollte bei den Zuschauern Hoffnungslosigkeit und zumindest Anteilnahme am Geschehen auslösen, doch ich bleibe unberührt und fühle mich wie in Silikon gehüllt. Die Bilder erreichen einen nicht. Sie wirken wie überfrachtete Gemälde, sie erzählen etwas, haben aber keine Botschaft.
Die Vorlage von Wells besitzt schon keine übermäßig aufwändige Geschichte. Spielberg versucht diese zu vertiefen. Im Kampf der Menschheit konzentriert er sich auf das Schicksal einer in der Vergangenheit zerbrochenen Familie, in der nicht einmal mehr versucht wird, die Scherben wieder zusammenzufügen, sie werden zur Seite gekehrt, man steigt über sie hinweg. Die Anlage des Hauptdarstellers in dieser Lage liefert - denke ich - einen dankbaren Stoff, die Empfindungen Panik, Hoffnungslosigkeit, Vergänglichkeit, Nichtigkeit der eigenen Situation zu thematisieren. Doch versinkt alles dies in einer bombastischen Suppe, die weder fesselt noch berührt. Dies liegt nicht zuletzt am lieblosen Umgang mit den Figuren. Cruise war und ist keine Charakterdarsteller, der eine gebrochene Figur füllen kann, die Zwänge denen er ausgesetzt ist, die zu seinen Handlungen führen, können er und Spielberg nicht transportieren. Tim Robbins als Ogilvy wird lieblos abgehandelt, taucht auf und verschwindet ohne Kommentar. Dakota Fanning schreit sich zu Tode und in der Hälfte der Fälle wirkt es, als warte sie nur auf die Regieanweisung Spielbergs: "Jetzt kreischen."
Um eine lange Geschichte kurz zu machen:
Krieg der Welten (War of the Worlds (2005)) ist ein durch und durch missglückter Film. Er besitzt das Niveau einer schlechten teuren Comic-Verfilmung. Ein überforderter ungeeigneter Superstar als Hauptdarsteller, ein mangelnder innerer Spannungsbogen und die unmotivierte Aneinanderreihung fantastischer, genialer, visuell erschlagender Bilder ohne Inhalt, all das ist es, was diesen Film unerträglich macht. Dass dazu die Tricktechnik nicht vollkommen überzeugt und der Score überflüssig bombastisch daherkommt, fällt kaum noch ins Gewicht.
Die Bilder, die in der Lage wären, die Hoffnungslosigkeit im Angesicht der uns wie Ameisen zertretenden oder wie Austern auslutschenden außerirdischen Bedrohung ins Publikum zu projizieren, diese Bilder verblassen ohne Wirkung. Wo die Menschheit in verzweifelter Panik, im Schockzustand sein müsste, wo der Mensch als erstes Lebewesen dieses Planeten mit offenen Augen ins Aussterben laufen sollte, wo man eigentlich eine wimmernde Masse von regressiven Vielzellern erwartet, da zeigt Spielberg Massenszenen, die in "Der Supervulkan" überzeugender präsentiert werden.
Dieser Film lässt mich verzweifeln, weil er mit etwas mehr Sorgfalt ein Meisterwerk hätte sein können und doch so missglückt ist.
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War of the Worlds (2005), Krieg der Welten
Regisseur: Steven Spielberg
Buch: H.G. Wells (Roman), David Koepp und Josh Friedman
Genre: Action / Abenteuer / Drama / Sci-Fi / Thriller
Tom Cruise - Ray Ferrier
Justin Chatwin - Robbie Ferrier
Dakota Fanning - Rachel Ferrier
Tim Robbins - Ogilvy
Miranda Otto - Mary Ann Ferrier
116 min
| weitere Erfahrungsberichte |
Düsterkino zum abgewöhnen
Bewertung für Krieg der Welten (2005) von
yesup
Pro: Top Bildqualität, Hirn muß nicht eingeschaltet werden
Kontra: Alles vorhersehbar, keine Spannung, keine Logik
Hallo zusammen,
Ich mußte etwas mit mir kämpfen, ob ich den Bericht nun wirklich schreiben sollte, schließlich habe ich reichlich "weibliche Vertraute" und dann einen Tom-Cruise-Filmverriß? Aber wir sind ja hier in einem Meinungsforum, darum hier meine ...
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sehr hilfreich
02.11.2005
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Das Ende aller Fabeln
Bewertung für Krieg der Welten (2005) von
JerryMaguire
Pro: Cruise, die Idee, die ersten 45 Minuten
Kontra: enttäuschte Erwartungen, das Drehbuch, vieles
Die Stimmung ist bedrückend, die Atmosphäre lechzt nach posttraumatischer Depression, so als wäre etwas verloren gegangen, dass bisher fester Bestandteil von etwas weit Größerem war. Nach Steven Spielbergs apokalyptischer Alien-Invasion sind Weltbilder in ...
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sehr hilfreich
02.07.2005
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Das Ende der Welt - oder etwa nicht?
Bewertung für Krieg der Welten (2005) von
Magdal.ena
Pro: gute Schauspieler, Special-Effect, Drehbuch; Stimmung
Kontra: schwächeres Filmende im Vergleich zum restlichen Film
Niemand, der dieser Tage den Kinosaal betreten wird, ist auf das gefasst, was ihn bei "Krieg der Welten" erwarten wird. Das verspreche ich euch an dieser Stelle schon einmal. In das Kino meines Vertrauens bin ich mit der Erwartung gegangen, einen spektaku ...
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sehr hilfreich
01.07.2005
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Ich war tatsächlich im Krieg.
Bewertung für Krieg der Welten (2005) von
Gaara
Pro: Schauspieler, Sound, Atmosphäre, Ideen, Angst
Kontra: nur Kleinigkeiten, Tom Cruise singt
...Es war ein kranker Tag an dem ich mich mit einem Kumpel entschloss, spontan in Krieg der Welten zu gehen. Über diesen Tag will ich mich nicht äussern hier, aber über den Film doch. Er scheint ja sehr zu polarisieren. Wie gesagt, es war eine spontane Entsc ...
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sehr hilfreich
23.07.2005
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The War begins!Rette sich wer kann!
Bewertung für Krieg der Welten (2005) von
N-Key
Pro: grandiose Effekte, gute länge, kamera, schauspieler, der anfang;)
Kontra: ende etwas zu kurz, zu selten aliens zu sehen
Krieg der Welten
Ein Spielberg - Cruise - Film
In diesem Bericht möchte ich euch einen meiner Lieblingsfilme zeigen, er war vor einiger Zeit in den deutschen Kinos (herausgekommen am: 29. Juli 2005), ist für mich aber immer noch aktuell, und werde i ...
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sehr hilfreich
05.10.2005
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