DAS WAR... ITALIENS GEILSTES RENNBRÖTCHEN !!!
20.07.2004 (21.06.2006)
Pro:
der geile Fahrspaß
Kontra:
die Verarbeitung
Empfehlenswert:
Ja
 GlineurJL
Über sich:
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LANCIA A112 // AUTOBIANCHI A112 Im Jahre 1969 präsentierte Autobianchi das Modell A112. Dieses Modell wurde mit mehreren Veränderungen (hauptsächlich Facelifts) bis zum Jahre 1985 gebaut. Vor Ende seiner Ära wurde die Marke Autobianchi allerdings von Lancia - mittlerweile dem Fiat Konzern zugehörig - übernommen.
Zeitweise wurde der A112 sowohl unter dem Namen Autobianchi sowie auch namentlich als Lancia verkauft. Sein Nachfolger war der Y10. In Deutschland war dieser kleine Renner ab 1970 für sagenhafte 5400 DM zu haben. Dieser kleine Bericht soll mehr eine Huldigung sein, denn mit über 2 Millionen verkauften Exemplaren kann dieses Auto"chen" nicht ganz ignoriert werden und hat immer noch sehr viele Liebhaber, insbesondere unter Motorsportlern alter Tage.
Zahllose dieser kleinen Flitzer wurden u.a. bei den 24 Stunden am Nürburgring oder Spa-Francorchamps eingesetzt und laufen heute noch bei verschiedenen Clubveranstaltungen. Meine Ausführungen beziehen sich indes auf einen A112 aus dem Jahre 1978 unter den Leistungsdaten
Zylinder: 4, Reihenmotor Hubraum: 903 ccm Bohrung x Hub: 65x68 mm Leistung: 44 PS (entspricht ca. 32 kW) bei 5600 U/min Ventile: 8/hängend Spitze: 135 km/h laut Hersteller Beschleunigung (0-100 km/h): ca. 16 sec Leergewicht: 670 kg Schaltung: 4-Gang-Getriebe Antriebsart: Frontantrieb Preis des A112 Junior: ca. 8500 DM in 1978 KAROSSERIE und INNENRAUM
Als Bild füge ich eine Konstruktionszeichnung bei, die alle Maße definiert und zeigt, dass es sich bei einer Gesamtlänge 3268 mm um einen Zwerg handelt. Von Achse zu Achse zählen 2038 mm einen kurzen Radstand. Das - und da schlägt das Herz höher - läßt den A112 zur Slalom-Flunder werden, denn trotz der bescheidenen 44 PS ist der kleine Italiener spritzig. Zwei stärkere Brüder mit 58 bzw. 70 Pferdestärken sind natürlich richtige Golfjäger bei einem Gewicht von schlappen 670 Kilogramm.
Der Zweitürer hat eine recht spartanische Ausstattung, wenngleich diese nicht so schlimm ist, wie die Verarbeitung an sich. Ein Schraubendreher zum regelmäßigen Nachziehen diverser Schrauben und dem Anschrauben der regelmäßig abfallenden Fensterkurbeln sollte serienmäßig unter dem Sitz liegen. Ansonsten steigt der dritte und vierte Mitfahrer etwas beengt auf die Rücksitzbank und sollte nicht größer als ein durchschnittlicher europäischer Knabe von 12 Jahren sein, denn es wird eng "da hinten". Nahezu modern wirkt aber die umlegbare Rücksitzbank, um durch die Heckklappe auch mal ein sperriges Gut in dem Zwerg transportieren zu können.
Autobianchi übrigens durfte oftmals als erster Technik testen, die später bei Fiat in Serie ging. Im übrigen ist die Ähnlichkeit zum Fiat 127 nur Zufall und betrifft ausschließlich die seitliche Profilansicht. Die Türklinken übrigens sind "Spielzeug" und die Schlösser auch ein wenig empfindlich. Zu guter letzt hatte ich für den Starter, die rechte als auch die linke Tür drei verschiedene Schlüssel.
