Braver Butler im italienischen Designeranzug
16.05.2001
Pro:
Qualität, Fahrwerk, Motor,Austattung Design, Klang
Kontra:
Detaillösungen, Soziusplatz, Serienvariomatik
Empfehlenswert:
Ja
 Dink
Über sich:
Mitglied seit:31.01.2001
Erfahrungsberichte:14
Vertrauende:1
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 16 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
KYMCO ist die Abkürzung für KwangYang Motor Company und hat ihren Sitz in Kaosiung in Taiwan. Das Unternehmen baut bereits seit über 40 Jahren motorisierte Zweiräder und ging ursprünglich aus einem Joint Venture mit Honda hervor. Mit blossen Lizenzbauten gibt man sich heute nicht mehr zufrieden, sondern ist als einer der wenigen Hersteller dieses Genres in der Lage, alles selbst zu entwickeln, zu testen und zu fertigen. Mit einer Jahresproduktion von inzw. über 1.000.000 Fahrzeuge hat sich Kymco fast unbemerkt zum grössten Rollerhersteller der Welt gemausert und tritt auf Messen auch dementsprechend stolz auf. Das Programm wird ständig ausgebaut und nach dem Wegfallen einer gesetzlichen Hubraumbeschränkung auf 150 ccm in Taiwan im vergangenen Jahr bringt man demnächst ein sehr elegantes und wiederum technisch eigenständiges Motorrad namens Venox mit 250 ccm auf den Markt. Der Dink 125 ist eine der jüngsten Entwürfe des Unternehmens und besitzt den bekannten Motor des Vorgängermodells Spacer. Ansonsten ist alles komplett neu und erstmals hat man ein italienisches Designertema bemüht, das Äussere zu entwerfen und hat sich vom früheren barocken Erscheinungsbild verabschiedet.
Der Motor ist dabei aber ganz der alte geblieben. Eine kreuzbrave Konstruktion, die zwar extrem zuverlässig läuft, der europäischen Konkurrenz aber in Sachen Fahrleistung einiges schuldig bleibt. Hinzu kommt eine Kymco-typische, hartnäckige Einfahrzeit von über 2000 KM. Erst dann ist der Motor in der Lage, seine 12,5 PS voll zu entwickeln. Er läuft recht kultiviert und je schneller man fährt, desto geringer werden die Vibrationen, bis sie schliesslich ganz verschwinden. Dennoch klingt der Motor rauh und angestrengt, bollert aber herzhaft aus dem dicken, verchromten Auspuff. Mit einigem Anlauf stehen am Ende ca. 105 Km/h auf dem sehr genau anzeigendem Tacho. Die Variomatikabstimmung kann man, zumindest in ihrer werksmässigen Auslegung, als misslungen betrachten. Der Motor kuppelt viel zu früh bei schleifenden Belägen ein und die Drehzahl fällt ersteinmal abrupt in den Keller. Eine ausgeprägte Anfahrschwäche ist die Folge, die in der Stadt auf Dauer sehr nervig ist. Man sollte unbedingt bei der ersten Inspektion darauf bestehen, dass leichtere Variorollen und straffere Kupplungsfedern eingebaut werden. Der Fahrspass steigt dann immens und der Dink wird urplötzlich zum Ampelsprinter. Als Wermutstropfen einer solchen Aktion steigt der Verbrauch von 2,9 Litern auf fast 4 Liter an. Das lässt sich aber aufgrund des recht grossen Tanks von über 11 Litern verschmerzen.
