... Er nennt sich "Kuckuckszeit". Gesendet wurde er letzte Woche als so genannter "Mittwochsfilm" auf der ARD um 20.15 Uhr. Weitere Sendetermine kann man meist in den dritten Programmen finden, wo die Filme vom Mittwoch oft wiederholt werden. Ansonsten möchte ich noch vorweg nehmen, daß er 2007 ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von Sylviane über Kuckuckszeit (ARD) 03.06.2009
Produktbewertung des Autors:
Action:
geht so
Anspruch
anspruchsvoll
Romantik:
geht so
Spannung
ziemlich spannend
Spaß
schwach
Pro:
gelungener Film, aktuelles Thema
Kontra:
-
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Heute möchte ich gern einen Fernsehfilm, der auf der ARD ausgestrahlt wurde, vorstellen. Er nennt sich "Kuckuckszeit". Gesendet wurde er letzte Woche als so genannter "Mittwochsfilm" auf der ARD um 20.15 Uhr. Weitere Sendetermine kann man meist in den dritten Programmen finden, wo die Filme vom Mittwoch oft wiederholt werden. Ansonsten möchte ich noch vorweg nehmen, daß er 2007 bereits einmal im Fernsehen gelaufen ist, also eine Wiederholung auch weiterhin möglich ist.
Gehen wir ins Geschehen: Wir befinden uns in einer Familie, Vater, Mutter und zwei Kinder, die eigentlich gut versorgt sind. Der Vater (Jens) ist Inhaber eines mittelständischen Betriebes, die Ehefrau ist der Kinder wegen daheim und versorgt die Familie. Eine klassische Rolleneinteilung also. Das Leben könnte so schön, so normal sein, wenn nicht eines Tages der Tag gekommen wäre und die Ehefrau beim Einkaufen feststellen muss, daß ihre Kreditkarte nicht mehr funktioniert. Erst tippt sie auf einen Fehler am Magnetstreifen....Doch bei der Bank wird klar, daß es "momentane" Geldschwierigkeiten gibt. Es gibt kein Geld, weil die Karte gesperrt ist. Sie fährt nach Hause und stellt ihren Ehemann zur Rede. Dieser versucht ihr die Geschichte schön zu reden, momentane Schwierigkeiten seien es... Nicht der Rede wert, er sei bald wieder flüssig. Doch auch ihn belasten die Sorgen, weiß er doch um ihren gesamten Umfang. Denn nichts ist temporär, es ist ernst. Seine Firma ist auf dem Verkauf eines der gebauten Häuser sitzengeblieben. Die Bauherren konnten sich dieses auf einmal nicht mehr leisten und so waren all seine Investitionen in das Gebäude umsonst. Er sah nur noch eine Möglichkeit, dieses Haus unter Wert an einen anderen Käufer zu bringen, um einen Teil der Geldschwierigkeiten zu überbrücken. Denn es mussten ja weiterhin Mitarbeiter und Material und Fremdfirmen gezahlt werden. Die Bank spielte zu seinem Entsetzen nicht mit und so rutschte die einst gut situierte Familie immer weiter bergab. Inzwischen muss er Claudia die Situation schildern und sie greift zu einem unlauteren Mittel: Sie plundert die Konten der Kinder. Natürlich ohne den Kindern etwas zu sagen, denn sie meint, daß dieses nur eine kurzfristige Übergangslösung sei. Doch der Schuldenberg ist zu groß, die Bank kündigt Kredite und plötzlich sehen sie die einstmals gut Verdienenden in einer Notlage. Es reicht hinten und vorne nicht. Die Situation wird so ernst, daß die Kinder, die Eltern erst aus der Sache raushalten wollten, eingeweiht werden müssen, weil nicht einmal mehr Geld für das übliche Taschengeld vorhanden ist. Aus dieser Situation heraus deckt die ältere Tochter auf, daß die Eltern auch ohne ihr Einverständnis ihre Konten leergeräumt haben. Es kommt zum Streit zwischen Eltern und Tochter, wütend verläßt die Tochter das Haus, um zu einer Party zu gehen. Ohne sich auszusprechen mit seiner Tochter macht sie Jens auf dem Weg zur Arbeit und erleidet einen Herzinfarkt. Nun, wo die Situation so verfahren ist, beichtet Jens den vollen Umfang des Übels und die drohende Insolvenz seiner Firma. Ans Krankenbett gefesselt, sieht er keine Chance mehr, die Firma zu retten. Dieses versucht nun überraschender Weise seine Frau. Sie tauscht Haus und Herd gegen die Leitung der Firma und versucht ihr Bestes, um die Situation zum Besseren zu wenden. Doch auch ihr gelingt es nicht, das Haus zu verkaufen, auf dem die Firma hängengeblieben war, die Arbeiter sind rebellisch und auch mit den Kindern gibt es Schwierigkeiten, als die ältere Tochter die Schule schwänzt, um in einer Fastfoodkette zu jobben.
Freunde wenden sich ab, es wird getuschelt. Ein Spießrutenlauf für die Familie beginnt. An dessen Ende steht kurz nach Jens Krankenhausentlassung, die statt einem Willkommensgruß, den die Kinder vorbereitet haben, in einem Ehekrach ausartet, die Zwangsversteigerung der Firma und des Privateigentums. Vom villaartigen Haus geht es in die Hochhaussiedlung. In eine kleine Wohnung mit grün gestrichenen Wänden. Grün ist die Hoffnung? So soll es für diese Familie sein. Der Firmenchef wird zum 1-Euro-Jobber und pflanzt Koniferen für die Stadt. Finaziell am Nullpunkt angelangt, kämpfen Claudia und Jens nun nicht mehr nur um ihre finanzielle Existenz, sondern auch um ihre Liebe und ihre Ehe.
