Krull

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Überirdisch gut? Unterirdisch schlecht? Parterre.

3  29.09.2004

Pro:
„Sehenswerte Landschaftsaufnahmen ! "

Kontra:
„Sehenswerte Landschaftsaufnahmen ! "

Empfehlenswert: Ja 

Gemeinwesen

Über sich: "Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück" (Gottfried Benn) ciao-Merksatz 2006: "...

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Die Bewohner des Planeten Krull haben ein Problem. Das nennt sich „Das unbeschreibliche Ungeheuer“, haust in einer fliegenden Festung, die alle 24 Stunden den Standort wechselt und gebietet über die so genannten „Slayer“, eine Armee schwer gepanzerter, kriegerischer Wesen, die Angst und Schrecken verbreiten.

Viel entgegenzusetzen haben die Einwohner des Planeten dem Monster und seinen Schergen nun gerade nicht mehr, und zu allem Überdruss sind die Herrscher der zwei letzten Königreiche, die noch nicht von des Ungeheuers Truppen in Schutt und Asche gelegt worden sind, einander auch nicht gerade grün. Da aber nun mal nur Einigkeit wirklich stark macht, rauft man sich nolens volens zusammen und beschließt, den neuen Zweckbund gleich noch durch die Verheiratung zweier Sprösslinge aus den nämlichen Königshäusern miteinander zu besiegeln.

Bevor noch allerdings der wackere Prinz Colwyn (Ken Marshall) der koketten Prinzessin Lyssa (Lysette Anthony) das Jawort geben kann, wird die von einem Rollkommando des Ungeheuers, des unbeschreiblichen, gekidnappt. Der Rest der Hochzeitsgesellschaft wird niedergemacht; allein Prinz Colwyn überlebt die Attacke, wird aber von einem der Angreifer kurzzeitig außer Gefecht gesetzt und ins Land der Träume geschickt. Als Colwyn am nächsten Morgen wieder zu sich kommt, hat der weise Ynyr (Freddie Jones) den jungen Mann bereits verarztet. Schnell stellt Ynyr fest, dass der mutlose Prinz offensichtlich auch dringend des moralischen Beistandes bedarf, und so redet der Ersthelfer dem in jeder Hinsicht niedergeschlagenen Colwyn gut zu: Die Lage sei keineswegs so aussichtslos, wie sie scheine, zumal es da der Legende nach ein zaubermächtiges, fünfzackiges Schwert gebe, mit dem, so will es eine uralte Prophezeiung wissen, auch unbeschreiblichen Ungeheuern beizukommen sei.

Gemeinsam machen der Prinz und sein neu gefundener Mentor sich auf den Weg, um zunächst das Zauberschwert „Glaive“ zu suchen.

„Krull“ ist einer dieser Filme, die es einem nicht leicht machen, sie gut zu finden. Als eher gut gemeinter denn wirklich gut geglückter Versuch, die in den frühen 80er Jahren ungemein populären Genres „Fantasy“ und „Science Fiction“ miteinander zu verquicken, wirkt „Krull“ ein bisschen so wie ein aus zwei grundverschiedenen Modellbausätzen zusammengeklebtes Gebilde: man sieht den Versatzstücken
Bilder von Krull
Krull Bild 81572 tb
Löst Begeisterung bei Prinzen aus: das"Glaive", eine Art Mischung aus Ninja-Stern & Bumerang
an, woher sie stammen – und es ist deutlich zu erkennen, dass sie nicht zueinander passen, geschweige denn, dass etwas wirklich Neues entstünde, das überzeugend wäre.

Pate gestanden hatte, wie könnte es anders sein, natürlich George Lucas’ Weltraummärchen „Star Wars“, das mit zwei Fortsetzungen nicht nur an der Kinokasse für Furore gesorgt, sondern auch der Spielzeugbranche ein fettes Plus beschert hatte: Laserschwerter und Strahlenpistolen waren im Entstehungsjahr des Films 1983 à la mode, und so mussten auch die aus dem All eingeflogenen Bösewichte in „Krull“ blaue Energieblitze auf ihre Widersacher abschießen (wie in den Frühtagen irdischer Feuerwaffen blieb es allerdings beim einmaligen Schuss – vermutlich aus Budgetgründen, die mit der Kostspieligkeit von Lichtblitz-Special Effects zu tun gehabt haben dürften). Bei Krulls hingegen ist noch Hauen und Stechen angesagt, und so bleibt es auf Seiten der Guten bei der futuristischen Anmutung des Rittergewandes. Eigentlich hätte es ja in „Krull“ sogar noch ein paar Drachen zu sehen geben sollen, denn ursprünglich sollte „Krull“ einmal „The Dragons of Krull“ heißen.

