Krupp - Der Aufstieg eines Industrieimperiums / Lothar Gall

Krupp - Der Aufstieg eines Industrieimperiums / Lothar Gall

ISBN: 9783886805839 - Verlag: Siedler, W J mehr

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Lothar Gall schreibt die Biografie des Krupp-Unternehmens von seiner Gründung bis zum Ersten Weltkrieg als Geschichte der Industrialisierung. Er zeigt die Probleme und...
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Gall kennt sich aus
Erfahrungsbericht von fantagirlie über Krupp - Der Aufstieg eines Industrieimperiums / Lothar Gall
25.09.2009


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Kompletter Erfahrungsbericht

Keine zweite Familie hat das Ruhrgebiet so geprägt, wie die Krupp Dynastie. Eine erfolglose Firma entwickelte sich nur in kurze Zeitabschnitten zu einem erfolgreich expandierten Weltchampion. Selbst ein Film gab es bereits. Doch auch hier wurden nur die populären Aspekte behandelt, angefangen beim Juniorpionier. Dieses Buch beschreibt detailliert und spannend den genauen Weg dieser interessanten Familie.

1. Chronologische Charaktere eines Weltimperiums
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Friedrich Krupp
Firmengründer ohne Erfolg 1787 - 1826
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Er war Eisenhüttenmann, Kaufmann, Importeur, Metallung, Erfinder, Spezialist in der Herstellung von Stählen. Zwar ist sein Sohn Alfred zum Begriff des eigentlichen Krupps geworden, doch gebührt dem Vater die Ehre eines Pioniers der Gussstahlherstellung. Am 20. November 1811 gründete in Essen der Unternehmer Friedrich Krupp durch einen Gesellschaftsvertrag mit den Gebrüder Kechel eine Fabrik zur Herstellung von Gussstahl. Die beiden Kechels sagten, sie kennten das Geheimnis der Herstellung von Gussstahl. In Wahrheit kannten sie es nicht. Gerade diejenigen, die Vater Friedrich ruinierten, wurden später Paten seines ältesten Sohnes Alfred, der mit dem Namen des Vaters eine Firma von Weltgeltung aufbaute: Fried. Krupp

Senior Krupp, der auf die beiden Brüder hereingefallen war und sein Vermögen in den Bau eines Fabrikgebäudes in Altenessen investiert hatte, trennte sich 1814 von den Kechels. Auch mit dem zweiten Teilhaber, dem Berliner Rittmeister Friedrich Nicolai, hatte Krupp kein Glück. Auch des Rittmeisters Gussstahlkenntnisse (in einem preußischen Patent waren sie ihm bescheinigt worden) reichten nicht aus.

Doch Oktober 1816 schien sich das Blatt nun zu wenden: Krupp lieferte nach vielen Experimenten zum erstenmal eine größere Menge Gussstahl für die Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen in Oberhausen - Sterkrade. Dort, auf der Hütte Gute Hoffnung, hatte Krupp seine Kenntnisse über die Eisenverarbeitung erworben. Immerhin hatte die Hütte seiner Großmutter Helene Amalie (Später wird das der Name einer bedeutenden Krupp Zeche) von1800 bis 1808 gehört. Auf der Hütte hatte er sich auch mit Franz Dinnendahl angefreundet, dem Tüftler aus Steele, dem Dampfmaschinenpionier.

Als die Großmutter die Hütte verkauft hatte, arbeitete Enkel Friedrich in der 1732 gegründeten Kolonialwarenhandlung der Familie Krupp. Ein Jahr zuvor noch war dem 19jährigen die Leitung der Hütte übertragen worden, “um ihm ein ordentliches Auskommen zu verschaffen”, wie die Großmutter verfügt hatte. Doch damit hatte er sich übernommen. Aber die Kolonialwarenhändlerschaft war nichts für ihn. 1811 trieb es ihn wieder ans Eisen. Für den damals berühmten Kunstmeister Dinnendahl goss er schwierige Maschinenteile. 1817 schließlich schien der Erfolg schwerer Jahre sich einzustellen. Fachleute erklärten, besseren Stahl als den von Friedrich Krupp nie verarbeitet zu haben. Und die preußischen Münzanstalten hätten soviel Kruppstahl abgenommen, dass sich sein Unternehmen hätte tragen können. Krupp jedoch probierte und versuchte erneut, verzettelte sich in neuen Plänen und neuen Projekten, träumte von einer Fabrik, von der Herstellung von Draht usw., vor allem von der Unterstützung durch den Staat - bis es zu spät war. Jahre großer Enttäuschungen, schmerzlicher Verluste und verzweifelter Versuche, dem Niedergang zu entrinnen, folgten verwandte, vor allem die Mutter, unterstützten den inzwischen glücklosen Unternehmer. Als Techniker war er auch in diesen niederdrückenden Jahren erfolgreich. Doch auch die guten Atteste, die ihm der “Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes” in Berlin für die Probesendungen eines Stahls ausgefertigt hatte, brachten nicht die von ihm erhofften Unterstützungen des Staates. Wie sich selbst, habe er auch dem Werk zuviel zugemutet, kommentierte Ernst Schröder Friedrich Krupps Unternehmerungsglück: Die gesammelten Aufträge gingen über die Leistungskraft der kleinen Fabrik hinaus” Und dennoch ließ das Genie in Friedrich Krupp das ständige Tüfteln nicht sein. Schröders Analyse “Friedrich Krupp ging am Erfinderehrgeiz zugrunde”.

