Krieg im Nahen Osten

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Krieg im Nahen Osten

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Erfahrungsbericht über "Krieg im Nahen Osten"

veröffentlicht 21.08.2006 | negendank
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Seit es keine sinnvollen Kommentare mehr gibt, habe ich mich neu orientiert. Ich kann auch anderswo posten...
Nichts für mich
Pro Vielleicht lernen die Menschen etwas aus dem Konflikt.
Kontra Wenn niemand etwas daraus lernt.
sehr hilfreich

"Wieder einmal nur Verlierer"

Heute ist der Konflikt fast wieder am Ende. Nun meinen einige Politiker, in dem Krieg habe es nur Verlierer gegeben. Das ist auch meine Meinung. Deshalb stelle ich eine Frage: hätte man das nicht vorher wissen können? Das hätte man schon und dann wären heute noch etliche Menschen am Leben, die völlig UNSCHULDIG gestorben sind. Wieder einmal trifft der Krieg die Falschen.

Zwar habe ich den Libanon noch nicht bereist, doch kenne ich aus eigener Anschauung einige Länder der näheren Umgebung. Diese sind im Uhrzeigersinn: die Türkei, der Irak, Ägypten und Zypern. So habe ich schon einen gewissen Einblick in die Region und denke, daß ich die Lage einigermaßen analysieren kann.

Im Gegensatz zu einem „gewöhnlichen“ Krieg, gibt es nicht zwei, sondern vier verschiedene Parteien, welche unabhängig voneinander agieren. Diese stelle ich mal der Reihe nach vor.

Die Hisbollah
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Diese Organisation von Schiiten betrachtet sich schon als „Sieger“, weil sie immer noch existiert. Scheinbar haben deren Anführer noch nie etwas von einem König Pyrrhus gehört. Ich jedenfalls habe diese Lektion im Geschichtsunterricht gelernt. Pyrrhus lebte zu Zeiten der Antike. Er hatte den Krieg gewonnen und den Frieden verloren. Das hatte einen einfachen Grund. Der Wiederaufbau im zerstörten Land kam so teuer, daß Pyrrhus daran pleite ging.

Ein ähnliches Schicksal könnte der Hisbollah auch passieren. Im Libanon konnte sie sich nur deshalb breit machen, weil sie als wohltätige Organisation auftrat und im ärmeren Teil der Bevölkerung breite Sympathien genoss. Jetzt, nach der allgemeinen Zerstörung, sind die Libanesen noch viel ärmer geworden und es ist noch viel mehr Wohltätigkeit erforderlich. Erst gestern wurde im Fernsehen gezeigt, wie die Hisbollah einigen Familien Geld auszahlt, damit sie ihre Häuser wieder aufbauen können. Das mag die Hisbollah ruhig tun, doch dann stellen sich Fragen: woher hat sie das viele Geld? Wie lange werden die Mittel noch reichen? Da könnte auch eine Hisbollah eines Tages mal finanziell am Stock gehen.

Oder aber, sie zahlt nicht weiter. Dann gibt es eine einfache Formel. Islamischer Fundamentalismus ohne Wohltätigkeit ist gleich Terrorismus. Schon heute bewegt sich die Hisbollah hart an der Grenze. Noch hat Amerika nicht eingegriffen. Aber das könnte ja noch kommen. Betrachten wir mal die weiteren Parteien.

Der Libanon
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Die libanesische Regierung konnte wohl nicht damit rechnen, daß die Hisbollah einen Krieg anzetteln würde. Deshalb stellt sie eine weitere Partei dar. Nun bin ich kein Erbsenzähler und habe nicht nachgezählt, wieviele Libanesen unschuldig gestorben sind. Jeder Tote ist ein Toter zuviel.

