Leben des Brian, Das

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Jeder nur ein Kreuz...

5  18.08.2001

Pro:
Extrem komisch, sehr intelligent (wer hätte das gedacht?)

Kontra:
das verbitte ich mir ; - )))

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

mehr


Schini

Über sich: Ich bin noch immer in Kreativpause, aber sonst geht es mir gut. Liebe Grüße an alle, die mich noch v...

Mitglied seit:19.02.2001

Erfahrungsberichte:48

Vertrauende:44

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 161 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

"Verdammt dämlich, diese Römer! Haben keinen Sinn für Humor!"

"Es tut mir leid. Ich hab´s eilig. Könntest du wohl jetzt rausgehen? Linke Reihe anstellen, nur ein Kreuz für jeden."

Die Pythons...
Sie haben wohl mittlerweile ganze Generationen mit ihrem Humor beglückt und geprägt, aber ihr Geniestreich ist und bleibt wohl immer das Leben des Brian (Life of Brian), ihr zweiter Kinofilm, der 1979 das Licht der Welt erblickte.

Im folgenden sei der Film und die Geschichte darum ein wenig vorgestellt, meine eigene kleine Hommage an die Truppe, an deren Zitzen ich einen Gutteil meines eigenen abartigen Humorverständnisses aufgesaugt habe.
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Die Geburt
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Die Idee zum Film kann man eigentlich als Nachwehe der Ritter der Kokosnuß bezeichnen, denn noch bevor dabei die letzte Klappe fiel, brachte Eric Idle die Idee auf den Tisch, eine Parodie auf das Leben Jesu zu schreiben.

Nachdem bald klar wurde, daß niemand über eine Verarschung Jesu Christi lachen würde (ganz abgesehen von den anderen Schwierigkeiten) änderte man das Konzept auf die Lebensgeschichte des dreizehnten Apostels, Das Evangelium nach Brian.

Die Geschichte war ganz gut angelegt, mir gefällt zumindest die Idee: Brian als den Geschäftsmann im Verein der Apostel darzustellen, der nicht einsieht, warum man aus der ganzen Sache, den Wundern und Predigten nicht ein wenig Kohle machen sollte und dabei die wichtigsten Begebenheiten verpaßt. Das Problem war nur, daß wahrscheinlich jeder aufhören würde zu lachen, sobald der Sohn Gottes auftauchen würde.

Also ließ man Christus (fast) ganz weg und schrieb die Geschichte eines ganz normalen Kerls im Jahre 33 nach Christus in Judäa...

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Gold, Weihrauch und Myrrhe
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In Ermangelung dreier freigiebiger Weiser aus dem Morgenland kontaktierten die Pythons die EMI, und diese sagte anfangs auch die Finanzierung zu. Warum die Verantwortlichen dann doch kalte Füße bekamen, ist nicht klar: vielleicht war ihnen das Thema zu heiß, vielleicht fürchteten sie um ihr Karma für das nächste Leben oder hatten einfach keine Lust, sich beim Jüngsten Gericht für diesen Film zu verantworten.

Hilfe kam von unerwarteter Seite: George Harrison (genau der!) gründete eine Produktionsfirma, Handmade Films, offenbar nur aus dem einen Grund: er wollte sich diesen Film ansehen.

Die Dreharbeiten begannen fast pünktlich (ein halbes Jahr später als geplant) im September 1978 in Monastir, Tunesien.


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Das Evangelium nach Brian, in der Kurzfassung ;-)
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Beati sunt pauperes in spiritu
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Am Heiligen Abend haben sich die heiligen drei Könige in Wirklichkeit anfangs in der Tür geirrt bevor sie auf den richtigen Jesus stießen. Seltsam, denn angesichts des Leuchtens der heiligen Familie, hätte selbst ein Blinder die Krippe gefunden...

33 Jahre später, an einem Samstag nachmittag (kurz nach der Sportschau, bzw. about tea time) hat sich allerlei Volk versammelt, um der Bergpredigt zu lauschen, und wie so oft herrscht keine Ruhe auf den billigen Plätzen. Verstehen tut man nichts, langweilig ist es und nachdem auch noch eine Schlägerei ausbricht, gehen Brian und seine Mutter zur Steinigung.

Da offenbar nur Frauen Spaß an diesem sportlichen Vergnügen haben, aber genau diesen die Anweseheit bei solchen Gelegenheiten verboten ist, treiben sich anscheinend allerhand bärtige Kastraten bei dieser Veranstaltung herum. Kurz und gut, der Kerl mit dem lustigen Hut macht eine folgenschwere Bekanntschaft mit einem Hinkelstein...

Lerchenzungen! Otternnasen! Ozelothmilch!
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Auf dem Heimweg treffen Brian und seine Mutter einen Ex-Leprakranken, dem es der Herr nicht wirklich rechtmachen konnte. Daheim wartet eine folgenschwere Eröffnung auf Brian: seine Mutter eröffnet ihm, warum seine Nase so groß sei (oder auch nicht)...