Hinzu kamen Herz und Lungenbeschwerden. Es kam zum Zerwürfnis mit dem Schwiegervater. Die Schuldenlast wurde so groß, dass die Familie das Stadthaus in Essen aufgeben musste und mit vier Kindern im kleinen Aufseherhaus neben der Fabrik von 1819 regelrecht Zuflucht suchte. Als der älteste Sohn Alfred 13 Jahre alt war, nahm ihn der Vater von der Schule. Beim krangen Vater ging Alfred in die Lehre. Wenige Monate später starb Friedrich Krupp.

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Der Sohn und doch der eigentliche Krupp
Alfred Krupp (1812 - 1887)
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“Prokurist, Korrespondent, Kassierer, Schmied, Schmelzer, Kokosklopfer, Nachtwächter am Zementofen und sonst noch viel dergleichen mehr. Nein, das kann weder einem Unternehmer noch einem Manager des ausgehenden 20. Jahrhunderts zugemutet werden. Dafür hat man heute seine Leute, seine Fachleute. Im 19. Jahrhundert war es für den Mann, dessen Name Legende geworden ist, Normalität.

Die Jahre beim Privatlehrer mit den Kindern des Dampfmaschinen - Konstrukteurs Franz Dinnendahl und anschließend auf dem Essener Gymnasium - mit 13 Jahren waren sie für Alfred Krupp vorbei. Vater Friedrich wurde kränker und kränker. Er unterwies den Jungen in der Stahlherstellung, stellte ihn an den Schmiedeambos. Als der Firmengründer Friedrich 1826 starb, war das Geschäft mit 7 Arbeitern verschuldet. Als der Sohn 1887 starb, hatte der Gesamtkonzern Friedrich Krupp 20000 Mitarbeiter. Wenn den vielen Biographen der vielen Krupps Glauben geschenkt werden darf, hat das Versagen des Vaters als Unternehmer den Sohn entscheidend geprägt. Das technische Verständnis von Vater Friedrich, der ihm die Grundkenntnisse der Stahlherstellung noch hatte beibringen können, hatte der Junge verinnerlicht. Zwar auch steht voller Ideen, verzettelte sich Alfred jedoch nicht, ging Projekte zielstrebiger an, war der Sohn nicht vertrauensselig wie der Vater, dessen Blauäugigkeit ihn Kraft, Zeit, am Ende immer Geld gekostet hatte.

Anfangs blieb der Erfolg zweifelhaft, wie Alfred Krupp 1873 selbst eingestand. Mutter Therese führte die Fabrik fort, deren Gründung “Kummer über uns verhängte” Doch als Vetter Müller ins Geschäft eingestiegen war, 1835 eine Dampfmaschine erworben war, kam auch Krupp aus den roten Zahlen. 1848 übertrug die Mutter dem Sohn Alfred die Firma. Da war er 36 Jahre alt, ein Jahr jünger als das Unternehmen. 70 Arbeiter waren bereits beschäftigt. Zwar musste der Sohn wie auch der Vater mit Rückschlägen kämpfen, doch mit erfolgversprechenden neuen Produktionszweigen ging es stetig aufwärts.

1852 wird für das aufstrebende rheinisch - westfälische Industrierevier ein entscheidendes Jahr. Vier große Firmen hatten sich in diesem Raum entwickelt: die Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen in Sterkrade (Oberhausen) mit Schifffahrt, Bergbau und Eisenhütten - Mathias Stinnes in Mühlheim mit Schifffahrt und Bergbau - die Gußstahlfabrik Friedrich Krupp in Essen - der Hörder Bergwerks- und Hüttenverein in Hörde (Dortmund). Mit der Gründung des Hörder Bergwerks und Hüttenvereins im Juni 1852 war der erste Mischbetrieb aus Kohle und Eisen im Ruhrgebiet entstanden, dem andere folgten. Erfolgreich wurde nun Eisen geschmolzen und Stahl gegossen.

In diesem Jahr gelang Alfred Krupp die Erfindung seines Lebens. Der nahtlose Radreifen für Eisenbahnräder. Sie lösten die geschweißten Radstreifen ab, ein Hemmnis für höhere Geschwindigkeit, da sie häufig brachen. Das Rad der Industrie an Rhein und Ruhr drehte sich immer schneller. Drei Eisenbahnradreifen wurden ab 1875 zum Firmenzeichen. So wurden später aus den Herren auf Villa Hügel die Herren der Ringe. Und doch gab es Zeiten, da meinten die Zeitgenossen, Alfred wäre ein ähnlicher Phantast wie Vater Friedrich. Dampfstielhämmer mit einem Fallgewicht von vier bis fünf Tonnen hatte Alfred Krupp bereits ab 1851 bauen lassen, um beispielsweise 1855 die neun Meter lange, bis acht Tonnen schwere Antriebswelle für die Yacht des ägyptischen Vizekönigs Said Pascha schmieden zu können.

