..:: Vorwort ::..
Nachdem ich meine Giles Ende 2006 geerdet hatte, brauchte ich zunächst schnell etwas neues. Im Auge hatte ich wieder eine Kunstflugmaschine. Da das Budget es zu dem Zeitpunkt nicht her gab meinen Wunschflieger zu bauen (benötigte dafür stärkere Servos und einen größeren Motor), suchte ich sozusagen etwas für den Übergang, in dem ich meine noch aus der Giles verwertbaren Komponenten einbauen konnte.
Zufällig hatte ein Vereinskollege noch eine nicht zu ende gebaute Kyosho ME 109 (eigentlich heißt sie ja korrekt BF 109 E). Der Baukasten stammt noch aus der alten Serie und hatte noch das Finish der von Major Galland geflogenen Maschine. Vorteil: sieht unverschämt gut aus :-) Nachteil: Die verwendete Folie ist eine reine Klebefolie, die in der Sonne stehend schnell viele Blasen wirft, die man leider auch nicht weg bügeln kann, wie es z.B. mit guter Oracover-Folie machbar ist.Schnell wechselte das Modell den Besitzer und ich fing an, die Maschine zu komplettieren.
..:: Technische Daten ::..
Spannweite: 1420 mm
Länge: 1210 mm
Gewicht: 2600 g
empf. Motor: 6,5ccm 2 Takt- oder 8,5ccm 4 Takt-Methanol-Motor
RC-Funktionen: Höhenruder; Seitenruder; Querruder; Motordrossel; Einziehfahrwerk (optional und an meiner Maschine nicht vorhanden) Zusätzlich benötigt werden:
Servos: insgesamt 5 Standard-Servos der 3-Kg-Klasse z.B. Graupner C577 oder C5077 bzw. Hitec HS-475 oder HS-525 (nein - die Servos sollen nicht 3 Kg wiegen :-D Sie sollen mindestens 3 Kg Stellkraft besitzen). 1x Gas, 2x Querruder, 1x Seitenruder und 1xHöhenruder
Empfänger: 6-Kanal-Empfänger z.B. Graupner R700 oder R16Scan oder wie bei mir ein alter C16 von Graupner, der immer noch tadellos funktioniert.
Motor: ein 6,5ccm 2 Takter reicht zwar zum Käse-Rundflug, ich hatte jedoch einen 8,5ccm Motor übrig und damit ist die Maschine super motorisiert. Außerdem muss ich fast alles nur Halbgas fliegen, was enorm Sprit spart. (240ml Sprit reichen für gut 15 Minuten Flugzeit, ein paar Runden herum heizen inklusive!!)
Empfängerakku: ein 4 Zeller mit 1700mAh reicht völlig. Am besten AAA-Zellen (Mignon-Größe) da sie relativ leicht sind im Vergleich zu sonst oft eingesetzten Sub-C-Zellen.
Diverses: 2 kurze und 2 lange Servoverlängerungskabel (Die Bauanleitung sagt leider nicht wie lang, bei mir reichten aber 2 x 30cm und 2 x 50cm) Je nach verwendetem Motor, die passende Luftschraube (das ist von Motor zu Motor verschieden, mein 8,5er dreht derzeit eine 11x8-Zoll Latte)
..:: Der Baukasten ::..
Der Baukasten enthält alle notwendigen Teile bis auf Servos, Motor, Empfängerakku und Empfänger. Das heißt im Einzelnen: Rumpf mit Folie fertig bespannt, Tragflächen und Höhen-/Seitenleitwerk ebenfalls fertig bespannt. Kabinenhaube (fehlte bei mir. Ich hab sie dann selber gebaut) Anlenkungsteile, GFK-Motorhaube, Fahrwerk (in meinem Fall das starre) Motorträger, Tank usw.Alle Teile passen sauber ineinander und sind augenscheinlich gut verarbeitet, im Falle der Fahrwerksaufnahme leider nur Augenscheinlich, aber dazu später mehr.
Zur Fertigstellung müssen die beiden Tragflächenhälften verleimt, Höhen- und Seitenleitwerk eingeklebt und die Anlenkung verlegt, sowie Motor und RC-Komponenten eingebaut werden. Die Querruderservos werden auf den fertig vorbereiteten Holzdeckeln geschraubt und die Kabel mittels der vom Hersteller in die Tragflächen eingezogenen Hilfs-Fäden durchgezogen, sodass das Kabelgefummel kein Problem darstellt. Auf den Brettchen, in denen das Fahrwerk montiert wird, sind als Widerlager nur zwei kleine Holzklötzchen auf geleimt. Wie sich nach einer halben Saison Flugbetrieb herausstellte, ist diese Konstruktion der Strapaze beim Starten und Landen auf Dauer nicht gewachsen und nudelten aus, bzw. brachen die Klötzchen trotz einharzen einfach heraus. Beim Reparieren viel auf, das die 2mm Balsabeplankung der Tragfläche die gesamte Last aufzunehmen hatte, was ihr irgendwann nicht mehr gelang und sich Risse bildeten. Ich habe das ganze dann nach gearbeitet und das Widerlager so weit vergrößert, das es mit der Oberseite der Beplankung verleimt werden konnte. Die bei der Landung auftretenden Kräfte werden nun anstandslos geschluckt ohne das ich Angst um die Tragfläche haben muss.
Leider ist der Motorsturz und -Zug nicht am Motorspant vorgegeben und Angaben dazu sind in der Bauanleitung nicht zu finden. So bleibt einem nur das "erfliegen" dieser Werte.
