Erfahrungsbericht über

Leica M7

Gesamtbewertung (2): Gesamtbewertung Leica M7

 

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Die beste Kamera der Welt?

5  11.12.2003

Pro:
klein, handlich, leise, robust, Spitzenoptik

Kontra:
teuer, umständliches Film einlegen

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Bildqualität

Ausstattung

Bedienung

Verarbeitung

Akkulaufzeit

Zuverlässigkeit

mehr


berndschmidt

Über sich:

Mitglied seit:28.07.2002

Erfahrungsberichte:19

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 21 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Anfang des 20. Jahrhunderts haben Fotografen Ihre Lichtbildnisse auf schweren und unhandlichen Plattenkameras (9x12cm bis 20x25cm) abgelichtet. Schnappschüsse waren kaum möglich. Bereits 1905 hatte Oskar Barnack die Idee, das Filmformat zu verkleinern. Die Realisation gelang Ihm 1915 als Entwicklungsleiter bei Leica. Statt Platten wurde ein Kinofilm 24x36mm in ein Metallgehäuse mit Optik gepackt. Die ersten Bildergebnisse waren für damalige Verhältnisse sehr gut. Durch den ersten Weltkrieg konnte die UR-Leica erst 1924 zum ersten mal als Serienkamera gefertigt werden. Bis heute ist der Kleinbildfilm das am meisten verwendete Filmmaterial! Jede neue Leicageneration der Sucherkamera mit Wechseloptiken basiert auf diesem Grundmodell. Es wurden lediglich ein paar technische Innovationen dezent hinzugefügt.

Bei einem Kodak Fotowettbewerb bekam ich den erfreulichen Anruf, das ich zu den drei glücklichen Gewinnern einer Leica M7 gehören würde. Zur Preisverleihung wurde ich auf die Photokina nach Köln eingeladen. Zuerst überwog die Freude über solch einen hochwertigen Gewinn. Aber was soll ich mit solch einer teuren Kamera? Also lag der Gedanke nahe, die Kamera nach Erhalt zu verkaufen. Die Preisverleihung zog sich über zwei Stunden hin, bis ich die Kamera in der Original-Verpackung überreicht bekam. Anschließend fuhren wir auf direktem Weg zum Hotel um neugierig die neue Leica zu entpacken. Welch eine Unverschämtheit! Die haben auch noch meinen Namen eingraviert! Mein Verkaufsentschluß geriet zum ersten mal ins wanken!

Die Leica M-Modelle werden übrigens noch heute aus bis zu 3000 Einzelteilen von Hand montiert! Leica (Made in Germany) ist derzeit noch die einzige Kameramanufaktur auf der Welt. Am Tag werden max. 60 Gehäuse gefertigt. Die Qualitätskontrollen sind sehr hoch (jede einzelne wird geprüft)! Das Gehäuse ist aus Metall (Deckkappe und Boden aus Messing) silbern oder schwarz verchromt. Übrigens hat Leica ein Patent auf die schwarze Verchromung! Während bei anderen Kamerahersteller die schwarze Farbe brüchig wird oder verkratzt, sieht man an einem Leica Gehäuse kaum Gebrauchsspuren (kratzfester)! Umso überraschter war ich beim einlegen der Batterie, dass der Batteriedeckel nur aus Kunststoff ist!? Richtig interessant wird es beim ersten Versuch einen Film einzulegen. Hierzu habe ich gute 30 Minuten benötigt! Dies ist aber normal! Nach ein paar Filmen hat man den richtigen Bogen raus und hat den Film in 30-60sec erfolgreich eingelegt.
Besonders angenehm ist der extrem helle Sucher, wodurch über den Schnitt- und Mischbildentfernungsmesser die Entfernung exakt manuell fokusiert werden kann. Sehr hilfreich zur Ausschnittbestimmung ist hier auch der Leuchtrahmen. Hier noch die wichtigsten technischen Daten in einer Auflistung:

Kamera-Typ:
Kompakte Kleinbild-Messsucher-Systemkamera mit elektronisch gesteuertem Verschluss sowie zwei mechanisch gesteuerten Verschlusszeiten.

Objektive:
Leica M-Objektive von 21 – 135 mm.