Die libanesische Regierung konnte den Krieg nicht verhindern, weil sie zu schwach war. So langsam aber sicher gerät der Libanon in einen Teufelskreis, den ich sehr bedenklich finde. Im Kern stammen die Libanesen von Phöniziern ab und das war ein Volk von Seefahreren und Händlern. Solche Menschen sind gerne auch Auswanderer. Schon heute gibt es auf der ganzen Welt Libanesen, die außerhalb ihrer Heimat erfolgreich Firmen gegründet haben. Durch den Krieg und die Zerstörung dürfte sich der Trend zur Auswanderung noch verstärken. Das schaffen aber nur die Erfolgreichen, die auch im eigenen Land gebraucht werden. Auf Englisch nennt sich diese Entwicklung „Brain Drain“. Es ist ein Abfluß guter Gehirne.

Zurück bleiben nur noch die Dummen. Zudem entsteht ein Vakuum, das von palästinensischen Flüchtlingen genutzt wird. Diese sind vielleicht nicht „schlecht“ im moralischen Sinne, doch sind sie verzweifelt und somit auch unberechenbar. Schon jetzt war die libanesische Regierung zu schwach, um den Krieg zu verhindern. Durch den Abstrom der Guten und den Zustrom der Schlechten entsteht eine Schieflage. Die zukünftige Regierung wird noch schwächer sein und damit wird sie weitere Kriege noch weniger verhindern können. Politisch gesehen wird das Land immer instabiler.

Früher war der Libanon einmal eines der reichsten Länder der Region. Heute ist er praktisch schon ein Sozialfall. Warum war ich noch niemals im Libanon? Das Land soll sehr schön sein und stand auf der Wunschliste meiner Reisziele weit oben. Doch jedesmal, als ich meinen Wunsch in die Tat umsetzen wollte, kam so ein dummer Krieg dazwischen. Jetzt halte ich eine Reise in den Libanon für sehr unwahrscheinlich. Dabei war der Tourismus einmal eine wichtige Einnahmequelle und hatte viel zum Wohlstand des Landes beigetragen. Die echten Libanesen waren einmal berühmt für Toleranz, Lebensquailtät und auch Lebensfreude. So ein Biotop hätte man schützen müssen. Das ist leider nicht geschehen.

Israel
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Den Anlaß des Krieges muß man sich mal durch den Kopf gehen lassen. Entführt wurden zwei israelische Soldaten. Soweit ich informiert bin, wurden in dem Krieg aber mindestens 150 Israelis getötet. Also zwei Menschenleben wollte man retten und 150 weitere wurden geopfert. Das ist eine sehr schlechte Proportion. Hinzu kommen die wirtschaftlichen Schäden, sowie Angst und Schrecken. Man wußte ja nicht, wieweit die Katjuschas reichen. Selbst Tel Aviv befand sich in Gefahr.

Und außerdem. Ohne Krieg hätte man für diese Soldaten eine diplomatische Lösung finden können. Heute gehe ich jede Wette ein, daß sie bereits tot sind. Warum sollte ein Feind genau zwei Soldaten am Leben lassen, wenn er andere bedenkenlos tötet?

Die Friedenstruppe
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Diese soll nunmehr den Scherbenhaufen kitten. Über den Einsatz deutscher Soldaten wird heftig diskutiert. Die Bedenken kann ich sehr wohl nachvollziehen. Was hinterläßt es für einen Eindruck, wenn ein deutscher Soldat einen Juden tötet und sei es auch nur aus Notwehr? Dieses Problem könnte man organisatorisch lösen und das wird auch angedacht. Die Bundeswehr kommt wahrscheinlich an Orten zum Einsatz, an denen sie mit Israelis nicht gerade in Konflikt gerät.

Doch der Friede? Was wird dann aus dem Libanon? Machen wir das wieder so, wie zu Zeiten der Kreuzritter? Damals wurde ganz einfach ein christliches Reich gegründet. Selbst wenn wir das vergessen haben, - man denke, der Orient hat ein sehr langes Gedächtnis. Im Orient lernt jedes Kind auf der Schule, wer die Kreuzritter waren und wie sie von tapferen Moslems vertrieben wurden. Deshalb sehe ich die europäische Friedenstruppe in einer Zwickmühle. Bleibt sie nur kurzfristig, dann kann sie bestenfalls den Schein wahren. Nach ihrem Abzug kehrt alles wieder zurück zum alten Chaos und dann wird sich Israel wieder selbst helfen, so wie es das Land bisher getan hat.

