LBS - Wie uncool

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... Wir verkneifen uns also zunächst mal unseren Kommentar und warten lieber auf das Ende des Werbespots der LBS. Und siehe da: Gerd spricht. Gerd spricht Thomas an, und die Freude über das Wiedersehen huscht über sein Gesicht. ( Oder sollte es etwas anderes sein, was da huscht? ) „Thomas???....Sag ... Bericht lesen





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Its cool, man!
Erfahrungsbericht von IlkaSehnert über LBS - Wie uncool
24.09.2003


Produktbewertung des Autors:   


Pro: das ist die Frage .  .  .  .
Kontra: dito .  .  .  .

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Thomas ist cool.
Thomas ist sogar richtig cool, weil er nämlich zur Konfirmation ein Mofa geschenkt gekriegt hat
Alle Mädels stehn auf Thomas.
Jedenfalls, seit er das Teil hat.

Gerd – nennen wir ihn mal so - ist uncool.
War er schon immer.
Ein Streber.
Und ein Mofa hat er auch nicht gekriegt.
Sondern einen Bausparvertrag.
Wie uncool.

Da stehen sie also, unsere Teenager von gestern und erfolgreichen, jungen und dynamischen Menschen von heute.
Am Tag ihres Erwachsenwerdens stehen sie auf der Straße und demonstrieren uns, wie Marktwirtschaft funktioniert: Haste was, dann biste was. Alles andere ist uncool.

Jahre und eine Einstellung später stehen sie auch auf der Straße.
Jedenfalls Thomas und Gerd.
Was aus den Mädels geworden ist, wissen wir nicht.
Na, oder vielleicht doch.
Und das „Auf der Straße stehen“ ist vielleicht auch mißverständlich.
Thomas jedenfalls ist immer noch cool.
( Was er sicher nicht wäre, stünde er sprichwörtlich auf der Straße.)
Thomas hat jetzt ein schickes Auto.
Allerdings nicht so schick, daß da irgendwelche Mädels in Sicht wären.
Aber immerhin so schick, daß er es liebevoll poliert, damit es schick bleibt.

Und Gerd?
Ja, Gerd ist immer noch uncool.
Er läuft.
Zu Fuß.
Auf Thomas, ihn erkennend, zu.
Kein Auto in Sicht.
Der Arme ! möchte man rufen.

Aber irgendwie sieht er glücklicher aus als Thomas.
Wir verkneifen uns also zunächst mal unseren Kommentar und warten lieber auf das Ende des Werbespots der LBS.

Und siehe da:
Gerd spricht.
Gerd spricht Thomas an, und die Freude über das Wiedersehen huscht über sein Gesicht.
( Oder sollte es etwas anderes sein, was da huscht? )
„Thomas???....Sag bloß, Du wohnst immer noch hier?“ fragt er.

Und Thomas: „Ja. Oben. Bei Mutti.“
Gerd lächelt ihn verständnisvoll an.
Kurz. Sehr kurz.
Dann verzieht sich sein lächelnder Mund zu einem mitleidigen, gern auch anders deutbaren Grinsen: „Wie uncool“ sagt er.
Sprichts und geht.
DAS hat gesessen!
Revanche für die Jahre zurück liegende Demütigung.
Haste was, dann biste was. Auf jeden Fall cool.
Denn in der nächsten Szene wissen wir, was er meint:

Wir sehen Gerd SEIN Gartentor öffen und den Weg zu SEINEM Haus nehmen, in dem sicher SEINE Frau schon auf ihn wartet und liebevoll den Tisch gedeckt hat.
Übrigens die Blonde, die von damals, Ihr wißt schon.
Sieht man im Spot nicht. Denk ich mir aber.
Und bestimmt steht in der Garage auch SEIN Auto.
Zu Fuß geht Gerd nämlich nur, weil ein moderner, erfolgreicher junger Mensch weiß, was für seine Gesundheit gut ist.
Und was ganz schlecht ist, weiß er auch.
Immer noch bei Mutti zu wohnen zum Beispiel.
Wie Thomas.
Das ist nämlich uncool.

So der Werbespot.
So das Leben ?

Irgendwie schon.
Aber irgendwie auch nicht.

„Wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause – LBS!“

Die Landesbausparkasse will uns glauben machen, daß ein junger Mensch wie Gerd nichts Besseres tun könne, als sich einen Bausparvertrag schenken zu lassen, der vielleicht im ersten Jahr noch netterweise von den Eltern bezahlt wird, aber wenns dann in die Lehr-oder Studienzeit geht, muß er selber ran.
Ach ja, und natürlich: Dazu hat Gerd auch noch eine Rentenversicherung, wir wissen ja, wie das heutzutage ist, eine Krankenversicherung, muß sparen für den Zahnersatz, und und und...

Aber irgendwann, nach Jahren der Entbehrung hat er soviel zusammen gebauspart, daß er endlich einen Kredit in Anspruch nehmen darf. Wenn er Glück hat, hat er den bis zur Rente abbezahlt, wegen der vielen anderen wichtigen Dinge sind halt die monatlichen Raten so klein geraten....Na ja.
Aber zum Glück hat Gerd ja auch sein Leben lang für die Pflegeversicherung gezahlt, so daß er SEINE letzten Monate in SEINEM Haus so richtig glücklich sein kann. Neben ihm stundenweise eine Pflegerin, die ihn füttert.
Seine Frau hat ihn vor Jahren verlassen, weil sie Thomas irgendwo getroffen hat.
Der hat sich nämlich mit einem Imbißstand in der Nähe des Hockenheim-Ringes selbständig gemacht und richtig Kohle verdient. Dann hat er einen Kredit aufgenommen, ein Haus gekauft und ziemlich schnell abbezahlt, weil er sich große Raten erlauben konnte.
Traurigerweise ist letztes Jahr seine Mutti gestorben.
Die Wohnung vermietet er jetzt.

