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Laurel Canyon (DVD)

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Die Diva bedauert: "Schade, zu spät geboren!"

4  10.02.2004

Pro:
Frances McDormand, interessante Thematik

Kontra:
Zu "leise" inszeniert

Empfehlenswert: Ja 

diva68

Über sich: Soll ich? Oder soll ich nicht?

Mitglied seit:26.06.2000

Erfahrungsberichte:201

Vertrauende:145

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 100 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

*** „Laurel Canyon? Nie gehört…! ***

Eine ins Gegenteil gekehrte Rollenverteilung hat immer einen gewissen Reiz, vor allem für das Publikum. So übt auch „Laurel Canyon“ eine Faszination aus, der man sich nur schwer entziehen kann, hegt man eine gewisse Affinität zu „Sex & Drugs & Rock`n`Roll“.

Lisa Cholodenkos Film ist eine sanfte und sympathische Geschichte über Nostalgie, Generationenkonflikte und die Suche nach dem „richtigen“ Lebensstil.

*** Um was geht es denn? ***

In der Anfangsszene von "Laurel Canyon" schläft ein junges Paar miteinander. Zumindest versuchen Alex (Kate Beckinsale) und Sam (Christian Bale) es. Fast tun sie einem leid, so krampfhaft und unsicher, wie sie dabei wirken. „Soll ich aufhören?“ „Nein, mach weiter...“ Und dann klingelt auch noch das Telefon, und Sams Mutter spricht aufs Band... So schwer, wie es sich die beiden Katalogschönheiten im Bett machen, so angestrengt verläuft auch ihr Leben. Doch der durchgeplante weitere Weg der beiden Harvard-Absolventen bekommt ein paar verhängnisvolle Kurven als sie vorübergehend bei Sams Mutter, einer Musik-Produzentin, einziehen.

Sam will in einem Krankenhaus in L. A. sein Studium der Neurologie abschließen, Alex möchte derweil ihre Dissertation über das Fortpflanzungsverhalten von Fruchtfliegen beenden. Da fügt es sich ganz wunderbar, dass Jane, Sams Mutter, ihnen das Haus am Laurel Canyon anbietet.

Leider steht das Haus jedoch nicht leer, sondern wird von Jane, einer leicht in die Jahre gekommenen Plattenproduzentin und ihrem aktuellen Projekt, einer coolen Folk-Rock-Band, bewohnt. Am Laurel Canyon, im Herzen der Hollywood Hills, leben überwiegend Musiker und andere Künstler. Hier pflegt man einen sorglosen Lifestyle und hängt einer Zeit nach, in der Rock`n`Roll eine Einstellung war, kein Business. Ein klarer Kontrapunkt zum Leben von Sam und seiner Verlobten...

Über diese unvorhergesehene Wohnsituation ist der Mustersohn nicht gerade erbaut. Seine Mutter ist ihm mehr als peinlich, und so gefällt es Sam dann auch gar nicht, als er feststellt, dass seine Alex sich durchaus für die Gepflogenheiten im Hause näher zu interessieren scheint.

Unbeholfen versucht er Ordnung in sein Leben zu bringen, doch jeder Ansatz misslingt. Er ist wieder der kleine Spießersohn mit der flippigen Mutter. Da hilft es auch nichts, dass Jane ihn über ihre Beziehung zu Ian (Alessandro Nivola), dem Sänger der Band, ins Vertrauen zieht. Er sei „etwas ganz anderes“ als alle Typen davor. Aber Sam hat diesen Satz schon viel zu oft gehört.

Ganz langsam bekommen die Dinge eine gewisse Eigendynamik. Im Krankenhaus wird Sam von seiner überaus attraktiven Kollegin Sara (Natascha McElhone) becirct. Sie erweist sich als verständnisvolle, hilfsbereite Freundin, die Sam die Ankunft in seiner neuen Umgebung erheblich...nun ja...erleichtert, doch zunächst wird aus den beiden nur eine Fahrgemeinschaft.