Rost serienmäßig ist ebenfalls ein Problem der Karosserie gewesen und da half nur frühzeitiges Auftragen von Unterbodenschutz und intensivstes Abspritzen von Salzwasser in den Wintertagen. Unterbodenwäsche? Am bestens so oft wie möglich, um Rost zu vermeiden. Optisch indes darf die Karosserie als filigran und kess bezeichnet werden.
Der "Kleine" war ein Frauenheld und für Männer ein Spielzeug. Ehestreit dürfte vorprogrammiert gewesen sein, denn während "Frau" ihn am liebsten polieren und zum Einkaufen sanft dahingondeln lassen wollte, hatte "Mann" nur eines im Sinn, nämlich "gib's ihm bis in den roten Bereich". FAHRVERHALTEN und LEISTUNG
Der Fahrspass eines A 112 ist gigantisch. Selbst ohne Fahrwerksmodifikationen wirbelt er wie ein Rennkart durch die Kurven und wurde schnell zu einem Objekt des Motorsports. In zahllosen Serien tauchte er auf, und ich benützte meinen A112 übrigens für Clubsport und Slalomrennen, wo der A112 in seiner Klasse der klare Favorit war und die konkurrierenden Innocenti's und VW Polo locker in Schach hielt. Die serienmäßige Bereifung mit 135er Bereifung war recht schmal und dennoch so "passend", dass der A112 ohne Modifikationen sehr sicher und kess durch Kurven jagte. Allerdings war das Grenzlimit auch recht überschaubar und daher war ein A112 auch für Anfänger gut beherrschbar.
Ich habe meinen A112 auf 155er Reifen gestellt und spezielle "Kleber"-Bereifung genutzt, die einem Intermediate im heutigem Motorsport entspricht und einen besonders weichen und haftenden Gummi darstellen. Der Hersteller "Kleber" war wegen dieses Reifens im Hobbymotorsport breit vertreten. Kombinierte man diese Reifen dann auch noch mit steinharten gelben Koni-Stoßdämpfer war eine Renngranate geboren, die jedes theoretisch erdenkbare Limit erreichte, aber auch gnadenlos zu Drehern führte, wenn der eng gewordene Grenzbereich erreicht war. So ist Kartfahren !!! Auch mit dem zunächst serienmäßig straffen Fahrwerk und den schmalen 135er Reif"chen" war der Fahrspaß bereits garantiert.
44 PS sind natürlich nicht der Hit, aber leichte 670 Kilo Leergewicht relativierten die vermeintlich schwache Motorisierung. Interessant war, dass es auf kurvigen Straßen als auch auf der Autobahn problemlos möglich war, kleine VW Polo's oder Fiesta mit 60 PS zur Verzweiflung zu bringen. Subjektiv schien klar der Eindruck, der A112 müsse mehr Pferdestärken als die Werksangabe haben. Er hörte auch nie auf zu drehen. Die angebenden 5600 Umdrehungen Maximaldrehzahl ignorierten Fahrer, Auto und Motor solidarisch. Erstaunlich ist nur, dass der optional eingebaute Drehzahlmesser sich ab 5600 U/min nicht weiter hoch quälte, sondern wie selbstverständlich knapp an 6000 Umdrehungen andockte. Der Tacho rannte locker bis an die 160 Sachen.
Den Autobianchi verkaufte ich mit rund 75000 km und stelle als einzige größere Panne einen Defekt an der Zylinderkopfdichtung fest. Diese kleinen Motoren mit recht simpler Technik ermöglichten damals ein recht schnelles und einfaches Austauschen der Dichtung und durch das Abschleifen der Zylinderkopfes und einer minimalen Erhöhung der Kompression wurde die Leistung noch ein wenig gesteigert. Acht Liter Superbenzin scheint nach heutigem Ermessen recht hoch im Verbrauch, und auch für damalige Verhältnisse war das bei 903 ccm nicht unbescheiden. Der Vergaser - ein Weber-Fallstrom-Vergaser - dosierte das Luft-Benzin-Gemisch natürlich nicht wie heutige Einspritzanlagen. Das Kaltstartverhalten - selbst bei akuten Minusgraden - war stets einwandfrei. Was man von der Leistung der südländischen Möchtegern-Heizung nicht sagen kann...
