Mitbringsel von der ProWein - Calvados aus der Normandie

5  21.04.2011

Pro:
harmonischer Calvados zu erschwinglichem Preis, angenehm mild trotz 40%

Kontra:
ist nicht in vieln Geschäften zu bekommen, manchen etwas herb

Empfehlenswert: Ja 

KRAWALLSCHACHTEL

Über sich: ☼ «Bald gibts hier wieder KRAWALL vom Feinsten! Also Scrollrad geölt, CIS angeklickt und Lese...

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Während der kürzlich von mir besuchten Fachmesse ProWein 2011 in DüsselDORF hielt ich gesondert Ausschau nach edlen oder ausgefallenen Spirituosen. Die ProWein ist eine internationale Fachmesse zum Thema Wein und Spirituosen. Nach einiger Zeit landete ich eher durch Zufall in Halle 5, wo Wein- und Spirituosentrends aus Frankreich vorgestellt wurden. Hier fand man neben den großen Weinanbietern auch kleinere französische Weinanbauer und Brennereien, welche eifrig ihr Produkte anboten und zur Verkostung einluden.

Exakt in dem Augenblick als ich an einem kleinen Messestand meiner Begleitung ausschweifend die Details zur Herstellung eines Calvados erklärte wurden wir ausgesprochen freundlich von einem Herren mittleren Alters angesprochen, welcher uns unaufdringlich sympathisch und redegewandt in ein Gespräch über sein Produkt Calvados Lecompte Originel einband, und uns nacheinander eine kleine Geschmacksprobe seines Calvados in drei Altersstufen kosten lies.

Ein Calvados ist auch ein Weinbrand, aber aus Apfelwein (Cidre). Er hat schöne Apfelaromen und ist weich, rund und sehr lang. Zur Herstellung des Calvados wird Apfelsaft zu Cidre vergoren und destilliert. Die Destillationskampagne dauert immer ein Jahr: Beginnend am 1. Juli an und endet am 30 Juni des darauffolgenden Jahres. Zwei Destillationen finden im Jahr statt: im Herbst und im Frühling. Die Gesetzgebung diesbezüglich ist sehr streng.

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Der Calvados Lecompte wird seit 1923 in der Stadt Lisieux destilliert. 1945 wurde der Firmenname in Lecompte umgeändert. Yves Pellerin erwarb 1979 das Familienunternehmen Lecompte. Im Jahr 1985 kam Hervé Pellerin als Vertriebsleiter in das Unternehmen und seitdem wird der Calvados von Lecompte von Jahr zu Jahr erfolgreicher und prominenter.

Die Brennerei liegt in Notre-Dame de Courson, einem kleinen Ort im Herzen des Pays d‘Auge, zwischen Orbec und Livarot in der Normandie. Wer sich einmal dort in der Gegend befindet sollte sich die Führung durch die Brennerei nicht entgehen lassen und mir davon berichten. Die Calvadosbezeichnung Pays d’Auge bedeutet soviel das die Äpfel aus einer aus der eingegrenzten Region abstammen und das Destillat zweimal gebrannt wurde.

Calvados Lecompte wird doppelt in einer Kupferbrennerblase destilliert und erhält so ein einzigartiges Gemisch schwer zu beschreibener Aromen. Durch anschliessender Reifung in kleinen Eichenfässern wird diese Aromenvielfalt noch verstärkt und gibt dem Apfelbrand aus dem Pays d`Auge einzigartige Geschmackserlebnisse.

Wer in der Air France die First- oder Buisnessclass fliegt darf hier den zwanzigjährigen Calvados von Lecompte testen, welcher übrigens auch in der Hemingway-Bar des Pariser Ritz Hotels auf der Karte zu finden ist, und dort zudem im Cocktail des Hauses verarbeitet wird , um nur einige exklusive Referenzen aufzuzählen.
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Uns gefiel dieses Produkt auf Anhieb und am letzten Tag der Wein- und Spirituosenmesse kurz vor Ende der Schau steuerte ich zielgerichtet auf den Messestand zu wo man die letzten Flaschenreste zeitgleich in Kartons verstauen wollte. Ich fragte schamlos an, ob man mir nicht den Restinhalt der übrig gebliebenen Flaschen zu Testzwecken überlassen könnte und bekam nach wenigen Minuten vom Chef persönlich drei leicht gefüllte Glasflaschen und viele freundliche Worte auf den Weg mit. Stolz wie Oskar verstaute ich die Produktproben und erkannte erst zu hause welche Köstlichkeiten in eingesammelt hatte.


Meine Beute:
Eine Flasche Calvados Lecompte Originel hatte noch gut 200ml Inhalt ( ca. 25.-/Liter),
einen weiteren Calvados Lecompte 12 Jahre alt mit gut 200ml Füllmenge (ca. 75.-/Liter) und
Calvados Lecompte 15 Jahre alt mit etwa 200ml Restinhalt (ca. 90.-/Liter).

Wir starteten unsere ausführliche Versuchsreihe mit dem jüngsten Vertreter, dem Calvados Originel:

Calvados Lecompte Originel
700ml Glasflasche mit Korken
Hersteller: Calvados Lecompte
Route de Manerbe 14130 Coquainvillers, Frankreich
http://www.calvados-lecompte.com

Er ist mit etwa fünfundzwanzig Euro pro Liter der preisgünstigste des Herstellers und mit zwei Jahren Reifung auch der Jüngste dieser Reihe. In sehr ausgesuchten Feinkostläden und bei gut sortierten Weinhändlern kann man mit etwas Glück auch diesen jungen Brand vorfinden. Im Internet habe ich den Calvados Lecompte Originel in der 700ml- Flasche ab 20,00€ gesehen, in Geschäften ist er vermutlich unwesentlich teurer. Auch über ebay und amazon könnte man den guten Tropfen finden.


