Zurück zu den Wurzeln
01.11.2004
Pro:
Super - Verarbeitung
Kontra:
Super - Preis
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Bildqualität
Ausstattung
Bedienung
Verarbeitung
Akkulaufzeit
Zuverlässigkeit
mehr
 Summicron
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:36
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 47 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Mein erster Erfahrungsbericht bei Ciao soll von meinem liebsten fotografischen Werkzeug handeln. Die Fotografie ist das Hobby, das ich am längsten von allen ausübe, alles in allem wohl schon dreißig Jahre lang. Während all dieser Jahre habe ich alle möglichen Kameras besessen und die meisten davon wieder verkauft. Erst vor ein paar Jahren bin ich dann auf das System gestoßen, mit dem ich mich wohlfühle: seit ein paar Jahren fotografiere ich hauptsächlich mit M-Leicas. M7 allgemein ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ Die M7 ist die modernste Entwicklung der seit 50 Jahren bestehenden Modellreihe der Leica-Messsucherkameras. In diesem halben Jahrhundert gab es nur relativ wenige Modellwechsel von der M3 über die M2, M4, M5 und M6 bis zu den heutigen Modellen MP und eben der M7. Daneben gab und gibt es zahlreiche Seitenlinien des Leica-Stammbaums wie eine M4-P, eine M6TTL und weitere.
Alle M-Leicas hatten stets gemeinsam, dass es sich um mechanische Kameras handelt. Erst seit der M6 von 1984 gab es einen eingebauten Belichtungsmesser. Leicas waren vordergründig nie auf dem letzten Stand der Technik, sondern ausgelegt auf Beständigkeit und höchstmögliche Verarbeitungsqualität. Zeitautomatik ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ Die M7 ist die erste M-Leica, die so etwas unerhört Revolutionäres wie eine Zeitautomatik aufweist! Gar eine Ablesung der DX-Codierung (um automatisch die Filmempfindlichkeit zu erkennen) und einen elektronisch gesteuerten Verschluss. Entsprechend verstört reagierte die Leica-Gemeinde, als die M7 im Jahre 2001 das Licht der Welt erblickte. Weil nicht jeder Leica-Freund davon begeistert war, legte der Hersteller sehr bald die MP nach, und damit eine Kamera, die voll mechanisch funktioniert und außer für die Belichtungsmessung nicht einmal eine Batterie braucht.
Bedienung ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ Was braucht man, um ein Foto zu machen? Man regelt die Menge des Lichts, das auf den Film (und heutzutage ggf. auf den Chip digitaler Kameras) treffen soll, indem man die Dauer einstellt, also die Belichtungszeit, während der der Verschluss geöffnet wird. Ferner regelt man über die Blende, ob gleichzeitig viel oder wenig Licht durchgelassen wird. Außerdem beeinflusst man damit, wie groß der Bereich im Foto sein wird, der scharf abgebildet wird. Je kleiner die Blende (also je größer die Blendenzahl), desto mehr Schärfentiefe. Drittens und letztens muss man noch scharfstellen, also das Objektiv so einstellen, dass das gewünschte Motiv scharf abgebildet wird. Das ist es, mehr braucht man nicht. Um zu ermitteln, welche Zeit und welche Blende man einstellen sollte, benutzt man meist einen Belichtungsmesser, der entweder in die Kamera eingebaut ist (wie schon seit einiger Zeit fast immer üblich) oder den man unabhängig von der Kamera benutzen kann (ein Handbelichtungsmesser). Der Rest ist eine Mischung aus Erfahrung und Intuition.
Der Vorteil einer auf ihre wichtigsten Funktionen beschränkten Kamera wie einer M-Leica besteht darin, dass keine Kamerasoftware zwischen der Belichtungsmessung und dem Fotografen steht. Diese Software funktioniert eben so, wie ihr Autor es wollte, und keine solche Software ist in absolut jeder Lichtsituation in der Lage, die Intuition und Erfahrung eines Fotografen, der sein Werkzeug durchschaut, zu ersetzen. So etwas erfordert eine gehörige Einarbeitung und viel Lust, sich damit überhaupt zu beschäftigen. Aber wer diese Lust verspürt, findet in einer M-Leica das richtige Werkzeug, sie umzusetzen.
