Kompromissloses Auto für Alltag und Sahara
03.06.2003
Pro:
Unbegrenzte Möglichkeiten und jede Menge Spaß
Kontra:
Nichts für Pienzer
Empfehlenswert:
Ja
 hueftschuetz
Über sich:
Mitglied seit:03.06.2003
Erfahrungsberichte:2
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 62 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ich wollte einen unverwüstlichen Gelände-Klassiker, der nicht nach dem nächsten Modell- bzw. Design-Wechsel alt aussieht. Dazu sollte er geräumig und Reisetauglich sein. Und hineichende Geländegängigkeit sollte er auch haben, obwohl dies nicht das Hauptkriterium war. Schließlich standen nur Waldwege und skandinavische Winter auf dem Programm.
Gesagt gekauft: Der Defender ist in seiner Größenklasse um einiges günstiger als vergleichbare "moderne" Fahrzeuge. Die Wertstabilität ist enorm, rechnet man den Wert einer Dreijahresgarantie hinzu, die leider nur selten ungenutzt abläuft, rechnet sich ein Neuwagen in den meisten fällen. Ich hatte jedoch Glück und bekam einen sehr günstigen Gebrauchten. Station Wagon 110, TD5-Motor, Bj. 7/99, 85000 km, sehr gepflegt, aber schon zwei mal in der Sahara gewesen. Ich habe dieses Auto vor allem wegen Ausstattung und auch wegen der Farbe gekauft: Schwarz/Weiß, ABS, Stoffsitze und Teppich (immernoch aufpreispflichtig!) und Standheizung waren die Wunschausstattung. Die 110er Version habe ich auch deshalb gewählt, damit unser Kind nicht auf den spartanischen Längssitzen im Fond platznehmen muss.
Nach drei Monaten Defenderfahren ergibt sich nun folgendes Bild: Kinder: ...sitzen prinzipiell nur hinten auf den Längsbänken. Es sind auch mehr als Früher, die Freundinnen meiner Tochter wollen immer bei uns mitfahren, die elterlichen A4 und Passat bleiben hinden leer.
Gelände: Der Defender macht süchtig. Ich habe jetzt den typischen Schlammlochblick zum Straßenrand. Nach Feierabend oder auf den Rückweg von Besprechungen finde ich mich auf Straßen-Baustellen oder in Erdlöchern wieder - im 45°-Winkel. Aber über die Geländeeigenschaften wurde ja schon viel geschrieben. Erwähnenswert: In der Betriebsanleitung steht auch, wie meter tiefe Wasserläufe richtig durchquert werden. Würde mich interessieren, was beim Wolfsburger oder Zuffenhausener Produkt hierzu im Manual steht.
Alltag: ...macht Glücklich. Stressen gibt es nicht mehr, das macht der Wagen einfach nicht mit. Die Beschleunigung ist mäßig, der Wenderadius haarsträubend groß. Dafür gibt's viel Überblick, das Fahrgefühl entspricht einer gewisse Souveränität. Zur Not sind 140 km/h drin, am liebesten fahre ich 110. Die Sitze sind sehr gut, der Lärm ist nicht so schlimm wie immer behauptet, Klima braucht man nicht, die Belüftung ist excellent. Zwischen den Vordersitzen kann ein Mittelsitz eingebaut werden, dann kann die gesamte Ladefläche auch bei Fahrten zu dritt genutzt werden. Technik: Habe einen kompetenten und geduldigen Mechniker gefunden. Die 80-tausender Inspektion verlief ereignislos. Die Saharah-Touren meines Vorbesitzers hat das Auto problemlos überstanden. Aber auch 20 Liter der verschiedensten Öle kosten ihr Geld. Der Austausch eines ABS-Sensors wegen durchgescheuerten Kabels hätte 280 EUR gekostet. Wurde mit Gebrauchtteil billiger.
Mein Defender rostet. Die Hecktür hat innen ordentlich Rost angesetzt und außen Alu-Korrosion gebildet. An den Türeinstiegen, vor allem in den Ecken, gammelt es, und die Hecktraverse hat den üblichen aber harmlosen Flugrost. Hier und da findet man Blasen auf dem Lack, die von korrodiertem Aluminium herrühren. Momentan sind diese Mängel vernachlässigbar, aber man muss jetzt die Ausbreitung der Korrosion verhindern, sonst hat man in fünf Jahren massiv Probleme. Hier invstiere ich also momentan einen Teil meiner Freizeit. Hilfreich ist es, dass alles sehr einfach aufgebaut ist und auch Karosserieteile gut zergelbar sind.
Die meisten Defender sind undicht. Meiner leckt an den hinteren Schiebefenstern. Oberhalb der Frontscheibe wurde bereits gedichtet. Bei diesen Problemen hilft das gut 100seitige "Wasserhandbuch" von Land Rover, das mit etwas Glück im Web zu finden ist. Überhaupt ist man mit seinen Problemen nie alleingelassen. Es gibt Foren, in denen zu den meisten Themen schon umfassend geschrieben wurde. Kompetente Mitglieder helfen gerne weiter, sei es zur Kaufberatung oder bei gefinkelten Problemen. Die Literaturversorgung ist exzellent, bebilderte Schaltplände machten den Einbau meines Navis deppensicher einfach und auf Anhieb erfolgreich.
Fazit: Der deutsche Nörgler sollten die Finger vom Defender lassen, er kommt sicher aus dem pienzen nicht mehr raus. Alle anderen sollten sich den Defender mal für ein Wochenende ausborgen - eine kurze Probefahrt reicht auf keinen Fall! Mein Tip: Neuwagen mit Tageszulassung - Wegen der Garantie und der Wertstabilität die beste Lösung.
Happy Landy! Matthias
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03.02.2006 13:45
Toll geschrieben, den Geist des Landy kann man sehr gut erfassen. Ich hab den Bericht total gerne gelesen.
26.09.2003 23:54
Der Land Rover Defender ist einer der letzten "echten" Geländewagen, vielleicht neben Mercedes G, Toyota HZJ, etc. mit überragenden Geländeeigenschaften. Aber Vorsicht: Er hat altertümliche Technik (die Sicherheit in einem Fiat Panda (altes Modell) dürfte nicht viel schlechter sein), hat katastrophal lange Bremswege, stellt auf deutschen Autobahnen oft ein Hindernis dar und verbraucht zwischen 9 und 14 Liter / 100 km (je nach Fahrweise). Noch ein paar Daten: Anhängelast 3.5 to, Kfz-Steuer 172 EUR / Jahr /gewichtsbesteuert. Weitere können unter www.landrover.de abgerufen werden. In letzter Zeit sieht man diese Fahrzeugmodelle im Vergleich zu früher wieder vermehrt auf deutschen Strassen. Oftmals mit Rammschutzbügel, Unterfahrschutz, usw. Die Leute hinter dem Steuer waren damit vielleicht einmal auf dem Feldweg hinter ihrem Haus und hin und wieder vor der Eisdiele ... Will sagen: Wer ihn einfach nur kultig findet und posen will sollte die Finger von ihm lassen, auf Dauer wird man dann nicht glücklich mit ihm. Wer ein Arbeitstier sucht (Forst, Pferde, Geländetrial, Weltreise, etc.) wird ihn aber bald nicht mehr wissen wollen. Wer das nötige Kleingeld hat, sollte sich aber auch einmal mit dem G oder HZJ beschäftigen ...
18.09.2003 17:21
Guter Bericht! Mir persönlich fehlten Angaben über Benzinverbrauch, Kosten für Versicherung/Steuer, Anhängelast und Sitzkomfort. Deshalb ein "hilfreich" von tama1