La Roche Tamiflu 75 mg Kapseln

La Roche Tamiflu 75 mg Kapseln

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Tamiflu: Zwischen Hysterie, Wirkung und Vorurteile
Erfahrungsbericht von xaundra über La Roche Tamiflu 75 mg Kapseln
19.06.2006


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Wirksam, wenige Nebenwirkungen
Kontra: Resistenzgefärdet, aufwendige Produktion

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Ich glaube, dass im Jahr 2005 kein anderes Medikament eine vergleichbare Aufmerksamkeit wie das Medikament Tamiflu erfahren hat. Spätestens seit der Begriff Vogelgrippe ein fester Begriff so ziemlich jeder Nachrichtensendung geworden ist, folgte früher oder später der Begriff Tamiflu dicht platziert und erzeugte eine Art Hysterie der ganz unverständlichen Art. Die Folge davon war, dass viele unter uns ein schleichendes Bedürfnis sich damit einzudecken entwickeln haben -als wäre Tamiflu als Vorratsmittel geeignet. Momentan hat sich die Sache beruhigt, dass liegt aber dran, dass im Sommer die Vogelgrippe sowieso keine Hochkonjunktur hat. Der nächste Winter kommt aber bestimmt und die passende Berichterstattung ebenfalls.

Was ist Tamiflu

Viren sind an und für sich Parasiten. Sie können ihre Existenz und vor allem ihre Fortpflanzung ohne die Hilfe von menschlichen Zellen nicht gewährleisten. Sie befallen in der Regel menschliche Zellen und vermehren sich dort. Nach der Reifung verlassen die fertigen Viren die befalle Zelle, die dadurch zerstört wird, und machen sich auf den Weg andere Zellen zu finden und zu befallen. Das Medikament Tamiflu verbirgt in sich den Wirkstoff Oseltamivir. Oseltamivir ist ein Neuraminidase-Hemmer. Die Neuraminidase ist ein Enzym, das den Viren ermöglicht, sich in den Wirtzellen zu verbreiten und ein Neuraminidase-Hemmer sorgt dafür, dass die Neuramidase blockiert wird und somit die Ausbreitung der Viren verhindert. Dadurch kann der Organismus besser gegen den Virus kämpfen. Die Krankheitsdauer verkürzt sich um durchschnittlich einen Tag bei gleichzeitiger Minderung der Symptome und die Häufigkeit des Auftretens von Folgeerkrankungen nimmt signifikant ab.

Selbstverständlich kann das Oseltamivir nicht alle Viren bekämpfen sondern seine Wirksamkeit beschränkt sich auf die Influenza Viren (A und B Typ). Die Influenza Viren verursachen die klassische so genannte "echte" Grippe und haben die schlechte Angewöhntheit, sich schnell Resistenzen zu entwickeln. Das bedeutet, dass der Virus seine Struktur so verändern kann, dass ein Virostatikum ihn nicht mehr angreifen kann. Viren verändern in der Regel mit jeder neuen Generation das Aussehen und die genetische Sequenz ihres Neuraminidase-Enzyms. Nur ein Spalt dieses Enzyms bleibt unverändert. Er ist für die Auflösung der Sialinsäure von Bedeutung und wird von GG167 (Zanamivir) und von GS4104 (Oseltamivir) verstopft. Das Zamamivir ist ebenfalls ein Neuraminidase-Hemmer und ist der Wirkstoff des Medikaments Relenza vom britischen Pharmakonzern Glaxo Smith Kline. Angeblich wäre eine Resistenzentwicklung gegen das Oseltamivir alles andere als wahrscheinlich, doch mittlerweile gibt es Anzeichen dafür und das ist ein zusätzlicher Grund, warum man vorsichtig mit dem Umgang dieses Medikaments sein muss. Immerhin hat es bei den dokumentierten Fällen das Relenza noch gewirkt, dessen Resistententwicklung ist aber auch kein Vorgang der Unmöglichkeit. Hoffnungsvoll sind dagegen Forschungsergebnisse, die darauf hinweisen -ohne es zu beweisen, dass Viren, die durch Mutationen Resistenzen entwickelt haben, weniger widerstandsfähig und damit weniger ansteckend seien.