Aufmachung/Flasche:
Calvados Originel wird im Gegensatz zu den älteren Jahrgängen in einer eher herkömlichen klaren 700ml Glasweinflasche mit Korken angeboten. Das Etikett ist verziert mit der wohl verarbeiteten regionalen Apfelsorte und den üblichen Herstellerangaben wie Alkoholanteil, Produktdetails samt Zubereitungstipps.


Farbe + Aroma + Geschmack:
Die gelbliche Färbung des Destillats wird komplett ohne Zusatz von Zucker oder Karamell durch Faßreifung in kleinen Eichenholzfäßchen erreicht, die älteren Jahrgänge sind wesentlich glänzender und dunkler in der Farbgebung und tendieren farblich ins cognacbraun.

Zu Beginn meiner ausführlichen Verkostung zuhause testete ich skeptisch den jungen Lecompte Originel, welcher zu Beginn angenehm fruchtig schmeckt und aufgrund seiner herben Spritzigkeit gewiss gut in Longdrinks zu verwenden wäre. Mit seinem intensiven Apfelaroma peppt er Drinks auf, ohne mit seinen immerhin 40% Alkoholanteil zu alkohollastig zu schmecken. Im Geschmack dabei ist dieser Brand hingegen sehr spritzig, mit anregender Fruchtnote und langanhaltendem Apfelduft.

Die vergleichsweise kurze Lagerung erhält die natürlichen Apfelaromen, lässt den Brand aber keinesfalls auffällig würzig erscheinen, im Gegensatz zu den deutlich älteren Jahrgängen. Der junge Brand ist dabei nicht scharf am Gaumen und zeigt sich auf der Zunge frisch und fruchtig. Damit eignet er sich trotz seines hohen Alkoholanteils von 40% gut als Beigemisch zu Schaumweinen oder auch auf Eis mit beispielsweise Apfelsaft. Auch eine Kombination von Limette, Calvados, Rohrzucker und zerstoßenem Eis könnte ich mir als außergewöhnliche Alternative zum Caipirinha durchaus vorstellen.

Der hohe Geist von 40% im Alkohol verspricht einen hohen Wirkungsgrad und sollte vor unkontrolliertem Konsum abschrecken, es handelt sich bei diesem Tröpfchen vielmehr um eine Edelspirituose welche gezielt eingesetzt werden sollte.


Zubereitungsmöglichkeiten:
Für einen Digestif pur ist mir der Calvados Lecompte Originel ein wenig zu herb und nicht so süßlich wie beispielsweise die älteren Jahrgänge. Der leichte Brand erinnert sehr an Cidre, ist mild im Abgang und trotzdem sehr aromareich. Zum Kochen oder Backen wäre mir dieser Apfelbrand nicht zu schade, so verleiht er zum Beispiel frische Erdbeeren eine fast exotische Note, selbst bei minimalem Wareneinsatz.

Ein annehmbares Geschmackserlebnis bekam ich kürzlich auch zustande, während ich 2cl des Lecompte Originel auf Eiswürfel in ein Sektglas goß und dies mit eher billigem Schaumwein aus der Pfalz aufgoß. Hier ergänzten sich die herben Nuanchen ganz harmonisch mit dem eher süßlichem Schaumwein und wertete so das mäßige Sektprodukt auf.


Mein Rezeptvorschlag:
Paris in love
Auf 3cl Calvados Originel gebe ich einen Spritzer Zuckersirup und 3cl klaren Apfelsaft. Dann gebe ich mittelgroße Eiswürfel in ein Longdrinkglas und fülle die Mixtur mit Champagner auf.

Alternativ ersetzt man den Champagner durch extra trockenen Sekt und tauscht den Zuckersirup gegen Grenadine aus. Dadurch gewinnt der Drink etwas an Süße und erfreut das Auge durch einen starken Rotstich im Glas.


Fazit:
Mein Fazit fällt positiv aus, denn der getestete Calvados Lecompte Originel hebt sich durch seine Frische und seine Spritzigkeit von vielen anderen Calvadossorten ab. Trotz des vielleicht hoch erscheineden Kaufpreises von 25,00€ je Liter lohnt die Investition, wenn man diese Spirituose mit Bedacht in der Bar oder Küche einsetzt.

Die älteren Jahrgänge haben mich aufgrund ihrer Faßaromen etwas mehr überzeugt, davon berichte ich euch bei Gelegenheit.

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exklusiv auf ciao.de veröffentlicht ;)

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Bilder von Lecompte Calvados Originel
  • Lecompte Calvados Originel lep 012 - Lecompte Calvados Originel
  • Lecompte Calvados Originel lep 013 - Lecompte Calvados Originel
  • Lecompte Calvados Originel Lecompte Calvados Originel
  • Lecompte Calvados Originel lep 016 - Lecompte Calvados Originel
Lecompte Calvados Originel lep 012 - Lecompte Calvados Originel
Lecompte Calvados Originel, leider hat mein Mitbewohner die Flasche etwas überstürtzt entsorgt, daher muss es das hier tun...
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ditho1911

ditho1911

25.04.2011 08:57

BH nachgehoppelt. LG ditho

sirikit06

sirikit06

24.04.2011 11:48

bh! LG und ein schönes Osterfest!

Teilsmit

Teilsmit

24.04.2011 11:30

Auch wenn ich mich jetzt als Banausin outen mag: Ich wusste, bis zu Deinem Bericht, nicht einmal, was "Pro Wein" ist. Ich hätte es auch geglaubt, hätte mir wer erklärt, es sei eine, von Biergegnern initiierte, Bewegung .-) Ein schönes Osterfest in die Domstadt

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