1 Jahr mit Lea Contraceptivum - Update
26.08.2003 (23.06.2005)
Pro:
Verhüten nur bei Bedarf, kein Eingriff in Zyklus, Spontanität möglich,
Kontra:
gewöhnungsbedürftig, abschreckendes Aussehen,
Empfehlenswert:
Ja
 DasChaos
Über sich:
Mitglied seit:26.08.2003
Erfahrungsberichte:3
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 51 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
------------UPDATE----------------- Insgesamt sind es nun 3 Jahre, in denen mein Schatz und ich mit Lea C. verhüten. Was soll ich sagen? Ich bin noch immer nicht schwanger geworden. :) ------------/UPDATE----------------- Seit mittlerweile einem Jahr verhüten mein Freund und ich mit Lea Contraceptivum, lange genug, um einen ersten Erfahrungsbericht abzugeben:
****** Kurzbeschreibung ****** Lea C. gehört zu den Barriere-Verhütungsmethoden, es ähnelt in der Funktion einem Diaphragma, ist allerdings viel größer: ein ca. 5 cm großer "Silikon-Teller", den man sich besser auf den Seiten des Herstellers ansieht, als ihn sich aus vagen Beschreibungen vorzustellen. ;o) Lea C. wird in die Scheide eingeführt und vor den Muttermund geschoben. Ein Ventil sorgt dafür, dass es sich dort festsaugt und keine Spermien durchlässt. In Kombination mit Spermizidgel soll die Sicherheit erhöht werden. Für ausführliche Beschreibung, Fotos und Anleitung sei auf den Hersteller verwiesen, googeln nach "Lea Contraceptivum" ist da sehr ergiebig. ****** Eins vorweg: die Sicherheit ****** Schwieriges Thema. Der Hersteller gibt einen Pearl-Index von ~2 bis ~3 an. Streitpunkt: Diese Zahlen sind nicht von unabhängiger Stelle verifiziert worden. Was ich herausfinden konnte ist dies: In den USA wurde Lea C. nicht als Verhütungsmittel zugelassen, da die eigene Studie des Herstellers mit zu wenigen Probandinnen durchgeführt wurde. Man passte also die Ergebnisse seitens der Prüfstelle mittels statistischer Verfahren an, rechnete neu aus und kam auf einen neuen, höheren Index. Wie hoch der ist, finde ich jetzt leider nicht mehr. Ok, diese Methode ist mathematisch korrekt und legitim - aber man sollte den Leitsatz der Statistiker dabei nicht ausser Acht lassen: "Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!" Ich bin der Meinung: weder die Hersteller-Angaben, noch die Neuberechnung/ Hochrechnung bietet in diesem Fall eine fundierte, gesicherte Aussage. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, ich denke, ein Vergleich mit dem PI des Kondoms ist realistisch. So lange es keine neue, umfassende Studie mit ausreichend vielen Probandinnen gibt, glaube ich keiner Seite so recht.
------------UPDATE----------------- Die Zulassung durch die FDA in den USA ist mittlerweile geschehen. Von daher und durch meine eigene Erfahrung habe ich keine Bedenken bzgl. der Sicherheit. ------------/UPDATE----------------- Die Aussage, dass die "Einheitsgröße" des Lea C. für alle Frauen optimal ist, will ich ebenfalls nicht uneingeschränkt unterschreiben. Hier gilt: ausprobieren. Für mich passt es, obwohl ich recht zierlich bin mit einer Körpergröße von 1,60m habe ich keine Probleme damit.
