Fahrzeugbewertung des Autors:
| Pro: |
Billig : Anschaffung, Verbrauch (als Gasfahrzeug) |
| Kontra: |
Billigst : Passgenauigkeit, Passgenauigkeit, Passgenauigkeit - ok und Bremsen, Verarbeitung, innere Qualität |
Ok, es gibt natürlich auch noch andere letzte Abenteuer, aber keines das mit dieser wunderbaren Sicherheit mit Mangelerlebnissen verbunden ist, wie der Besitz eines Lada.
Wieso gabs den Lada für mich?
Als bekennender Schwabe besitzen für mich Occassionen seit jeher - Geiz ist geil, war da noch unbekannte Parole - eine ungeheure erotische Anziehung. Hinzu kam, daß ich mich für Gasantrieb interessierte, Lada einerseits serienmässig damit bestellt werden kann, andererseits billig genug ist - mein Bauchgefühl jedenfalls verlangte dieses minimierte Investitionsrisiko - daß nicht allzuviel kaputt geht, wenn denn der Gasantrieb doch nicht so gut funktioniert, wie er denn funktionieren sollte.
Es gab dann allerdings doch keinen serienmässigen, denn viel billiger war die Tageszulassung bei einem Händler mit nachträglicher Aufrüstung mit einer Prins LPI-Anlage.
Aber das soll nicht Thema sein, denn es geht ja um den Lada als solchen.
Es ist der 16V. Ich dachte mir, wenn schon Lada, dann aber richtig sportiv! ;o) Für die angegebenen 90 PS fährt sich der Lada mit nur 1065 kg Eigengewicht etwas, äh, altväterlich. Aber gut, es sollte ja ohnehin nur ein Sparmobil sein und das in allen Facetten.
Der Benzinverbrauch hätte mich nicht wirklich gereizt, da gibt es erheblich bessere Verbräuche und ein Unterschied von 2 Liter bei 150.000 km (so lange hoffe ich hält auch ein Lada) sind schliesslich auch eine Preisdifferenz von gut und gerne € 4500. Der Lada mit seiner eher wenig ausgeprägten Sparsamkeit (wir reden immernoch über ein nur 1065 kg schweres Auto!) wäre nicht wirklich in Frage gekommen.
Erotisch wurde er für mich nur durch den Gasantrieb. Nach dem Motto wärst Du nicht hinter der Strassenbahn hergerannt, um nach Hause zu kommen, sondern gleich hinter dem Taxi - Du hättest viel mehr gespart! Wer relativ viel verbraucht, spart natürlich auch relativ viel, wenn Benzin durch Autogas ersetzt wird. (Die ca. 7-8 L Autogas, die ich bei gestreicheltem Gaspedal erreiche, ergeben im Schnitt rund € 5.- Treibstoffkosten pro 100 km, das ist durchaus ok und liegt noch unter meinem alten Diesel. Das liegt aber an der Gasanlage, dem Steuerrecht - und nicht am Lada).
Nun aber endgültig zum Thema Lada an sich:
ich gewinne bereits am ersten, stärker jedoch am zweiten und nachhaltig am dritten Tag des Erstbesitzes den unwiderlegbaren Eindruck beim Lada 21114 handele es sich um die russische Antwort auf den R4.
Was optisch so aussehen will, als böte es rudimentären Luxus, entpuppt sich als rudimentäre Qualität, die dem legendären R4 in Spartanik in nichts nachsteht (ehemalige R4-Liebhaber mögen mir den Vergleich nachsehen, der R4 war wirklich stabil und zuverlässig)!
Alles was auch nur entfernt mit dem Thema Passgenauigkeit in Zusammenhang zu bringen ist, passt - eben eher nicht!
Die Kunststoffteile sehen nicht nur billig aus,sondern sind es auch und besitzen zudem nahezu überall scharfe oder schlecht bearbeitete Kanten, die jedem Drittweltmodell zu Ehren gereichen würden.
Ok, der Preis, ich weiss...