Doch verrückt und größenwahnsinnig nannten Hütten und Fabrikbesitzer seinen nächsten Plan. Am 16. September 1861 wurde in der Essener Gußstahlfabrik der größte Dampfhammer in Betrieb genommen, den später viele gekrönte Häupter als Wunderwerk der Technik beäugten, der preußische König Wilhelm I natürlich auch, denn er hatte bereits 1859 gegen den Willen seines Kriegsministers 300 Rohrblöcke für Geschütze bei Krupp bestellt. Später wird aus dem Verhältnis Krupp und König nahezu eine Allianz von politischer und finanzieller Macht, die in des Monarchen Ausspruch gipfle, jeder tue seine Pflicht, er auf seinem Thron und Krupp an seinem Hammer. “Fritz” ließ Krupp den neuen Mega Hammer taufen nach seinem Sohn Friedrich - Alfred. Er hatte ein Fallgewicht von zunächst 30 Tonnen, später 50 Tonnen, “um Blöcke Gussstahl bis zu 50000 Pfund Gewicht für schwerste Schiffswellen und sonstige Massenobjekte zu verschmieden” Diedrich Baedeker schreibt in seiner Krupp Biographie von 1889: “Als dann zum ersten Mal der Hammer vor der erwartungsvoll gespannten Beamten- und Arbeiterschar, in der der Fabrikherr den vordersten Platz einnahm, langsam in die Höhe stieg, um im nächsten Augenblick mit furchtbarer Vehemenz auf einen mächtigen Gussstahlblock niederzufallen, sprangen die zunächst stehenden Personen entsetzt zurück. Krupp war der Einzige, der ruhig seinen Platz behauptete und unverrückt die großartige Kraftäußerung beobachtete.”

Zwischen Jacob Mayer, dem Direktor des “Bochumer Verein”, und Alfred Krupp kam es bei der Weltausstellung 1855 in Paris zu einem regelrechten Wettstreit. Ein 100 Zentner schwerer Gussblock von Krupp, der aus einem Stück gegossen worden war, erregte Aussehen. Er brach beim Transport durch den hölzernen Hallenbogen. Nicht weniger Aufsehen erregten die in Stahl gegossenen Kirchenglocken des “Bochumer Vereins”; sie wurden prämiert. Krupp protestierte gegen die Prämie und meinte, schlüge man die Glocken entzwei, kämme Roheisen zum Vorschein, aber kein Gussstahl. Jacob Mayer ließ sofort eine Glocke unter Zeugen zerschlagen - sie war aus Stahl.

Wenige Jahre danach begann jene Ära, in der Krupp und Kanonen in einem Atemzug genannt wurden. Nach 40 Jahren Produktion für friedliche Zwecke, baute Krupp Waffen. Guss und Schuss, Stahl und Sturm - der Staat sah in Fried. Krupp die Möglichkeit, beides haben zu können. Ein Flottengründungsplan von 1873 schließlich legte fest, Kriegsschiffe auf dem Werften bauen zu lassen, die Krupp Stahl und Geschütze zu liefern hatte. Krupp baute und lieferte. Waffen und Geschütze - sie trugen Krupp den zweifelhaften Ruf eines “Kanonenkönigs” ein. Beim dritten Krupp, Friedrich Alfred, baumelte eine Miniausführung dieser Waffe in Silber an der Uhrkette.

“So schnell, wie ein Schuss aus dem Kruppschen Geschütz, so heiß, wie die Kohlen beim glühenden Guss, so hell, wie der stärkste Gewitterblitz, erteile dich heute mein ,Essener Gruß´”, heißt es auf einer Ansichtskarte aus dem Ersten Weltkrieg. Generationenlang war dies herrschender Geist nicht nur als “Gruß aus der Kanonenstadt” Essen. Das steigerte sich bei Adolf Hitler zur “Waffenschmiedes des reiches”. Nach 1945 trugen das Unternehmen, vor allem der letzte Firmeninhaber und der letzte Krupp, Alfried Krupp, dies als Last.

Gleichwohl war Alfred, der hagere Mann in Reitstiefeln mit dem Patriarchengesicht, geschichtsbildend. Das 1872 von Alfred Krupp erlassene “Generalregulativ”, das Richtlinien für Unternehmensführung und -verwaltung festschreiben sollte, wird heute noch als Grundlage zitiert. Arbeiterwohnungsbau und Sozialleistungen in seinem Namen gelten auch heute noch als beispielhaft und die Gemeinschaft der Kruppianer, lange von Bestand, hat in seiner Zeit ihren Ursprung.

Die Andere Seite des Kanonenkönigs ist aus jenem Geist, mit dem Alfred Krupp 1873 sozusagen sein Vermächtnis niedergelegt hat Unternehmer und Manager der Gegenwart, die sich diesen Kruppschen Leitspruch als bestimmende Richtschnur ihres Handelns an die Wand hängten, sind gewiss seltene Ausnahme: “Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein.”.
Alfred Krupp sagte einmal: “Mein Streben und mein Hoffen zielt auf nichts weiter als auf viel neue Arbeit und Brot für die große Zahl meiner Arbeiter, deren Zukunft Tag und Nacht mich mit großer Sorge erfüllt, und nur deshalb arbeite ich selbst unausgesetzt an allem, was dem Fortschritt angehört”

Friedrich Alfred, der beliebte Kruppnachfahre hat die Firma vervierfacht. Er hat gegen den Vater Patrulie geboten und heiratete gegen dessen Willen eine Adelige. Außerdem betrieb er als Steckenpferd ernsthafte Meeresforschung. Obwohl sein Tod geheimnisumwoben bleibt, scheinen sie alle diesen dritten Krupp zu verehren. Auch er wäre der Kunst und der Wissenschaft mehr als zugetan gewesen.
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Alfried Krupp von Bohlen und Halbach 1907 - 1967
Der letzte Krupp oder der Familienrat
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Als am 13. August 1907 das erste Kind von Bertha und Gustav Krupp zur Welt kam, hätte niemand im Traum daran gedacht, dass mit diesem “kräftigen Jungen” knapp 60 Jahre später eine Dynastie zu Ende gehen würde. Alfried Krupp hat die Höhen und Tiefen der Firmengeschichte nahezu symbolisch verkörpert. Für den Herrscher auf Villa Hügel, dessen Pate Kaiser Wilhelm II war, bedeutete der Name Krupp Würde, ja auch Stolz, Verpflichtung sowieso, gegen Kriegsende Leiden, später Last. Still und bescheiden trat der große schlanke Mann auf, manchmal regelrecht menschenscheu. Zwar der Inbegriff des schwerreichen Kapitalisten, war er weder Dandy noch ein Stahlbaron - und nicht etwa hart wie Kruppstahl. Im Gegenteil soll er einfühlsam gewesen sein. Die Kunst liebte er. Für Sportwagen begeisterte er sich. Kettenrauchen war sein Laster. Das brachte ihn um. Lungenkrebs und Tod. Entspannt soll er weitab von Deutschland gewesen sein, berichteten die, die ihn dabei beobachten konnten. Wenn er auf der Veranda seiner Hazienda in Argentinien saß, die Beine hoch, vielleicht ein Glas Whisky neben sich, da habe es den Anschein gehabt, als ruhe er aus von der Last, der Herr der Ringe zu sein.