Und auch Alex fühlt sich so gar nicht gestört von den Proben der Band im Studio nebenan. Eher fasziniert taucht sie in die bis dato unbekannte und zuweilen sexuell ausschweifende Welt des Rock`n`Roll ein. Hier ist es Ian, der sie ein wenig bei der Hand nimmt…

Die Ereignisse nehmen ihren Lauf, und es ist unnötig zu erwähnen, dass der Konflikt vorprogrammiert ist. Einen vorläufigen Höhepunkt nimmt das Auseinanderdriften des jungen Paares schließlich, als Sam Alex mit Ian und seiner Mutter zusammen in einem (unerhört!) Bett erwischt. Die klassische Ausrede „Es ist nicht so, wie du denkst...“ stimmt Sam nicht wirklich milde, obwohl die Situation gar nicht ausschweifend geworden war, dank Jane. Sam dreht durch, geht auf Ian los, verflucht seine Mutter und rennt weg, gefolgt von Alex, die ihn schließlich auch wieder beruhigen kann.

Was Alex nicht weiß: während sie sich mit Schwiegermutter in spe und ihrem Lover vergnügte, widerstand ihr Verlobter der fleischgewordenen Versuchung in Form von Sara, die ihm mehr als eindeutige Avancen gemacht hatte. Doch nach einem innigen Kuss verlässt Sam Saras Wagen und geht nach Hause. Nicht jedoch, ohne Sara die Empfehlung zu geben, ihren Trieb in kulturelle, künstlerische oder andere Leistungen umzusetzen, kurz: Sublimation. Vernunft dominiert Gefühl.

Doch aus all diesen Sehnsüchten, alten Ressentiments und eingefahrenen Beziehungsstrukturen beginnt am Ende etwas zu keimen, was alle Beteiligten weiterbringt. Die beiden jungen Protagonisten haben auf jeden Fall ein paar Erfahrungen gemacht haben, die einerseits ihren Horizont erweitert, andererseits ihre Beziehung zueinander komplizierter gemacht haben. Aber so ist das Leben eben, und diese simple Erkenntnis vermittelt "Laurel Canyon" recht unterhaltsam.

*** Und wer spielt da mit? ***

° Frances McDormand (Jane)

Die Oscar- und Golden Globe-gekürte Schauspielerin ist keine Schönheit im herkömmlichen Sinne. Aber sie ist eine, die man sich merkt. Noch dazu ist sie extrem wandlungsfähig. In „Almost Famous“ (2000) spielte sie zum Beispiel das gänzliche Gegenteil ihrer Rolle in „Laurel Canyon“, nämlich eine biedere Hausfrau und Mutter, die Rockmusik für Teufelswerk hält und ihren Sohn davor beschützen will. Und auch das nahm man ihr völlig ab.
Einen großen Sprung im Bekanntheitsgrad brachte ihr 1996 ein Film der Coen-Brüder: „Fargo – Blutiger Schnee“. Mit Ehemann Joel Coen und Sohn Pedro lebt sie in New York.

° Christian Bale (Sam)

Seine Hauptrolle in Mary Harrons berüchtigtem „American Psycho“ (2000) brachte Christian Bale mehr Kritikerlob ein als seine Performance in John Singeltons Remake von „Shaft“ (2000). Amerikanische Magazine nennen ihn eine der „heißesten Hauptdarsteller unter 30“ oder einen der „begehrtesten Schauspieler des neuen Millenniums“.
Der zukünftige Batman-Star hat eine der größten Fangemeinden im Internet. Eine Tatsache, die „Entertainment Weekly“ dazu veranlasste, ihn eine der „stärksten Kultfiguren des vergangenen Jahrzehnts“ zu nennen.

