Am Ende aller Strassen....
29.06.2003
Pro:
billig, im Gelände unstopable, simple Technik, überschaubar
Kontra:
LAUT, zum Teil milde Verarbeitung
Empfehlenswert:
Ja
 Landcrusher
Über sich:
Mitglied seit:09.06.2003
Erfahrungsberichte:2
Vertrauende:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 55 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
...hilft dir High-Tech angeblich weiter, faktisch jedoch tut es eher ein Lada Niva für rund 10.000 Euro neu, gebraucht eher Verhandlungssache als ein Ding der Schwacke-Liste... Im Ernst: wer heute die Tests moderner Geländewagen liest, der fragt sich „Wie sind die Leute eigentlich früher die Berge rauf und runter gekommen?“
Besser als heute, möchte man kontern, wenn man echte und ehrliche Geländewagen vom Schlage des kultigen kleinen Lada Niva einmal durch ernsthaftes Gelände bewegt hat. Da, wo bei modernen Geländewagen abgefahrene Elektronik mit Titeln wie VDsC, HDC, Hill Down Holder, VDC, EDC und wie das Herz weiter begehrt, dafür sorgen soll, dass sich auch im harten Gelände alles anfühlt, als beführe man gerade die neuesten Teilstücke der A4, da half früher der Einsatz kerniger Technik, wie man sie im Niva heute noch findet. Eine reichlich starre Verbindung zwischen den Rädern und zwischen den Achsen, gepaart mit ziemlich großen Hochbeinigen Rädern mit groben Stollen und eine Servolenkung nur gegen freundliches Vorsprechen im russischen Togliatti, wo der Niva seit den späten 70ern gebaut wird.
Auf der Strasse fährt er sich auch heute noch, wie Autos aus den 70er... ...in gewisser Weise fast eher, wie Wagen aus den 60ern. Zunächst einmal ist der Wagen durch seinen simplen Allrad-Antrieb und seine nicht vorhandene Kapselung (von was auch immer – hier ist eigentlich NICHTS gekapselt), ziemlich laut. Speziell das Singen und Mahlen des Allrad-Antriebs geht manch zarter besaiteten Zeitgenossen wohl schnell und gründlich auf den Senkel.
Schnell ist der Lada auch nicht – der größte Teil der 80PS werden von der quasi rechtwinkligen Karosserie mit ihren aufrecht stehenden Scheiben aufgefressen, der Rest verschwindet im zehrenden Allradantrieb mit seiner kurzen Übersetzung – Geschwindigkeiten ab 120 erfordern zudem Mut, da der Wagen auf der Strasse nicht sonderlich gut geradeaus läuft, zudem stark seitenwindempfindlich ist. Alles in Allem wirkt ein Lada Niva auf der Autobahn dadurch eher wie ein Karpfen auf 110 Meter Hürden.
Die große Stunde des Niva schlägt jedoch da, wo andere Autos komfortabel, wohlklimatisiert und leise die Waffen strecken. Am Liebsten ist dem Niva eine Paarung aus losem Untergrund, bedeckt mit Schnee, garniert von ein paar starken Unebenheiten und Steigungen jenseits der Schmerzgrenze – hier lässt der Niva alles stehen – und hier sei gemeint: A.L.L.L.E.S Selbst Fahrer moderner Quads und sonstiger ATCs erblassen, wenn sie sehen, wohin der hässliche kleine Russe kraxeln kann. Richtig blass werden in den Sand- und Schlammgruben – oder auch nur auf winterlichem Waldboden – jedoch die Fahrer der modischen SUW / SUV-Hopper vom Schlage des BMW X5 oder Hyundai Santa Fé bis hin zu schlechter motorisierten ML-Klassen aus dem Hause Daimler-Benz.
Deren technische Konzeption basiert beispielsweise beim Bergab-Fahren oder auch beim Verhindern des Durchdrehens einzelner Räder – auf Schnee etwa Gift – auf dem computergesteuerten Einsatz dosierten Bremsens, so, wie man das beispielsweise vom ESP-System kennt, das nach dem Umkippen der A-Klasse bekannt wurde und nicht nur dieser, sondern eigentlich der gesamten Palette des modernen Fahrzeugbaus, zum Stehen verhilft. Dieses System hat jedoch gegenüber der simplen Technik des Lada einen schlimmen Nachteil: irgendwann kochen die Bremsen ganz einfach – und das, obwohl man nur auf verschneiter Strasse geradeaus fahren möchte.
