Zum letzen Mal per Anhalter
18. Apr 2003
Pro:
Ein Nachruf vom Verstorbenen verfasst
Kontra:
Leider sein allerletztes Buch
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
mehr
 Raileigh
Über sich:
Reisetexte, Musik-, Bücher- und Filmkritiken, alles mit subjektivem Verbraucherempfinden. Viel Spaß ...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 45 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Er war einer der größten Schriftsteller der Gegenwart. Oder kennen Sie noch jemanden der Bestseller schreibt und fast zwei Meter groß ist? Douglas Adams hat nur eine bescheidene menge an Büchern geschrieben, trotzdem zählt er selbst unter den Kultautoren zu den Kultautoren. Die Titel seiner Sci-Fi-Romanreihe "Per Anhalter durch die Galaxis" werden heute als geflügelte Worte gebraucht. Es gibt wohl kaum Buchtitel, die bekannter sind, als beispielsweise "Das Leben, das Universum und der ganze Rest", ein Formulierung mit der man auf umständlichste Art und Weise, das Wort "alles" umschreiben kann.
Douglas Adams führte vor, wie wenig ernst man Sci-Fi nehmen kann, ähnlich wie Tom Holt und Terry Pratchett dies mit der Fantasie tun. Sein schönstes und wichtigstes Buch jedoch verkaufte sich bisher am schlechtesten. "Die Letzten ihrer Art" eine Reise zu den bedrohten Tierarten dieser Welt ist ein Musterbeispiel für ein Hand in Hand gehen von Engagement und Entertainment. Dank der Öffentlichkeit, die einige der Rettungsprojekte erfuhren, die Douglas Adams beschrieb, konnten Gelder freigesetzt werden, die einigen
Tierarten das Aussterben vorerst ersparten. Der Kakapo, ein unmöglicher, trauriger, flugunfähiger Vogel in Neuseeland z.Bsp. Von ihm gab es nur noch vierzig Exemplare und die waren stark gefährdet, weil sie keine Ahnung mehr hatten, wie sie sich vermehren sollten. Mittlerweile ist der Bestand auf 65 gestiegen. Mehr dazu in meinem Bericht zu diesem Buch.
Im Mai 2001 starb Douglas Noel Adams im Alter von nur 49 Jahren mindestens 40 Jahre zu früh. Er hatte sich seit seiner Erfahrung mit den aussterbenden Tieren für die Evolutionstheorie interessiert. Da ist es schon bemerkenswert, dass seine Initialen D.N.A. lauten. Nach seinem Tod begannen seine Frau und seine unmittelbaren Freunde die Festplatten seiner diversen Computer zu sichten und trugen dabei einiges an Material zusammen, das bisher unveröffentlicht geblieben ist. Unter anderem fanden sie neben zahlreichen Zeitungsartikeln und Interviewaufzeichnungen elf Kapitel die zu einem neuen Anhalterbuch gehören sollten. Das Buch sollte "Lachs im Zweifel" heißen. Da Adams es nicht mehr Fertigstellen konnte, beschlossen sein Verleger und seine Freunde das Buch ohne seine Zustimmung herauszubringen und es mit den besten kurzen Gedanken, Reden und Notizen aufzufüllen, die auf seinen Festplatten zu finden waren. Aufgebaut ist das Buch "Lachs im Zweifel" wie seine Website, nämlich in die Kapitel: "Das Leben", "Das Universum" und "Der ganze Rest".
Im ersten Teil: "Das Leben" sammeln sich Geschichten über die Verhaltensweisen der Menschen und Freunde, Geschichten über Hunde, die ihn ignorieren und Reisebeschreibungen, einem Bereich, von dem ich von ihm viel mehr hätte lesen wollen. Es berichtet von seinem Freund Graham Chapman, dem Python-Mitglied, darüber warum man nicht auf einem Rochen reiten sollte und warum der Kilimandscharo eigentlich der höchste Berg der Welt ist. Im zweiten Abschnitt: "Das Universum" setzt er sich mit technischen Themen auseinander. Wie Computertechnik und Evolution zusammenfinden, warum er an die Nichtexistenz eines Gottes glaubt und Religion trotzdem für eine wichtige Sache hält.
"Der ganze Rest" beinhaltet die elf Kapitel seines geplanten sechsten Anhalter-Buches. Da Douglas Adams keine Gelegenheit hatte, die Texte zu revidieren, logisch, er hatte ja nicht einmal Kenntnis von deren Veröffentlichung, wirkt dieses Buch logischerweise etwas unfertig. Doch gerade dadurch blitzt die Genialität seiner Gedanken klarer auf, als in den Büchern, in denen seine zum Teil abstrusen, zum Teil extrem treffsicher pointierten Metaphern bereits in allerhand bunten Umschmückungen versinken.
"Lachs im Zweifel" ist ein Schatzkästchen mit Gedanken die Adams klar und unverschmutzt wie ein isländischer Bergsee vor dem Leser ausbreitet. Warum ich Adams so mag, werde ich gefragt.
Nun, einmal, weil Adams mit "Die Letzten ihrer Art" für mich eines der wichtigsten und erkenntnisfördernsten Bücher überhaupt geschrieben hat (diese Erkenntnis gilt in diesem Zusammenhang nur für mich, andere mögen anderes vorziehen), zu anderen, weil ich Schachtelsätze mag und wenn jemand in der Lage ist einen Satz zu formulieren, dem man auch am Ende noch folgen kann, obwohl man mittlerweile bereits zweimal umgeblättert hat, so ist das schlichtweg atemberaubend und verdient den Begriff literarische Kunst zurecht, wobei ich zu meiner Enttäuschung anmerken muss, das diese Kunstbegriffzuordnung einer Inflation unterliegen, die bereits peinlich ist, da sie auch Rappern zu teil wird, wie unlängst nach der Oscarschenkung an den Rapper Eminem, der ebenfalls als Künstler bezeichnet wurde, was er allerdings nicht ist, wenn sie verstehen, was ich meine. "Lachs im Zweifel" in ein imposanter, alles erklärender Nachruf auf einen großen Denker und hervorragenden Autor, wobei der Verstorbene in dem Fall auch der Verfasser ist.
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20.03.2005 16:49
Nein, die Beurteilung von "Die Letzten ihrer Art" - damit stehst Du ganz und gar nicht alleine! Ich habe erst jetzt "Lachs im Zweifel" in der Hand und freue mich schon sehr darauf, es zu lesen...
15.08.2003 15:03
Ich lese das Buch gerade im englischen Original, da kommt sein Wortwitz noch viel besser zum Ausdruck. Ja, leider ist er viel zu jung gestorben. Er hätte sicherlich noch viele großartige Bücher geschrieben.
14.06.2003 00:39
Hast du das Buch wirklich gelesen? Ich habe meinen (Lachs im) zweifel, denn die Inhaltsbewertung fällt doch recht kurz aus. Dafür ist das Drumherum amüsant gelungen. VG; mima