Die Leica M7 bietet, wie schon erwähnt, eine Zeitautomatik. Man kann also am Objektiv eine Blende einstellen und das Zeitenrad auf "AUTO" drehen, und schon regelt die Kamera die passende Zeit ein, um das Bild korrekt zu belichten. Man mache sich bewusst, dass man damit einen kleinen Teil der Kontrolle über das Bild aus der Hand gibt. Aber mit dieser Zeitautomatik ist man eben auch schneller, und manch ein Schnappschuss könnte nun gemacht werden, der ohne einen solchen Helfer nicht möglich wäre. Das große, griffige Zeitenrad lässt sich aber selbstverständlich auf jede mögliche Zeit manuell einstellen -- von der 1/1000 bis zu 4 Sekunden.
Ansonsten gibt es bei der M7 nichts einzustellen. Zum Einlegen des Films nimmt man den Bodendeckel ab und fädelt den Film in die aufnehmende Spule ein. Das wirkt zunächst umständlicher als bei anderen Kameras, geht aber nach einiger Übung schnell von der Hand. Das Bildzählwerk stellt sich automatisch auf 0. Wenn der Film voll ist (oder wenn man will, auch vorher), legt man den kleinen mit "R" gekennzeichneten Hebel auf der Vorderseite um und kurbelt ihn zurück in die Patrone. Der Messsucher ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ Der Sucher der M-Leica gibt ihr ihren Namen, denn es handelt sich um einen Messsucher. Man blickt durch ein extrem aufwändiges System aus Linsen, Spiegeln und Prismen. Auf das eigentliche Sucherbild, das dem Bild in jeder kompakten Billigkamera ähnelt, wird über dieses raffinierte System ein zusätzliches Bild projeziert. Beide Bilder decken sich genau dann, wenn das Objektiv scharfgestellt ist. Man sieht im Sucher stets das gleiche gesamte Sucherbild, unabhängig davon, welches Objektiv angesetzt ist. Ein Leuchtrahmen zeigt den aktuellen Bildausschnitt des Objektivs an. Man kann jedoch mit einem Hebel auf der Gehäusevorderseite auch andere Leuchtrahmen anzeigen lassen.
Suchervarianten ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ Man kann unter drei Suchermodellen wählen, die eine 0,58fache, eine 0,72fache und eine 0,85fache Vergrößerung aufweisen. Das Modell mit dem 0,58fach-Sucher eignet sich am besten für Fotografen, die gern mit Weitwinkelobjektiven arbeiten. Dieser Sucher zeigt das Bildfeld eines 28-mm-Objektivs und Leuchtrahmen für 35, 50, 75 und 90 mm. Der 0,85fach-Sucher ist eher für Freunde des Teleobjektivs interessant und zeigt Leuchtrahmen für ab 35 mm und zusätzlich für ein 135-mm-Objektiv. Der 0,72fach-Sucher ist der gelungene Kompromiss. Für Fotografen, die den Sucher einer Spiegelreflexkamera gewohnt sind und damit die Anzeige des Motivs in genau der Größe, wie es später auf dem Bild erscheint, ist das zunächst ungewohnt. Man gewöhnt sich aber auch daran sehr schnell, denn der Leica-Sucher ist enorm hell (weil nicht von der Lichtstärke eines Objektivs abhängig), und es lässt sich damit sehr präzise scharfstellen, viel besser als mit einem Spiegelreflex-System.
Objektive ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ Das wichtigste Qualitätsmerkmal jedes fotografischen Systems sind die Objektive. Leica bietet hier hervorragende Optiken mit Brennweiten von 21 bis 135 mm, also vom kräftigen Weitwinkel bis zum leichten Tele. Objektive unter 28 mm Brennweite benötigen einen Sucher, der in den Zubehörschuh gesteckt wird, um damit den Bildausschnitt zu wählen. Diese Objektive gehören zum Besten, was im Kamerabau hergestellt wurde. Sie sind durchweg knackscharf, kontrastreich und verzeichnungsfrei. In letzter Zeit sind Objektive von Fremdherstellern hinzugekommen, etwa von Voigtländer, die zum Teil mit einem Adapter an die Leica gesetzt werden, die aber ebenfalls gute Qualität zu günstigeren Preisen bieten. Die klassische Leica-M-Ausrüstung besteht aus einem Gehäuse mit einem 35er und einem 90er Objektiv. Wer eine solche Ausrüstung mit den lichtstärksten Varianten der Objektive neu kaufen will, muss rund 8000 Euro auf den Ladentisch legen. Relativ günstig ist das Einsteigerset, das Leica zurzeit (Ende 2004) anbietet. Eine M7 mit einem Summicron 2,0/50mm Objektiv kostet im Set 3800 Euro, das Gehäuse einzeln hat eine Preisempfehlung von 3150 Euro.
