Seeeeehr uncool

1  24.09.2003

Pro:
klare Aussage

Kontra:
nervt tierisch

Empfehlenswert: Nein 

firstossi

Über sich: Jedes Ding hat drei Seiten. Eine positive, eine negative und eine komische. (Karl Valentin)

Mitglied seit:22.02.2003

Erfahrungsberichte:24

Vertrauende:8

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---Einleitung---
„Und, was hast Du denn so bekommen?“ - „´Nen Bausparvertrag“. So beginnt das Plädoyer der LBS für alle Kleingeister, Besserwisser und Nachtrager. Wer sich bisher noch nichts unter einem typischen Bausparer vorstellen konnte und auch nicht wusste, dass diese sich eine Selbsthilfegruppe mit Turnbeutelvergessern, Kopierstaumeldern und Kaffee-Hag-Trinkern teilen, dem helfen die Landesbausparkassen mit dem Spot „Wie uncool“ auf die Sprünge.

---Das Produkt---
Beworben wird ein Bausparvertrag der Landesbausparkassen (LBS). Zum besseren Verständnis des Spots und meiner Meinung dazu soll kurz auf einige Besonderheiten des Bausparvertrags eingegangen werden, ohne dass ich hierfür Fachmann wäre. Der Bausparvertrag zeichnet sich zunächstmal durch einen relativ niedrigen, dafür aber stabilen Zinssatz aus. Attraktiv wird er durch verschiedene staatliche Zuschüsse und schließlich dadurch, dass man, wenn man tatsächlich baut oder ein Haus kauft, einen verhältnismäßig günstigen Kredit bekommt. Früher konnte ein Bausparvertrag auch nur zum Bauen verwendet werden, das hat sich mittlerweile wohl etwas verändert. Trotzdem ist ein Bausparvertrag eigentlich der Inbegriff der sicheren, spießigen, unflexiblen und definitiv uncoolen Geldanlage. Und hier setzt auch der Spot an:

---Die Story---
Das Grauen nimmt seinen Lauf in einem Wohnviertel, wie sie in den siebziger Jahren in beiden Teilen Deutschlands (im Osten euphemistisch Neubauviertel genannt, im Westen wohl eher Wohnsilos) wie Pilze aus dem Boden schossen. Wir befinden uns in den achtziger Jahren – ein Jahrzehnt, das man trotz aller Retro-Reminiszenzen der vergangenen Saisons auf die Verlustliste der Stil- und Modeevolution setzen muss. Auf der Straße zwischen den Häusern befinden sich vier Jugendliche, die scheinbar gerade einen kollektiven Geschenkeanlass hinter sich gebracht haben. Ob es sich dabei tatsächlich um die Jugendweihe handeln sollte – wie einige Vorautoren in Ostalgie vermuten - wage ich zu bezweifeln, ich vermute eher die Konfirmation. Es gibt zwei Hauptdarsteller und zwei Nebendarstellerinnen (ja, wiedereinmal wird deutlich, dass für den typischen Bausparer Frauen nicht mehr sind als Randerscheinungen, schmückendes Beiwerk). Der eine Hauptdarsteller sitzt auf einem Moped, neben ihm die beiden Mädchen. Der Mopedfahrer (Thomas) sieht so aus, als hätte er einen Nachwuchszuhälterpreis gewonnen und zwei seiner Pferdchen direkt neben sich. Die sind gekleidet und frisiert, wie Nena in ihren besten Zeiten (und die hat sie zweifellos bereits hinter sich). Den dreien gegenüber steht der wahre „Held“ des Spots. Ein Verlierer, wie es ihn in jeder Klasse gab. Seiner Kleidung und Frisur sieht man an: Später Leistungskurse Mathematik und Physik, jetzt wahrscheinlich in jeder Pause auf der Flucht vor den Klassenkameraden, die ihn mal wieder kopfüber in einen Müllcontainer stopfen wollen. Spätestens in zwei Jahren wird er sich auf die Suche nach der Raucherecke machen, um dabei zu sein – allerdings ohne zu rauchen, denn das hat seine Mutter ihm verboten. An dieser Stelle entspinnt sich der eingangs bereits erwähnte Dialog mit der Frage des Mopedfahrers nach des Klassenversagers Geschenk, worauf dieser Bausparvertrag antwortet und dann der Mopedfahrer den Fehler seines Lebens begeht und „Wie uncool“ sagt. Denn er weiß zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er einem nachtragenden und kleinkarierten Kontrahenten gegenübersteht, der nie, niemals vergessen wird. Zu dessen Demütigung trägt natürlich auch das Gelächter der beiden Schneckchen bei.
-----------------Schnitt--------------
Nun befinden wir uns im Jetzt, vermutete 15- 20 Jahre später. Ein Typ mit Jeansjacke, schmierigen Haaren und Zuhältersonnenbrille poliert ein Auto, das seinesgleichen sucht. Leider bin ich nicht in der Lage, das genaue Modell zu bezeichnen. Es handelt sich jedenfalls um ein Fahrzeug, das mit Opel Manta und VW Scirocco um die gleiche Klientel buhlte – jedenfalls nicht um Bausparer. (Leider nicht) einzigartig sind die Rallyestreifen, die das Kraftfahrzeug schmücken. Ein weiterer Mann tritt hinzu: Braunes Sakko, darunter dunkler Pullover, darunter kariertes Hemd, Jeans und ein Gesicht, dass vage an das der Klitschko-Brüder erinnert: „Thomas? Sag mal wohnst Du immer noch hier?“ Der Autopolierer: „Ja, oben bei Mutti!“ „Wie uncool!“ Letzteres spricht der Klitschkoverschnitt mit einem Gesichtsausdruck der mich rasend macht. Es ist eine Mischung aus Arroganz, Genuss und dem Wunsch den anderen zu erniedrigen.
-----------------Schnitt----------------
Unser Freund Klitschko kommt an ein Haus, welches ohne Schwierigkeiten als seins zu identifizieren ist. Es handelt sich um ein schmuckloses Einfamilienhaus in einem gewollt-aber-nicht-gekonnt-Bauhaus-Stil. Nicht fehlen darf, dass zumindest ein Teil des Hauses verklinkert ist. Bezeichnend sind allerdings die Fenster. Sie sind – soweit überhaupt vorhanden – nur schmale Schlitze. Unser Bausparer fristet also sein freudloses Leben in einem - immerhin alleinstehenden, ich habe eigentlich eine Doppelhaushälfte erwartet – Haus ohne Sonnenlicht. Ein Metallzaun sorgt dafür, dass ihm die Mopedfahrer dieser Welt in den eigenen vier Wänden nicht zu nahe kommen können. Als uns der Bausparer nun den Rücken zuwendet, wird eine weitere Befürchtung zur Gewissheit: Er hat an seinem braunen Sakko tatsächlich Lederflicken! Nun noch die Einblendung: „LBS- Wir geben Ihrer Zukunft ein Zuhause“ und schon sind grauenvolle 27 Sekunden um.

