Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Laufkultur, Verbrauch, Licht, Ausstattung |
| Kontra: |
Bremsen, Durchzug, Platz, Fahrwerk |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Vor 1,5 Jahren schaffte ich mir ein Zweitfahrzeug an, den Kymco Filly 50 4T. Beim Kauf kostete er 1000EUR und hatte gerade mal 270 Km drauf, obwohl es ein 1999er Baujahr ist. Hier nun mein Bericht aus 4500 Km:
FAHRWERK
Der Kymco Filly 50 besitzt ein sehr einfach gestricktes Fahrwerk mit rein mechanischer Federgabel vorne (wie bei billigen Fahrrädern) und mechanischem Federbein mit hydraulischer Dämpfung hinten. Das macht sich beim Fahren deutlich bemerkbar, die Federung ist für zwei Personen zu schwach ausgelegt und verteilt auch bei Solobetrieb recht ruppige Stöße. Die winzigen 10 - Zoll - Schubkarrenreifchen koreanischer "Markenqualität"erkennen schon kleinste Fräsrillen im Asphalt, bevor das der Fahrer tut und lassen den Roller dann sehr unruhig werden, was für ein sehr kippeliges Fahrverhalten sorgt - eine ausgesprochen unangenehme Eigenschaft. Obwohl die Federelemente unterdimensioniert sind, ist das Schluckvermögen der Federung nicht gerade als sänftenartig zu bezeichnen. Als Bremsanlage fungieren vorne und hinten billige, seilzugbetätigte Trommelbremsen, wovon speziell die vordere bei feuchter Witterung schlagartig blockiert und immer erst sachte trockengebremst werden will, bevor sie dann ohne Tücke verzögert, wobei aber die Bremsleistung auch bei Betrieb mit nur einem Fahrer als sehr dürftig bezeichnet werden darf. Die Trommel hinten spart sich solche Tücken, ist aber von der Bremsleistung her sehr wirkungsarm. Das wird deutlich, wenn man bei nasser Straße hinten voll in die Eisen geht, es ist unmöglich, das Hinterrad zum Blockieren zu bringen. Nimmt man die Trommeln mal hart ran, zeigen sie deutliches Fading (Nachlassen der Bremswirkung aufgrund massiver Hitzeeinwirkung, tritt verstärkt bei thermisch hochbelasteten Trommelbremsen auf), die Bremshebel lassen sich dann fast komplett durchziehen, mit entsprechend schlechter Bremswirkung. Wird das Spiel einmal zu groß (durch zunehmenden Belagverschleiß), lassen sich die Bremsen übrigens sehr leicht ohne Werkzeug nachstellen. Trommelbremsen sind zwar unzeitgemäß, haben aber wenigstens eine längere Belaghaltbarkeit, da die Belagpressung aufgrund größerer Bremsbelagfläche im Vergleich zur Scheibenbremse geringer ist.
MOTOR
Das Schmuckstück in Sachen Verbrauch und Laufkultur am Kymco Filly 50 ist da zweifelsfrei der Viertaktmotor, der aus 49ccm Hubraum eine Leistung von 3,7PS bei 8000 U/min entwickelt. Die kettengetriebene Nockenwelle betätigt über rollenlose Kipphebel zwei Ventile. Das "Triebwerk" ist luftgekühlt und besitzt eine Naßsumpfschmierung. Der konstruktive Aufbau ist ähnlich wie beim einfachen Automotor. Für die Laien: Ein Viertakter läuft im Gegensatz zum 2 - Takter leiser, ist sparsamer, sauberer, hat keinen bis geringen Ölverbrauch (während ein 2 - Takter grundsätzlich Öl braucht) und ist von der Lebensdauer im Vorteil. Nachteile sind der höhere Wartungsaufwand und der Abzug im Vergleich zum 2 - Takter, da er nur bei jeder zweiten Kurbelwellenumdrehung zündet, der 2 - Takter bei jeder einzelnen. Highlight des Motors ist der samtig - sonore Lauf, es ist ein Klangbild wie bei den vielen 125er - Viertaktern, nur dezenter und weniger bollernd. Die Laufkultur ist bis zum Einsetzen des Drehzahlbegrenzers bei 8000 U/min sehr gut und die Geräuschentwicklung zumindest bei Teillast angenehm, bei Volllast etwas