Geschockt durch den Preis? Alternativen ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ Natürlich gibt es nur wenige, die mal eben so einen solchen Haufen Geld für eine kamera ausgeben können und wollen. Und natürlich konnte ich das auch nicht auf Anhieb tun. Zum Glück ist das Angebot an gebrauchten Leicas riesig. Man kann heute durchaus auch eine 50 Jahre alte M3 kaufen, die einer neuen MP nur wenig nachsteht. Natürlich sollte man sie beim Fachhändler kaufen oder so billig, dass bei Bedarf eine Überholung im Leica-Werk drin ist. Anfällig sind mitunter das Verschlusstuch und der Entfernungsmesser im Messsucher. Mit Glück lässt sich für unter 1000 Euro eine schöne, funktionierende Leica kaufen.
Für den Anfang tut's dann meist ein recht einfaches 2,8/50mm Elmar (so heißt das Objektiv). Es steht seinen viel teureren Verwandten kaum nach, ist versenkbar (also durch eine kleinen Dreh zusammenschiebbar) und sieht an einer alten Leica auch noch stilecht aus. Und wie ist es so, damit zu arbeiten? ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ Objektive Maßstäbe darf man vielleicht nicht anlegen, wenn man sich über Leicas unterhält. Schließlich fällt es schwer, die sehr hohen Preise in Relation zu den Fotos zu sehen, die man damit machen kann. Es ist ja auch eine sehr subjektive Angelegenheit, die richtige Kamera zu finden, mit der man sich wohl fühlt. Die meisten werden heute sowieso eher zu digitalen Kameras tendieren. (An dieser Stelle darf der Hinweis auf die digitale M-Leica nicht fehlen, die in zwei Jahren kommen soll.)
Für mich bedeutet meine M-Leica, meinen Stil gefunden zu haben. Mit ihr kann ich ganz nah rangehen ans Motiv, an Menschen. Kaum jemand nimmt so eine Kamera wirklich ernst -- vermutlich, weil sie nicht aussieht wie diese tollen Super-duper-Profi-Boliden, die man im Fernsehen bei der Bundespressekonferenz sieht. Sie ist sehr, sehr leise, so dass kaum jemand mitkriegt, dass ich auf den Auslöser gedrückt habe. Technisch habe ich alles im Griff bei meiner Leica (so viel gibt's da ja auch nicht, was mich verwirren könnte). Ich kann nach gut zwei Jahren gut einschätzen, wie ich die Ergebnisse ihrer Belichtungsmessung deuten muss. Sowohl auf Dia- als auch auf Negativmaterial gelingen mir mit meiner M7 und meinem Lieblingsobjektiv, dem 50er Summicron, Fotos, die ich für außergewöhnlich scharf und kontrastreich halte, verglichen mit Fotos meiner anderen Kameras.
Ich fotografiere längst auch digital und genieße es durchaus oft, damit schnelle und unbeschwerte "Wegwerffotografie" zu betreiben. Wenn es mir auf Qualität, auf bewusstes Auseinandersetzen mit Motiv und Licht ankommt, nehme ich lieber die Leica zur Hand und mache damit Fotos, die ich auch gern mal anderen zeige. Eine M-Leica ist sicherlich nicht für jeden die richtige Kamera, dafür sind die Anforderungen und Wünsche an eine Kamera zu unterschiedlich. Aber sie ist ein wunderbar verarbeitetes Stück Kamerageschichte mit einer gehörigen Portion Anziehungskraft auf Typen wie mich.
(c) Summicron 2004
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01.05.2006 22:41
Guter Bericht, habe selbst eine M6 und eine M4-P. Was meiner Ansicht nach fehlt ist der Hinweis, daß es sich bei der von Ciao abgebildeten Kamera nicht um eine Leica handelt. Gruß, Arne
29.12.2005 10:50
Ja, es gibt sie noch, die analogen Fotografen. Momentan hat analog immer noch eine Reihe von Vorteilen aufzuweisen, wenn ich nur an die Bildqualität der Beamer denke. Übrigens hatte die seltenere M5 von 1971 auch schon Innenmessung.
07.11.2004 16:08
Toller Bericht, wirklich! Ich hoffe, Du verfluchst mich nicht, wenn ich jetzt zugebe, dass ich meine analoge Ausrüstung (siehe auch Bericht zu meiner SLR) verkauft habe. Inzwischen bereue ich es etwas, aber andererseits habe ich ja noch andere Hobbys. Hoffentlich liest man sich mal wieder, ich aktiviere mal mein CIS.