ERSATZTEILE HEUTZUTAGE Ersatzteile zu finden ist leichter, als man denkt. Erstens wurde viel verbaut, was Fiat auch in seinen Autos einsetzte und noch liefern kann, und zweitens gibt es einen gigantischen Tauschmarkt für Ersatzteile. Wer bei Google beispielsweise nur auf deutschen Seiten "A112" mit dem Stichwort "Ersatzteile" kombiniert stolpert in ein technisches Schlaraffenland. Auch ist es in ähnlicher Weise, oder auch durch die diversen Oldie-Zeitschriften leicht möglich, generalüberholte Getriebe und Motoren zu finden. Dito auch so ziemlich jedes anderes Ersatzteil. Verschleissteile aber - und das ist wohl am wichtigsten - finden sich über Fiat- und Lancia-Werkstätten.
FAZIT Ich will meinen schönen Autobianchi A112 wieder zurück :o( *heul*
Denn mit ihm habe ich nicht nur schönen Motorsport getrieben, sondern enorm viel Spaß auf der Straße gehabt. Zum Einkaufen fahren ist dieses Rennbrötchen viel zu schade, und ich überlege, mir ein halbwegs gut erhaltenes Exemplar für 1000 Euro zu kaufen, um ihn dann wieder wie einen kleinen Renner aufzubauen. Gut, die rückenmordenden Sitze müsste man durch einen Sportsitz austauschen, aber neben den akuten Verarbeitungsmängeln ist dies der einzige Haken. Für die 70er Jahre war der Wagen gut und heute ist er eher ein Spaßmobil für Liebhaber. Wer Verarbeitungsmängel in Kauf nimmt und auch das Schweißen eines Trägers vorm TÜV als erträglich findet, wird ein für den Gebrauch absolut alltagstaugliches und technisches überaus zuverlässiges Auto sein Eigen nennen. Vor allem: an dem A112 kann man auch noch selbst etwas reparieren. Ich hätte ihn ungelogen gerne wieder und würde einen Polo Baujahr 2004 ebenso verschmähen wie einen Fiesta gleichen Baujahres, denn ich habe es lieber rasant und lebendig.
Ein Hoch auf ein italienisches Rennbrötchen !!! JL
P.S. Bild 1 und 3 zeigen meinen ehemaligen A112
Bilder von Lancia Autobianchi A 112
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28.02.2007 16:49
Netter Bericht; hatte früher als Student auch einen - mit 44 PS in Farbe: ocker; meine heutige Ehefrau hatte ich damals kennengelernt - sie fuhr die 58 PS Abarth-Version, wie oben auf dem Bild in rot mit schwarzer Motorhaube. Drehzahlgierig - aber die Lebensdauer war nicht so hoch; mein Standardmotor hielt ewig - Steuerkette rasselte ständig, da kein Kettenspanner vorhanden war - also etwas mehr Vorzündung geben; überhaupt war damals in der Studentenzeit basteln angesagt - Sponsoring by Oma gab es noch nicht! War eine schöne Zeit; gefahren bin ich in Wintersport zum Skilauf nach Österreich - mit Abstecher bis nach Wien; Fahrzeug lief prima; auch die Bleche waren deutlich dicker, nur der Rostbefall war erheblich; Aber Fahrspaß wie bei einem GoCart;
12.01.2005 19:32
Klasse Bericht! Erinnere mich noch an früher wo es diese kleinen italienischen Minis noch gab. Schon fantastisch dieses Teil wie ich auch aus deinem Bericht entnehme.
07.01.2005 13:21
Ach du scheiße... Mit "Rennbrötchen" ist da eigentlich noch zu viel gesagt. Heute würd ich mich ja mit so einem Teil nicht auf die Straße trauen... *g* ;-) Gruß, Simon