Thema Schlösser:
Die Zentralverriegelung muss einen eingebauten Blinker besitzen: tut, tut nicht, tut... - naja, jedenfalls gelegentlich, lässt sich nur an der Fahrertür bedienen, die Türschlösser sind hakelig, das Heckklappenschloss klemmt, da ist der Umstand, daß die Türen mit einem eigenen Schlüssel geöffnet werden und dafür der Tankdeckel gar nicht abschliessbar ist, nur noch Beiwerk. Ok, der Preis, ich weiss...
Thema Rückspiegel:
Aus unerfindlichen Gründen - stylish sowieso unmöglich, aber auch praktisch eher verstörend, blau gefärbt (aussen) - besitzen immerhin einen gewissen Blendschutz nachts. (Die Blendschutzmechanik des Innenspiegels klappt dafür nie exakt in die richtige Position und muss nachjustiert werden.)
Immerhin sind die Aussenspiegel aber von innen verstellbar über eine Handmechanik für die man vermutlich ein Jahrzehnt auf einer russischen Raumfähre Dienst getan haben muss, um sie wirksam bedienen zu können. Dabei bilde ich mir durchaus ein nicht zu den Grobmotorikern zu gehören. Ok, der Preis, ich weiss...
Thema Schaltung:
Das ist nun wirklich kein Joystick, sondern eine einzige hakelige Angelegenheit, der Rückwärtsgang geht oft erst auf den zweiten oder dritten Anlauf. Ok, der Preis, ich weiss...
Thema Rückbank:
Wie der real existierende Sozialismus seelig, eben eine gutgemeinte Idee, an der Umsetzung haperts dafür an nahezu jedem Detail. Die Rückenlehnen klemmen und lassen sich nur schwer entriegeln. Ok, der Preis, ich weiss...
Thema Serviceheft:
Nicht nachvollziehbar schweigsam gibt sich das Heft, ausser Wartungsintervallen ist nirgendwo nachlesbar was wann und wie oft zu warten wäre.
Auf Nachfrage beim Hersteller erhalte ich diese russisch sybillinische, radioeriwaneske Antwort: "Ihre Frage hinsichtlich der Wartungsintervalle können wir nicht
nachvollziehen. Laut unseren Kundendienstheften sind die
Intervalle vorgeschrieben. Welche Arbeiten jeweils ausgeführt
werden sollten, ist den LADA-Vertragshändlern bekannt."
Aha, ich kenne keinen anderen Hersteller, der sich hier so bedeckt hält, wozu soll dies gut sein? Pfusch verdecken, tarnen und täuschen?
Natürlich will ich als Kunde wissen, was die Vertragswerkstatt für ihr Geld tut, schliesslich sagte schon der grosse russische Führer Lenin: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Und wer hätte es besser wissen müssen als er?
(Nachtrag: heute habe ich ein einseitiges Fax erhalten mit den Angaben, wie sie in jedem Serviceheft normalerweise abgedruckt stehen - na bitte, es geht doch! ;o)
Alle 15.000 km Ölwechsel, Bremsflüssigkeit alle 45.000, Zahnriemen alle 45.000, Kraftstofffilter alle 60.000, Getriebeöl alle 75.000. Wieso muss man daraus ein Geheimnis machen?
Ist doch im grünen Bereich.
Thema Haltbarkeit:
Bereits kaputt sind ...
Abblendschalter (lässt sich nicht (mehr) in der dafür vorgesehenen Öffnung einklipsen, nicht ganz so schlimm, er fällt, wohl weil ein geneigter russischer Ingeniör ihn offensichtlich mit angebrachter Weitsicht leicht nach oben geneigt konstruiert hat, zumindest nicht heraus).
Zigarettenanzünder (der Zündereinatz ist so billig konstruiert, dass die Feder klemmt, was wohl zu dem Masseschluss geführt hat, immerhin muss man keine Kabel abklemmen, sondern den Zigarettenanzünder durch Abstecken einer Steckverbindung die man nach einigem Suchen hinter der Plasteverkleidung findet, vom Bordnetz trennen - sonst tut nämlich auch das Radio nicht, da am selben Sicherungskreis angeschlossen).