Wenn daraus nichts geworden ist, dann liegt das daran, dass kurz zuvor Disneys düsteres Drachen-Drama „Der Drachentöter“ fürchterlich gefloppt war. Es darf aber bezweifelt werden, dass „Krull“ davon profitiert hätte, wenn die Dinge anders gelegen hätten: „Krull“ ist, ob mit oder ohne Drachen, ein Film, den man m.E. mögen, aber nicht wirklich gut finden kann.

Wenn man von einem Film sagt, es seien darin schöne Landschaftsaufnahmen zu sehen gewesen, dann muss das kein vernichtendes Urteil sein: In „Jenseits von Afrika“ waren schöne Landschaftsaufnahmen zu sehen, und ein schlechter Film war das deswegen noch lange nicht. Allerdings hatte „Jenseits von Afrika“ ja auch noch eine ganze Menge anderes zu bieten, und deswegen wäre es wohl auch nicht fair, „Jenseits von Afrika“ auf seine sehenswerten Naturaufnahmen von reduzieren.

Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer: „Krull“ ist in seinen besten Momenten ein hübsch anzuschauender Film, der immense Lust auf eine Reise zu den italienischen Drehorten macht, an denen der größte Teil der Außenaufnahmen für „Krull" entstanden ist. In seinen schlechteren Momenten ist „Krull“ ein Film mit einem Held in gestreiften Spandex-Hosen, der durch seltsam unbewohnt erscheinende Landschaften vagabundiert, in denen hie und da Aufgaben auf einen Helden warten, die dieser dann pflichtschuldigst abarbeitet: Ich bin mir sicher, dass „Krull“ ein tolles PC-Spiel abgegeben hätte. Eines, das bestenfalls sogar noch besser als die filmische Vorlage gewesen wäre.

Zu den stärksten Momenten des Films zählt eine Szene, in der der alte Ynyr die aktuelle Helden-Aufgabe lösen muss, die in der Befragung der „Witwe im Netz“ besteht. Das Orakel haust in einem Kokon in der Mitte eines gigantischen Spinnennetzes, unter der ganzen Struktur gähnt der Abgrund, und in einer finsteren Ecke lauert Frau Aranea persönlich, die in diesem Falle eine per Stop Motion Animation-Technik zum Leben erweckte Kreatur aus Glas (bzw. einem Material, das Glas vorstellen soll) ist. Die Szenen im Kokon wirken tatsächlich sehr märchenhaft, und hier entfaltet „Krull“ m.E. zum ersten Mal wirklich erzählerische Kraft. Zu den bemerkenswerteren Szenen des Films zählen auch die, die sich im Inneren der „Schwarzen Festung“ des Ungeheuers abspielen: die Behausung des Ungeheuers scheint ein dem Willen seines Beherrschers unterworfener lebendiger Organismus zu sein – mit Gängen, die plötzlich verschwinden, Löchern, die sich ebenso plötzlich auftun, sich schließenden Klauenhänden gleichen Gemächern und anderen Räumen, deren Fenster tatsächlich Augen zu sein scheinen. „Krull“ mag zwar ein eher lauwarmer Aufguss gleich einer ganzen Reihe von Mythen sein – das Produktionsdesign, das man in den oben genannten Szenen bewundern darf, ist allerdings schon heiß (leider im Gegensatz zu manchen anderen Kulissen, die eher dem Fundus einer Shakespeare-Inszenierung der BBC entliehen scheinen).

Was „Krull“ außerdem aus der Masse allzu beliebiger Fantasy-Produktionen heraushebt, ist ein grandioser Soundtrack: die Filmmusik, die James Horner („Braveheart“, „Titanic“) für „Krull“ komponiert hat, gehört sicher zum Besten, das Horner je geschrieben hat: Wäre alles an „Krull“ so überzeugend wie das triumphale Hauptthema, das Horner zusammen mit dem London Symphony Orchestra für den Film eingespielt hat, dann gebührte „Krull“ wohl ein Platz auf dem Olymp des Fantasy-Films.

