Leben mit eigenen Kindern - Tipps & Tricks

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Leben mit eigenen Kindern - Tipps & Tricks

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Erfahrungsbericht über "Leben mit eigenen Kindern - Tipps & Tricks"

veröffentlicht 21.09.2000 | Malle1308
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"Wie erzieh ich meine Eltern"

Ich weiß, diese Rubrik heißt 'Leben mit eigenen Kindern' - aber jeder von uns lebt doch auch mit eigenen Eltern, oder? ;) Und ich denke, dass dieser Umstand für die 'Kinder' meist genauso mit Freude, Ärger, Spaß und Liebe verbunden ist, wie für die Erziehungsbevollmächtigten, die ihren Kindern beim groß-, erwachsen- und (manchmal) auch vernünftig-werden zusehen.

Und dass verdient mal eine eigenen Meinung, oder nicht?
Denn, wer hat denn als Kind, Jugendliche/r oder junge/r Erwachsene/r nicht über seine Eltern geflucht?
Wer hat sich nicht geschworen, eh alles besser zu machen?
Und wer hat seine Eltern auf der ersten Klassenfahrt nicht schmerzlich vermisst?
Beim ersten Urlaub 'ohne Aufsicht' eine liebevolle Postkarte nach Hause gesandt?

Also, ich kenne da niemanden, dem das anders ergangen wäre - nicht einmal meine Eltern waren da besser, wie sie selbst zugegeben haben.

Das dumme ist nur, dass zwischen der ersten Klassenfahrt und der ersten liebevollen Postkarte eine lange, sehr lange Zeit voller Missverständisse, Streitereien, Wut und Tränen liegt - auf beiden Seiten.

Diese Zeit ist bei mir nicht wirklich lange her - genau gesagt vielleicht mal gerade ein viertel Jahr, ab und zu erwische ich mich sogar noch bei einem Rückfall.
Viele der Älteren werden wohl gleich anfangen zu schmunzeln oder den Kopf zu schütteln, wenn ich mein Alter nenne: ich bin nämlich gerade mal junge 18 Jahre alt - und das auch erst seit etwas über einem Monat.

Aber die 'äußeren Umstände' machen einen gerade in dem Alter sehr nachdenklich, das sehe ich auch immer wieder bei meinen Freunden.
Denn einem wird auf einmal bewusst, dass das traute Heim bald zu einem 'Reiseziel' werden wird, die geliebt-gehassten Eltern bald nicht jedes mal da sein werden, wenn man Probleme hat, dass man viel zu schnell raus muss aus dieser Sicherheit, die einem das Elternhaus bietet und selbst Verantwortung übernehmen muss.

Für mich waren all diese Gedanken Anlass für eine Rückschau, an der ich diejenigen unter Euch, die sich auf eine Reise in die Erinnerung einlassen möchten und die, die noch in dieser 'Meine Eltren sind gegen mich'-Phase sind, teilhaben lassen möchte.

Ich hatte eigentlich immer eine gute Beziehung zu meinen Eltern - auch wenn mir heute immer noch schleierhaft ist, wie meine Eltern das mit mir ausgehalten haben. Stellt Euch vor, Ihr seid Mutter und Eure Tochter kommt zu Euch und sagt Euch mitten ins Gesicht: 'Wenn ihr euch mal scheiden lasst zieh ich zu Pappa!'.
Meine Mutsch musste ganz schön was aushalten... die Arme...
Aber ich weiß zum Glück, dass diese Ehrlichkeit einfach typisch ist für Kinder, sonst hätte ich immer noch ein schlechtes Gewissen - denn wenn ich eines war als Kind, dann gnadenlos ehrlich und direkt.

Da muss man als Eltern schon ein dickes Fell haben, wenn man mit der Ehrlichkeit und Ungerechtigkeit seiner Kinder umgehen können will.

Doch überspringen wir mal die 'harmlose' Kleinkinderphase und kommen wir zu der Zeit, die wir alle doch so lieben:

Die Pubertät!

Denn das ist die Zeit, in der sich alle fragen: Wie erzieh ich mir meine Eltern?
Und die Antwort? Sie erziehen sich von ganz alleine - ob man’s glaubt, oder nicht.
Wer von meinen werten Lesern selbst Kinder in dem Alter hat, wird es vielleicht an sich bemerkt haben: Je häufiger beide Generationen aneinander geraten, je heftiger die Streits werden und je bockiger das Kind wird, umso trotziger reagieren auch die Eltern - meist zur großen Freude des Kindes.