Sucher:
Großer, heller Leuchtrahmen-Messsucher mit automatischem Parallaxen-Ausgleich. Okular: Abgestimmt auf -0,5 dptr (es gibt drei Suchervarianten, je nach bevorzugter Brennweite)

Belichtungsmessung:
Belichtungsmessung durch das Objektiv (TTL), selektiv bei Arbeitsblende. Mittenbetont-integrale TTL-Messung für Blitzbelichtung mit systemkonformen SCA-3000-Standard-Blitzgeräten

Filmempfindlichkeit:
Wahlweise automatische Einstellung für DX-kodierte Filme von ISO 25/15° bis ISO 5000/38° oder manuelle Einstellung von ISO 6/9° bis ISO 6400/39°. Durch zusätzliche Einstellung einer Belichtungskorrektur (±2 EV) sind insgesamt Filme mit Empfindlichkeiten von ISO 1,5/3° bis ISO 25000/45° verwendbar.

Belichtungs-Betriebsart:
Wahlweise automatische Steuerung der Verschlusszeit – mit entsprechender, digitaler Anzeige – bei manueller Blendenvorwahl (Zeitautomatik), oder manuelle Einstellung von Verschlusszeit und Blende und Abgleich mittels LED-Lichtwaage.

Verschluss
Gummituch-Schlitzverschluss mit horizontalem Ablauf; extrem geräuscharm. Elektronisch gesteuert, mit zwei mechanisch gesteuerten Verschlusszeiten 1/60 s und 1/125 s.

Verschlusszeiten
Bei Zeitautomatik (»AUTO«) stufenlos von 32 s – 1/1000 s. Bei manueller Einstellung 4 s –1/1000 s in ganzen Stufen, B für Langzeitaufnahmen beliebiger Dauer, (1/50 s) für Blitz-Synchronisation.

Auslöser
Dreistufig: Bestromung-Messwert-Speicherung (bei Zeitautomatik) –Auslösung. Genormtes Gewinde für Drahtauslöser integriert

Stromversorgung
2 Lithiumzellen, Typ DL 1/3 N

Objektive:
Elmarit-M 2,8/21mm asph.
Elmarit-M 2,8/24mm asph.
Summicron-M 2/28mm asph.
Elmarit-M 2,8/28mm
Tri-Elmar 4/25-35-50mm
Summilux-M 1,4/35mm asph.
Summicron-M 2/35mm asph.
Noctilux-M 1,0/50mm !!!!
Summilux-M 1,4/50mm
Summicron-M 2/50mm
Elmar-M 2,8/50mm versenkbar
Summilux-M 1,4/75mm
APO-Summicron-M 2/90mm asph.
Elmarit-M 2,8/90mm
MACRO-ELMAR-M 1:4/90 mm (nur mit Macro Adapter)
APO-Telyt-M 3,4/135mm

Zubehör:
Leica SF 20 (TTL-Blitz)
Motor M
Diverse Filter

Über das bestehende Zubehör, gibt es über den Gebrauchthandel interessante Ausbaumöglichkeiten. Über einen M39-Adapter können ältere oder Fremdobjektive verwendet werden. Hierbei ist allerdings Vorsicht geboten und eine Nachfrage beim Hersteller zu empfehlen, da es mit der Steuerkurve des Belichtungsmessers zu Abweichungen, d.h. Fehlbelichtungen kommen kann. Sehr interessant ist z.b. auch der Visoflex-Aufsatz. Mit diesem kann man die Kamera zur Spiegelreflex umrüsten. Aber hier sollte man sich erst über die technische Verwendbarkeit kund tun.

Die Kamera hat keinen Autofocus, ist keine Spiegelreflexkamera, es gibt keine so große Objektivauswahl, keine Programmautomatik, keinen eingebauten Motor, umständliches Film einlegen, nicht für Makroaufnahmen geeignet. Warum wird solch eine Sucherkamera überhaupt noch hergestellt?

Nachdem ich nun einige Filme mit Ihr belichtet habe bin ich begeistert und werde Sie nicht verkaufen! Die Vorteile gegenüber anderen Systemen haben mich überzeugt. Bei einem einwöchigen Wien-Urlaub habe ich von 20 – 36er Filmen die Hälfte mit der Leica aufgenommen! Warum?

