Lancia Y - Kleiner, Feiner, nicht ohne Macken
01.07.2008 (24.05.2009)
Pro:
Design, "Anders - Sein", Praktisch in der Stadt
Kontra:
unzuverlässig, vor allem im Innenraum Verarbeitungsschwächen
Empfehlenswert:
Ja
 Peter_22
Über sich:
Mitglied seit:05.01.2006
Erfahrungsberichte:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 20 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Dies soll ein Testbereicht über den Lancia Y 1.2 16V LX werden, jener Yps vom Typ 840. Vorgeschichte: Nachdem mir mein heißgeliebter Fiesta Xr2 im Oktober 2007 durch einen Führerscheinneuling (welcher offenbar Probleme mit Vorrangregeln hatte) etwas in der Länge gekürzt wurde (auf gut Deutsch: bereits erwähnter Neuling bog einige Meter vor mir links ab, ich kam in entgegengesetzter Richtung und wollte geradeaus weiterfahren -- Ergebnis: ich knallte frontal in seine Beifahrerseite), musste ein neues Auto her.
Da ich wenig Wert auf Image oder Statussymbole in Sachen Auto lege, machte ich mich auf die Suche nach einem Wagen mit gutem Preis-Leistungsverhältnis, dH nicht zu viele Kilometer, gut erhalten, Leistung in einem vernünftigen Bereich und wenn möglich um die 3000-4000 Euro. Weiters sollte es kein Auto sein welches jeder 2te hat, und ich sollte mich vor allem innen wohl fühlen. Die Entscheidung fiel - wer hätte es gedacht :-) - auf einen Lancia Y 1.2 16V LX in dunkelblau metallic, mit beiger Alcantara-Ausstattung, Wurzelholz-Dekor, 89xxxkm auf der Uhr, 98er Baujahr und Erstbesitz. Preis beim Autodealer meines Vertrauens: € 3000,00 Somit hatte ich genau das was ich wollte.
Nun jedoch zu den interessanten Dingen: ** Innenraum **: Beiges Alcantara, Wurzelholzdekor. Bis dato wusste ich gar nicht, dass man diese Zutaten im Kleinwagensektor finden kann. Aber die Italiener waren ja schon immer ein wenig anders :-). Zugegeben, es sieht klasse aus, ist aber extrem empfindlich und nicht gerade widerstandsfähig. So habe ich auf dem Fahrersitz nach knapp über 100.000km seltsame "Würstchen" im Stoff (auf den Sitzflächen, und dort wo der Gurt anliegt ist es besonders schlimm). Weiters hat das ehemals schöne Beige mittlerweile einen schönen Grauschleier bekommen. Apropos Sitze - diese sind gerade recht, nicht zu hart, nicht zu weich, eben genau richtig. Seitenhalt such man jedoch leider vergebens. Dafür hat man trotz der geringen Außenmaße auch im Fond überraschend gut Platz. Lediglich der Kofferraum ist relativ klein - was jedoch verständlich ist, schließlich ist der Y ein Stadtauto und kein Van oder Kombi für Langstrecken.
Die Kunststoffe sind leider sehr, sehr kratzempfindlich. Positiv ist hingegen wieder die Ergonomie, alle Schalter sind gut platziert und nach kurzer Eingewöhnung praktisch blind zu bedienen. Etwas Eingewöhnung fordern auch die mittig platzierten Instrumente, welche aber nach kurzer Zeit nicht mehr stören - schließlich wird man durch ein Ablagefach (rutschsicher) belohnt, welches über die ganze Innenbreite ragt. Gerade für Zigaretten, Geldtasche etc. ideal. Was mir noch einfällt und mir bis heute unverständlich ist - JEDES Auto das ich kenne und gefahren bin, hat bei den Instrumenten auch irgendwo diese grünen Pfeile welche beim Blinken aufleuchten. Mein Lancia hat die nicht - warum?? Gerade wenn man etwas lauter Radio hört und das Relais nicht mehr hört, ist das echt nervig. UND - an heißen Tagen (habe leider keine Klima) kann man die Lüftung ewig auf voller Leistung lassen, es wird einfach nicht kühl....:-( Weiters: Wer seinen Lancia nicht in der Garage, sondern zB unter Bäumen parkt darf sich bei (voll/fast voll) aufgedrehter Belüftung über kleine Blätter etc. freuen, welche freundlich hereingeblasen werden und für richtig schöne Unordnung sorgen.
Außen: Das Tolle am Y ist, dass er einfach anders ist. Die Italiener schaffen es einfach immer wieder eine ganze neue Form, ein ganz anderes Design zu finden. Und auch der Yps ist hier ein Paradebeispiel. Grundsätzlich gibt es an der Karosserie nichts zu meckern, der Lack scheint gut zu sein, und soweit ich weiß sind die Karosserien auch verzinkt. Um Rost braucht man sich also keine Sorgen machen. Wer dem Y etwas mehr Pfiff geben möchte braucht eigentlich nicht viel zu tun - etwas tiefer, breitere Reifen, schöne Felgen und vielleicht noch einen Sportauspuff - das wars (meiner ist jedoch Original). Fahren: Wer viel in der Stadt fährt ist mit dem Y bestens bedient - der Wendekreis ist durchaus in Ordnung, und man passt in beinahe jede Parklücke rein. Parken an sich ist überhaupt kinderleicht, da der Wagen sehr überschaubar ist. Nachteilig ist für mich die Servo, welche für meinen Geschmack viel zu leichtgängig und schwammig ist und somit ein indirektes Gefühl vermittelt. Wie bereits erwähnt ist der Y ein Stadtauto - Autobahn und Freilandstraßen sind zwar auch kein Problem, allerdings merkt man dann schon deutlich dass der Motor lauter wird und man in einem Kleinwagen sitzt. Vorsicht ist bei stärkeren Windböen geboten, der Y ist relativ leicht und nicht gerade eine flache Flunder - gerade wenn der Wind seitlich kommt merkt man deutlich, dass der Wagen nervös wird und man muss schon fester am Lenkrad halten...
