eigentlich satte 4 Sterne, aber .....
18.05.2006 (20.04.2008)
Pro:
geringer Verbrauch, schnell, komfortabel, Spaßfaktor, kostengünstig, Kickstarter, Gelbatterie
Kontra:
kein Tageskilometerzähler, Helm passt nicht ins Fach, Federung etc .
Empfehlenswert:
Ja
 nibbana
Über sich:
Mitglied seit:05.04.2005
Erfahrungsberichte:9
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 21 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ich möchte gleich vorweg bemerken, dass ich meinen Kymco Grand Dink 125 noch nicht lange habe und mein Erfahrungsbericht von daher keine Aspekte der Dauerhaltbarkeit aufweist. Trotzdem habe ich in den bislang etwas über 800km Erfahrungen gemacht, von denen es gut ist wenn der potentielle Interessent sie kennt und die ich im Vorfeld auch gerne gehabt hätte. Zunächst einmal zu meinem Hintergrund: ich bin jetzt seit über 20 Jahren Motorradfahrer, die 80er-Zeit miteingerechnet genau 24 Jahre. Bis auf mein letztes Motorrad, eine Suzuki DL 650 V-Strom, waren es alles Einzylinder mit hohem Gebrauchs- und Alltagswert. Womit wir auch schon bei dem Punkt wären, warum ich letztendlich auf den Roller gekommen bin. Die Maschinen der heutigen Zeit verfügen über eine Technik und Motorleistung, die m.E. nicht mehr für den Alltagsgebrauch konstruiert ist. Was da bereits als Anfänger- und Einsteigermotorrad verkauft und angepriesen wird, ist schlicht und ergreifend Wahnsinn und ist nur noch für den gebaut, der die Maschine das ganze Jahr über in der Garage stehen hat, um sie dann im Sommer bei Sonnenschein rauszuholen und im nagelneuen und enganliegenden Dainese-Kombi wie eine gesenkte Sau durch die Natur zu fetzen. Reine Hobby-Fahrer also, denen mit den heutigen Fahrwerken eine Sicherheit und Machbarkeit vorgegaukelt wird, die aber letztendlich doch nicht gegeben ist. Es sind halt nur zwei Räder. Einmal eine Vollbremsung im strömenden Regen und die Realität hat einen wieder. Das andere Extrem ist dann die Kategorie Rentner-GS.... Sorry, tut mir leid, das ist nicht mehr das, was ich unter Motorradfahren verstehe, da finde ich mich einfach nicht mehr wieder. Ich will hier auch niemanden verurteilen oder stigmatisieren. Es ist vielmehr so, dass einem die heutigen Motorräder und die sogenannten Fachzeitschriften ja diese Rolle fast schon aufzwingen und man sich diesem Sog nur schwerlich entziehen kann. Was ich vermisse ist eine einfache und solide aufgebaute Maschine vom Schlage einer Yamaha XT 250 oder 350 oder aber eine Suzuki DR 350. Alltagsmotorräder, die schon damals mit 3 Litern Sprit auf 100km auskamen und die auch selbst zu warten sind. Motorräder, die über Selbstverständlichkeiten wie einen Kickstarter verfügen und mit denen man dann auch regelmäßig durch Regen und Schnee fahren kann. Wer seine Maschine nicht antreten kann, hat m.E. auch nichts darauf verloren und eine Maschine die nicht angetreten werden kann, hat auch nicht den Namen Motorrad verdient. Das wonach ich mich sehne, findet man heutzutage als Neufahrzeug leider nur noch im Roller-Bereich bzw. unter den 125ern. Warum all das Geschwafel? Damit Ihr meinen Hintergrund kennt und somit meine Einschätzung, die ja letztendlich subjektiv ist, richtig einzuordnen wisst.