Die Kruppianer hielten immer zu ihm, selbst als es finster um die Firma wurde. “Er war der beste Mensch, der Welt”, sagte ein Diener nach dem Tode Alfried Krupps. Wie seine Vorfahren, hatte auch er am Amboß gestanden, hatte zunächst als Schmied und Schlosser im väterlichen Betrieb gearbeitet, bevor er ein technisches Studium aufnahm. Die bittersten Stunden wahren wohl die des Prozesses in Nürnberg, der ihm für seinen nicht haftfähigen Vater gemacht worden ist. Wegen Plünderung und Ausbeutung auländischer Industrie und Mißhandlung von Fremdarbeitern wurde er zu zwölf Jahren Haft und Einziehung eines gesamten Vermögens verurteilt. 1951 begnadigt, durfte er 1953 wieder in sein Unternehmen zurückkehren.

Als der amerikanische Wachsoldat den Gefangenen in der süddeutschen Festung Landsberg nach der korrekten Anrede frage, erwiderte der Deutsche: Nennen Sie mich Krupp” Als Alfried von Bohlen und Halbach, der letzte, der seinen Namen diesen voranstellen durfte, nämlich Krupp, am 30. July 1967 starb, gab es keinen Krupp mehr. Seither gibt es nur noch “die Familie” die von Bohlen und Halbachs. Doch eine sechste Generation Krupp gibt es nicht.

“Doch den Kruppschen Geist gibt es noch”. Trotz überrumpelnden Scharmes wird Diana Maria Friz, deren Onkel Alfried und deren Großmutter Bertha Krupp waren, an dieser Stelle vehement. Diesen Kruppschen Geist glaubt die Familie für sich reklamieren zu können..

Als 1943 Alfried von Bohlen und Halbach zum Alleininhaber des Familienunternehmens Fried. Krupp geworden war, wurde der Familienrat als “Interessenvertretung gegenüber dem Alleininhaber mit auch aufsichtsratsähnlichen Funktionen” einberufen. Alfried, 1948 als “der Krupp” in einem der Nürnberger “Nachfolgeprozesse” von einem amerikanischen Militärgericht wegen Kriegsverbrechen verurteilt und seit 1945 inhaftiert, kam 1951 begnadigt frei. Vier der acht Kinder sowie zwei Enkelkinder Bertha Krupps wurden abgefunden, was zum Beispiel Harald und Berthold ermöglichte, eigene Unternehmen zu erwerben, Waltraud Landbesitzerin in Argentinien zu werden und Irmgard sich in München zu etablieren (mit sechs Kindern ihrer Mutter Bertha ähnlich).Immerhin wurden im März 1953 an sechs Familienmitgliedern je elf Millionen Mark Abfindung gezahlt, eine enorme Summe in jener Zeit. Die anderen Bertha Kinder waren gestorben: Arnold als Einjähriger, Claus und Eckbert gefallen als Soldaten. Bertha Krupp starb 1957 im Alter von 71 Jahren. Als sie 1902 Erbin von Friedrich Alfred und Margarethe Krupp geworden war, war sie auch zur reichsten Freu des Deutschen Reiches geworden.

Unter der Leitung des letzten Krupps blühte die Firma neue Blüte. Bei der 50. Jubilarfeider des Unternehmens am 1. April 1967 jedoch änderte sich in der Familiengeschichte alles. Alfried Krupp nahm die Verpflichtung des Firmenstammvaters Alfred vom Februar 1873 auf “ Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein” Der letzte Krupp gab bekannte, dass das Unternehmung über eine Stiftung “die Ausdruck der dem Gemeinwohl verpflichteten Tradition des Hauses Krupp sein soll”, in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt wird. Das sicherte er testamtirisch ab. Ein Jahr zuvor hatte sein Sohn Arndt auf das Erbe als Nachfolger in der Alleininhaberschaft verzichtet. Wenige Monate nach dieser legendären Jubilarfeier, am 30.Juli 1967, starb der letzte Herr der Ringe

“Weil wir Enkelkinder von Bertha Krupp sind, meinen die Leute, wir seien auch Krupp Erben” sagt Diana Maria Friz, während sie aus Großmamas silberner Hochzeitsteekanne einschenkt. “ Keine müde Mark!” betont die Frau, die der Familienrat zur Sprecherin bestimmt hat. Tatsächlich gibt es nur noch einen Krupp Erben, einen auf Umwegen. Arnold von Bohlen und Halbach, der in England lebt. Als sein Vater Claus 1940 als Wehrmachtspilot ums Leben kam, bestand dessen Hinterlassenschaft zum Teil auch aus Kruppvermögen.