****** Gründe für den Kauf ****** Bei mir war es so: ich hatte die Pille nach 5 Jahren einfach satt. "Pillenmüde" nennt man das wohl. Mein Freund und ich hatten beschlossen, die Verhütungsmethode zu wechseln, ein Kind haben wir zwar nicht geplant, aber es wäre auch nicht schlimm gewesen, wenn es passiert wäre. Wir entschieden uns für die Symptothermale Methode, an den "gefährlichen" Tagen verhüten wir mit Lea C. und Gel auf Milchsäurebasis. Ich war und bin froh, keine Hormone mehr nehmen zu müssen, denn ich sehe heute, dass mein Zyklus auch nach einem Jahr noch immer zu lang ist und mein Eisprung recht spät kommt. Mit dem Gel komme ich ca. ein Jahr lang aus, das Lea C. selbst zeigt bisher keinerlei Verfärbungen, darum werde ich es mindestens noch ein Jahr lang benutzen - das bedeutet eine Ersparnis von gut 60 Euro im Vergleich zu meiner alten Pille. Nicht eingerechnet die Zeit, die ich 4 Mal im Jahr in der Frauenarztpraxis verbracht habe, nur um ein neues Pillen-Rezept zu bekommen. *grmbl* Bei Lea C. sehe ich den größten Vorteil darin, dass ich nur dann verhüten muss, wenn es nötig ist und ich dennoch nicht zwangsläufig mittendrin ins Bad verschwinden muss. Mein Körper wird nicht belastet und ich kann jederzeit problemlos die Methode wieder wechseln. Mein Schatz und ich haben leider schon oft die Erfahrung gemacht, dass trotz korrekter Anwendung das Kondom gerissen ist - dieses Problem haben wir jetzt nicht mehr. ...und sollte Lea C. doch irgendwann versagen, merke ich es wenigstens nicht sofort nach dem Spass, sondern habe noch zwei bis drei Wochen bis zur Stunde der Wahrheit. Ändern würde ich ja sowieso nichts dran ;o) ------------UPDATE----------------- Es kam die Frage nach den Kosten auf: einmalig ca. 40 Euro (je nachdem wo man kauft) + Gel. Mit der 100g-Tube Milchsäure-Gel komme ich ca. 10 Monate hin. Das macht dann summa summarum einen Kostenaufwand von 15-20 Euro pro Jahr. Ich benutze übrigens entgegen der Hersteller-Empfehlung noch immer das erste Lea C., ein Neues habe ich bisher nicht kaufen müssen. Die erforderliche Hygiene ist durch Auswaschen + regelmässiges Auskochen oder Desinfizieren mit Sagrotan gegeben; da das Material keinerlei Ermüdungserscheinungen zeigt, sehe ich bislang nicht ein, ein neues Lea zu kaufen. --------------/UPDATE-------------------------
****** Erste Erfahrungen ****** Nachdem ich Lea C. gekauft hatte, zog ich mich damit für die ersten "Trockenübungen" ins Bad zurück. Es macht das Einsetzen leichter, wenn man nicht nur in die Schale des Lea C. Spermizidgel gibt, sondern auch auch die Außenseite, denn so wird das Einführen leicht. Für alle, die bei der Größe - insgesamte Länge gut 7 cm - das Schütteln kriegen: Nach dem 3. Einsetzen & Entfernen ist es ein Kinderspiel. Die größte Barriere ist im Kopf, danach folgt nur noch der Scheideneingang selbst, dort befinden sich Muskeln, die bei allgemeiner Anspannung das Einsetzen erschweren. Aber unter Anspannung können diese Muskeln es auch schwer machen, einen Tampon einzuführen - also: locker bleiben und entspannt ausprobieren. Ich gele die gesamte äußere Oberfläche ein, drücke das Lea zusammen - in dem Zustand hat es nur noch einen Durchmesser von 3 cm - und führe es ein. Ja, ich gebe zu: bei den ersten Versuchen flog das durch das Gel glitschige Lea-Ding ein paarmal quer durch das Bad, weil es mir einfach aus der Hand glitt... ;o) Ist es erstmal ganz eingeführt, spürt man schon noch, dass da was ist, aber nun schiebt man es ja mit dem Finger weiter, bis es von alleine die Richtung ändert und fest am Muttermund sitzt. Ein paar Schritte und fertig. Nichts mehr zu merken - und das, obwohl ich wie bereits erwähnt klein und schmal bin. So, zurück zum ersten Einsetzen. Entgegen meiner weiteren Erfahrungen mit Lea C. war das erste Einsetzen nicht so prickelnd. Das Einführen ging ratz-fatz ohne Probleme, es saß auch sofort richtig. Leider hatte ich mit dem Entfernen so meine Mühe. Als sich nach 15 Minuten noch immer nichts löste, wurde ich langsam panisch. Bis ich dann darauf kam, dass ich falsch an der Rückhol-Lasche gedreht hatte - ich Schussel! Ich hatte die Gebrauchsanweisung falsch verstanden und die Lasche horizontal von links nach rechts gedreht. Richtig ist aber eine vertikale Drehung, also von oben nach unten. Als ich das versuchte, dauerte es ca. 10 sek. und das Lea C. löste sich hörbar, das Herausziehen war kein Problem. Insgesamt hatte ich danach den Dreh schnell raus, heute brauche ich fürs Einsetzen/ Entfernen ca. 2 Minuten.