° Kate Beckinsale (Alex)

Die britische Schauspielerin war der Star von zwei der größten und meistgesehenen Blockbuster des Jahres 2001: „ Pearl Harbor“ und „Serendipity (Weil es Dich gibt)“ mit John Cusack.
Als Tochter zweier Schauspieler besuchte Beckinsale eine öffentliche Schule in London und danach für drei Jahre die Universität von Oxford. Sie ist mit dem britischen Schauspieler Michael Sheen verheiratet und hat eine vierjährige Tochter.

° Natascha McElhone (Sara)

Die in London geborene Schauspielerin beeindruckte das Publikum 1996 in „Surviving Picasso (Mein Mann Picasso“, in der sie neben Anthony Hopkins spielte. Zu ihren weiteren Filmcredits gehören „Vertrauter Feind“ (1997), „The Truman Show“ (1998) und „Solaris“ (2002) an der Seite von George Clooney. Natascha McElhone lebt mit ihrem Ehemann in England.

° Alessandro Nivola (Ian)

Nivola machte Publikum und Kritik in John Woos Thriller „Im Körper des Feindes“ (1997) auf sich aufmerksam, in dem er den paranoid-genialen Bruder von Nicolas Cage spielte. Abgesehen von „Laurel Canyon“ der amerikanische Schauspieler mit weiteren britischen Rollen einen Namen gemacht, unter anderem in Kenneth Branaghs „Verlorene Liebesmüh'“ (2000). Vor kurzem stand Nivola mit Robert Redford, Helen Mirren und Willem Dafoe in „The Clearing“ (2003) vor der Kamera, sowie mit Julia Stiles und Shirley MacLaine in „Carolina“ (2003). Der gebürtige Bostoner, selbst "Teilzeit-Musiker", singt alle Songs im Film selbst.

*** Wie ist denn die Musik? ***

Besonderen Anteil an der coolen Atmosphäre hat natürlich auch die Musik. Der Soundtrack mit seinem sonnigen Folk-Rock hat mit dem Los Angeles von heute und seinen von R`n`B dominierten Charts rein gar nicht zu tun.
Mit Karyn Rachtman als Musikproduzentin an Bord unternahmen die Filmemacher eine umfangreiche Suche nach Songs, die vor der Kamera gespielt werden würden. Schließlich konzentrierten sie sich auf die zwei Songs „Someday I Will Treat You Good“ und „Shade & Honey“, beide aus der Feder von Mark Linkous, der kreativen Kraft hinter der hoch gelobten Band „Sparklehorse“.

Um die Authentizität zu erhöhen, hat man ausschließlich mit echten Musikern zusammen gearbeitet. Nach langer Suche wurden Lou Barlow und seine „Folk Implosion“ ausgewählt. Die Band hat bereits in verschiedenen Zusammenstellungen in den letzten fünf Jahren gespielt, bis heute vier Alben aufgenommen und die Musik für den kontroversen Larry-Clark-Film „Kids“ (1994) beigesteuert.

Lisa Cholodenko war natürlich begeistert davon, zu erfahren, dass der Schauspieler ihrer ersten Wahl für Ian, Alessandro Nivola, nicht nur ein ausgesprochen begabter Schauspieler, sondern ein ebensolcher Sänger ist. Nivola singt alle vor der Kamera gespielten Tracks seiner Band im Film selbst, sowohl die mit der Band vor der Kamera als auch die im Studio aufgenommenen Songs von „Folk Implosion“.

Alle Songs wurden während einer viertägigen Produktionszeit in den Sunset Sound Studios in Hollywood aufgenommen, produziert von Mickey Petralia, einem Veteranen unter den Musikproduzenten von L. A. Der Soundtrack ist erschienen bei Hollywood Records

*** Und wie fandest du den Film insgesamt? ***

Teilweise wähnt man sich in einem Werbespot über das Jahrzehnt von Flower Power und freier Liebe. Doch Alex und vor allem Sam holen uns immer wieder in die (unentspannte) Gegenwart zurück.