Im jerusalemer Kolosseum, während der Nachmittagsvorstrellung (children's matinee), schließt sich Brian einer Gruppe von patriotischen, revolutionären Männern, Frauen (Judith) und Transsexuellen (Stan/Loretta) an, der Volksfront von Judäa (VVJ). Da die Römer wie ein Verrückter (a lot) haßt, bekommt er noch für diese Nacht seinen ersten Auftrag für einen Sabotageakt.

Romanes eunt domus
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In der Nacht erhält Brian eine Lateinstunde und nachdem er die hundert Strafsätze auf die Palastmauern geschrieben hat, bekommt er eigenartigerweise Probleme. (was haben wir unsere Lateinlehrerin mit diesem Satz gequält ;-))

Judith aber rettet ihn vor seinen Verfolgern und bringt ihn in das Hauptquartier der Volksfront von Judäa. Dort ist gerade eine heiße Diskussion im Gange, warum man denn eigentlich gegen die Anwesenheit der Römer sein könnte...

In der folgenden Nacht soll schließlich Pilatus Frau gekidnappt werden, nur hat die Kampagne für ein freies Galiläa gerade dasselbe vor und so gerät man sich in einer munteren Schlägerei in die Haare...

Du pist ein Täfitist! Ich pisse was?
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Nachdem die Römer nur warten mußten, bis sich die Revolutionäre gegenseitig um die Ecke gebracht hatten, wird Brian als einziger Überlebender gefangen genommen.

Das Verhör durch Pontius Pilatus gestaltet sich in der Folge als schwierig, da es zu schier unaussprechlichen *g* Schwierigkeiten kommt. Aber da sich der Statthalter mit den sich ganz unstatthaft verhaltenden Soldaten herumschlägt, kann Brian wieder entkommen.

Dann wird er von Außerirdischen in einer animierten Sequenz entführt, landet jedoch wieder auf der Erde, gleich bei den verwirrten Propheten.

Dieser Mann will nicht feilschen
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Die Flucht gestaltet sich weiterhin schwierig, nachdem Brian sich gezwungen sieht, mit einem Händler um einen falschen Bart zu handeln. Endlich mit einer neuen Rotzbremse samt Anhang ausgestattet, kehrt er in das HQ der VVJ zurück.

Leidergottes hat er dabei auch Pilatus Truppen mitgebracht und während die Anderen sich vor den Massen von Legionären verstecken, fällt Brian unter die Propheten, in deren Reihen er sich zur Tarnung mischen muß.

Seine Reden vom ewigen Leben, vom Richten und nicht gerichtet werden scheinen den Leuten zu gefallen, doch leider zieht seine plötzliche Popularität auch die Aufmerksamkeit der Besatzer auf sich. Also geht die Flucht (vor seinen Anhängern und den Römern) weiter, in dessen Folge er einem Trappisten-Einsiedler gehörig auf den Fuß springt.

Messias-Business
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Nach der ganzen Aufregung bleiben nur noch Judith und Brian übrig, und verbringen die Nacht miteinander. Als jedoch Brian am nächsten Morgen das Fenster öffnet begrüssen ihn Menschenmassen und eine zornige Mama.

Plötzlich findet er sich in der Ewiges-Leben-und-Heilsindustrie wieder - die VVJ hat seine Vermarktung übernommen - was Brian natürlich nicht gefällt. Doch die Römer befreien ihn aus dieser mißlichen Situation und bringen ihn in eine noch schlimmere.

Pilatus, seiner endlich habhaft geworden, will ihn nämlich zur Feier des Passahfests kreuzigen lassen. Gottseidak beschließt die VVJ, etwas dagegen zu unternehmen und beginnt eine endlose Diskussion darüber, wie er denn zu retten sei.

Laßt Prian frei!
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Während sich die Verurteilten zur Kreuzigung einreihen, jeder nur ein Kreuz, hält Pilatus eine eicht mißglückte Rede zusammen mit seinem lispelnden Freund S. Longus (hier sind Kinder unterwegs) vor dem Volk, um herauszufinden, wen er denn anläßlich des Festes freilassen soll.

Nach langem Ringen findet sich endlich ein Kandidat - Brian. Doch der muß zuerst einmal aufgetrieben werden, denn die Kreuzigungstruppe ist schon unterwegs.

Always look on the bright side of life
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Brian, der mittlerweile ziemlich depressiv am Kreuz hängt, bekommt einigen Besuch: die VVJ, seine Mutter, Judith und sogar von Harakiri-Soldaten, sie ihn jedoch alle nicht wirklich aufheitern.

Nach dazu wird dann ein falscher Brian an seiner Statt vom Kreuz befreit... Tja, Life's apiece of shit....


ENDE DER SYNOPSIS

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Apokryphen
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Es fehlen einige Szenen, unter anderem die eigentliche Eröffnungsszene mit den Hirten am Felde, die den Beginn der Zeitenwende erwarten (einer meiner Lieblingssätze: "Ist es schon nach Christus?" "Ja, etwa viertel nach..."), einige Wunder, die Entführung der zwei Meter großen Frau Pilatus und vor allem die Einführung der Selbstmordattentäter, die sich am Ende umbringen. Aber wahrscheinlich war es ganz weise, die Parodie auf jüdische Nazis wegzulassen.