Echte Grippe versus Erkältung

Immer wieder ein Klassiker der Missverständnisse ist das Unterscheiden zwischen einer Erkältung und einer echte "Influenzagrippe". Man benutz viel zu oft die Begriffe durcheinander und obwohl die Krankheitsbilder einige Ähnlichkeiten aufweisen, es handelt sich um zwei ganz unterschiedliche Geschichten, die eine ganz unterschiedliche Behandlung bedürfen. Die Grippe ist die Folge einer Infektion mit dem Influenza Virus. Es handelt sich um ein akutes Krankheitsbild dessen Verlauf meistens heftiger als der Verlauf einer Erkältung ist. Der Einsatz eines Antibiotikums bei einer reinen Grippe ohne begleitenden grippalen Infekt ist unnötig und überflüssig, weil die Viren von den Antibiotika nicht angegriffen werden können -egal was für ein Breitspektrum diese abdecken können.

Die für eine Influenza-Virusinfektion charakteristischen Symptome sind: Schlagartiger Beginn der Beschwerden, plötzlich einsetzendes Fieber, das heißt von 0 auf 100 bzw. von 36,6°C auf über 40°C. Die Zwischenstufen gibt es nicht. Außerdem treten massive Kopfschmerzen ein (schon durch das Fieber kaum vermeidbar), Müdigkeit, ausgeprägte Muskelschmerzen und Gliederschmerzen, Husten (meistens trocken und stark). Der Rachen ist gerötet und die Nase verstopft. Erwachsene übertragen der Virus bis zu 5 Tagen und Kinder bis zu 7 Tagen nach dem Ausbruch der Grippe. Das heißt, dass während dieser Tage eine hohe Ansteckungsgefahr beim engeren Kontakt mit den Trägern zu befürchten ist. Der Verlauf schwächt in der Regel den Körper der Betroffenen und es dauert locker bis zu 3 Wochen bis die Grippe vorbei ist. Ein sonst gesunder Mensch kann so eine Grippe durchaus fast problemlos überstehen und mit gestärkten Immunsystem weiter leben, aber gerade bei Immungeschwächten, wie chronisch Kranken oder alten Menschen kann eine Grippe von schweren Folgeerkrankungen begleitet werden und seltener aber leider immer noch viel zu oft sogar tödlich verlaufen. Das ist der Grund, wieso seit Jahren verschiedene Wirkstoffen zur antiviralen Vorbeugung bzw. Behandlung entwickelt worden sind. Noch vor 10 Jahren waren Amantatin und Rimantadin zuerst erfolgsversprechend, doch die klinische Erfahrung zeigt, dass der Einsatz beider Wirkstoffen mit dem erhöhten Eintreten von ZNS Nebenwirkungen und häufigen Resistenzerscheinungen in Verbindung steht. Außerdem fehlt beiden die Wirkung auf das Influenza B-Virus. Influenza heißt nämlich nicht gleich Influenza und man unterscheidet zwischen den Typen A und B.

Synthese von Tamiflu

Die Ausgangssubstanz der sechsstufigen Synthese für den Wirkstoff Oseltamivir wird ausschließlich aus echtem Sternanis gewonnen. Hoffmann-La Roche, das Unternehmen, das die Herstellungslizenz für Tamiflu/Oseltamivir hat, benötigt für den Herstellungszyklus des Medikaments mehrere Monate und es ist kein Wunder, dass nach dem explosionsartigen Anstieg des Bedarfs an Tamiflu Roche bis Ende des Jahres 2007 mit der Produktion völlig ausgelastet ist und ein Ende der Geschichte ist schon lange nicht abzusehen.