****** Die bessere Hälfte ****** Hier schliesse ich mich den Tips anderer Lea-Anwenderinnen an: Kauft es, probiert es aus ohne den Freund einzuweihen und fragt ihn hinterher, ob er überhaupt einen Unterschied gemerkt hat. Mein Schatz sagte, er hätte was gemerkt, aber nichts was ihm unangenehm wäre. Allerdings wusste er auch, dass ich mit dieser Verhütungsmethode liebäugelte und war ein wenig vorbereitet. Heute fragt er mich oft Tage später, ob wir eigentlich beim letzten Mal überhaupt verhütet haben. Sooooo weit kann es mit der Sensibilität also nicht her sein. ;o) Noch was: es kann ganz nützlich sein, wenn ihr ihm beschreibt, wie Lea C. aussieht und funktioniert, aber bei solch zartbesaiteten Männern wie mein Schatz einer ist ("Kreißsaal? Ohne mich!!") zeigt ihr das Original besser nicht - sonst kommt Er im Nachhinein vielleicht doch auf den Placebo-Gedanken, dass er was spürt. ;o) ****** Meine Langzeiterfahrungen ****** ...sind sehr gut! Ich bin in den letzten 12 Monaten nicht schwanger geworden, obwohl das Lea C. bei uns immer an den eindeutig fruchtbaren Tagen zum Einsatz kommt. Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass einige Stellungen nicht ganz so toll sind mit Lea C., aber das ist wohl individuell - ich will nicht vorgreifen. Ich kann gut entspannen und abschalten, nach dem Sex brauchen wir keine Eile mit Händewaschen und Kondom-Entsorgen haben, das Gefühl ist für mich das gleiche wie mit der Pille und man kann das "Nachglühen" ohne Hektik und Gedanken an die Verhütung geniessen. Bisher ist das Lea C. nie verrutscht und hat sich auch nicht unbeabsichtigt gelöst. Ich wechsle allerdings meist schon nach 24 statt nach 48 Stunden, denn obwohl generell der Ausfluss durch das Ventil austreten kann, möchte ich nicht zu lange eine Barriere vorm Muttermund lassen. Um ehrlich zu sein: Das Gemisch aus Spermizidgel und dem natürlichen Ausfluss, den frau ja fast immer hat, riecht nach 48 Stunden nicht allzu angenehm. Das Patentex-Gel hat sich bei mir geruchstechnisch sehr EKLIG verhalten; mit dem Milchsäuregel allerdings kann ich nicht klagen. Zudem soll Milchsäure die Scheidenflora ja unterstützen(?)