Zwar adelig, seinen die Bohlen und Halbachs “ überzeugte” Bürger, sagte Diana Maria Friz. “Taffy” wie Gustav Krupp von Bohlen und Halbach in der Familie genannt worden ist, sei “als erwählter, nicht geborener Krupp kruppscher als ein Krupp” geworden. Womit zunächst Pflichterfüllung und Korrektheit in allen Lebenslagen gemeint sei. Etwas Pietismus scheint bei den Protestanten mitzuwirken. Bei der Heirat der Bertha Krupp mit dem Legationsrat Dr. Gustav von Bohlen und Halbach im Jahre 1906 erteilte Wilhelm II als preußischer König dem adeligen Bräutigam die Erlaubnis, sich Krupp von Bohlen und Halbach zunennen. Dieses Recht stände auch dem jeweiligen Sohn zu, der Firmeninhaber werde.
“Der Name Krupp war für die Öffentlichkeit bestimmt”, sagt Krupp Enkeltochter Friz, “um der Firma einen Repräsentanten dieses Namens zu geben.” Im Grunde seien alle von Bohlen und Halbachts gewesen, einschließlich der Namensträger Krupp.

2. Hintergründe und Dritte in der Familie

Das Testament, Berthold Beitz und die Familie
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Wer A sagt, muss auch B sagen. A wie Alfried, B wie Beitz. Schneller als erwartet wurde Alfried Krupps engster Vertrauter der neue Herr auf dem Hügel: Berthold Beitz. Am 1. November 1953 nahm er seine Arbeit bei dem Krupp Werken auf. Er wurde Generalbevollmächtigter des Inhabers und übernahm nach dessen Tod die Verantwortung für die Stiftung. Als Testamentsvollstrecker fühlte er sich später dem Auftrag des letzten Krupp verpflichtet. Er war es auch, der Krupp Sohn Arndt zu Erbverzicht bewegte: “ Ich habe als Testamentsvollstrecker die Aufgabe, den Willen des Erblassers zu erfüllen”, sagte er einmal.

Der Familienrat der von Bohlen und Halbach sieht das anders. Der meint, die Familie wäre Hüter Kruppschen Gedankengutes und Geistes. Deshalb zog die Familie 1992 vor Gericht. Die drängt auf Änderung bei der “Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung”, will im Kuratorium Personen ihrer Wahl sitzen haben, um so die Rechtsposition wieder zu erlangen, “die ihr von 88 genommen” worden war. Beitz dagegen zitierte den Erblasser Alfried Krupp in einem “Spiegel” Gespräch so “Keiner von der Familie soll Anspruch auf einen Sitz im Kuratorium haben, das gibt nur Ärger”


Die Villa Hügel in Essen
Das Symbol für Macht und Pracht
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Villa Hügel wurde zum architektonischen Symbol wirtschaftlicher Macht. Alfred Krupp entwarf “sein” Haus vom Keller bis zum Dach selbst. Könige und Kanzler wurden dort empfangen. Heute ist es ein Haus der Kunst: Ausstellungen und Konzerte verzaubern Zigtausende. Villa Hügel - das Gegenstück zu der Behausung der Kindheit des legendären Alfred Krupp. In seinem Vermächtnis von 1873 hat der Mann es angedeutet: Kein Arbeiter solle in so einer Enge leben, wie er als Kind in dem Aufseherhäuschen neben der Fabrikhalle. Das wurde Triebfeder zum Kruppschen Wohnungsbau für Mitarbeiter des Unternehmens. Vom Scheitern des Vaters, zwar findiger Techniker, doch glückloser Unternehmer, war die Kindheit Alfreds überschattet. Im kleinen Aufseherhäuschen drängte sich die Familie. Der Vater versuchte immer wieder, sich von der Schuldenlast zu befreien, doch von der Liste der streupflichtigen Gewerbetreibenden gestrichen, gelang ihm auch das nicht. Als der Sohn im doppelten Sinne groß geworden war, baut er sich “sein” Haus: Villa Hügel über der Ruhr “den Baldeneysee gab es noch nicht). Palastähnlich und pompös, riesig und teuer, luxuriös und doch kalte Pracht. Dieses Haus auf dem Hügel scheint die architektonische Kompensation der ärmlichen Wohnungssituation der Kindheit seines Erbauers zu sein. Doch auch wenn in diesem Haus viele Politiker und Monarchen empfangen wurden, wurde nur selten politisiert.

Krupp bleibt dem Ruhrgebiet erhalten
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Krupp war und ist ein Gigant. Das zeigen die heutigen Veränderungen genau. Im Grunde hat sich bloß das Managerment verändert. Die Struktur und Streuung ist noch das gleiche Ausmaß. Auch die politischen “Beziehungen” sind vergleichbar mit denen, mit den es Alfred Krupp Senior zu tun hatte.

Auch wenn Krupp seine internationale Präsenz stetig ausbaut, bleibt der Konzern im Ruhrgebiet stark vertreten. Insgesamt finden heute in der Region zwischen Bochum, Dortmund, Ennepetal, Essen und Hagen rund 25000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz im Zeichen der Ringe.

In Essen, dem Stammsitz, sind heute rund 3000 Mitarbeiter beschäftigt. Neben der Konzernleitung haben in Essen die Spartenführungsgesellschaften Krupp Engineering, Krupp Thyssen Stainless und Krupp Hoesch International ihren Sitz. Darüber hinaus beschäftigten die Krupp Bautechnik 400 Mitarbeiter, die Krupp Kunststofftechnik 550 Mitarbeiter, die Fördertechnik 540 Mitarbeiter, sowie verschiedene Handels- und Dienstleistungsunternehmen (Krupp Hoesch Stahlexport, Krupp Nirosta Export, Krupp Druckerei, Reisebüro etw.) 1200 Mitarbeiter.