Ich hab diese 'Schlachten' noch deutlich vor mir... ich 'gegen' meine Mutsch oder meine Eltern gemeinsam 'gegen' mich - und meist war ich diejenige, die klein beigeben musste... doch irgendwann hat sich das geändert, da haben auch meine Eltern gemerkt, dass ich nicht mehr ganz so klein und hilflos war, wie vor 2 oder 3 Jahren, denn die 'Rundumschläge' wurden härter und fieser: Von 'Ich habt mich ja eh nicht lieb' bis 'Ihr wollt doch nur beweisen, dass ihr am längeren Hebel sitzt' war alles dabei - das schlechte Gewissen hinterher meinerseits muss ich wohl nicht erwähnen oder?
Aber diese Vorwürfe scheinen irgendwie Wirkung gezeigt zu haben... zumindest wurde es meinen Eltern irgendwann zu bunt, denn sie meinten: 'Wenn du meinst, du bist alt genug, alle Gefahren einschätzen zu können und unbedingt (als Beispiel) um 2 noch durch die Straßen hüpfen musst... bitte.... aber sag am Ende nicht: 'Ihr habt mich nicht gewarnt'' - aber irgendwie war nach der ersten 'längeren' Nacht der Witz raus - ich durfte ja und konnte nicht mehr meckern... und die meisten in meinem Alter mussten um 1h zu Hause sein *g*

Die erste Runde - vor knapp 2 Jahren - ging also voll an meine Altvorderen... aber der nächste Kampf kommt bestimmt... spätestens wenn der erste 'ernsthafte' Freund auftaucht..
Da kriegen Väter mal kleine Aussetzer, weil ihre 'Kleine' nun doch flügge wird... da wird dann doch mal über die Anschaffung einer Schrotflinte nachgedacht... und die 'Ausgehzeiten' sind auch wieder näher an den gesetzlichen *ggg*
Wobei mein Daddy da vergleichsweise harmlos war... manche Väter reagieren wirklich über (mögen sich ruhig einige angesprochen fühlen).

Doch am härtesten wird es für die Eltern wohl, wenn die magische 18 erreicht wird, das Abitur (oder das Ende der Lehre/Ausbildung) bevor steht und das Kind von Auszug und eigener Familie redet... in der letzten Zeit erwische ich meine Eltern viel häufiger als sonst dabei, wie sie mit Freunden und Familienmitglieder über die letzten 18 Jahre reden oder in den alten Fotoalben blättern... Umarmungen und 'Liebesbekundungen' häufen sich in unserer Familie auch in fast beängstigendem Maße - man könnte meinen, ich würde demnächst für immer auf den Mond verschwinden....

Aber ich kann meine 'kleine' Mutsch und meinen 'alten' Papa gut verstehen, es muss schwer sein, einen Menschen loszulassen, den man die ersten 18-19 Jahre seines Lebens begleitet und geführt hat und der nun sein eigenes Leben aufbaut.

Und deshalb möchte ich mich hier - auch im Namen all der Jugendlichen und 'jungen Erwachsenen', die sich mir anschließen möchten - bei meinen und allen anderen Eltern dieser Welt bedanken, die ihren Kindern eine glückliche Kindheit und ein gutes Fundament aus Werten, Idealen und anderen Geschenken einer gelungenen Erziehung mitgeben und mitgegeben haben, die ihren Kindern die Liebe schenken und geschenkt haben, die sie verdienen und die sich trotz aller Sorgen, Nöten und Problemen, die Kinder mit sich bringen, FÜR Kinder entschieden haben.
Ich bewundere ihren Mut und hoffe, dass ich später eine ebenso liebevolle und gute Mutter werden kann, wie ich es bei meiner Mutter und den Müttern vieler meiner Freunde gesehen und erlebt habe.

Und den Jugendlichen unter Euch, die mir jetzt kein Wort glauben: ICH hätte vor einem Jahr auch nicht gedacht, dass ich diesen Text einmal schreiben würde - doch irgendwann hat man Abstand zu den rebellischen, trotzigen Jahren und sieht das ganze lockerer (da können 2, 3 Monate schon reichen ;), wie jetzt vielleicht Eure Eltern - und nehmt ihnen den Satz 'Als ich in deinem Alter war...' nicht übel, Ihr werdet ihn auch noch von Euch geben und Eurer Kinder werden Euch dann dafür hassen, bestimmt!

In diesem Sinne, genießt die kurze gemeinsame Zeit, die die Kindheit Eltern und Kindern schenkt, so lang ist sie nicht...

Eure etwas rührselige Malle

PS: Danke an all diejenigen, die bis hierher durchgehalten haben und mir diesen kleinen Ausflug in die Erinnerungen verzeihen werden :)

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • hollipolli veröffentlicht 08.02.2001
    Den Bericht fand ich klasse und habe gerade meine Familienplanung geändert *g* Ciao Holli
  • fctunnel veröffentlicht 19.12.2000
    Eine sehr schöne Meinung von Dir. Als Papi von 2 kleinen Mädels hab ich noch ein paar Jahre Zeit vor dem Loslassen, aber schon Schiß davor. Gruß, fctunnel.
  • Die_Buchhaendlerin veröffentlicht 06.12.2000
    klasse geschrieben! und sehr vernünftig und verständnisvoll uns "Alten" gegenüber
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