------------UPDATE/ Nachtrag----------------- Manche finden Lea C. (bzw. Barriere-Methoden allgemein) un-spontan. Kann ich persönlich nicht bestätigen, denn Lea C. ist bei Bedarf schnell eingesetzt und - was mir persönlich sehr wichtig ist - ermöglicht dann auch noch eine zweite oder dritte Runde, ohne nochmal irgendwelche Massnahmen ergreifen zu müssen. Und hinterher kein lästiges "So, jetzt musst du aber raus, sonst läuft das Kondom aus. Und Hände waschen nicht vergessen! Mach einen Knoten rein - und NICHT in die Toilette werfen!" ;o) ------------/UPDATE----------------- ****** Fazit: ****** Für mich und meinen Schatz ist dies zur Zeit die beste Verhütung. Wir können spontan sein, fühlen uns gut geschützt und haben den Kopf frei. Wenn wir uns in 3 bis 5 Jahren dann entschliessen, Kinder in die Welt zu setzen, brauchen wir uns keine Sorgen um verschobene Zyklen, Nachwirkungen der Pille und weiss der Geier was sonst noch machen.
Wer also ein entspanntes Verhältnis zum eigenen Körper hat und eine Alternative zu Hormonen und Kondomen sucht, sollte sich ruhig an Lea Contraceptivum versuchen - letztenendes muss es jeder selbst probieren, erzählen kann ich viel, wenn der Tag lang ist. Vorsicht: Wer schon mit Tampons oder dem Zervixschleim vorm/ zum Eisprung Probleme hat, sollte besser die Finger von Lea Contraceptivum lassen. Da Lea C. keinen Schutz vor HIV oder Geschlechtskrankheiten bietet, ist es auch nur was für treue Seelen in einer festen Beziehung.
Viel Spaß wünscht DasChaos :o) PS: Ich Schussel hab das Wichtigste wieder vergessen - danke Tigerente79! Also: Lea C. kostet zw. 40 und 50 Euro, ist rezeptfrei erhältlich in der Apotheke oder beim Hersteller, dort ist es meist etwas günstiger. Pro Familia etc. bieten betreffs Lea auch Beratung an, um letzte Fragen zu klären und wenn gewünscht den Sitz des Lea zu kontrollieren/ bewerten.
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16.08.2005 12:00
Vielen Dank für den wirklich sehr hilfreichen Bericht. Ich bin auf der Suche nach einer Alternative zur Pille. Nachdem ich dieses Hormonbombe fünf Jahre lang geschluckt und üble Nebenwirkungen gehabt habe, auch ein Jahr nach dem Absetzen immer noch meilenweit von einem regelmässigen Zyklus entfernt bin und ausserdem eine Latexunverträglichkeit habe (es gibt nur eine Kondommarke, die latexfrei ist), bleibt mir eigentlich nur die Barrieremethode. Und der Bericht hat mich ermutigt, es auszuprobieren :-) Viele Grüße, Moqui .
14.04.2005 13:28
Ein guter Bericht ! Danke für die Ausführlichkeit. Mit den Statistiken ist das wirkich so eine Sache. Mir hat mal ein Mediziner erklärt, dass sich der Pearl-Index nicht nur aus dem Versagen der Methode, sondern auch aus dem der Anwender errechnet. Es werden schließlich auch die Leute mitgezählt die ab und an mal keinen Bock aufs Überziehen oder Einsetzen hatten. Entscheidend für eine Methode ist dann wohl eher ob frau "auf gar keinen Fall" oder "eher nicht" schwanger werden will. Lea ist wohl was für die "eher nicht" Kandidatinnen, wenn wir schon beim kategorisieren sind. Und Deine Bemerkung, Du würdest es nicht wissen wollen und eh nichts daran ändern spricht ja auch eher für die zweite Gruppe. Kinderwunsch ? Ich finde jedenfalls das viel mehr Frauen ihren Unmut über die Pille kundtun sollten, dann wird uns nicht mehr weißzumachen versucht, dass wir als Nichtvertragerinnen/Ablehnerinnen von Hormonen (ich selbst habe echt ganz schön schlechte Erfahrungen) absolut selten sind. Danke für die Statements ! Weiterhin alles Gute, Gruß Junia
31.10.2004 20:36
Danke, Du hast wirklich alles ausführlich beschrieben, was ich wissen wollte! Am liebsten würde ich Lea sofort ausprobieren... aber das kann ich mir wohl abschminken (heute ist Sonntag!!!)