Therapie mit Tamiflu

Die Übertragung der Influenza erfolgt durch Tröpfcheninfektion oder durch direkten Kontakt. Die Inkubationszeit der Influenza, das heißt die Zeitspanne zwischen der Ansteckung mit dem Influenzavirus und dem Auftreten erster Symptome beträgt 1 bis 3 Tage. Um wirksam zu sein, also um die Symptome einer Virusgrippe zu mindern, wird vom Hersteller vorgegeben und von der allgemeinen Virologie längst bestätigt, dass Tamiflu so früh wie möglich nach Beginn der Symptomatik eingenommen werden muss. Anders gesagt die Wirksamkeit ist umso höher, je früher mit der Therapie begonnen wird. Außerdem kann nach Bedarf das Medikament vorbeugend eingesetzt werden, für diese Anwendung ist aber der Arzt zuständig und nicht der Griff zu der Selbstmedikation. Eine Influenza ist nämlich sehr ansteckend. Personen für die eine Influenza eine besondere Gefahr darstellt und die Kontakt mit einem Influenza-Erkrankten hatten, kommen dann als Anwender in Frage. Zur Behandlung der Grippe werden 5 Tage lang 2 Kapseln täglich empfohlen (1Kps. am Morgen und 1Kps. am Abend) und vorbeugend 1 Kapsel täglich (am Morgen) -am liebsten zusammen mit der Nahrungsaufnahme. Die Dauer der Behandlung muss der behandelte Arzt letztendlich entscheiden und anordnen.

Zu guter Letzt sollte jedem klar sein, das Tamiflu die Grippenimpfung nicht ersetzt. Obwohl ich auch kein Fan der Impfung bin, diese ist für die besonderes gefährdeten Gruppen von älteren Menschen mit angeschlagener Gesundheit, Herzkranken wie auch Immungeschwächten durchaus empfehlenswert und sie hält natürlich nicht ewig. Jährlich verursachen andere Variationen der Influenza-Erreger die Grippe-Wellen. Die Impfung wird jedes Jahr genau darauf abgestimmt, um effektiv zu sein, und kann gegen eine neue Mutation der Virus keine Wirkung zeigen. In diesem Fall muss der Impfstoff für die erfolgreiche Immunisierung an die jeweils aktuellen Influenza A- und B-Viren erneut angepasst werden. Es sollte jedem klar sein, dass Neuraminidase-Hemmer eine Infektion mit Influenza nicht verhindern sondern nur den Verlauf lindern könne. Das Präparat Oseltamivir wirkt nicht viruzid sondern nur virostatisch und reduziert gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Ausbreitung der Influenza im häuslichen Umfeld. Dies wird durch eine Verminderung der Virusausscheidung über die Nase erklärt, die vor allem für die Weitergabe der Infektion verantwort¬lich ist.

Wirkungsweise

Ich gebe hier kein Pharmakokinetikunterricht -ich erwähne nur das Wichtigste so verständlich ich kann, und wer es mag, darf es genauso gut überspringen:

Das Oseltamivir wird eigentlich oral als Oseltamivirphosphat aufgenommen und ziemlich schnell im Magen Darm Trakt resorbiert damit dann überwiegend durch hepatischen Esterasen (Spaltungsenzyme der Leber) fast vollständig in den aktiven Metaboliten Oseltamivircarboxylat umgewandelt zu werden. Die orale Bioverfügbarkeit beträgt somit 75% -anders gesagt mindestens 75% der oralen Dosis gelangen als aktiver Metabolit in die systemische Zirkulatton. Der maximale Plasmaspiegel wird nach 2 bis 3 Stunden erreicht und die Halbwertzeit beträgt 6 bis 10 Stunden. Die virostatische Wirkung erfolgt durch die selektive Hemmung der Neuraminidasen von den Influenzaviren, die die Wirtszelle nicht mehr durch die Auflösung der Sialinsäure, welche deren Plasmamembran bedeckt, zerstören können. Die replizierten Viren bleiben in der befallen Zelle drin und können keinen weiteren Schaden anrichten. Die Plasmaproteinbildung des Oseltamivir ist vernachlässigbar und liegt bei etwas 3%. Der Abbau erfolgt nicht hepatisch und kann durch die Gabe von Probenecid verzögert werden. Diese Tatsache ist allerdings noch nicht zum Einsatz gekommen, um die wirksame Dosis durch die verlängerte Wirkungsdauer zu reduzieren. Das Oseltamivir wird nicht weiter verstoffwechselt sondern durch den Urin ausgeschieden.