Motor: Der Motor vom 1.2 16V leistet 86 PS aus natürlich 1,2 Litern Hubraum. Für dieses Auto auf jeden Fall ausreichend, wer allerdings flotter fahren will muss die Gänge ordentlich drehen und darf nicht schaltfaul sein. Gerade im unteren Bereich (unter 3000-3500 Touren) ist mir der Motor einfach zu lahm und man muss zurück schalten. Beachtenswert ist die Höchstgeschwindigkeit - mit den Original-Sommerreifen habe ich es auf sage und schreibe 200km/h lt. Tacho gebracht - und das auf ebener Fahrbahn. Respekt! Idealerweise sollte man aber im Schnitt 140-160 fahren - der fünfte Ganz ist relativ kurz übersetzt und so ist man sehr schnell auf 5000 Touren und mehr - was so glaube ich bei längerer Fahrzeit nicht gerade eine Kur für den Motor ist und einem einfach durch die - logisch - Geräuschentwicklung auf den Keks geht. Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Bremsen - ich habe leider kein ABS in meinem Ypsilon. Die Bremsen selbst überzeugen nicht gerade durch ihre Kraft, noch dazu fällt einem sehr schnell auf, dass diese nach ein paar hintereinanderfolgenden, kräftigeren Bremsmanövern (man denke an plötzlich überholende LKWs auf der Autobahn) deutlich an Leistung verlieren. Zuverlässigkeit Was soll ich sagen...ich schreibe es einfach mal kurz auf - gekauft hab ich den Wagen mit 89xxx Kilometern:
ca. 90tsd km: 2 der vier Zündkabel schlagen durch, der Wagen ruckelt stark und beschleunigt "schrittweise", fährt teilweise nur schleppend weg --> neue Zündkabel ca. 92-93tsd km: Kühlersystem wird undicht- der Motor wird schnell sehr warm/heiß, die Heizung jedoch geht nicht (außer bei hohen Drehzahlen) -- das war im Dezember, die Freude war also sehr groß als die Heizung ausfiel....wurde durch Dichtungsmittel beseitigt
ca. 95tsd km. Ein Zahnrad am Differential löst sich (ist lt. Werkstatt aufgepresst) -- Ergebnis wie bei einer "leeren" Kupplung - die Gänge/die Kupplung "rutschen" und im schlimmsten Fall kommt man keinen Millimeter mehr, da im Getriebe nichts mehr greift - vorerst mit Anschweißen repariert ca. 101tst km: Gerade erwähntes Problem tritt wieder auf - diesmal stellt sich raus dass die Werkstatt etwas gepfuscht hat und es wird ordentlich repariert
ca. 101.500km: Tacho fällt aus (Welle dürfte gebrochen sein) Um es kurz zu fassen - es bleibt spannend :-) Wenn ich mir die anderen Berichte durchlese gehe ich aber davon aus, dass mein Yps ein Montagsauto ist, er scheint ansonsten wirklich zuverlässig zu sein.
Fazit: Der Yps ist ein Auto für Individualisten, er gefällt durch sein Anders-Sein, seine Kompaktheit und (in dieser Ausstattung) durch das edle Interieur. Man fällt damit einfach auf, und das zu günstigen Anschaffungskosten. Der Preis dafür sind (in meinem Fall) häufige Werkstattbesuche, welche hoffentlich aber bald zurückgehen werden. ** Update ** Hallo Leute - mittlerweile sind wieder ein paar Monate durchs Land gezogen, und auch bei meinem Yps hat sich manches getan. Wie bereits erwähnt hat sich Anfang dieses Jahres die Kopfdichtung bei meinem Lancia verabschiedet (was selbstverständlich nicht irgendwann war - nein, um 2 Uhr morgens bei Minusgraden auf der Autobahn ist der Motor ausgegangen....). Dies wurde behoben und passt seit jeher wieder. Kurz darauf ist dann der Original-Auspuff (der immerhin 11 Jahre alt wurde) durchgerostet, kurzerhand wurde die ganze Anlage ab Kat getauscht. Es sind auch die Antriebsgelenke getauscht worden, da diese schlichtweg im Eimer waren. Momentan ist damit mal alles erledigt, und ich hoffe, dass nun für eine Weile alles heil bliebt. Mal sehen, ich hoffe jedoch, dass ich nun mal zumindest ein Jahr ohne außerplanmäßigen Werkstattbesuch durchkomme ;-)
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26.01.2009 19:26
Hallo, mittlerweile sind wieder einige Monate durchs Land gezogen und auch bei meinem Ypsilon hat sich etwas getan. Um es kurz und bündig zu fassen - nach knapp über 110.000km ist bei meinem Lancia die Kopfdichtung hin. Fazit: Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies der erste und letzte Lancia ist, den ich gekauft habe.
06.07.2008 01:13
**grins** wie kann man sich so ein Auto kaufen ?? Du wirst dich noch wundern, wie es weiter geht.....Dieter