Frances McDormand verkörpert als Jane den alten Hippie-Geist, ohne dabei alt zu wirken. Sie wirkt niemals aufgesetzt jugendlich wie das bei Kolleginnen wie Goldie Hawn in "Groupies Forever" der Fall war. (Bitte entschuldige, Goldie!) Verführerisch, sexy, manchmal ein wenig fahrig, ist Jane somit all das, was ihr Sohn Sam zu hassen gelernt hat. Die Narben, die ihm Janes ausschweifender und nicht unbedingt kindgerechter Lebensstil zugefügt hat, sind noch lange nicht verheilt. Er versucht, sich zum kompletten Gegenteil seiner Hippie-Mutter zu machen.

Die Doktorarbeit von Alex handelt ironischerweise vom Paarungsverhalten der Fruchtfliegen. Zunächst betrachtet sie das bunte Treiben in Janes Villa noch misstrauisch und zugeknöpft, erwärmt sich alsbald jedoch schnell für den laxen Lebensstil der Musiker und für Ian, den Verführer. Und schon findet sich Alex mit Ian und Jane beim neckischen Spiel im Swimmingpool wieder. Zugleich läuft Sam Gefahr, sich von einer attraktiven Krankenhaus-Kollegin verführen zu lassen.

All dies ist mit viel Leichtigkeit und subtilem Humor inszeniert, wobei das Augenmerk der Regisseurin deutlich auf ihren Frauenfiguren liegt, allen voran Jane. So beherrscht sie die eindringlichsten und auch die erotischsten Szenen des Films.

Die ergreifendste und intensivste Szene war für mich gegen Ende des Films. Sam dreht seine morgendlichen Runden im Pool. Es ist noch früh am Morgen. Eigentlich würde Jane noch schlafen, aber auch heute leistet sie ihrem Sohn am Beckenrand Gesellschaft. Und an diesem Morgen kommen sie sich endlich näher. Endlich können sie über ihre Gefühle sprechen. Jane macht zum ersten Mal Zugeständnisse. Sie räumt ein, als Mutter versagt zu haben. Sam nimmt ihr diese Schuld. Um seine Worte zu untermauern, schwimmt er ganz nah an den Beckenrand, greift vorsichtig nach einem ihrer Zehen und zieht kindlich-verspielt, aber vorsichtig daran. Eine ganz behutsame Annäherung.

Gegen Frances McDormands überragendes Spiel wirken die restlichen Figuren leider manchmal etwas stereotyp. Besonders Kate Beckinsale tut sich sichtlich schwer mit ihrer Wandlung vom braven Spießermädchen zum Rock-Groupie. Christian Bale greift auf das Zwanghafte seines "American Psycho" zurück und schafft es, dass man sich für seinen Sam trotz aller Verstocktheit erwärmt, ein bisschen Mitleid darf ruhig dabei sein.

Das Setting des zweiten Films der jungen amerikanischen Regisseurin Lisa Cholodenko ist schlicht, die kleine Geschichte unspektakulär, doch die Darsteller/innen allesamt brillant. Und somit geben sie „Laurel Canyon“ die nötige Prise Charme, die nötig ist, um zu fesseln.

Diese Prise hätte insgesamt für meinen Geschmack ein wenig üppiger dosiert werden können.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Gabbawitch

Gabbawitch

23.06.2004 00:23

hört sich interessant an.LG Dina

Tuvok1

Tuvok1

22.03.2004 19:55

sehr realistisch und gut gespieltes Musikdrama

antjeeule

antjeeule

15.02.2004 18:11

So, jetzt habe ich es endlich geschafft, den Bericht in aller Ruhe zu lesen. Es war der mindestens dritte Anlauf. Liest sich ja schon interessant. Jetzt müsste ich nur noch die Zeit haben, mir diesem Film anzusehen. Lieben Gruß, Antje

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