mehr aus dem Auspuff pochend, aber immer leiser als 2 - Takter. Der Leerlauf ist so leise, dass man beim Start zuerst seinen Ohren nicht trauen will, und beim Heranbremsen an die Ampel verraten oft nur die Vibrationen des Einzylinders, dass er noch läuft. Beim Fahren will aber nicht wirklich Freude aufkommen, denn der Viertakter läuft recht zäh. Wer das Gas beim Anfahren voll aufreißt, jagt das Motörchen in höchste Sphären und erntet auf den ersten Metern zwar einen gewissen Antritt, aber die Variomatik (stufenlose Riemenautomatik) geht dann gleich mit der Drehzahl runter, so dass sich das Fahrzeug mit beinahe gleichbleibender Drehzahl auf etwa 45 km/h wuchtet, dann ist die höchste Übersetzung erreicht und es geht mit steigender Drehzahl weiter, wobei dann sogar so etwas wie Beschleunigung zu spüren ist, bis auf Tacho 51 km/h. Entdrosselt (ohne Varimatikanschlag) sind übrigens laut Tacho 70 km/h drin. Das Einsetzen des Drehzahlbegrenzers bemerkt man durch ein Brabbeln aus dem Auspuff, da der Zündfunken weggenommen wird, schlauer ist es deshalb, den Motor knapp unterhalb des Drehzahlbegrenzers zu fahren, das spart Sprit.
WIRTSCHAFTLICHKEIT
Wie bereits erwähnt, sind 4 - Takter sparsamer als 2 - Takter, und das nicht unerheblich. Der Kymco Filly 50 läßt sich mit etwa 2.3 Litern Superbenzin locker fahren, wenn auch etwas Stadtverkehr dazwischen kommt, und rund 2.0 Liter auf langen Strecken, wenn er nie kalt wird und das Tempo konstant bleibt und ein paar gemächlichere, gleichmäßig gefahrene Abschnitte dazukommen. Im Winter braucht er wie jeder Motor naturgemäß mehr, bis zu 2.7 Liter habe ich schon mal gemessen. Im Gegensatz dazu brauchen 2 - Takt - 50er im Schnitt (Testberichte) so um die 3.5 Liter, die versoffensten Exemplare kratzen sogar mal an der 5 - Liter - Marke (z.B.Kymco Super 9). Der Tank fasst nominal 6 Liter, es lassen sich aber, wenn die Tankuhr mitten im roten Bereich steht, nur 5 Liter nachfüllen, der Rest ist anscheinend Reserve. Bis es mal soweit ist, dauert es meistens rund 200 Km im gemischten Betrieb, dann steht die Nadel aber schon unterhalb der Reserve. Die Tankuhr ist eigentlich ein Gag, denn sie zeigt nicht, wie im Auto, den Tankinhalt an; vielmehr bleibt die Tanknadel etwa 80 Km lang auf der vollen Position, um dann zügig zu wandern Richtung "Tank leer". Das Fahren mit Sozius bringt erfahrungsgemäß keinen signifikanten Mehrverbrauch, erstaunlich eigentlich. Ein weiterer, schon angesprochener Pluspunkt eines Viertakters ist, dass weniger Öl zum Betrieb gebraucht wird. Beim alle 5000km fälligen Ölwechsel werden nur 0.7 Liter Öl fällig, die dann normalerweise bis zum nächsten Ölwechsel herhalten, nur im Winterbetrieb oder bei sehr "sportlicher" Fahrweise verlangt er ab und zu mal einen kleinen Schluck frisches Motoröl. Ein Zweitakter braucht im Gegensatz dazu etwa 0.7 bis 1 Liter alle 1000km, da er das Öl verbrennt und es deshalb auch keinen Ölwechsel gibt. Der Kaufpreis betrug damals 3595.- DM, inzwischen werden aber diverse Nachbauten für unter 800 EUR verramscht, die aber von vielen Seiten nicht empfohlen werden (www.zzip.de). Alle 5000 Km ist eine Wartung fällig, bei der u.a. Ventile eingestellt, Ölwechsel und Benzinfilterwechsel getätigt werden, die Preise sind mir aber nicht bekannt, da ich alles selber mache. Die Versicherung des Rollers kostet so um die 57 EUR bis 70 EUR jährlich, je nach Versicherung. Es ist nur ein kleines Versicherungsschildchen nötig, mehr nicht. TÜV und Anmeldung sowie Steuer fallen bei 50er Rollern nicht an.