So kanns gehen.
Natürlich, Ihr habt Recht.
Es KANN so gehen, muß aber nicht.
Und sicher ist Bausparen auch heute noch in vielen Fällen eine gute Sache.
Nicht jeder ist schließlich „kreditwürdig“ für die Geldinstitute unserer Zeit.
Hat er aber einen solchen Vertrag vorzuweisen und schon bissel was drauf auf dem Bausparkonto, dann ist er es. Kreditwürdig.
Und vielleicht hat ja auch Gerd eine finanzkräftige Familie samt Oma, die ihm seinen Vertrag nicht nur ein, sondern mehrere Jahre finanziert haben – dann rechnet sich das.
Und unser Gerd wird nach einem erfüllten Arbeitsleben ein glücklicher Rentner vom Schlage „Its cool, man!“ – Ihr wißt schon, der aus der Milkawerbung...

Ob nun aber der Werbespot junge Leute dazu treibt, sich einen Bausparvertrag zu wünschen?

Gerd ist doch viel zu bieder geraten. Da muß man doch auf solche weiterführenden Gedanken kommen wie ich eben. Oder? Mit diesem Typen identifizieren? Den cool finden? Eher nicht.

Wohin soll der Spot eigentlich? Er soll „Früher an später denken“ suggerieren und „Wohneigentum ist cool“. Aber dann sollte doch auch der, der das Später-cool-sein vertritt, eine Wandlung vollziehen, die ihn cool aussehen läßt. Oder?
Daß er jetzt Thomas gegenüber Oberwasser hat und sich gnadenlos revanchiert – soll das ein Zeichen von Coolness sein? Daß er jetzt genauso mit dem protzt, was er hat, wie früher Thomas mit seinem Mofa? Mein Haus? Mein Auto? Meine Frau?

Ja, der Spot ist witzig. Die beiden Typen und auch díe Mädels in ihren hübschen Spitzenblusen sind klasse geraten. Die zu engen Jeansklamotten des erwachsenen Thomas und sein getuntes Auto sind wunderbar. Gerd in seinem wieder-schicken Cordanzug - ja, man schmunzelt, man kennt sie alle, diese Typen. – Aber nachahmenswert für junge Leute ist ein Typ wie Gerd ganz sicher nicht.

Also: ein Sch...Spot?

Mitnichten.
Warum nicht ?
Ganz einfach.
Der Spot fordert gar nicht dazu auf, daß junge Leute einen Bausparvertrag abschließen!
Er ist dazu da, daß Eltern es für ihre Zöglinge tun !

Und deshalb nun nochmal das Ganze vors geistige (elterliche) Auge:

Will eine Mutter ihren Sohn bis ins erwachsene Alter bei sich zu Hause hocken haben?
Will sie, daß er mit 40 in Jeansklamotten an einem schrecklichen Auto lehnt und immer noch keine Frau hat? So wie Thomas?
Nein. Will sie nicht.
Will sie, daß Ihr Sohn täglich mit Aktentasche unterm Arm zur Arbeit geht, gutes Geld verdient, ein Haus, ein Auto und eine Frau hat?
Gepflegt aussieht, erfolgreich ist? So wie Gerd?
Ja. Will sie.
Und ihr Mann will das auch.
Und deswegen legen sie beide mit ihrem schönen Geschenk dafür den Grundstein.
Und wenn sie ihren Sohn richtig erzogen haben, dann wird er später einmal dankbar dafür sein. Ganz bestimmt.
Wie? Das Traumhaus des Spots gefällt uns nicht? Soll es ja auch nicht. Es soll unseren Eltern gefallen. Und das tut es. Sieht solide aus. Langweilig. Wie eine Wertanlage eben.

So einfach ist das.
Die Spot-Macher haben ihre Zielgruppe ziemlich klar ins Auge gefaßt.
Das merken wir, die wir es nicht sind, erst beim zweiten Hingucken, oder?
Beifall, meine Herren.
So mancher Vertragsabschluß wird so zustande kommen, ich bin sicher.
Hoffen wir, daß die jungen Menschen mit ihren Bausparverträgen dann auch später nicht „auf der Straße stehen“, sondern einen Job finden, der es ihnen ermöglicht, das Ei, das ihre Eltern ihnen möglicherweise gelegt haben, auch auszubrüten. –


UPDATE:

Das, liebe Leser, <<<WAR>>> mein Beitrag zur ersten Runde des BBB-Writer-Cup, initiiert von Ernst-Savro-Blofeld. Meine beiden Rundengegner <<<WAREN>>> firstossi und Greifenklaue, die ihre Berichte etwa zeitgleich mit diesem hier gepostet und in derselben Kategorie geschrieben haben. Wer von Euch Lust hat, den laden wir drei ein, alle drei Berichte zu lesen und dann zu entscheiden, wer für euch der Gewinner der Runde ist. Abgestimmt werden kann im GB von Molekül. <<<GEHT NICHT MEHR: FRIST IST UM, INZWISCHEN LÄUFT RUNDE 2>>>

Genauer findet Ihr alle Informationen im Profil von Ernst-Savro-Blofeld.
Dort seht Ihr auch die anderen Wettbewerbspaarungen bzw. Trios. Ich würd mal sagen, vorbeischauen lohnt sich...

Ilka für Ciao und den BBB-Writer-Cup


( Ach, übrigens:
Wer sich den Spot anschauen möchte, ohne stunden-oder gar tagelang vorm Fernsehgerät lauern zu müssen:

http://www.lbs-bw.de/PL4D/pl4d.htm?detail_snr=420 )

   

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