Die Medikation von Tamiflu

Neuraminidasehemmer sind rezept- und apothekenpflichtig; die Verordnung erfolgt über den behandelnden Arzt und bitte nicht nach Selbstmedikation. Verabreicht wird das Tamiflu in Form von gelbweißen Hartkapseln. Eine Blisterpackung liefert 10 Kapseln. Jede einzelne Kapsel enthält 98,5mg Oseltamivirphoshat -das entspricht 75mg des Wirkstoffes Oseltamivir. Die sonstigen Bestandteile des Kapselinhalts sind: Vorverkleisterte Stärke (aus Mais), Talk, Polividon, Croscarmellose-Natrium und Natriumstearylfumarat. Die Kapselhülle besteht aus Gelatine, Eisenoxidhydrat (E172), Eisen (III)-oxid (172), Eisen (II,III)-oxid (E172) und Titandioxid (E171). Jeder Kapsel trägt noch den Namen des Inhalts an sich -vor allem um vor Imitaten zu schützen, es ist aber ein Kinderspiel sollche Hüllen bereitzustellen. Wieso? Ich erkläre es gleich. Die Drucktinte besteht aus Schallack, Titandioxid (E171) und Indigocarmin (E132). Nichts Weltbewegendes eigentlich und sollte jemand genau wissen wollen, was das ganze Zeug dazu soll, sollte mich entweder fragen oder einen Gallenikkurs besuchen.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen können auftreten, müssen aber nicht. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen und Magenschmerzen -keine gehört also zu der Kategorie der gravierenden Nebenwirkungen, deren Wirkung nach dem Absetzten der Medikation weiterhin andauert. Trotzdem können die Symptome unangenehm werden und am wenigsten treten diese auf, wenn das Tamiflu nicht auf einen leeren Magen trifft. Seltener können allergische Reaktionen auftreten sowie eine Verschlechterung bereits bestehender Erkrankungen der Atemwege.

Nachdem das Tamiflu auch für Kinder vom 1. bis zu 12. Lebensjahr freigegeben worden ist, gab es vereinzelte Berichte über das Auftreten von Krankheitsbildern, die auch durch die Virusgrippe verursacht werden können. Sicherheitshalber gibt aber Roche die Liste weiter und diese enthält: Durchfall, Ohrenentzündung, Lungenentzündung, Nasennebenhöhlenentzündung. Bronchitis, Verschlechterung bestehender Asthmas, Nasenbluten, Ohrenerkrankung, Hautentzündung, Lymphknotenschwellung und Bindehautentzündung. Für Kinder gibt es Tamiflu als Suspension, damit diese die großen Kapseln nicht schlucken müssen! Letztendlich sei noch gesagt, dass Tamiflu geringe oder gar keine Auswirkung auf die Verkehrstüchtigkeit hat.

Wechselwirkungen

Laut Beipackzettel Tamiflu kann zusammen mit Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure (Aspirin) eingenommen werden, wobei gelegentlich in der Fachliteratur als Wechselwirkung eine Verringerung der Wirksamkeit der Medikamente beschrieben wird. Sonst sind bedeutende negative Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eher unwahrscheinlich.

Gegenanzeigen

Es gibt einige unter uns, die mit der Teilnahme von Tamiflu vorsichtig sein sollten. Ungeeignet oder nur bedingt geeignet ist das Tamiflu also bei chronischen Atembeschwerden und Asthma, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei Nierenfunktionsstörung (das Oseltamivir wir ja über die Niere ausgeschieden!) wie auch bei Patienten mit Abwehrschwäche und/oder mit schlechtem Allgemeinzustand. Mittlerweile ist Tamiflu für Kinder ab dem 1. Lebensjahr zugelassen, doch Vorsicht ist immer noch angebracht bei Kindern unter 12 Jahren; es fehlen vor allem langfristige Studien und es gibt vereinzelte Berichte über Spätwirkungen, deren Ursache allerdings nicht bestätigt werden konnten. Besondere Vorsicht ist auch während der Schwangerschaft angebracht. Während der Schwangerschaft und der Stillzeit sollte das Medikament möglichst nicht angewendet werden, es sei denn, Ihr Arzt hält dies für unbedingt erforderlich.