Doch jetzt zum Roller: eigentlich wollte ich nicht mehr als 2.000,- Euro ausgeben, nur in Ausnahmefällen 2.500,-. Der Kymco Yager hatte es mir angetan, ebenso einige Modelle von Sym (HD 200, Joyride oder Joymax). Gegen Sym sprachen die kurzen Wartungsintervalle von 3.000km und das im Vergleich zu Kymco doch recht dünne Händlernetz. Die Kymco-Roller müssen nur alle 5.000km zum Kundendienst. Der Grand Dink 125 mit 3.199,- Euro Listenpreis war mir aber zu teuer, obwohl er dem Yager gegenüber einige Vorteile hat. Neben höherem Komfort bietet er einen leicht überarbeiteten Motor, der zum einen etwas mehr Leistung bringen soll, zum anderen aber auch über einen Ölfilter verfügt, was die Haltbarkeit des Motors doch deutlich erhöhen kann (den 25.000km Test in einer Rollerzeitschrift hat er absolut klaglos überstanden). Der Yager hat lediglich ein Ölsieb. So war ich denn am brüten, grübeln und abwägen, bis ich einen Grand Dink mit Tageszulassung für 2.690,- entdeckte. Als der Händler sich dann auf 2.500,- einließ, war der Deal perfekt. Der erste Fahreindruck war überraschend positiv. Die Sitzposition ist sehr bequem, fast schon einlullend. Trotz der kleinen 12 Zoll-Räder vermittelt der Grand Dink ein sicheres, sattes und jederzeit beherrschbares Fahrgefühl. Auch der Abzug ist für einen 125er erstaunlich gut. Von 0 auf 80 km/h ist er ausgesprochen schnell, ein Auto was an der Ampel mithalten will muss schon gehörig getreten werden. So kann man getrost immer vorfahren und die Autokolonnen in der Stadt hinter sich lassen. Der Anzug ist auch noch bis auf 100 km/h so gut, dass man auf der Landstrasse ebenfalls sehr gut mitziehen kann und nie zum Verkehrshindernis wird. Lediglich beim Überholen von LKWs sollte man weit vorausschauen können und entsprechenden Anlauf nehmen. Insgesamt kommt mein Kymco auf 120 km/h, im Windschatten auch auf mehr. Für dieses Tempo braucht er dann aber doch recht lange, außerhalb der Autobahn ist das von daher nur selten zu realisieren. Das ist aber insgesamt doch sehr schnell für einen 125er, auch wenn dabei anzumerken ist, dass ich hier immer die Tachoanzeige als Geschwindigkeit angebe. Der Kymco-Tacho geht bei Topspeed lt. Messungen im Scooter-Magazin mehr als 10 km/h vor. Der Verbrauch den ich bislang ermitteln konnte lag zwischen 2,6 und 3,4 Litern, pendelt sich zumeist bei um die 3 Liter ein. Das hängt von der Fahrweise ab, ist aber insgesamt bei den heutigen Spritpreisen lobenswert. Als 125er verfügt er über eine recht geringe Menge Motoröl (0,9 Liter), so dass ein Ölwechsel zwischendurch, z.B. nach längerer Standzeit, auch nicht mit allzu hohen Kosten zu Buche schlägt. Positiv zu vermerken ist auch der gute Wetterschutz, der einen bei leichten bis mittleren Regengüssen weitgehend trocken läßt, solange man in Fahrt ist. Weiterhin sehr positiv sind der serienmäßige Hauptständer, eine serienmäßig verbaute wartungsfreie Batterie, ein vorhandener Kickstarter und der relativ große Stauraum unter der Sitzbank. Eigentlich sind auch auch die Bremsen sehr gut, die hintere glänzt sogar mit einer serienmäßigen Stahlflexleitung. Warum "eigentlich", wird noch später ausgeführt. So betrachtet handelt es sich bei dem Grand Dink um ein solides und kostengünstiges Alltagsgefährt, das zunächst einmal einen sehr guten Eindruck hinterlässt.
Kommen wir nun zu den Mängeln dieses Rollers: da wäre zunächst einmal die Windschutzscheibe zu nennen, die auf einer Höhe angebracht ist, dass mir mit 172cm Körpergröße ständig der Wind, der über die Scheibe bläst, gegen den Helm rauscht. Das wird dann sehr laut, vor allem wenn ich die Belüftungsöffnungen des Helmes aufmache. Wäre der Helm voll im Wind, so wäre er leiser. Noch leiser natürlich, würde die Scheibe den Wind über den Helm leiten. Leider scheint die größere Scheibe von Kymco nur breiter, nicht aber höher zu sein und verschafft mir von daher wahrscheinlich keine Abhilfe. Eventuell riskiere ich es, die Scheibe abzusägen (oder hat mir jemand einen anderen Tip?). Ein weiteres Manko sehe ich in der Federung, die doch sehr hart ist und dazu zwingt bereits mittlere Hindernisse zu umfahren und/oder sich beim Überfahren aufrecht hinzusetzen. Bemängelt wird außerdem immer wieder die Maxxis-Serienbereifung. Hierzu kann ich nichts sagen, weil mir Vergleichswerte im Rollerbereich fehlen. Was aber m.E. auch fehlt ist ein Tageskilometerzähler, das könnte man bei dem Preis erwarten. Des weiteren muss erwähnt werden, dass der Stauraum unter der Sitzbank zwar sehr groß ist, trotzdem aber aufgrund der zu geringen Höhe die meisten Integralhelme nicht aufnehmen kann. So, und jetzt kommt aber der absolute Hammer: beim Kilometerstand 460 musste ich feststellen, dass sich die Halterung der Vorderradbremse gelöst hatte und nur noch an einer Schraube an dem Gabelholm hing!!!!! Was das heißt und wie das hätte ausgehen können muss man sich mal vorstellen!!! Wenn sich bei Tempo 80, oder gar mehr, plötzlich die Bremse verkantet oder löst und ins Vorderrad kommt - wisst Ihr was das bei 12-Zoll Rädern bedeuten würde? Ich schlage drei Kreuze, dass ich noch am Leben und heile bin. Nachdem ich das festgestellt hatte, sah ich mir Bilder an, die ich kurz nach dem Kauf gemacht hatte beim Tachostand 261 und siehe da, hier fehlte die Schraube bereits. Das heißt, ich bin mindestens 200 km mit einer Vorderradbremse gefahren, die an nur einer Schraube hing. Ich habe in dieser Zeit in meiner Unwissenheit Bremsübungen gemacht und auch Beifahrer mitgehabt. Es ließ sich im Nachhinein nicht mehr eindeutig klären, wo der Fehler lag, ob bei Kymco oder beim ausliefernden Händler, der sich sehr kooperativ zeigte. So etwas darf aber einfach nicht passieren und ist mir auch heute noch ein Rätsel, da solche Schrauben normal immer - und eigentlich auch bei Kymco - mit einer Schraubensicherung versehen werden. Der geneigte Leser versteht an dieser Stelle sicherlich, dass ich alleine für diesen Umstand einen satten Stern abziehen muss, auch wenn das wahrscheinlich und hoffentlich nur ein Einzelfall war.
