Lada 2112 1.6 Li

Lada 2112 1.6 Li

Mittelklasse - Limousine mit Schrägheck - Benzin mehr

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"Was will man mehr" - mit diesem wirklich passenden Werbeslogan versucht, die wohl meist verachtetste Automarke Lada in Deutschland wieder Fuß zu fassen. Mit den drei neuesten Modellen 110 (Limousine), 111 (Kombi) und 112 (Coupé) gönne ich ihnen das wirklich, denn diese Modelle haben nicht ... Bericht lesen





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Was will man eigentlich mehr?
Erfahrungsbericht von Weserspucker über Lada 2112 1.6 Li
30.06.2001


Fahrzeugbewertung des Autors:   


Pro: Sehr schönes Design, gute Verarbeitung, tadellose Motorleistung
Kontra: schwache Bremsen

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Fahrbericht

"Was will man mehr" - mit diesem wirklich passenden Werbeslogan versucht, die wohl meist verachtetste Automarke Lada in Deutschland wieder Fuß zu fassen. Mit den drei neuesten Modellen 110 (Limousine), 111 (Kombi) und 112 (Coupé) gönne ich ihnen das wirklich, denn diese Modelle haben nicht nur ein sehr modernes Erscheinungsbild, sondern sehen auch von innen sehr gut aus. Das mögen andere anders sehen, ich seh es aber so. 2002 kommt dann auch nach 20 Jahren endlich mal der neue Niva. Es wird offengesagt auch höchste Zeit.

Ich habe vor kurzem den Lada 112 probegefahren. Ich wollte halt mal einen Lada fahren, denn die neuen Modelle finde ich äußerst sympathisch. So kam es also, dass ich mich zum nächsten Lada-Händler begab. Das äußere Erscheinungsbild dieses Händlers machte nicht gerade einen einladenden Eindruck. Von Neuwagen sah man zunächst nichts, eine Ausstellungsfläche war nicht vorgesehen. Doch dann stand in so einer Unterführung, die in so eine Art Hinterhof führte, ein einsamer Lada 111. Leider war es zu dunkel, um mal in den Innenraum zu linsen, doch vom äußeren machte er einiges her. Dass Lada solche Autos bauen würde, hätte ich nie gedacht. Der Händler dort war nicht gerade gesprächig. Ein ruhiger, behäbiger Mann erledigte zunächst ein paar Sachen und führte mich dann zum Vorführwagen, dem Lada 112. Naja, nun mal zu meinen Eindrücken und Erfahrungen.

Der Lada 112 verfügt, außer Servo, Airbags und ABS, über alle möglichen Ausstattungsmerkmale, über die ein modernes Auto auch zu verfügen hat: Zentralverrieglung, elektr. Fensterheber vorn und hinten, Wegfahrsperre usw. Letztere wird deaktiviert, indem man einen Sender vor die Wegfahrsperre hält. Dann blinkt sie kurz auf und der Wagen kann gestartet werden. Der Lada 112 ist ein sehr sportliches Auto. Das fällt schon am Motorengeräusch auf. Aggressiv und laut, aber nicht störend-laut, brummt der 16V vor sich hin. Einen kleinen Tritt aufs Gaspedal beantwortet die 1.5 Liter-Maschine mit 90 PS mit einem lauten Aufbrummen. Er reagiert wirklich sehr spontan aufs Gas.

Überall ist zu lesen, dass der Innenraum aus stinkendem, billigem und schlampig verarbeitetem Plastik besteht. AutoBild beispielsweise macht den Lada 112 mit der Bewertung zum "Verlierertyp" absolut nieder. Absolut zu unrecht! Von wegen Plastik: Das Cockpit ist mit Kunstleder überzogen, also kein nacktes Plastik. Die Verarbeitung ist sehr gut und entspricht dem Niveau eines Mittelklassewagens: Nichts klappert, nichts wackelt, nichts scheppert. Einzig und allein zwei Kleinigkeiten fielen auf: Zum einen habe ich ein wenig an der Abdeckung bei dem Türgriff herumgeknibbelt, da fiel sie mir auf einmal herunter. Auch die Schrauben für die Griffe am Dachhimmel sind nur notdürftig mit einem Plastikplättchen abgedeckt. Aber andererseits: Verdeckungen sind ja nun nicht da, dass man an ihnen herumknibbelt.