Problematik Epidemie

Tritt der Influenzagrippe sehr oft in einem örtlich begrenzten Gebiet ein, kann man von einer Epidemie reden. In Mitteleuropa treten Grippe-Epidemien in der Regel im Winter auf und dauern ca. 6-8 Wochen. Das ist nichts besonders. Wegen des selbstlimitierenden Verlaufes einer Influenza reicht die bloße symptomatische Behandlung bei Gesunden normalerweise vollkommen aus.

Problematik Pandemie

Das Gespenst der Pandemie geistert seit Jahren eigentlich rum, denn Statistiker und Virologen warten bis es so weit ist, damit deren Aussagen bestätigt werden. Ob es in 2 Monaten, in 2 Jahren oder in 2 Jahrzehnten dazu kommt, weiß nur der Zufall -sonst niemand. Eine Pandemie ist eine länderübergreifende oder in Extremfall sogar global auftretende Epidemie. Das Wort Pandemie ist aus dem griechischen Wörtern pan (alles) und demos (Volk) zusammengesetzt. Dazu kann es kommen, wenn die aviäre Influenza, die durch so genannte Highly Pathogenic Avian (HPA) Influenza-Viren verursacht wird und als Vogelgrippe ihr Unwesen betreibt auf die humane Influenza Grippe trifft. Normalerweise besitzen diese Vogelgrippe-Viren nicht die Fähigkeit, effizient von Mensch zu Mensch überspringen zu können. Normalerweise wohl gemerkt, denn es hat immer wieder Ausnahmen gegeben, die dann zu Pandemien geführt haben. Der menschliche Influenza Virus kann bekanntlich von Mensch zu Mensch übertragen werden. Der Vogelgrippevirus kann das nicht. Eine Übertragung des letzteren vom Tier zu Mensch ist dagegen möglich und in Regionen wo mangelnde hygienische Zustände herrschen mehrmals passiert. Im aktuellen Fall handelt sich um den gefährlichen hochpathogenen A/H5N1 Virus. Sollte ein humaner Influenzavirus auf einen A/H5N1 treffen, kann dieser so mutieren -also seine Antigenstruktur verändern, dass das Ergebnis von Mensch zu Mensch übertragen werden kann -eine natürlich Immunität dagegen ist nicht vorhanden und die Pandemie hat begonnen.

Rechtsstreit

Weil die Entwicklung des Tamiflu keine reine Roche Angelegenheit war, sondern erst durch das US-Biotechnologie Unternehmen Glied in Gang gesetzt worden ist, gibt es momentan immer noch Probleme. Das von Glied entwickelte Wirkstoff musste über die Lunge inhaliert werden, und erst die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Unternehmen Hoffmann-La Roche (kurz gesagt Roche) fuhr zu der kompatibleren Kapselform bzw. zu der oralen Medikation. Es gab natürlich Verträge, doch offenbar hat niemand bei Glied gedacht, das der entwickelte Neuraminidase-Hemmer namens Tamiflu nach der WHO Empfehlung hilfreich in Rahmen einer Pandemie sein zu können, ein derartiger Verkaufsschlager werden würde. Seit einiger Zeit gibt es also Streit um die Lizenz. Tamiflu ist als ein Produkt von Roche zugelassen, die für die Produktion und den Vertrieb zuständig ist und Glied bekommt prozentuale Gebühren für die Lizenz der Entwicklung an sich. Glied will offenbar diese erhöhen, was angesichts der immensen Nachfrage äußerst logisch ist.