Der Fahrersitzplatz ist für Personen bis 1,85 m ausreichend geräumig. Die Knie stossen nicht am Lenker an und der Platz für die Füsse ist gerade noch ausreichend. Leider ist die Sitzbank stark gestuft so dass man als Fahrer nicht nach hinten rutschen kann. Dummerweise fällt sie nach vorne auch noch ab und beim Bremsen rutscht man eigentlich immer mit der Zeit nach vorne. Abhilfe schafft die Sitzbank des 250er Modells, die völlig eben ist und auch straffer ausfällt. Leider kostet das gute Stück fast 300 Mark. Zuviel. Der Beifahrer sollte tunlichst nicht über 1,65 Meter gross sein und nicht über Schuhgrösse 36 -38 verfügen. Sonst hat man seine Knie an den eigenen Ellenbogen und aufgrund fehlender Soziusrasten muss der Beifahrer die Füsse auf etwas zu hoch angebrachten Trittplatten stellen. Also besser alleine fahren. Das Helmfach sollte nur Fach heissen, denn einen Helm bekommt man bei aller Liebe nicht hinein. Nicht, dass es zu klein wäre. Es wird jedoch nach unten hin immer schmaler, ausserdem stört eine ausgebuchtete Vergaserabdeckung die Unterbringung eines Solchen.
Der Rest des Fahrzeugs macht extrem Laune. Das Cockpit ist sehr komplett ausgestattet und verfügt sogar über einen Drehzahlmesser. Die Kontrollampen sind auch bei hellem Tageslicht gut abzulesen. Die Lenkerarmaturen scheinen von einem Motorrad zu stammen und liegen vorzüglich zur Hand und rasten präzise. Ebenso die Schlösser für Lenker und Helmfach. Das Fahrwerk ist eine weitere Überraschung. Wer noch die ältere Kymco-Generation kennt, wird das straffe und stabile Fahrwerk zu schätzen wissen. Der Geradeauslauf ist ebenso gut wie das wieselflinke Einlenken. Aufstellen beim Bremsen in Kurven gibt es nicht. Wie überhaupt die Bremsen die wohl besten Stopper sind, die es derzeit in dieser Klasse zu kaufen gibt. Die gesamte Verarbeitungsqualität ist überdurchschnittlich gut und das Fahrzeug verfügt über eine Vielzahl durchaus liebevoller Details, wie z.B. der hochwertige, aussenliegende Tankverschluss, die Rückspiegel in verschmutzungshemmenden Schalen oder die wertige Lackierung.
Die Sheng-Shin Serienbereifung sollte man aber alsbald auf den Müll werfen. Viel zu hart und rutschig, teilweise nicht ausgewuchtet, verderben sie oft eine saubere Linie. Ein paar Sachen fallen merkwürdig schrullig ins Auge. Möchte man beispielsweise die vorderen Lampen wechseln oder gegen Halogenbirnen tauschen, muss man tatsächlich die komplette Frontverkleidung demontieren. Das kann leicht mehr als eine Stunde dauern. Ebenso unverständlich ist, dass man zum Einstellen der hinteren Federbeine auf der linken Seite den kompletten Luftfilterkasten und rechts die Auspuffblende abschrauben muss, um an die Verstellrasten zu gelangen.
Viel Licht also, aber auch einiger Schatten. Dennoch empfehle ich den Dink 125. Wer Wert auf formale und technische Eigenständigkeit sowei absolute Haltbarkeit legt, liegt mit diesem Fahrzeug goldrichtig. Demgegenüber stehen der zähe Motor und einige Detailmängel. Dafür erhält man aber ein sehr elegantes Fahrzeug, das bestimmt nicht an jeder Ecke steht.
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Kymco Dink 125
EZ: 08.2000 - KM: 13474 - Leistung: 8 - 47228 Duisburg-Rheinhausen - Getriebe: ...
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24.09.2004 20:26
Gut geschríebener Bericht, der die wesentlichen Vor- und Nachteile in klaren Worten nennt. Weiter so !!
26.01.2004 00:07
Also ein wirklich guter Bericht. Unabhängig von diesem, habe ich mir vor 2 Tagen auch diesen tollen Roller gekauft. Leider nur kurze Fahrten gemacht (Wetter)aber trotzdem begeistert. Freue mich auf den Frühling.
01.10.2002 01:03
Der Bericht ist echt gut und gelungen. Ich habe vor, meinen derzeitigen Kymco Yup 50 im nächsten Frühjahr gegen einen Dink 250 einzutauschen und weil das beschriebene Modell nahezu technisch (bis auf dem Motor und einige Details) identisch ist, kann ich Dinks Erfahrungen verwerten.