Sie ist unauffälliger und handlicher (als eine Spiegelreflex)

Man kann mit Ihr mit längeren Belichtungszeiten noch verwacklungsfrei aus der Hand fotografieren (mit 50mm bis zu 1/8sec!!!). Bei jeder Spiegelreflex wird bei dieser Verschlusszeit durch den Spiegelschlag (=Erschütterung) die Aufnahme verwackelt.

Das Auslösegeräusch ist kaum zu hören (leichtes surren, kein lauter Spiegelschlag).

Die Objektive sind das beste was es gibt – extreme Schärfe und intensive Farbwiedergabe!

Die Verarbeitungsqualität und Präzision ist unerreicht. Eine Kamera fürs Leben!

Fazit:
Für manche Fotomotive ist die Leica M unschlagbar. Insbesondere bei der Reisefotografie und durch die hohen lichtstarken Objektive auch für die Konzert und Theaterfotografie. Aber auch für Portraits eignet sich diese Kamera hervorragend. Als größter Pferdefuß ist der hohe Anschaffungspreis. Es gibt zwar einen regen Gebrauchthandel (auch bei ebay). Gut erhaltene Stücke haben aber auch da noch ihren hohen Preis. Wenn man wirklich ein günstiges Angebot findet, ist das gute Stück meist im sehr abgenutzten Zustand. Wer aber eine Kamera fürs Leben sucht, wird sie mit einer Leica M finden.
Über Leica-M-Kameras gibt es eine zahlreiche Auswahl an Büchern. Ob über die aktuellen Modelle oder die Geschichte und die Vielzahl der gebauten Modelle. Eine weitere Informationsquelle bei Unklarheiten ist das Leica-Forum:
http://www.leica-camera.com/markt/forum/index.html
Was die optische Qualität angeht, ist es mit Sicherheit das beste was man bekommen kann! Für bestimmte Motive hat die Kamera Vorteile gegenüber anderen Systemen. Wer oft Makro, Sport oder Tierfotografie betreiben möchte, der sollte besser zu einer Spiegelreflex mit den passenden Spezialobjektiven greifen.
Ach ja, ein Gehäuse kostet 3.000€.
Die Objektive liegen bei 670-2.635€.
Handarbeit hat eben seinen Preis.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Charlespeter

Charlespeter

11.06.2004 15:09

Prima Bericht, aber das Filmeinlegen ist viel einfacher als hier geschildert. Einen Film in eine M-Leica einzulegen dauert nicht eine Minute sondern 15 Sekunden, wenn man weiß wie's geht.

turniwaldi

turniwaldi

16.04.2004 12:58

Salue et Bonjour, als alter M6 und R7 benutzer und Fan kann ich Deinen Ausführungen nur folgen, bleibt noch abzuwarten, ob die angekündigte DIGITALE Rückwand der M7 und auch R8/9 die Erwartungen erfüllt, wenn es wirklich klappt, dann hat Leica MEINE Eierlegendewollmilchsau erfunden und ich werde mich von meiner M6 trennen. Ach ja Neid kommt auf und herzlichen Glückwunsch zum gewonnenen Kontest und an Objektiven kann ich das 2.0/35 Asph; NUR Wärmstens empfehlen, wenn Du gebraucht an ein 2.8/135 MIT Lupe kommst, zu einem guten Kurs ( die Preise bei Ebay verfallen gerade zusehens für das 135'er ) dann solltest DU zuschlagen, so habe ich meine M6 ausgerüstet und als Urlaubskamera immer "ON BORD" mit delm ergebnis das ich nie genug Filme dabei habe Viele schöne motive und A& turniwaldi

manirat

manirat

28.03.2004 22:53

Wirklich ein schönes Stück - und das umsonst! Das Leica-Design ist wohl unerreicht und findet sich jetzt auch in der neuen Digi D2 wieder. Mein Tipp: Probier mal den "Agfa Color Ultra 100" aus, ich war begeistert. Dein Bericht hat die Faszination eines solchen Werkzeuges toll beschrieben.

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