Darsteller: Jens wird wunderbar von Wotan Wilke Möhring verkörpert. Er spielt den Familienvater hervorragend, der um die Existenz seiner Firma kämpft. Man sieht ihm die Anspannung in vielen Situationen an und das verzweifelte Schonen seiner Familie, was das finanzielle Desaster angeht, bringt er ausgezeichnet rüber. Dass sich nicht eingestehen wollen der Misere, das Verdrängen, das Hoffen auf ein Licht am Horizont, all das bringt er mit vielen Gesten und Gesichtsausdrücken zum Ausdruck. Und auch das Entsetzen, als er merkt, daß ihm nicht nur seine Firma entglitten ist, sondern auch die Liebe zu seiner Frau am seidenen Faden hängt.
Claudia wird von Inka Friedrich gespielt. Eine typische Hausfrau und Mutter, die sich um das Wohl ihrer Lieben sorgt. Eine Frau, die nach Lösungen sucht und sie trotz enormer Mühen nicht finden kann. Teilweise hat man den Eindruck hätte sie von dem Notstand eher gewußt, sie hätte ihrem Mann raten können. Sie kommt voller Tatendrang rüber, voller hilfloser Geschäftigkeit, aber auch mutig. Sie legt sich mit ihren Mitarbeitern an, muss einiges einstecken und läßt den Kopf dennoch nicht hängen. Sie sorgt sich um ihren Mann im Krankenhaus und plagt sich mit der pubertierenden Tochter. Sie schöpft alle Kraft, um die Situation zu retten und scheitert dennoch. Doch man hat das Gefühl, es tut ihr gut, alles versucht zu haben und nicht die Hände in den Schoß gelegt zu haben. Doch sie leidet, als es immer weiter bergab geht... Von der Villa in die Wohnung im Block. Hilflose Geschäftigkeit setzt ein und sie entfernt sich emotional immer weiter von ihrem Mann. Diese Szenen einer Ehe spielt Inka Friedrich großartig. Sie schafft es Powerfrau und gleich danach eine zerbrechende Persönlichkeit darzustellen wie keine andere. Und dennoch ist das die Hoffnung auf eine heile Beziehung und wenn man es nur in Gesten und Blicken erahnt. Auch dieses bringt Inka Friedrichs ausgezeichnet rüber.
Katja, die Tochter der Familie, wird von Sarah Bellini gespielt. Sie verkörpert den pubertierenden und rebellierenden Teenager sehr gut. Und sie zeigt auch die sensible Seite des Mädchens auf, als Katja befürchtet durch den Streit und ihr Fortbleiben, den Herzinfarkt des Vater heraufbeschworen zu haben.
Max, der Sohn der Familie, wird von Max-Louis Schütte gespielt. Seine Rolle ist nicht tragend. Doch macht er schon deutlich, wie die finanziellen Sorgen und ehelichen Probleme der Eltern, ein Kind belasten können.
Buch: Nina Bohlmann lieferte die Vorlage für diesen Film.
Regie: Johannes Fabrick führte Regie.
Meine Meinung: Ich finde den Film sehr gelungen und man mag meinen, daß er nun entstanden ist zu Zeiten der Finanzkrise. Ein guter Spiegel für das Elend vieler mittelständischer Betriebe. Doch dieser Film ist schon 2006 gedreht worden, als hier von einer akuten Finanzkrise noch nichts zu spüren war. Doch meiner Ansicht nach ist er heute aktueller denn je. Wenn ich die vielen Firmen sehe, die Kurzarbeit angemeldet haben, wenn ich höre wie viele Familien von Arbeitslosigkeit betroffen sind und der soziale Abstieg droht, ist dieser Film eine erschreckende Vision dessen, was nun in deutschen Familien Alltag zu werden scheint. Ich habe den Film mit einer Mischung aus Erschrecken und dem normalen Fernsehvergüngen gesehen. Hier war nichts übertrieben, hier ging ganz einfach eine normale gutbürgerliche, wenn nicht sogar überdurchschnittlich betuchte, Familie mit ihrer Existenz den Bach runter. Vom Firmenchef zum 1-Euro-Jobber. Eine Karriere rückwärts. Von der Villa in die Wohnblockwohnung. Und dennoch geht eines ganz klar aus diesem Film hervor. Es geht im Grunde nicht darum, das viele Geld zu retten, das einst da gewesen ist. Viel mehr ist es wichtig, auch in schweren Zeiten, die Liebe zu erhalten. Dann kann man auch diese Lebensumstände aushalten. Im Leben geht es vielfach darum, etwas auszuhalten und auch sich zu halten. Und genau dies ist es, was am Ende des Films dabei herauskommen soll. Der geneigte Zuschauer soll spüren, daß alles Geld der Welt nicht glücklich macht, wenn die Liebe verloren geht und daß es in schweren Zeiten vordergründig darum geht, sich zu halten und zu stützen als Familie, um dann gemeinsam einen Neustart wagen zu können. So ist dieser Film, der als Film über eine verfahrene finanzielle Situation begann, viel tiefsinniger und vielschichtiger als man anfangs meinen mag. Und genau darin, dieses Unterschwellige hervorzubringen, liegt die eigentliche Leistung der Darsteller. Am Ende des Films, in der Wohnung mit den grünen Wänden schwang eines mit: Hoffnung.
Fazit: Ich möchte den Film gern mit allen Sternen bewerten. Er war wirklich gut gemacht und vielleicht kann er gerade in diesen Tagen einigen Familien eines bringen: Hoffnung und ein Verständnis für einander und ein Festhalten aneinader. In diesem Sinne, einen schönen Abend.