Oder – bleiben wir dauerhaft im Libanon? Dann müßten wir dort auch eine Wirtschaft aufbauen. Die Libanesen wollen ja auch von etwas leben. Aber – wie machen wir das? Die Bundeswehr alleine wird dafür nicht ausreichen.

Mußte das sein?
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Also der Feind entführt zwei Soldaten. Rein militärisch macht das überhaupt keinen Sinn. Das hätte man doch wissen müssen, daß zwei Soldaten keinen Krieg entscheiden. Es sei denn, die zwei wären wichtige Geheimnisträger gewesen. Das wissen wir nicht. Doch dann hätte sich wohl eher der Geheimdienst mit der Sache befassen müssen.

Merke: man entführt keine Soldaten! Den Blödsinn hätte man unterlassen können.

Nun hat die israelische Regierung überreagiert. Merke: man opfert doch keine weiteren Menschen, nur um sicher zu sein, daß die zwei auch wirklich tot sind.

Also das ganze Spektakel war mal wieder Absurdistan pur. Diesen Krieg hätte man mit etwas Nachdenken vermeiden können.

FAZIT

Warum schreibe ich diesen Bericht? Das Ganze rutscht mir einfach so aus den Fingern. Bei der Gelegenheit möchte ich wieder einmal vor sinnlosen Kriegen warnen. Dafür gebe ich natürlich nur die schlechteste Bewertung von einem Stern und gar keine Empfehlung.

Sinnvolle Einsätze der Bundeswehr? Ja aber. Wenn es gelingt, Nachahmer auf der einen wie auf der anderen Seite abzuschrecken, dann wäre der Einsatz schon sinnvoll. Gerade im Libanon habe ich da meine Zweifel. Es reicht leider nicht aus, nur menschliche Leben zu retten. Dann wandern die Libanesen einfach nur aus und in dem Land bildet sich ein gefährliches Vakuum. Man muß dem Land auch eine Zukunft bieten. Gute Frage: wie wird die wohl aussehen?

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • fernfahrer1969 veröffentlicht 31.08.2006
    Ich möchte deine ,sejr guten,Gedanken noch ein wenig ausfüllen: Zu der Hisbollah und dem Vergleich mit Phyrrus:Sehen wir doch mal etwas weiter südlich,denn die Palästinenser haben mit ihrer derzeitigen Regierung das gleiche wie wenn im Libanon die Hisbollah die Macht übernehmen würde: Im Volk beliebt,aber in der Durchführung schwach. Zu Israel: Der Grund für diesen Krieg ist doch,wie immer,nur vorgeschoben,aber ich halte mich jetzt lieber zurück denn sonst bekomme ich gleich den Stempel des "Antisemitismus" aufgedrückt,denn Israel (und somit auch die USA) stehen ja ausserhalb der Kritik (glauben zumindest sie selbst). Sehr gute Gedanken und dafür auch ein BH
  • Thioula veröffentlicht 23.08.2006
    "Es ist ein Abfluß guter Gehirne. Zurück bleiben nur noch die Dummen. (...) Durch den Abstrom der Guten und den Zustrom der Schlechten entsteht eine Schieflage."Solche Aussagen finde ich höchst bedenklich. Die hier vertretene Auffassung vom Pyrrhus-Sieg ist, sagen wir mal, eigenwillig.
  • Feldmaus-mem veröffentlicht 23.08.2006
    Gibt es auch sinnvolle Kriege? Ich meine NEIN !!! Alle Probleme müssen sich diplomatisch lösen lassen. Aber da spielen soviele Interessen zusammen, die eine diplomatische Lösung von vornherein ausschließen. Sei es die Waffenlobby, seien es Interessen an Land, Raum und Rohstoffen - aber auch der Glaube wird misbraucht um Kriege zu rechtfertigen. Und da zeigt die Geschichte, dass es nur wenige Konfessionen gibt, die nicht schon irgendwann einen Krieg angezettelt hat. Für mich ist jeder Krieg und jede bewaffnete Auseinandersetzung ein zuviel !
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