Die Qualitätsstahlaktivitäten des Krupp Konzerns wurden zum 1. September 1997 in die Thyssen Krupp Stahl AG eingebracht. An der neuen Gesellschaft mit Sitz i8n Duisburg ist Krupp mit 40%, Thyssen mit 60% (TKS) beteiligt. Mit einem Umsatz von rund 7 Milliarden Euro und einer Rohstahlproduktion von 15 Millionen Tonnen nimmt TKS in Europa die erste und weltweit die dritte Position ein. Neben Duisburg gehört auch Dortmund zu den wichtigsten Standorten von Thyssen Krupp Stahl.

Weltweit führend bei Edelstahlflachprodukten ist Krupp Thyssen Nirosta. An dem Unternehmen hält Krupp 60 % und Thyssen 40% der Anteile. Fast 1000 Mitarbeiter haben ihren Arbeitsplatz in Bochum. Im Gebäude der ehemaligen Krupp Stahl AG, Bochum, arbeitet heute die Spartenführungsgesellschaft Krupp Hoesch Automotive. In Hagen sind mit Hoesch Hohenlimburg und Hoesch Federn weitere Krupp Unternehmen beheimatet.

Man sieht also, die zahlreichen einzelnen Krupp Betriebe und Beteiligungen sind in den letzten Jahren organisatorisch neu geordnet worden. Nach dem Anlagenbau, der inzwischen Krupp Engineering GmbH heiß, sind mit wirtschaftlicher Wirkung von 1. Januar 1997 auch die Sparten Maschinenbau und Verarbeitung unter der neugegründeten Krupp Hoesch Industries GmbH zusammengefasst worden. Handel und Dienstleistungen heißen bei Krupp nun “Trading”. Auch alle Gesellschaften der Sparte Automotive führen inzwischen den Namen Krupp im Firmenkopf. Mit diesen organisatorischen Veränderungen will der Konzern der Internationalisierung besser Rechnung tragen

Die nationalen und internationalen Aktivitäten sind kaum noch überschaubar. Weltweit zählt der Krupp Konzern heute rund 58000 Beschäftigte. 10000 sind außerhalb Deutschlands und der Europäischen Union tätig, in Amerika 7300, in Asien 2100. An Krupp beteiligt sind die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung mit über 50%, die islamische Republik Iran mit rund 22% und die WestLB mit über 5%. Der Rest liegt im Streubesitz. In den Sparten Industries, Anlagenbau, Automotive, Norosta und Handel wurden 1997 rund 24 Mrd Mark umgesetzt, davon 60% im Ausland.

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3. Einschätzung
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Geschichte und Familie
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Der Name ist Legende. Einst war er Mythos. Golo Mann sagt in einem unveröffentlichten Manuskript, Hitler habe an “den einen Mythos des Hohenzollernreiches, Richard Wagner, Villa Wahnfried, und an den anderen Mythos, Krupp, “Villa Hügel” geglaubt. Vom Mythos ist nichts geblieben. An der legendären Geschichte jedoch, die sich mit dem Namen Krupp verbindet, kann auch deutsche Geschichte deutlich werden. Mit dem Todes letzten Krupp, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, im Jahr 1967 schien die Familienära dieses Namens zu Ende gegangen zu sein. Doch die Familien der angeheirateten von Bohlen und Halbach fühlen sich als sechste Generation und wollen weiter das Recht einfordern, Hüter Kruppschen Geistes zu sein. Berthold Beitz dagegen, den der letzte Krupp als seinen Generalbevollmächtigten erkor und der dessen Testamentsvollstrecker bis zum 30. Juli 1997 war, ist sich sicher, er sei es, der den Namen Krupp hochhält.

Es stimmt wirklich. Das Leben schreibt die besten Geschichten selbst: Eine Familie verbunden mit Erfolg, Skandal, Politikwirrwahr und menschliche Tragödien. Das Buch beschäftigt sich von der kleinen Unternehmersippe aus dem Ruhrgebiet und geht detailgetreu auf die einflussreichste Industriellenfamilie der Welt ein. Es wird genau geschildert, wie die Stahldynastie als »Waffenschmiede der Nation« die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts geprägt hat. Im Zentrum des Buches stehen die emotionsreichen und fesselnden Aspekte. Besonders Konflikte und Probleme stehen im Vordergrund. Als Alfried zum Beispiel nach dem Zweiten Weltkrieg beschließt, die Firma in eine Stiftung umzuwandeln, sagt er sich damit von allem los, wofür seine Mutter Zeit ihres Lebens gekämpft hatte.