AUSSTATTUNG
Der Kymco Filly ist erstaunlich gut ausgestattet: Großes Helmfach, Lichthupe, Fernlicht, Tankuhr, Seitenständer, Lenkersperre (ist jedoch Standard) und Gepäckhaken vorne und hinten. Das Helmfach ist relativ geräumig und schluckt einen Jethelm problemlos. Die Schlösser funktionieren leichtgängig und präzise. Nur die Sitzbank hat etwas viel Spiel im Gelenk, weshalb sie manchmal etwas unwillig einrastet. Das Licht ist mit seinen je 35 Watt für Abblend- und Fernlicht kräftig genug, um auch auf der Landstraße weit genug zu sehen, die Leuchtquelle besteht aber leider aus einer veralteten halogenlosen Biluxlampe (Zweifadenlampe), die nach einer gewissen Betriebsdauer in der Helligkeit nachläßt, da sich der Kolben schwärzt. In Zeiten, in denen selbst Fahrräder schon Halogenscheinwerfer bieten, muss sowas nicht sein, eine HS1 (Halogen - Zweifadenlampe mit 35 / 35 Watt) wäre die bessere Lösung gewesen und auch nicht wesentlich teurer, beim Vitality 50 4T hat Kymco reagiert und eben diese verbaut. Ehrenrettend muss aber gesagt werden, dass es viel schlimmere Funzeln an 50er - Rollern gibt, vor allem die älteren taliener fallen da oft unangenehm auf. Positiv fällt mir der sonore Blinkertacker auf, es ist nicht dieses fiepsige Geräusch wie bei vielen 50er, sondern ein leises, aber trotzdem gut hörbares "tick-tack", wie im Auto. Leider besitzt der Filly keinen Katalysator, erfüllt aber immerhin die Euro 1-Norm, und so kommt es, dass die Abgase bei warmem Motor kaum riechen, wenn man an eine Ampel heranbremst und der Odeur von hinten nach vorne zieht. Angst vor stinkender Kleidung (wie beim 2 - Takter) braucht also keiner zu haben. Die mintfarbene Plastikkarosse ist übrigens nur auf den wichtigsten Stellen lackiert, die unteren Teile im Bereich des Trittbrettes sind nur durchgefärbtes Plastik, eigentlich eine Sparmaßnahme, die ich aber nur begrüßen kann, denn bei einem Sturz lassen sich dicke Kratzer in den Plastikteilen ganz einfach mit Schleifpapier minimieren oder sogar ganz entfernen.
PLATZANGEBOT
Da der Filly eher zierlich ist (87kg) und sehr kurz und schmal, ist man besser alleine auf ihm aufgehoben. Ich jedenfalls (1,87m/80kg) kann alleine gerade so bequem sitzen, aber mit Beifahrer wird es sehr eng, und auch der Motor tut sich dann schwer. Die maximale Zuladung ist ohnehin auf 160 kg beschränkt. Ablagefächer für Utensilien sind aber genügend und in ausreichender Größe vorhanden, wie beispielsweise vorne unter dem Lenker, das so ausgeformt ist, dass es eine kleine Flasche halten kann, und im Helmfach, das jede Menge Platz bietet, um auch mal eine Jacke verstauen zu können. Ein Sozius findet aber nur ausgeformte Plastikfurchen anstatt Klapprasten vor, was den Sitzkomfort verringert.