Ansonsten ist die Bauanleitung ausreichend gut beschrieben und bebildert und selbst für relativ unerfahrene Modellbauer nachvollziehbar.Die Angabe zur empfohlenen Motorisierung würde ich ignorieren und anstelle des 6,5ccm lieber einen 8,5ccm 2 Takter einbauen. Der ist kaum schwerer aber durch die Mehrleistung geht die Kiste endlos senkrecht, was Sprit sparendes fliegen ermöglicht. Großräumige Loopings sind mit der Motorisierung ein Traum, genau wie das gesamte Flugbild. Die Maschine sieht in der Luft deutlich größer aus als am Boden.
Mittlerweile wurde das Modell überarbeitet und ist nun mit einer vernünftigen Folie versehen. Leider hat dadurch das Finish gelitten. Das gesprenkelte Tarnfinish mit der hellblaugrünen Unterseite der von Major Galland damals geflogenen Maschine ist nun einem Flecken-Tarn-Finish gewichen, was mir überhaupt nicht zusagt. Dunkelgrau/Grau-lila - brrr - ekelig :-/Man hätte aber gut daran getan auch die Fahrwerksaufnahme des starren Fahrwerks zu überarbeiten. Das ist nämlich so instabil geblieben. Zuletzt wurde die Maschine aber meist mit Einziehfahrwerk verkauft und ist mittlerweile aus dem Programm genommen worden und wurde durch einige neue Modelle ersetzt.
..:: Flugeigenschaften ::..
Das Original ist ja beim Starten und Landen zickig wie ein Waschweib und es sind mehr Piloten bei Start und Landung verunglückt als im Luftkampf abgeschossen. Auch scale gebaute Modelle haben die Eigenart meist ohne Vorankündigung nach links auszubrechen und sich dabei oft zu überschlagen. Da die Kyosho-Kiste aber kein originalgetreues Fahrwerk hat (was wohl für dieses zickige Verhalten verantwortlich ist) erwartete ich diese Eigenheiten auch nicht.Beim Starten muss jedenfalls mit dem Höhenruder der Hintern und mit dem Seitenruder das "geradeaus fahren" unter Kontrolle gehalten werden, sonst geht die Maschine gern auf die Nase, gerade bei nassen oder höheren Rasenpisten ist das Starten schon eine kleine Herausforderung. Genauso das Landen. Kleiner Tipp für alle, die kein Einziehfahrwerk einbauen wollen: Einfach die Fahrwerksbeine etwas weiter nach vorne biegen, dann geht´s um Längen leichter.
Aus diesem Grund würde ich die Maschine nicht grad nem Einsteiger in die Hand drücken.
In der Luft benimmt sich die ME allerdings wie ein Trainer. Fliegt absolut gutmütig und durch die große V-Form der Tragfläche ist sie auch sehr eigenstabil. Gewundert hab ich mich über die ausgesprochen gute Langsamflugeigenschaft. Die Landegeschwindigkeit ist nur minimal schneller als bei einem Hochdecker-Trainer.
Die ME macht alle Warbirdüblichen Kunstflugfiguren mit (Immelmann, Looping, Kuban-Acht, Rollen) nur im Turn dreht sie bei mir immer raus, was ich in meinem Fall auf die relativ kleinen Seitenruderausschläge schiebe.Selbst reine Kunstflugfiguren wie eine 4-Zeitenrolle lässt sich mit der ME fliegen. Messerflug mag sie allerdings nicht, was einerseits am schlanken Rumpf und andererseits am kleinen Seitenruder liegen mag. Außerdem dreht sie auf Grund der starken V-Form der Tragfläche gern wieder in die normale Fluglage zurück.
Hat man sich mal verknüppelt, stabilisiert sie sich nach kurzer Zeit von selber, was ebenfalls an der V-Form der Fläche liegt (ausreichend Sicherheitshöhe natürlich Vorausgesetzt, in Ameisenkniehöhe stabilisiert höchstens der Acker die Fluglage, was aber zu einer Destabilisierung der gesamten Maschine führen dürfte - harhar) ..:: Fazit ::..
Wer einen Querruder-Trainer sicher beherrscht und den Umstieg auf einen Tiefdecker im Warbird-Look im Auge hat, dem kann ich das Modell durchaus empfehlen. Die meisten Trainer haben ja ein Dreibein-Fahrwerk mit lenkbarem Bugrad. Das Landen solcher Modelle ist recht einfach. Ein Warbird mit 2 Bein-Fahrwerk hat meist die Tendenz auf die Nase gehen zu wollen, was man mit vorsichtigem Höhenrudereinsatz aussteuern muss. Das verlangt schon ein wenig Übung, stellt einen Piloten aber nicht vor unlösbare Aufgaben.
Einzig die Fahrwerksaufnahme sollte gleich verstärkt werden, sonst läuft man Gefahr, bei etwas härteren Landungen das Fahrgestell und meist auch die Tragfläche zu beschädigen.Von dem zickigen Verhalten der original ME´s hat die Kyosho-Kiste jedenfalls nichts mitbekommen und fliegt generell gesehen "Lamm fromm"
Mittlerweile geht meine ME in die 2. Saison und hat schon gut 18 Flugstunden (ca. 120 Starts) auf dem Buckel und schon einige "Kampfspuren" abbekommen. Ich hoffe sie bleibt mir noch ne Weile erhalten :-)Greets
Schnetty2003