Eingebaute Zitate machen die trockene Geschichte lebendiger
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Schön finde ich auch, dass so viele Zitate derer hineingebaut wurden, die tatsächlich betroffen waren. Da wäre Alfred Krupp selbst zu nennen, aber auch einige Verwandtschafts- und Firmenkreise. Zum Beispiel das Zitat „Erst die Menschen, dann die Maschinen. Das ist bei uns seit hundert Jahren so üblich“ Alfried Krupp von Bohlen und Halbach 1953 auf die Vorhaltung seiner Direktoren, warum die verfügbaren Geldreserven 50%ige Rentenzahlung für 16000 Krupp Pensionäre verwendet werden sollten und nicht als Investitionen für neue Fabriken und Maschinen. Auch die Konflikte des ganzen Gewirrs bleiben authentisch. Ein häufiger Spruch war es damals „Krupp ist nicht Essen, Krupp ist in Essen“. Die Mach, die die Familie in den letzten Jahrzehnten aufgebaut hatte, störte natürlich viele Ehrenträger. Selbst Gedichte wurden verfast. Zum Beispiel Anfang der fünfziger Jahre in einer Essener Zeitung „Der Teufel soll sie holen. Die Krupp und die von Bohlen.„ Dieser Refrain zeigt die Distanz zwischen einer Dynastiefamilie und der Allgemeinheit. Das muss ein Schock für die gesamte Familie gewesen sein. Noch heute gilt dieser Name als Symbol für die Weltgeltung der deutschen Industrie. Aufstieg und Fall, Höhen und Tiefen, Menschen und Maschinen: all dies wird genau aufgezeigt und erläutert. Das Buch betrachtet auch die Familientraditionen und was es heißt ein Krupp zu sein

Eines wird im Buch mehr als deutlich. Die Krupps hatten ihre eigenen Philosophien und Richtungsweisungen. Es war wohl wirklich so, dass sie schrecklich aktiv und pflichtbewusst waren. Das ist auch heute noch der Fall. Eckbert, der Vorsitzende des Familienrates, ist Geschäftsführer der familieneigenen Holding Gesellschaft Hohlen Industrie GmbH mit Beteiligungen im In- und Ausland, Sitz Essen, die er gemeinsam mit Vetter Friedrich, einem Doktor der Biochemie getreibt, der gleichzeitig im Vorstand der WASAG - Chemie und Geschäftsführer einer hundertprozentigen Tochter in Augsburg ist. Friedrich, Urenkel von Alfred Krupp, gewann 1997 als Mitbegründer der Heidelberger Firma für Gentechnik „Lion Bio Science AG“ den „Innovationswettbewerb“ der SPD. Der Diplom Volkswirt Eckbert von Bohlen und Halbach ist beispielsweise sowohl Mitglied des Förderkreises des Hauses der Kunst in München wie des Gugenheim Museums New York und des Fördervereins zum Ausbau der Villa von George C. Marshall in USA: „Meine Generation baut doch auf dem auf, wozu der Marshall Plan nach 1945 erste Hilfe gab.“

Arm sind die von Bohlen und Halbach nun wirklich nicht. Onkel und Vater von Eckbert von Bohlen und Halbach haben selbst etwas aufgebaut, dem die Kinder nachfolgten. Nur Doerthe von Bohlen und Halbach und ihr Sohn leben noch in Essen, alle anderen sind verstreut. Die Schwerstern von Alfried Krupp zogen aufs Land. Irmgard ist „Altbäuerin“ eines Landgutes bei Rosenheim geworden. Dort lebt auch Bertholds Witwe Edith. Waltraut steht ihren Ländereien in Argentinien vor. Deren Tochter Diana Maria Friz lebt als Unternehmensberaterin in Arolsen und in Argentinien, sie knüpft Kontakte für deutsche Firmen nach Südamerika. Arnold ist „Privater“ mit Familie in London. Das Schicksal mach auch vor großen Namen nicht Halt: Georg, der zweite Sohn, erlitt als junger Mann bei einem Autounfall schwere Schädelverletzungen, die nachwirken. Harald Tochter Sophie machte früh beim Aufbau Ost mit: Die Betriebswirtin arbeitet in der Protokollabteilung der Leipzig Messe.

Als Erben des Kruppschen Geistes verstehen sich die Krupp Erben. „Doch von Beruf sind wir nicht Nachfahren“, sagte Diana Maria Friz. „Wir haben unser eigener Leben“ Essen? Beruflich manchmal ein Ziel, Folkwang- und Ruhrlandmuseum bei wichtigen Ausstellungen stets. Villa Hügel? Der Ort, der für die fünfte Generation nie Wohnort war, in dem sie als Kinder unterm Dach Gespenster gespielt haben, während unten die Großen feierten, wir per Eintrittskarte betreten: „ein seltsames Gefühl.“ Eingeladen werden sie nicht.

Und was ist nun aus Arndt geworden
Der reichste Erbe bekommt nicht viel
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Arndt von Bohlen und Halbach war der einzige Erbe für die Firma Krupp. Für diese Rolle wurde er gut vorbereitet. Er besuchte Internate in Bayern und der Schweiz, anschließend studierte er in Freiburg im Breisgau und München Volks- und Betriebswirtschaft sowie Jura. Durch verschiedene Positionen in der Firma wurde er gut auf sein späteres Leben vorbereitet. Doch es kam anders.

Finanzielle Schwierigkeiten zwangen den Vater Alfred Krupp zu einer schweren Entscheidung. Die Fried. Krupp musste eine Aktiengesellschaft werden, um weiter bestehen zu können. Doch dies ginge nicht, wenn nicht der Sohn Arndt auf sein Erbe verzichten möge. Erst sträubte sich der Erbe, auf sein Recht zu verzichten. In mehreren Anläufen versuchte Beitz, den künftigen Erben zum Verzicht zu bewegen, was am 16. September 1966 gelang.