Einsatz in der Prophylaxe

Das Medikament kann wie gesagt eingeschränkt zur Vorbeugung eingesetzt werden. Die Gründe dafür können mehrere gesicherte Influenzafälle im Umfeld sein oder wenn eine Impfung bei einer gefährdeten Person vorher aus medizinischen Gründen nicht durchzuführen war. Von allgemeiner prophylaktischer Gabe ist aufgrund der möglichen wenn nicht bereits stattgefunden Resistenz gegenüber Oseltamivir abzuraten. Die Nebenwirkungen sind zwar nicht gravierend jedoch immer noch nicht ohne und was in Fall einer Pandemie sein wird, weiß kein Mensch vorher. Alle bisherigen Studien zu Oseltamivir basieren auf den zirkulierenden Influenzavirenstämmen der vergangenen Jahre. Ob und in welchem Ausmaß Oseltamivir gegen ein bislang unbekanntes Pandemievirus wirksam ist, bleibt ebenso offen wie die Frage nach möglichen Resistenzbildungen. Es gibt definitiv keine einzige eindeutige Studie und es kann ziemlich schwer eine geben, da der mögliche Super Virus erst entstehen muss, damit die Wirkung eines Neuraminidasehemmers in diesem Fall geprüft werden kann. Sein Einsatz wird sicherlich nötig sein, um die Zeit bis zur Entwicklung eines geeigneten Impfstoffs zu überbrücken. Möglich scheint allerdings ein milderer Verlauf der Pandemie beim Einsatz von Tamiflu und alles zusammen hat die WHO (Weltgesundheitsorganisation) veranlasst, den einzelnen Staaten einen Versorgungsvorrat von 25% der Bevölkerung anzulegen -für den Fall der Fälle. Roche kommt allerdings aufgrund der aufwendigen Produktion schon jetzt nicht nach mit der Produktion, und weil das Tamiflu nun mal nicht unbegrenzt haltbar ist, ist die Angelegenheit ziemlich gewinnbringend für das Unternehmen und äußerst kostspielig für die einzelnen Staaten selbst.

Hysterie

Hysterie ist so gut wie immer unseriös. Es gab während der vergangenen Monate eine unvergleichbare Aktion in Bezug auf das Tamiflu. Eigentlich es gibt genügend Tamiflu auf dem Markt. Das Medikament ist aber rezeptpflichtig und kein seriöser Arzt schreibt Tamiflu auf Vorrat. Nichtsdestotrotz haben tausende von Patienten nachdem ihre Hausärzte sich verweigert haben, grundlos Tamiflu zu verschreiben, versucht das Medikament sogar über Ebay zu verschaffen -für ziemlich hohen Geldsummen. Eine Packung Tamiflu mit 10 Kapseln drin kostet nach der Roten Liste 33,36€ und keine 100€ oder mehr. Außerdem sollte man Medikamente nie von Unbekannten ordnen, denn Fälschungen sind keine Seltenheit und man kann Tamiflu ziemlich einfach fälschen.

Haltbarkeit

Das Tamiflu ist 5 Jahre haltbar bei durchschnittlicher Zimmertemperatur.

Fazit

Das Oseltamivir kommerziell als Tamiflu unterwegs ist sicherlich ein notwendiges und wirksames Medikament -wenn man es tatsächlich braucht. Es handelt sich um weder um bunte Bonbons noch um Vitaminen. Nur wer es braucht, sollte es einnehmen. Gesunde können eine typische Influenza Grippe ohne weiteres überstehen; Patienten mit angeschlagener Gesundheit nicht immer. Der Rote Liste Preis ist für ein Patentmedikament fast angemessen und wenn man es mit Rezept holt sowieso kein Weltuntergang. Ich würde allerdings dringend allen abraten, das Tamiflu durch dubiose Netzanbieter zu verschaffen. Das was in der Kapsel dann steckt, ist vielleicht nur Puderzucker!


PS: Ich habeTamiflu selber noch nicht geschluckt, ich habe es bislang aber zumindest 100 Patienten verschrieben und die Wirkungen und Reaktionen waren alle im Rahmen des Erwartenden. Persönlich habe ich zwar 2 Packungen Tamiflu im meinen Medikamentenschrank als Vorrat, meinen Mann und ich gehören aber zu einer gefährderen Personegruppe und nach einer Infektion sollen wir schleunigst zumindest nicht mehr infektiös sein, was dessen Einnahme in diesem Fall fast erforderlich macht. Sollte ich je eine Influenza während eines Urlaubs bekommen, werde ich bestimmt keine einzige gelbweiße Kapsel anfassen -geschweige denn schlucken!

   

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