Hier schrabbt ein Lada Niva fröhlich ächzend, krächzend und Jaulend an jedem teueren BMW X5 vorbei und macht mir den Winter seit Jahren zur Freude. Wo nichts mehr geht, hilft ein Reduktionsgetriebe weiter, das sonst auch nur in eher teureren Geländewagen zum Einsatz kommt – sagenhaft. Da der Lada zudem übersichtlich klein und leicht ist, kann ich mit ihm bei jeden noch so abstrakten Wetter meine Haus- und Hof-Strecken in Westerwald und Siegerland befahren und habe dort auf den dann eher einsamen Landstrassen schon so manchem Wagen aus der einen oder anderen Schneewehe geholfen.
Ich habe den Lada Niva im Jahr 2000 für umgerechnet 2800 Euro erworben, damals war er vier Jahre alt und hatte 45.000 gelaufen. Nun geht die Uhr auf die 80.000 zu – eigentlich nicht viel für ein modernes Auto.... ...für einen in Russland gefertigten Wagen jedoch schon – und das ist die Schattenseite des kleinen Vodka-Off-Roaders: die Verarbeitung. Das Getriebe lässt sich schon bei neuen Wagen nur sehr hakelig schalten – das Einlegen der Untersetzung ist eher was für zwei Personen. Das gilt umso mehr für den Fall, von der Reduktion wieder in den normalen Kanal zu schalten – und das sollte man tunlichst überall da machen, wo man die Reduktion nicht unbedingt braucht – ist diese eingelegt, geht nichts über 65 KM/H.
Die Sitze des Lada sind auch schon ziemlich ausgelutscht – ich habe mittlerweile die Sitzpolsterung von Fahrer- und Beifahrersitz getauscht. Bremsen und Kupplung sind eher russisch Robust und sogar für weit härteren Einsatz ausgelegt. Ich fahre den Wagen ausschließlich zwischen November und Februar in stark verschneiten Gegenden und das hat ihm nichts ausgemacht. Rost ist ebenfalls ein Thema, jedoch nur um die Radläufe – nach dem nächsten Winter jedoch wohl auch um die hintere Aufnahme der STARRachse herum, da deutet sich jetzt schon was an.
Dennoch: Da der Wagen kaum 8 Liter verbraucht, Normalbenzin wohlgemerkt, günstig in der Anschaffung war und auch meine anderen Geländewagen im Winter erblassen lässt, kann ich ihn für diese Zeit uneingeschränkt empfehlen. Die Versicherungseinstufung ist ebenfalls lächerlich günstig – auf 40% zahle ich 21€ im Monat bei der DA Direkt, Teilkasko eingeschlossen. Alles in allem ist der Niva eine Super-Alternative zu teuren Geländewagen, wenn man ihn so einsetzt, wie ich es tue, möchte man mit ihm längere Strecken fahren oder mit höherer Geschwindigkeit, ist er einer der schlechtesten Partner, die man sich vorstellen kann. Und eins nervt mich am Anfang jedes neuen Winters: das Zündschloss der Wagens ist LINKS. Zu allem Überfluss hat mein Niva zwei weitere „Unarten“ – einerseits verfügt er über ein Handbuch in satten 5 Sprachen, von denen ich keine spreche – ein paar Sachen habe ich mir von einem polnischen Geschäftspartner übersetzen lassen müssen. Lada Deutschland, der eigentliche offizielle Importeur, beantwortet seit langem schon keine Fragen mehr und schickt die Kunden lieber zu befreundeten Kia-Händlern, die in dem Falle jedoch auch nicht helfen können.
Abweichend vom Bordbuch und allen mir verfügbaren Spezifikationen hat der Wagen darüber hinaus einen Benzinhahn – Der ist so ziemlich das einzige, was einen Niva zum Stehen bringt.....
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10.02.2006 12:36
Den Bericht hast du supergut geschrieben. Besonders die Stärken und Schwächen kann man sich danach sehr gut vorstellen. Danke für diesen Test, denn ich liebäugele selbst just mit einem neuen Niva. Liebe Grüsse, Svenja
12.11.2003 11:23
Kann ich nur bestätigen: der Fun- Faktor ist sehr hoch und gegen die hohe Geräuschkulisse hilft eine gute Stereo- Anlage.
31.10.2003 18:43
das mit dem Benzinhahn war im "Ostblock" eigentlich ziemlich verbreitet