---Die Aussage---
Zusammenfassend sei hier also noch mal die Aussage des Spots erwähnt: Gewollt ist wohl in etwa folgende: Bausparen ist zwar spießig, aber wenn man eine harte Kindheit hatte, dann sollte man wenigstens so viel Geld zur Bausparkasse getragen haben, damit man die Nachbarn zukünftig auf Distanz halten kann und nicht für den Rest seines Lebens auch noch außerhalb der Arbeitsstelle gehänselt wird – Nein, jetzt ist schon wieder meine Phantasie mit mir durchgegangen. Also noch mal: Der Spot will wohl aussagen: Wer langfristig vorsorgt und in die zwar etwas spießige, dafür aber sichere und erfolgreiche Anlagemethode Bausparvertrag investiert, der genießt schon frühzeitig – wenn andere nämlich noch bei Muttern wohnen (dafür aber ein Auto haben – eine Garage braucht der Bausparer nämlich scheinbar nicht!) – den Luxus eines Eigenheims.
Für mich sagt der Spot aber tatsächlich folgendes aus: Schuld sind immer die Eltern und die Welt ist ungerecht. Wer sein Kind so auf die Straße lässt und ihm dann auch noch einen Bausparvertrag schenkt, der bekäme die gerechte Strafe, wenn das Kind bis zum Lebensende bei Muttern wohnen würde. Die Welt ist aber nicht gerecht. Stattdessen erfährt der geneigte Betrachter aber, dass Bausparer kleinlich und nachtragend sind. Schließlich hat der Bausparer auch nach über zehn Jahren noch nicht vergessen, wer ihn da mal gehänselt hat. Wirklich erfolgreiche Menschen sollten mehr Größe beweisen. Ein weiteres Indiz für Kleingeistigkeit (und jetzt wird’s psychologisch!) sind die viel zu kleinen Fenster des Bausparerhauses. Oder ist es einfach die Angst, das böse Nachbarskinder hineingucken und böse Streiche machen könnten?

---Mein Fazit----
Wenn ich jemals erwogen hätte, einen Bausparvertrag abzuschließen, dieser Spot hat´s mir gründlich verleidet. Ich gebe zu, vordergründig weist er Spuren von Humor auf, auch die Aussage leuchtet auf den ersten Blick ein. Dieser Bausparer verkörpert allerdings tatsächlich einen Typ Mensch, dem ich am liebsten die schmierige Fresse polieren würde – allerdings greife ich natürlich nicht zu derart unzivilisierten Methoden.
Wer sich bisher erfolgreich dem Spot entziehen konnte und jetzt trotz allem mal sehen möchte, was aus Menschen wird, die viel zu früh mit einem Bausparvertrag in Berührung kommen, der kann sich den Spot hier herunterladen: http://www.lbs-bw.de/UPLOAD_BW/Uncool_LBS.wmv

P.S. Dies ist ein Beitrag zu dem im Rahmen des BBB-Cups (näheres bei Ernst-Savro-Blofeld) veranstalteten „Triells“ zwischen IlkaSehnert, Greifenklaue und mir. Wer abstimmen will, sollte noch die anderen beiden Berichte lesen und seine Stimme dann im GB von Molekül abgeben. Über Kommentare hier freue ich mich aber natürlich auch.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Mr.Beka

Mr.Beka

02.06.2004 02:16

Bin am aufarbeiten ... Stück für Stück ... ;-)

haendler2006

haendler2006

09.03.2004 12:56

sehr guter Bericht!

GringoStar

GringoStar

28.10.2003 16:10

ich find die werbung eigentlich ganz nett, allerdings ist sie nun wirklich schon recht alt...

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