Die Bedienung der Instrumente erwies sich als völlig simpel und durch die leichte Neigung der Mittelkonsole zum Fahrer hin liegen alle Schalter griffgünstig. Sie fallen auch nicht ab, sondern sind stabil montiert :-) Die Schalter der Fensterheber befinden sich zwischen den beiden Vordersitzen. Sie sind griffgünstig platziert und wenn die hinteren Passagiere auch die Fenster öffnen wollen, brauchen sie nur über den hinten angebrachten Aschenbecher zu greifen oder ein kurzes "Machst du bitte mal das Fenster auf?" zu rufen. Für Kinder ist dies z.B. sehr sicher. Zusätzlich gehen die hinteren Fenster auch nicht ganz runter - ebenfalls eine Kindersicherung. Alle Anzeigen, Schalter und Regler sind grün beleuchtet, so dass es keine Herumsucherei im Dunklen gibt. Zigarettenanzünder und Aschenbecher werden über eine Lampe angestrahlt. Auch eine Kartenleselampe im Dachhimmel ist vorhanden. Die Helligkeit der Instrumentenbeleuchtung lässt sich sogar durch einen Drehknopf ändern, auch eine Kontrollleuchte für Abblendlicht findet man. Und macht man den Wagen aus, bleibt automatisch das Standlicht.

Die Heizung ist wahnsinn! Einmal kurz auf ganz heiß gedreht, neigt sie schon fast dazu, die Passagiere zu brutzeln. Ehrlich: man könnte fast Spiegeleier braten, so heftig ist sie. Also wer da im Winter noch friert, dem ist auch nicht zu helfen. In einem Lada friert man unter Garantie nicht.

Werden Türen geöffnet, wird dies sowohl mit einem akustischen Signal als auch mit einer Anzeige deutlich gemacht. Da ist nichts mehr mit nicht richtig geschlossenen Türen. Im Lada wurde an solch ein Warnsystem gedacht.

Was lustig ist: Die Analoguhr. Ok, sie tickt hörbar. Doch für mich ist dies kein wirklicher Kritikpunkt. Es stört nicht und da man sowieso eher den Motor hört, hört man die Uhr gar nicht.

Ok...zum Motor: Er ist erstaunlich. Der 16V geht ab wie sonstwas, erreicht laut Werksangabe eine Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h. Sportliches Fahren ist mit dem Lada 112 16V garantiert! Einmal kurz das Gas getreten, schon heult er auf, die Leute am Straßenrand gucken, dann lässt man die Kupplung kommen und in Nullkommanichts ist man weg. Der Durchzug ist stark, der Eindruck ist Robust. Nichts kann den starken Lada aufhalten. Die Schaltung ist gut, knackig und leicht zu schalten. Alle Gänge sind auf Anhieb gefunden. Wo man richtig Schwierigkeiten bekommt, wenn der Wagen NICHT eingefahren ist (und das war der Vorführwagen logischerweise): Der Rückwärtsgang. Nur ganz ganz widerspenstig geht er rein. Manchmal tut er dies auch nicht, da heißt es: Nochmal probieren. Schaltknauf runterdrücken und in die Mulde, wo der erste Gang ist. Leider geht meist der erste Gang wieder rein. Doch nach einer Zeit bessert sich dies. Das sagt nicht nur der Händler, sondern Lada-Fahrer, die länger einen Lada besitzen. Von daher ist dies tolerierbar. Zwar ist ein Bremskraftverstärker an Bord, doch trotzdem ist etwas mehr Kraft angesagt: Das Bremspedal will kräftig durchgetreten werden. Erst dann packen die Bremsen richtig zu. Doch noch während der Probefahrt habe ich mich daran gewöhnt. Hier zeigt sich mal wieder: Kritik an solchen Sachen ist zwar berechtigt, sie berechtigt aber deswegen nicht, Lada fertigzumachen. Die Lenkung ist aufgrund fehlender Servounterstützung etwas schwergängiger als bei anderen Autos, im Stand muss man richtig Kraft aufwenden. Doch während der Fahrt gehts. Dass Kurskorrekturen zum "russischen Roulette" (Jargon AutoBild) werden, da es angeblich vier Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag sind, kann ich nicht bestätigen. Ich musste mal mitten auf der Straße wenden, weil ich zurückfahren musste. Aber ein Problem hatte ich damit nicht. Nur dieser verfluchte Rückwärtsgang... ;-) Ach ja: wichtig! Der Spritverbrauch. Der ist sensationell niedrig mit seinen 7,4 Litern im Durchschnitt. Und da der Motor die D3-Abgasnorm erfüllt, wirds steuerlich bei 10 DM je 100cm³ bleiben. Bei 1,5 Litern wären das also 150 DM Steuern. Kann man nix von sagen, zumal Fahrzeuge in dieser Klasse mit der Leistung meist mehr kosten.