Fazit: Der Grand Dink 125 ist trotz allem ein sehr guter Roller mit hoher Alltagstauglichkeit und ausreichendem Spaßfaktor, den ich trotz dem Erlebten zu diesem Preis (2.500,-) wieder kaufen würde. Ich denke man könnte sogar bis zu 3.000,- zahlen, wenn man unbedingt dieses Modell haben will. Ansonsten greift man lieber zum Yager oder zu einem Sym. Ich gebe nur drei Sterne. Ein Stern wird wegen der Bremse abgezogen, der andere wegen der oben aufgeführten Mängel. Wäre die Bremsen-Geschichte nicht gewesen, so wäre es ein satter Vier-Stern-Roller!!! Update April 2008:
Zwischenzeitlich habe ich knapp 5.000 km mit dem Roller runter und bin nach wie vor sehr zufrieden. Er läuft total zuverlässig und springt auch nach längerer Standzeit jederzeit schnell wieder an. Kürzlich habe ich Heidenau K 58 Reifen drauf montiert, das macht einen deutlichen Fortschritt im Fahrverhalten aus, der Roller liegt viel besser in der Kurve. Strassenbahnschienen u.ä. bringen ihn weniger aus der Ruhe, kann ich wirklich nur empfehlen. Experimente habe ich auch mit einem Bitubo-Fahrwerk gemacht - das sollte man nur tun, wenn man in einer Gegend mit intakten Strassen unterwegs ist, dann ist das ein deutlicher Sicherheitsgewinn, weil das Lenk- und Bremsverhalten präziser ist. Hier in Halle an der Saale aber, wo viele Strassen in einem Zustand sind, dass einem eine Hinterdorfstrasse in Indien im Vergleich dazu wie ein Luxushighway vorkommt, war das keine gute Idee, die Vordergabel wurde viel zu hart um diese Schläge wegzustecken. Hab ich wieder rückgängig gemacht und warte darauf, dass Kymco einen Enduro-Roller anbietet. Einmal ist mir mein Dinky leider umgefallen, als ich zu sehr in Eile war und das Tor zumachte. Wenn man bei diesem selbsteinklappenden Seitenständer einmal nicht aufpasst.... Das erfreuliche aber war, dass der Vorfall kaum Spuren hinterließ und ich mit was um die 20,- für die Reparatur eines Spiegelhalters wegkam. Hätte ich bei all dem Plastik nicht erwartet. Bedauerlich und auch rational nicht nachvollziehbar finde ich am Grand Dink den hohen Wertverlust. Gute Exemplare mit weniger als 10.000 km gehen selten über 1.500,- Euro weg, das ist schade für den, der ihn neu gekauft hat. Allerdings erfreulich für Gebrauchtkäufer. Kann den Roller wirklich nur empfehlen und gehe davon aus, dass das oben beschriebene Bremsmaleur ein bedauerlicher Einzelfall war.
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20.09.2007 15:45
Danke f. d. sehr fundierten Erfahrungsbericht und auch die persönliche Hintergrundfundierung, die ich im Übrigen teile. Die Problematik der optimalen Windschutzscheibenhöhe ist eine viel diskutierte. Ich persönlich bevorzuge niedrigere Scheibenhöhen. Anderenfalls, wenn die Scheibe zu hoch ist um darüber hinwegzublicken, ist man einem Verschmutzen der Scheibe schutzlos ausgeliefert. Insbesondere im "Nicht-Hochsommerbetrieb" kommt es da rasch zu Verschmutzungen der Scheibe durch Regen, Gischt und verkehrsbedingte Verunreinigungen. Auch wirkt sich eine zu hohe Scheibe zumeist negativ auf die Fahrstabilität des Rollers, insbesondere des Vorderrades aus. Ich kürzte mit aus diesem Grund mein zuvor übergroßes Windschild (3rd-party product), welches ich allerdings nicht auf einem Kymco montiert habe.
31.03.2007 00:17
sh, lg Burki
18.05.2006 09:37
Da hast Du recht. Eine thailändische Honda Dream 125 verbraucht bei ähnlichen Fahrleistungen lediglich 1,5 bis 2 Liter. Ist aber leider in Deutschland nicht erhältlich. Der Grand Dink zählt zu den sparsamsten, die auf dem deutschen Markt sind. Wäre der politische und wirtschaftliche Wille gegeben, so wäre aber sicherlich mehr Sparpotential zu verwirklichen.