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Dreharbeiten
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Die Dreharbeiten fanden, wie bereits erwähnt, in Tunesien statt, dort, wo kurz vorher noch Franco Zeffirellis Jesus von Nazareth und die Wüstenszenen von Star Wars gedreht wurden.

Die Statisten stammten fast sämtlicherweise aus Tunesien (bis auf eine englische Reisegruppe bei der Entblößung von Brians "Nase"), was zu keinen gröberen Problemen führte. Nur eben bei oben genannter Gelegenheit bekam Graham Chapman gewisse Probleme mit seinem Selbstvertrauen, nämlich als die tunesischen Frauen bei seinem Anblick vor Entsetzen aufschrien...

Wie sonst auch, tauchen die Pythons in verschiedensten Rollen auf, es gibt allerdings auch ein Cameo von George Harrison als Eselhändler.
Hier nur eine unvollständige und eigentlich überflüssige Liste der Darsteller und Autoren ;-)))...

· Graham Chapman (Brian)
· John Cleese (Reg, der Zenturio und noch viele andere...)
· Terry Jones (Brians Mutter, etc.) außerdem hat er Regie geführt
· Eric Idle (Loretta, und und und)
· Terry Gilliam (im Kerker...) und verantwortlich für Animationen und Produktionsdesign
· Michael Palin (Pilatus, der Ex-Leprakranke...)

Die Kostüme hat, wie auch schon für den Flying Circus, Hazel Pething gemacht, Executive Producers waren George Harrison und Denis O'Brian, John Goldstone war der Produzent.

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Reaktionen
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Der Film war in einigen Ländern verboten und auch anderswo hagelte es Proteste wegen der scheinbaren oder tatsächlichen Gotteslästerungen und Balsphemien.

Die Antort der Pythons auf diese Menschen findet sich schon im Film selbst: Brian hat gerade sein bestes Stück vor den Menschenmassen entblößt und hält ihnen nun eine kleine Rede: "Es ist völlig unnötig, einem Menschen zu folgen, den ihr nicht mal kennt. Ihr müßt nur an euch selbst denken. Ihr seid doch alle Individuen. (...) Und jeder von euch sollte versuchen, es für sich selbst rauszufinden!" Die Menge antwortet ihm: "Sagt uns mehr, Herr!", worauf Brian entnervt aufgibt: "Nein! Darum geht´s ja. Ihr habt euch von niemandem sagen zu lassen, was ihr tun und lassen sollt."

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Die Schini denkt...
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Ich liebe diesen Film! Ich muß heute noch, bei der wahrscheinlich fünfhundertsten Wiederholung, Tränen lachen obwohl ich fast alle Sätze mitsprechen kann.

Dabei entdecke ich immer wieder neue Facetten an dem Film, seien es jetzt die Nuancen der deutschen Übersetzung im Vergleich zum englischen Original oder die Anspielung der Kreuzigungsszene auf Spartacus. So heißt Brians Vater im Original Naughtius Maximus und auch der ehrenwerte Schwanzus Longus trägt den sinnreichen Namen Biggus Dickus. Natürlich ist auch Pilatus Sprachfehler ein wenig anders...

Außerdem ist der Film wirklich intelligent gemacht, allerdings gehen die Zitate (für die man wahrscheinlich Theologie studieren muß, um sie in ihrer Vollständigkeit zu verstehen) und Spitzen auf heuchlerische Glaubensvertreter manchmal in dem Trubel unter. Nur die Rettung durch die Fliegende Untertasse habe ich bis heute nicht verstanden, aber bei den anderen Filme von Terry Gilliam geht es mir nicht viel anders.

Außerdem kenne ich die apokryphen Szenen nur aus der Drehbuchveröffentlichung, ich hätte sie wirklich gerne einmal im Film gesehen, doch noch sind diese nur auf Laserdisk erschienen und wer hat das schon?

Ganz schon langer Bericht, aber es lag mir wirklich am Herzen, schließlich vergöttere ich diesen Film...

Lg,

Schini

PS:

Die Informationen rund um den Film stammen zum großen Teil aus der exzellenten Monty Python Biographie "The first 28Ø Years of Monty Python" von Kim "Howard" Johnson, erschienen bei St. Martin's Griffin, New York.

Die Texte sind dem im Heyne-Verlag erschienenem Drehbuch entnommen.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Lukrezia123

Lukrezia123

14.03.2006 02:18

Also bei dir ist wirklich alles perfekt, Schini!

Citrusfrucht

Citrusfrucht

23.04.2003 13:14

Der Bericht is wirklich super!! Jetzt muss ich gleich mal mein Video suchen und den wieder mal anschauen! lg Tanja

ChrisLanger

ChrisLanger

27.03.2002 11:45

Ein super ausführlicher Bericht zu einem der lustigsten Filme aller Zeiten! ciao Chris

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