Der beleuchtete und mit Teppich ausgekleidete Laderaum ist riesig. Durch die elektrische Kofferraumentrieglung kommt man leicht an's Gepäck dran und durch die 60:40 teilbaren Rückbänke kann man den Stauraum nochmals erweitern. Außerdem ist innen für fünf Leute Platz, die eine so große Beinfreiheit haben, dass auch der letzte Meckerer zufrieden sein sollte. Ich bin 1,84m groß und saß absolut bequem. Die Sitze sind weich gepolstert, aber nicht zu weich. Man setzt sich rein und der Sitz passt sich sofort der Körperform an. Der Seitenhalt ist nicht brilliant, aber ausreichend. Auf vier Plätzen sind höhenverstellbare Kopfstützen zu finden, der höhenverstellbare Gurt enthält Gurtstraffer. Außerdem befindet sich in allen vier Türen Seitenaufprallschutz. Die Motorhaube braucht man nicht mit einer Stange aufzustellen. Sie klappt, wie die Kofferraumklappe, selbstständig auf! Tolle Sache!

Äußerlich sieht der Lada 112 klasse aus! Seine sportliche Form und der Heckspoiler mit integrierter dritter Bremsleuchte sind gelungen und lassen erstmal gar nicht vermuten, dass von Lada sowas kommt. Außerdem ist eine klare Linienführung zu erkennen, die sich vom Kofferraum bis zu den Frontscheinwerfern erstreckt.

Und der Preis ist wahrlich konkurrenzlos: Für unter 20.000 DM bietet kein Hersteller ein solches Fahrzeug an. Prädikat: Selbst überzeugen und zuschlagen! Das gilt übrigens auch für den 110 und 111 ;-) Auf jeden Fall sollte man wirklich mal eine Probefahrt machen, denn ich werde es nicht bereuen.

Fazit: Ich war aufs angenehmste überrascht, ehrlich. Der Lada 112 16V ist ein Wahnsinns-Flitzer, ideal für Stadt, Überland und Reisen. Sein Innenraum schluckt einiges, die Verarbeitung ist ausgezeichnet, die Ausstattung bis auf weniges komplett. Der Fahrspaß ist beim Lada 112 maximal, er geht nur so ab und zeigt so manchem nur noch die Rückleuchten. Da hab ich mich wirklich gefragt, als ich dann ausstieg: Lada - was will man mehr?
   



Lada 2112 1.6 Li

Haupteigenschaften

Serie: 21

Leistung (kW): 60

Leistung (PS): 81

Hubraum (ccm): 1596

Türen: 5

Kraftstoff: Benzin

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