BBB-Cup 1. Runde: LBS – Wie uncool!

2  24.09.2003 (20.10.2003)

Pro:
kurzweylig lustig

Kontra:
eklatanter Mangel an Kreativität und Sinn, wertet menschliche Existenzen untereinander

Empfehlenswert: Nein 

Greifenklaue

Über sich: Die miese zweibeinige Laune der Natur schlägt wieder zu!!! +++ Back from hell +++ Satan schwächelt +...

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Selten hat ciao einen passenderen Namen für eine Kategorie gewählt, obwohl der selbe Spott übrigens auch unter „LBS – Cleverer Rollentausch“ besprochen wird, einzig fragt sich, was daran a) clever und b) wo der Rollentausch ist.

*bittersweet*

/ / / / / Die Handlung – eine Abhandlung \ \_ \_ \_ \_

Spät-68er, in der Nähe einer Kirche, kurz nach der Konfirmation (oder für den katholischen Süden: Kommunion), ein gertenschlankes Jüngelchen Marke Streber schlendert an drei seiner Mitgottesverehrer vorbei, wobei das männliche Exemplar offensichtlich ein Mofa bekommen hat. Das neugierige Individuum, diesmal Typ Presstube, umschwärmt von seinen zwei Bewundererinnen, fragt nach: „Und, was hast Du bekommen!“

Dieser antwortet wahrheitsgemäß: „Einen Bausparvertrag!“ – klar, was darauf folgt, kein, „Und, wie hoch sind die monatlichen raten?“, „Welche Sparsumme?“ oder ein „Und, schon über die Auszahlungsmodalitäten informiert!“, sondern ein „Wie uncool!“. Obwohl ich bezweifeln mag, dass es damals schon zum Wortschatz gehörte, zeigt unserer künftiges Vokuhila-Exemplar (Vorne kurz, hinten lang) seine Mißbilligung, Geld in dieser Wertschöpfungsform verrotten zu lassen.

Jahre später, ein erneutes Treffen, der Moped-Fahrer hat es zu einem japanischen Manta-Schüssel gebracht, von dessem Automobilclub er auch der örtliche Vorsitzende ist – mit der Bänkerlehre hat es offensichtlich nicht geklappt. Gerade führt er seinem Gefährt einer gründlichen Reinigung zu, als unserer ehemaliger Streber vorbeikommt, dem man schon ansieht, dass sein Leben eine positivere Wende genommen hätte, hätte er sich vor zwei Jahren für den Strick und gegen die Auszahlung seines Bausparvertrages entschieden. Nun gut...

Man erkennt sich wieder, der Streber äußert ein „Na, Du wohnst noch hier?“. „Jaa, bei Mutti!“. „Wie uncool!“. na gönnen wir ihm diesen Triumph, eine Retourkutsche nach 22 Jahren... Was soll`s, seit Thomas sich entschieden hat, bei seiner todkranken Mutter zu bleiben und sie zu pflegen, kann er so einen Spruch ertragen, denn, man höre und staune, er ist erwachsen geworden.

Mr. Bausparvertrag schreitet weiter zu seinem Spießbürgerhaus mit einem Vorgarten des Typs, zu welchem ich nicht nur zu Sylvester reinkotze (und zwar ausschließlich zur ästhetischen Aufwertung, wie ich betonen möchte!), seinen Triumph noch einen kurzen Augenblick genießend, bevor die wilden Azzalen ihn wieder an seine geschiedene Frau und den Rest seines kümmerlichen Daseins erinnern...


/ / / / / Alltag – Wie lebt man so??? \ \_ \_ \_ \_

Verfolgen wir unseren speziellen Freund also mal einen Moment weiter. Vielleicht beim einkaufen?

Verstohlen und vorsichtig schiebt er den leicht quitschenden Einkaufswagen durch die erdrückenden Gänge. Zum Glück ist es früh am Morgen, das minimiert das Risiko, hier andere Menschen zu treffen. Schnell sind drei Glas Gürkchen dazugepackt, welche sich sichtlich unwohl neben Schmierkäse, einer Packung Fertigbrot und vier Gläsern Marmelade fühlen. Aber wir, liebe Leser, können nix für sie tun! Schnell ist noch der restliche Einkauf ergänzt durch eine Zeitschrift „Schöner Wohnen und Leben“, dann wird das transportable Warengefängnis zur Musterung, sprich Kasse, vorgeschoben.

„Schönen Guten Tag!“, äußert die freundlich dreinblickende Kassiererin, sie ist noch neu, daher hat sie noch keinen Kontakt zu diesem etwas mürrischen Kunden gehabt, was die versuchte Kommunikationsaufnahme erklären könnte. Vielleicht ist es auch nur Unverbesserlichkeit...

„Gtn Mrgn!“, murmelt er sich in den nichtvorhandenen Bart, ohne den Blickkontakt zur Verkäuferin zu suchen.

Etwas verwundert, sowas hat sie schließlich noch nie erlebt, ist sie mit dem Scannen durch: !19, Euro 87!“

„Ohh, wie uncool!“ hallen ihr da die ersten verständlichen Worte entgegen...

Wie mag es wohl bei der Scheidung gewesen sein?