Das muss ein harter Schlag für den jungen Erbe gewesen sein. Denn das gesamte Vermögen kam der neu gegründeten Stiftung zu. Nur eine 2,5%ige Ertragsbeteiligung der jährlichen Kohleverkaufsgewinne war Alfried Krupp 1953 im sog. Mehlemer Vertrag als Gegenleistung für die Entflechtung zugesichert worden. Diese Zahlungen erbte dann Arndt nach dem Tode des Vaters. Doch durch das Finanzamt bekam Arndt immer mehr Zahlungsschwierigkeiten. Die ungeklärte Steuerfrage begleitete ihn sein Leben lang. Auch führten die kostspieligen Liegenschaften in Tirol, Marrakesch oder Palm Beach dazu, dass er nahezu zahlungsunfähig wurde. 1986 wurde dies mit einem Konkursverfahren gekrönt

Auf Schloss Blühbach bei Werfen heiratete der homosexuell orientierte Arndt Henriette von Auersperg. Kinder bekamen die Beiden jedoch nicht. Sein Leben wurde sehr „bunt“. Durch sein „kleines“ Erbe lebte er ein vielfältiges Party- und Jetset-Leben zwischen Palm Beach und Marrakesch. Im Alter von 48 Jahren starb Arndt Krupp von Bohlen und Halbach am 8. Mai 1986 an Mundbodenkrebs. Er wurde danach in der Gruft der Schlosskapelle von Schloss Blühnbach, seinem liebsten Refugium, beigesetzt.

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Der Autor selbst
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Der Autor selbst hatte nicht die beste Kindheit. Als Kind floh er 1944 mit seiner Familie über Bochum und Stuttgart nach München. 1956 begann er, an der Ludwig-Maximilians-Universität München Geschichte, Romanistik und Germanistik zu studieren. Schnell nach dem Studium wurde er 1968 Professor an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Außerdem trat er für vier Jahre in der FU Berlin einen Lehrstuhl an.1975 wurde er an die Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität berufen.

Seit 1975 ist Lothar Gall der Herausgeber der Historischen Zeitschrift und Mitglied zahlreicher geschichtswissenschaftlicher Vereinigungen. Außerdem ist er korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Zudem wurde er als Vorsitzender der Frankfurter Historischen Kommission ernannt Von 1992 bis 1996 übte er den Vorsitz im Verband der Historiker Deutschlands aus. Ein Karriere reiches Leben.

Lothar Gall beschreibt das Historikerfeld so ganz anders als andere Biographen, der sich bereits mit seiner Biographie Bismarck. Der weiße Revolutionär in ähnliche zeitliche Gefilde begeben hatte. Die Fakten sind sehr priknant beschrieben. Alle Charaktere im Buch wirken authentisch und echt. Gall versteht es, die trockene Geschichte wieder aufleben zu lassen. Er steigt fast ohne Vorwort in die Unternehmensgeschichte ein und erschwert damit den Zugang zu seinem Buch. Und doch muss ich sagen, dass die Textform sehr flüssig war und die Sätze nicht zu kompliziert geschrieben wurden. Der Band zeigt die frühe Unternehmenskultur und die Revolution der jungen Demokratie in Deutschland. Das besondere ist einfach, das es ein Gesamtwerk ist. Es schildert die Familientragödien, die Werksabläufe sowie die Sozialgeschichte der Fried. Krupp. Es ist ein breit gefächerte Geschichte des Hauses Krupp. In nirgends einem Buch fand ich solch ausführliche Unternehmensstrukturen, Lebensläufe der Firmenchefs, Produktentwicklung und Arbeiterschaft. Die Fakten sind somit sehr reichlich angelegt. Es ermöglicht somit einen komplexen Überblick, eine chronologisch geordnete Zusammenfassung. Zur Geschichte der Firma Krupp wurden bisher massig an Bücher geschrieben und viele Artikel in Zeitungen veröffentlicht. Doch meist sind diese sehr gemeinverständlich ausgelegt, mit knappen Aufführungen dargestellt. Doch dieses Buch reicht als Einzelwerk in ihrer Sammlung aus.

Der Punkt, dass die Familie auch viele Skandale bereithielt, spiegelt sich in den meisten Biographien stark wieder. Ganz anders im Werk von Lothar Gall. Der Historiker beginnt bei den Anfängen bis zum Stiftungsende. Für mich ist es eine der Besten Lektüren mit dieser Thematik. Es hält gut recherchierte Fakten bereit, die fundiert beschrieben werden. Gall schafft es glaubwürdig, die Industrialisierung nicht nur als massenhafte Produktion von Gütern und Veränderung der Erwerbsarbeit darzustellen, sondern vor allem schafft er es die Erfindung von betrieblichen Organisationsprozessen und neuen sozialen Netzen vorzuheben. Eine Kulturleistung, auf die bisher nur unzureichend hingewiesen wurde. herausgearbeitet. Das Buch ist für ein Sachbuch sehr interessant geschrieben worden.

Das Buch
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Gebundene Ausgabe
398 Seiten
Verlag: Siedler Verlag; Auflage: 2
1. September 2000
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3886805832

Schlusswort
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Lothar Gall schreibt die Biografie des Krupp-Unternehmens von seiner Gründung bis zum Ende der Industrialisierung. Er zeigt die Probleme und Entwicklungen dieses historischen Prozesses. Aber auch die menschlichen Aspekte werden benannt, dargestellt und durch verschiedene Illustrationen untermauert. Es ist ein umfangreiches Sachbuch, dass einem Roman gleichkommt. Der Schreibstil ist zwar flüssig, doch manchmal weitläufig. Doch wer sich für diese Thematik interessiert, hat in diesem Buch einen ausreichenden Partner gefunden


   


Krupp - Der Aufstieg eines Industrieimperiums / Lothar Gall

Haupteigenschaften

Produktform: Einband - fest (Hardcover)

Nummer der Ausgabe: 3

Erscheinungsdatum: 2000

Seitenzahl / arabisch: 400

Produktform detailliert: Leinen

ISBN: 3886805832

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