Scheibenwischer (fällt bereits am zweiten Tag aus, mangelnde Qualitätskontrolle hat übersehen, dass die linke Schraube nicht ausreichend festgezogen war. An sich nicht schlimm, nur wer geht davon aus, daß er bereits am zweiten Tag einen Satz Gabelschlüssel mitführen muss, damit ihn plötzlich einsetzender sintflutartig platternder Regen nicht in der Parkbucht gefangen hält und das, wenn er auf Kundentermin muss?)
Tageskilometerzähler (wie der km-Zähler elektronisch, zählt einwandfrei und sehr genau, leider lässt sich das redundante Teil schon nicht mehr auf Null stellen - falls es denn jemals funktionierte)
Rücklichter (beinhalten bereits einen gut sichtbaren Hauch Kondenswasser)
Viele Metallteile (im Innenraum!) besitzen an einigen Stellen bereits Flugrost, wie der dahin kommt bleibt wohl für immer ein Rätsel, ein Lada ist ja kein Atom-U-Boot.
Das lässt sich - so denke ich - über die Herstellergarantie regeln, nur daß es schon vor der Erstinspektion passiert ist nicht eben gewöhnlich. Ok, der Preis, ich weiss...
Ja, wenn der nicht wäre, man würde sich nur ärgern.
So keimt zumindestens gelegentlich klammheimliche Freude auf. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist jedoch nicht wirklich günstig, sondern allenfalls optisch. Ein Gasauto - "ladenneu" - für unter € 10.000, das sieht schon erst mal nach echtem Schnäppchen aus.
Doch verhältnismässig schlecht sind die Verarbeitung, die Passgenauigkeit, die Bedienbarkeit, eigentlich die gesamte innere Qualität.
Das Fahrverhalten ist kleinwagentypisch träge - allerdings hält sich hier meine Enttäuschung in Grenzen, ich will das Auto ja ohnehin nur sparsam bewegen.
Da stört es dann eher dass der Motor aus dem Drehzahlkeller heraus nicht aus dem Quark kommt, vierter und erst recht fünfter Gang sind lang übersetzt, was sparsame Fahrweise konterkariert.
Was mich ein wenig versöhnt, die Gasanlage ist echt erste Sahne, lässt sich ruckelfrei während der Fahrt von Benzin auf Gas und zurück stellen, schaltet nach dem Start nach wenigen 100m zu und ersetzt von den Verbrauchskosten her meinen alten Skoda Felicia Saugdiesel, der schwerer war, nur 2/3 Nenn-PS besass, aber agiler bewegt werden konnte.
Naja, man kann nicht alles haben, Sparsamkeit in allen Facetten bedeutet eben Sparsamkeit an der Qualität, es gibt nichts, was man nicht noch etwas billiger herstellen könnte, wenn man die Qualität verringert.
Der Lada ist ein leuchtendes Beispiel für diese Theorie.
Insgesamt bleibt der Eindruck, man habe wollen gewollt, aber nicht können gekonnt, den es gibt durchaus auch positive Ansätze:
gar nicht erwartet hätte ich so praktische Kleinigkeiten wie elektrische Fensterheber vorn, elektrische Heckklappenentriegelung, elektronische Wegfahrsperre, Sicherungskasten öffnet auf Knopfdruck, Gasdruckfedern für Motor- und Heckklappe, gut zugängliche Entriegelung für Motorhaube, Dreipunktgurt für mittleren Rücksitz, geräumiges Handschuhfach (kein Airbag lässt Platz!), erstaunlich stabile Dachreling.
Negativ fällt dagegen auf: schwer zugängliche Sitzverstellung, wirklich kleine Staufächer in den Seitentüren, die Stellmotoren der elektrischen Fensterheber sind aus unerfindlichen Gründen unterschiedlich schnell - der rechte gewinnt immer!
Wie gesagt: eines der letzten großen Abenteuer für Sparensmänner! ;o)
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