„Du, ich glaube, nun, wir haben Probleme! Unsere Emotionalität, die Gefühle füreinander, wir müssen wieder... [hier verlassen wir das Gespräch kurz, lieber Leser, aber wir kennen ja die Frauen, ja, möglicherweise, Gott behüte, sind sie selbst diesem Geschlecht zugehörig, daher wissen wir alle, wie dieser halbstündige Monolog weitergeht und vor allem, wie er endet!] ... Und, Thomas, was sagst du dazu?“

„Wie uncool!“

(etwas lauter) „Aus! ES IST SCHLUß! ES REICHT!!! Raus aus meinem, ähh, deinem Haus – ich meine, ich zieh morgen zu Mutter!“

„Ähh, wie uncool!“

Und wenn der Arzt ihm eine schlimme Krankheit diagnostiziert?

Nun, wir können es uns denken...


/ / / / / Die Aussage – Danke für die Warnung \ \_ \_ \_ \_

Sollten sie als Karriereziel Massenmörder favorisieren, bauen sie sich erstmal eine sichere Bleibe mit GROßEM Keller... Oder wie? So ganz koscher ist mir der Typ nämlich nicht... Ach was?

Nun, es geht also darum, dass dem Zuschauer (Ob der Folterknecht zu früheren Zeiten den Gequälten als zusätzliche Verhohnepipelung auch Zuschauer nannte! „Schauen sie, dies ...!“) klar wird, dass ein Bausparvertrag für ihn die richtige Form ist, sein Geld loszuwerd..., ähh, anzulegen. Der Traum vom Eigenheim, den hegen ja genug, und glücklicherweise fördert der Staat dies auch noch weiter, egal wieviel Gebäudeleerstand es gibt und geben wird.

Nun muss aber zudem das Kunststück vollbracht werden, den Zuschauer zur LBS zu locken, bevor, und das ist eminent wichtig, er Gelegenheit hat, sich seriös zu informieren, in einer Zeitschrift wie finanztest etwa, wo die LBS in der Wertung noch hinter „Eben mal ne Finca auf Malle von Jürgen Schneider hochziehen lassen“ liegen dürfte. Peanuts eben.

Schafft sie dass??? Nein!


/ / / / / Fazit \ \_ \_ \_ \_

Gut, einen kurzfristigen Lacherfolg will ich dem Spott zugestehen, bei genauerem Nachdenken stößt er mir aber ziemlich sauer auf, weil er über Menschen wertet und richtet. Cooler Rollentausch? Von wegen!!! Blödsinn von der Stange, Kreativloch der Macher und spätestens nach dem dritten Mal langweilig.

Merke, nur eins haben die Macher hier richtig gemacht, ihr erinnert Euch an die beiden Miezen aus der Anfangssequenz? Und, haben sie was gesagt? Nein? seht ihr...

So, damit hab ich euch nun hoffentlich genug den Tag versüßt und hoffe ihr habt meinen Anfall von Sarkasmus schadlos überstanden... Alsbald...

Eure Klaue!


PS.: In eigener Sache: Wie die Überschrift schon andeutet, es ist die erste Runde des BBB-Cups. Ich trete an gegen IlkaSehnert und firstossi, welche in diesen Minuten (zumindest aber bis 12) ebenfalls ihre Beiträge eingestellt haben dürften. Wenn ihr Lust habt, lest doch alle drei und wertet anschließend im Gästebuch von Molekül. Von allen Abstimmern, insbesondere meinen Vertrauten aber, wird eine faire und neutrale Wertung erwartet. Alles über den BBB-Cup findet man beim Initiator und Turnierleiter Ernst-Savro-Blofeld, Hyperlinks zu den Leuten in meinem Profil.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Tehajot

Tehajot

20.10.2003 18:52

Du verlangst einen qualifizierten Kommentar von mir? Schwierig, diesmal. Unterste Schublade. Da fragt man sich (abgekoppelt von Werbemimik und -gestik), wer von den beiden eigentlich mehr Spaß hat...der Spießer, der den lieben langen Tag in seinem Büro hockt, manchmal von der Sekretärin gevögelt wird und abends in seinen Nazi-Bunker (anders kann man diese architektonische Fehlleistung nicht nennen) zwecks fünfeinhalb Stundenschlaf einkehrt oder Thomas, der am Fließband steht, dort Osterhasen Glöckchen umhängt, abends Gulaschsuppe von der Mutter kriegt und gelegentlich im Traumauto lechzend an Weibern vorbeifährt. Traurige Welt. Eklige Reklame, die uns glauben machen will, in Nazi-Bunkern lebt sichs schöner als bei Muttern. Stimmt vielleicht sogar...

TheUnholy

TheUnholy

03.10.2003 13:00

*gröhl* Wenn der Spott nur halb so gut ... äh cool ... wäre wie Dein Bericht hätte er 5 Sterne *g* ....

Auswanderer27

Auswanderer27

01.10.2003 18:21

Super Artikel! Du hast den Spot klasse erzählt, Dein Unmut Luft gemacht. Erinnert mich irgendwie an meinen Bruder. Der hat hier vor Zeiten auch immer über Werbung palavert. Viele Grüße vom Auswanderer

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