TECHNISCHE DATEN
Motor: Einzylinder - Otto - Viertakt mit 49ccm, OHC, Steuerkette, Kipphebel, 2 Ventile
Leistung: 2.7Kw / 3.7 PS bei 8000 U/min, 4.5 Nm
Ölinhalt: 700 ml
Getriebe: Riemenvariomatik mit Fliehkraftgewichten, Endgetriebe, Fliehkraftkupplung
Gemischbildung: Gleichdruckvergaser (Drosselklappenvergaser)
Abgasentgiftung: keine, Schadstoffklasse Euro 1
Generator: 128 Watt, Akkumulator 12V, 4 Ah
Gewichte: Leergewicht 87 Kg, Gesamt: 247 Kg
Tankinhalt: 6 Liter, davon Reserve: 1 Liter
MÄNGEL/REPARATUREN
Bis jetzt aufgetreten sind kleine Sperenzchen mit dem Vergaser, der bei Vollgas keine ausreichende Spritzufuhr und somit Leistungseinbruch beschert hat, allerdings nur im Winter, Ursache unbekannt, eine Vergasereinstellung brachte auch nichts. Die sonstigen Wartungen beschränken sich auf das Einstellen der Ventile (alle 5000km), Getriebe,- und Motorölwechsel (alle 5000km). Ansonsten zeigt der kleine, unauffällige Taiwaner Kymco - typische Zuverlässigkeit.
ALTERNATIVE KONKURRENTEN
Diese sind, da Viertaktmotoren in 50er - Rollern ja sehr sehr selten sind, sehr rasch aufgezählt: da wäre einmal der Honda Zoomer 50, der als der mit Abstand modernste 50er - Viertakter gelten darf, mit Einspritzung, Katalysator sowie Lambdasonde (G - Kat) und Wasserkühlung, aber dem Handikap einer 45 - km/h - Drosselung und dem gewöhnungsbedürftigen Gartenstuhldesign. Dann gibt es den Piaggio Zip 50 4T mit konventioneller Vergasertechnik, der aber bald wieder verschwand aufgrund der schlechten Zuverlässigkeit sowie den Kymco Vitality 50 4T, der den gleichen Motor wie der Kymco Filly 50 4T besitzt, aber deutlich wertiger daherkommt. Aktuell wird der Markt mit billigen Kopien des Kymco Filly überschwemmt, die populärsten davon sind REX RS 450 und der Peugeot V - Clic sowie das MKS Eco Bike. Teilweise wurden Sachen verbessert (z.B. besseres Halogenlicht, bessere Abgasnorm dank Katpatrone und / oder Sekundärluftsystem, bessere Bremsen (Scheibenbremse vorne), das ändert aber wenig daran, dass das allesamt Raubkopien sind, welche in der Qualität (Kunststoffhaltbarkeit, Kontinuität der Verarbeitung) nicht an das Original heranreichen.
GESAMTEINDRUCK
Der Filly ist ein Roller in unauffälliger Hülle, der vor allem mit seinem kultivierten Motor inmitten der knatternden 2 - Takt- Konkurrenz punktet. Konstruktionsbedingt ist er aber weit weniger spritzig als Zweitakter gleicher Leistung. Für Leute, die eine Alternative zum Auto suchen eine gute Wahl. Mittlerweise ist der Kymco Filly selten wie ein bunter Hund und der Markt wird nur noch von Nachbauten bestimmt.
| weitere Erfahrungsberichte |
Viertakt-Scooter
Bewertung für Kymco Filly 50 von
rider-of-apocalypse
Pro: Motor, Preis
Kontra: Fahrwerk, Platzangebot
Seit ewigen Zeiten werden Motorroller mit 50 ccm von Zweitaktmotoren angetrieben.
Der wesentliche Vorteil der Zweitakter ist die Tatsache, daß diese Motoren aus den geringen Hubräumen mehr Leistung holen.
Allerdings verbrauchen diese Motoren mehr Benz ...
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
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sehr hilfreich
20.01.2001
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MKS ECO-BIKE BJ 04/2004
Bewertung für Kymco Filly 50 von
Ganesha2003
Pro: Preis; ruhiger Motor;
Kontra: zu klein gebaut, schlechte Beschleunigung
Im April d. J. habe ich mir einen neuen MKS-Scooter zugelegt. Eigentlich gehört dieser Bericht in eine andere Kategorie, aber der MKS ist am ähnlichsten mit dem Kymco-Filly.
Der MKS fährt sehr laufruhig und der Motor hat einen angenehmen klang. Bei ein ...
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als hilfreich |
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hilfreich
24.07.2004
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