So aber führt Krull für mich ein Dasein im Zwischenreich der Filme, auf die erkennbar zu viel Sorgfalt verwendet wurde, als dass man sie guten Gewissens den wirklich schlechten Filmen zuschlagen dürfte, die unterm Strich aber zu oft ihr Ziel nicht erreichen, als dass sie einen Platz auf dem Siegertreppchen der wirklich guten Filme für sich beanspruchen dürften (ein Schicksal, das „Krull“ m.E. mit Ridley Scotts „Legende“ teilt): „Krull“ ist nette Sonntagnachmittagsunterhaltung für Menschen mit Sinn für Fantasyfilme – zwischendurch darf man gern aufstehen und sich eine weitere Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen holen; hier läuft man zu keinem Zeitpunkt Gefahr, eine überraschende Wendung oder anderes zu verpassen, was zum Verständnis des Films wesentlich wäre.

Ein Wort zur DVD:

Wer „Krull“ kennt und mag, darf beherzt zugreifen. Der DVD-Transfer scheint geradewegs von einer der 70mm-Kopien abgenommen zu sein, in denen der Film seinerzeit im Kino zu bewundern war: das Bild ist feinkörnig und scharf – hier gibt's m.E. nichts zu beanstanden. Der Ton, den man für die DVD-Veröffentlichung im Dolby 5.1-Sound abgemischt hat, ist gut, wenngleich manche der Dialoge etwas schwer zu verstehen und auch nicht ganz sauber „platziert" sind.

Der filmbegleitende Audiokommentar mit Regisseur Peter Yates, Cutter Eric Lovejoy und den beiden (separat aufgenommenen) Hauptdarstellern Lysette Anthony und Ken Marshall ist informativ und kurzweilig, wenngleich Regisseur Yates mit seinem in festen Abständen ausgebrachten Lob auf die Tricktechnik aus einer Prä-PC-Ära auf mich auf Dauer ein bisschen sehr eingenommen vom eigenen Werk wirkt.

Ein zweiter Kommentar gibt einen ausführlichen Artikel wieder, den das Sci-Fi-Magazin "Cinéfantastique" dem Film seinerzeit gewidmet hatte; weitere Highlights der Zusatzausstattung sind der 22-minütige, bereits 1983 fürs Fernsehen produzierte Promotionfilm "Journey to Krull" sowie die 38-minütige, abgefilmte und mit Musik und Dialogen aus dem Film unterlegte Comic-Adaptation des Films.

Vier Bildergalerien mit Hunderten von Standfotos, überaus sehenswerten Produktionsentwürfen, Aufnahmen vom Set und einigen Aushangfotos sowie der Kinotrailer und einige biographische Anmerkungen zu Peter Yates, Lysette Anthony und Liam Neeson (der in „Krull" eine Nebenrolle spielt) runden das Bonusmaterial ab und machen die DVD-Ausgabe von „Krull" zum guten Kauftipp für Genre-Fans, die das abgenudelte VHS-Band ggf. längst schon in Rente schicken wollten: Die "Collector's Edition" von „Krull" trägt ihren Namen wirklich zu Recht.

Besondere Erwähnung verdient m.E. die Gestaltung der Bewegtmenüs: Sowohl mit dem Design der einzelnen Schautafeln wie auch dem der Übergänge zwischen ihnen hat man sich wirklich große Mühe gegeben.

Einen hübschen Ausschnitt aus dem viedeospielartigen Showdown zwischen Prinz und Ungeheuer gibt es übrigens hier zu bewundern:

http://tinyurl.com/52f8m

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Birgit1957

Birgit1957

04.01.2005 21:39

Ein echt toller Film:LG

diva68

diva68

04.10.2004 18:05

also, dann doch lieber "jenseits von afrika"... davon bekomme ich wenigstens keine albträume...

cpietropaoli

cpietropaoli

03.10.2004 22:30

ich dachte immer, dass das zauberschwert excalibur heisst? aber gut......

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