Der Wellenreiter
22.10.2001
Pro:
Geländetauglich wie kein anderer, robust
Kontra:
Schalthebel zu weit vorn platziert
Empfehlenswert:
Ja
 Weserspucker
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:64
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 36 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Es gibt Autos, die einen ganz bestimmten Zweck erfüllen sollen und dies auch mit Bravour tun. Alles andere ist egal. Und es gibt Spaßautos, mit denen man sich zur Schau stellen kann oder will, je nachdem, mit was man da gerade vorfährt. Für Leute, die schlechte Erfahrungen mit dem Lada Niva gemacht haben, mag der folgende Bericht recht unverständlich daherkommen. Ich muss vorweg sagen: Ich besitze selbst keinen Niva, kann mir jedoch trotzdem aus der Praxis ein Urteil darüber bilden.
Der Niva ist so ein Vehikel, das Nutzwert und Spaß vereint...auf eine ganz besondere Art und Weise. Denn er lässt so ziemlich alles mit sich machen. Das Gelände ist sein "Lebensraum". Hier kann er sich austoben und anderen zeigen, was 58% Steigfähigkeit nicht so alles ausmachen können. Außerdem gräbt er sich dank seiner Getriebeuntersetzung und dem sperrbaren Differenzial durch so ziemlich alle möglichen Arten von Matsch, Schlamm, Löchern und was da sonst noch so in der Natur aufwartet. Kratzer im Lack? Wen scherts! Das ist ein Arbeitstier und kein Hochzeitswagen. Lada baut den Niva seit 20 Jahren genauso, mal abgesehen von der Tatsache, dass im Laufe der Zeit das Vierganggetriebe durch ein Fünfganggetriebe ersetzt wurde. Ansonsten blieb alles so. Für die eingefleischten Niva-Fans mag sich das folgende als alltägliches Gesülze anhören wenn ich jetzt sage, dass der Begriff Ausstattung beim Niva fehl am Platz ist. Aber was ist das auch schon. Wer braucht denn schon ABS, wenn er die gute "alte" Stotterbremse beherrscht. Wozu Airbags, wenn der Pralltopf des Lenkrads weich und die Birne hart ist? Warum bitteschön Servolenkung, wenn man doch einen schönen Trainingseffekt beim Lenken hat. Höhenverstellbarer Sitz? Alles Quatsch, leg ich halt ein Kissen drunter. Zentralverrieglung? Blödsinn. Der Niva ist schmal genug, da kann ich mich auch gerade zur Beifahrertür beugen, um sie zu entriegeln. Ach ja: Eine Wegfahrsperre ist aber dazugekommen. Seit Ladas Modelloffensive, bestehend aus dem 110, 111 und 112 hat auch der Niva dieses kleine Ausstattungsdetail erhalten. Sender vor das Knöpfchen am Armaturenbrett halten, Piepton abwarten und den russischen Bären dann zum Brummen bringen. Das beeindruckt nicht nur die Leute (weil die meisten sowieso noch nie einen in natura gesehen haben), sondern bringt bereits die Erwartung, endlich losfahren zu können.
Ein hartgesottener Niva-Fahrer schert sich auch einen Dreck um Innenraumverarbeitung. In den 11x-Modellen ist diese ja sehr gut, aber im Niva hat sich nichts geändert. Noch immer prangt ein schwarzes Plastikarmaturenbrett vor den Sitzen. Die billigen Abdeckungen lassen sich mit einem Finger eindrücken. Bewegt man einen der drei Schieberegler an der Heizungsregulierung, wackeln die anderen beiden gleich mit. Man muss allerdings sagen, dass die Platzverhältnisse sehr gut sind für die vergleichsweise geringen Abmessungen, die ja wiederum im Gelände der Fahrt zugute kommen. Fast zu gut: Der Schalthebel ist so weit vorne platziert, dass sich kurzarmige schon beugen müssen. Ok, das soweit zu den Eindrücken, vielleicht noch ein paar Daten. Der 1,7-Liter Motor mit 82 PS macht allein schon durch den Lauf einen sehr robusten Eindruck, wie alle Lada-Modelle. Es scheint, als ob hier noch mit richtig kräftigen Bolzen und Eisenstäben anstatt mit Elektrochips gearbeitet wurde. Ein sehr positiver Aspekt, denn kaputtgehen kann hier wenig. Elektronik ist viel anfälliger, geben wir es doch zu! Durch den permanenten Allradantrieb sind die Geländeeigenschaften perfekt gegeben. Höchstgeschwindigkeiten von mehr als 140 km/h sind deswegen nicht drin. Braucht ein Niva-Besitzer in der Regel auch nicht. Die Mehrpunkt-Benzineinspritzung kommt von Bosch, doch der hohe Durchschnittsverbrauch ist damit auch nicht behoben. Mit 10 Litern sollte man schon rechnen, es sei denn, man legt permanent eine besonnene Fahrweise an den Tag, wohlgemerkt auch nicht im Gelände. Dann können es durchaus auch 8 Liter werden.
Fazit: Der Niva ist kein Reisemobil, kein Einkaufswagen und kein Taxi. Es ist ein reinrassiger Geländewagen für die Vegetationen, in die sich kein anderes Fahrzeug verirren möchte oder kann - und sei es nur wegen der Befürchtung, Kratzer in den Lack zu kriegen. Deswegen steht für Geländefreaks auch das Motto "Niva only" an erster Stelle - zumindest sollte es das.
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21.12.2003 19:30
einiges an Info über Lada - bisserl zu wenig jedoch über den Niva....
30.05.2003 13:22
Schade, daß hier nicht Sibirien ist, dann wäre der Niva nicht so sinnlos. Aber klasse zu lesen!
23.12.2002 13:35
Du triffst den Nagel auf den Kopf. Habe meinen Niva als Spaß- und Zugfahrzeug gekauft.